Langzeiteinnahme Azathioprin

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
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fratzi
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Langzeiteinnahme Azathioprin

Beitrag von fratzi »

Hallo zusammen,

ich nehme seit ca. 5-6 Jahren Azathioprin (150mg, 85kg, 185cm, 35 Jahre alt, männlich) und bin seitdem eigentlich schubfrei. Die CU ist 8 Jahre alt. Öfters habe ich mal ein Stechen und ggf. Krämpfe, ganz ganz selten Durchfall. In der letzten Darmspiegelung vor 6 Monaten hat man keinen sichtbaren Befund machen können, auch keine Vernarbungen entdeckt. Nur im Labor konnte man die CU nachweisen.
Vor der Einnahme mit Aza hatte ich immer wieder Rückfälle, die nur mit Cortison in den Griff zu bekommen waren.

Zusätzlich nehme ich noch Mezavant 2400mg. Blutbildkontrolle einmal im Quartal.

Ich habe schon probiert mich schlau zumachen, finde aber nichts zur Langzeiteinnahme von Aza. Ist es überhaupt ratsam solange Aza einzunehmen? Ich mach mir natürlich sorgen über Langzeitnebenwirkungen. Weiß hier jemand bescheid?

Danke und bleibt Gesund!

Afrilex
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Re: Langzeiteinnahme Azathioprin

Beitrag von Afrilex »

Hallo fratzi,

da häng ich mich sehr gerne dran. Ich beginne gerade mit einer Aza-Langzeittherapie. Ich soll ab nächster Wocje 200 mg Aza nehmen. Schleiche gerade ein und bin aktuell bei 150 mg. Ich bin 50 Jahre alt 178 cm groß und wiege 77kg. Aktuell bin ich auch noch bei 10 mg Prednisolon, welches ich über die nächsten 3 Wochen noch ausschleiche und dann absetze. Danach Aza und Messlazin Micropellets 3 mg am Tag.

Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Solange ich unter Kortison stehe bin ich absolut beschwerdefrei. Bisher war es aber so, dass nach dem Kortison die CU sofort wieder da war. Bin neugierig, wie das jetzt mit dem Aza wird.

Wünsch dir alles gute! Viele Grüße
Afilex

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neptun
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Re: Langzeiteinnahme Azathioprin

Beitrag von neptun »

Hallo Fratzi,

Deine Bedenken kann ich gut verstehen, ist Aza doch blutbildverändernd, macht sonnenempfindlich, erhöht die Gefahr für Lymphome und Hautkrebs.

Vor längerer Zeit wurde propagiert, man solle Aza über min. 4 Jahre nehmen mit dem Gedanken, bis dahin würde sich das Immunsystem umgestellt haben. Was nach meiner Meinung eigentlich voraussetzt, die CED wären Autoimmunerkrankungen. Was man eigentlich verworfen hat, weil man nun eine Barrierestörung und ein gestörtes Mikrobiom ins Auge gefaßt hat. Eine Theorie, die keine Frage nach den tatsächlichen Verläufen der CED beantwortet und die ich zumindest als nicht zutreffend bewerte.

Nun gibt es Betroffene, die haben Aza noch länger genommen, aber auch nicht jeder Raucher bekommt Lungenkrebs.

Leider wird von den Ärzten bei der Empfehlung und Verschreibung von Immunsuppressiva und Biologicals nie kommuniziert, unter welchen Voraussetzungen und wann man ein Medikament dieser Kategorien auch mal wieder absetzt.

Ausschleichen bei Aza ist keine richtige Option, weil es sowieso nach dem Absetzen noch nachwirkt aufgrund seiner Verringerung der B- und T-Zellen, also bestimmten Leukozyten.

Wie immer bei allen Medikamenten und auch deren möglichen Nebenwirkungen, man kann es nur ausprobieren. Sämtliche Hinweise aus der Fachliteratur sind immer nur statistischer Art und kann daher auf ein Individuum nicht bezogen werden.

Und letztlich bestimmt nur der Körper, ob er das Bestreben nach Entzündung aufgegeben hat, oder ob Medikamente ihm weiterhin helfen müssen, die Entzündung zu unterdrücken, damit sie nicht aus dem Ruder läuft.
Schließlich weiß man nicht, warum der Körper Entzündung macht und warum zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das gilt aber auch für die Remission. Medikamente heilen nicht, sie unterdrücken.

LG Neptun

fratzi
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Re: Langzeiteinnahme Azathioprin

Beitrag von fratzi »

Hi Neptun,

Danke für deinen sehr ausführlichen Beitrag!

Da im Labor die CU nachweisbar ist, bin ich streng genommen in keiner klinischen Remission. Somit könnte man davon ausgehen, dass die Entzündung wieder ausbrechen würde beim Absetzten der Medikamente.

Vielleicht liest jemand diesen Thread und kann von seinen Erfahrungen hierzu berichten.

LG

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Gambit
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Re: Langzeiteinnahme Azathioprin

Beitrag von Gambit »

neptun hat geschrieben:
Mi 25. Mär 2020, 22:30
erhöht die Gefahr für Lymphome
Ich hab inzwischen eins. Hab Aza auch mehr als 10 Jahre genommen. Ob der Krebs jetzt davon kommt, lässt sich aber warscheinlich kaum nachweisen.
"Time for ol' Remy to teach some bad folk a lesson."

C4Berlin
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Re: Langzeiteinnahme Azathioprin

Beitrag von C4Berlin »

Ich habe AZA 7 Jahre genommen. Es half recht gut gegen den Crohn.
Nachdem ich dann 2017 Dünndarmkrebs hatte, wurde das schnell abgesetzt. Dass das AZA dafür verantwortlich sein könnte - wer weiß das schon.
Jedenfalls war das AZA nach der Krebsdiagnose sofort abgesetzt und wurde auch nicht mehr verordnet.

Gruß

Micha

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