Nachteilsausgleich Studium

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Nachteilsausgleich Studium

Beitragvon Trüffel » Mo 22. Jul 2019, 16:19

Hallo ihr Lieben,

im Herbst werde ich mich an die Uni wagen und ein Studium aufnehmen. Vorab habe ich mich schon einmal mit dem Behindertenbeauftragten in Verbindung gesetzt, der mir geraten hat, einen Antrag auf Nachteilsausgleich zu stellen.
Derzeit bin ich noch am Suchen, was ich da alles beachten muss und was der erstmal sehr weite Begriff "Nachteilsausgleich" eigentlich bedeutet.
Ich habe eine Schwerbehinderung mit GdB 60 und bin spätestens alle 4 Wochen einen Tag beim Facharzt (wenn alles gut ist; wenn ich Pech habe, bin ich weitaus öfter beim Arzt). Da manche Dozenten in Seminaren extrem pingelig sind bzgl. Anwesenheitspflicht und Studenten teilweise mit einem einzigen Fehltag während des gesamten Kurses nicht mehr zur Prüfung zugelassen werden, habe ich natürlich Sorge, dass mir genau das passieren kann. Ich fehle ja nicht freiwillig, sondern weil mein Körper nicht kann, ich Infusionen brauche, Kontrolltermine und andere Untersuchungen anstehen und Arzttermine nehmen muss, wie ich sie krieg, d.h. ich nicht sagen kann "am Donnerstag ist mein Uni-freier Tag, da lege ich alle Arzttermine hin"... Je nachdem wie die Termine fallen, was meine blöde CED macht und was sich mein Körper noch so alles einfallen lässt, kann es also sein, dass ich in dem ein oder anderen Kurs fehlen werde.

Wenn ich den Nachteilsausgleich beantrage, ist mir wichtig, eine Befreiung der Präsenzpflicht zu bekommen.
Wissen die Dozenten zu Beginn des Semesters Bescheid oder muss ich zu jedem einzelnen hingehen und es ihnen mitteilen? Soll ich ihnen von der chron. Erkrankung erzählen?
Ich habe mit meinem Psychologen darüber gesprochen und der meinte, dass ich das Semester beginnen lassen und den Dozenten erst dann was sagen soll, wenn der erste Fehltag da ist. Ich finde das eigentlich ganz vernünftig, weil ich ja nicht weiß, in welchem Kurs ich wie oft fehlen werde, und ich will auch nicht, dass der Eindruck entsteht, ich würde meine Krankheit vorschieben und "einfach so blau machen". - Mir ist klar, dass es da wahrscheinlich zig Meinungen darüber gibt (genauso wie die Frage, was man dem AG erzählt und was nicht usw.).

LG Trüffel
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Re: Nachteilsausgleich Studium

Beitragvon Winterlicht » Di 23. Jul 2019, 16:45

Ich arbeite als wiss. Mitarbeiterin an einer Uni und kann dir vielleicht etwas weiterhelfen, auch wenn sich meine Einstellung möglicherweise nicht auf alle anderen generalisieren lässt. Bei uns bedeutet Nachteilsausgleich i.d.R. nur, dass du mehr Zeit bei Klausuren hast, was für dich wahrscheinlich gar nicht so relevant ist.

Deine Krankheit würde ich auch erst dann ansprechen, wenn sie ein Problem wird (oder du im Schub bist). Dann kommt es vmtl. stark auf den Dozenten an, wie er damit umgeht. Ich erlaube meinen Studierenden immer zwei Fehltermine ohne Begründung und verlange danach Atteste; wenn du aber aufgrund der Krankheit >50% des Seminars verpassen würdest, würde ich vermutlich mit dir diskutieren, ob du trotzdem noch sicherstellen kannst, die Stoffziele selbstständig zu erarbeiten oder du das Seminar wiederholen musst. Das kommt aber eben auch stark auf die Lehrveranstaltung an... In Vorlesungen sind Abwesenheitszeiten absolut unproblematisch, da gilt quasi keine Anwesenheitspflicht.
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Re: Nachteilsausgleich Studium

Beitragvon Kaja » Di 23. Jul 2019, 19:25

Hallo Trüffel,

mit einem GdB von 60 hast Du schon mal den Vollbeweis.

Wie es sich im Studium direkt nach den Regularien auswirkt kann ich Dir nicht sagen, aber lies z. B.
mal hier:

https://www.studentenwerke.de/de/conten ... 3%BCfungen

https://www.studentenwerke.de/de/conten ... -nachweise

"Eingeschlossen sind jeweils auch chronische Krankheiten mit episodischem Verlauf, also beispielsweise Rheuma, Epilepsie, Multiple Sklerose oder Allergien."

Hier kannst Du im Grunde auch alles auf Deine CED erweitern.

https://www.barrierefrei.tu-berlin.de/m ... sausgleich

https://www.studierenplus.de/nachteilsausgleich/

Es gibt von den Universitäten, Fachhochschulen im WWW sehr viele Hinweise.

Was halt insgesamt eine wichtiger Faktor ist: Der Antrag!!! Im Vorfeld und nicht erst im Schub oder während der AU.

Viele Grüße

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Re: Nachteilsausgleich Studium

Beitragvon Trüffel » Mi 24. Jul 2019, 16:26

Danke euch beiden für eure Antworten!

@Winterlicht: Genau, eine Schreibzeitverlängerung bei Klausuren brauche ich eigentlich ja nicht, sondern eher eine Lockerung der Präsenzpflichten in Seminaren.
Ich hoffe, dass ich dadurch keine Probleme mit der Zulassung für Prüfungen bekomme, denn was ich bisher so mitbekommen habe, verweigern manche Dozenten ab 1 oder 2 Fehltage bereits den Antritt zur Prüfung. Sollte ich dann 3 Fehltage haben, wäre damit der gesamte Seminaraufwand während des Semesters für mich umsonst gewesen.
Mir ist bewusst, dass das Erarbeiten des Seminarinhalts und das Erreichen der Seminarziele sichergestellt sein muss und bei zu häufiger/langer Abwesenheit, KH-Aufenthalte o.ä. es besser ist, das Seminar zu wiederholen oder ein "Urlaubssemester" wegen Krankheit zu beantragen.
Vielen Dank für deine Einschätzung und dein Feedback aus persönlicher Erfahrung!

@Kaja: Danke für die Links; habe mich fürs Erste mal eingelesen und schon einige wichtige Informationen entnehmen können.

Ich habe noch einen Termin zu einem persönlichen Gespräch in der Studienberatung vereinbart, sodass ich dann hoffentlich noch die letzten Fragen klären kann.

Viele Grüße
Trüffel
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Re: Nachteilsausgleich Studium

Beitragvon Carmen » Mi 24. Jul 2019, 21:56

Ich würde dies auch im Vorfeld klären. Vielleicht gibt bereits die Prüfungsordnung die Regel vor, dass man nur eine bestimmte Zeit fehlen darf. Darüber kann sich der Dozent dann auch nicht ohne Weiteres hinwegsetzen. Sinnvoll ist es auch, mit der Schwerbehindertenvertretung in Kontakt zu treten. Da jeder Studiengang seine eigenen Formalien hat und viel vom Einzelfall abhängen wird, kann die Person da sicher keine konkrete Auskunft geben, Dich aber auf dem Weg begleiten und beraten. Sollte überhaupt keine Lösung gefunden werde können (was ich nicht glaube), kommt vielleicht ein Fernstudium in Betracht.

Viele Grüße
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Re: Nachteilsausgleich Studium

Beitragvon Trüffel » Fr 18. Okt 2019, 21:39

Einen Nachteilsausgleich habe ich inzwischen beantragt - und warte auf Rückmeldung vom Prüfungsamt.
Mit den meisten Dozenten habe ich bereits sprechen können, was Sache ist; und bisher gab es keine Probleme, ganz im Gegenteil. Es ist nicht schlimm, wenn ich fehle oder erst später in die Kurse komme. Und wenn ich zusätzliche Hilfe brauche, soll ich mich einfach melden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich auf so viel Verständnis stoße; jetzt bin ich gespannt, wie es sich im Semester weiter entwickelt...

Es war auf jeden Fall sinnvoll, dass ich vorher in die Studienberatung für Studierende mit "Handicap" gegangen bin, weil ich dort auch nochmal Tipps bekommen habe, was für mich infrage kommt bzw. sinnvoll ist und worauf ich achten soll beim Stellen des Antrags etc.
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