Welche Symptome außer Durchfall gibt es???

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Welche Symptome außer Durchfall gibt es???

Beitragvon Maria_40 » Fr 12. Jul 2019, 19:35

Liebe Forenmitglieder,

ich möchte gerne mal wissen, welche Symptome außer dem "klassischen" Durchfall eigentlich relativ gesichert auf die CU zurückgeführt werden können?

Meine Diagnose CU stammt von 2012. Seitdem hatte ich nach meiner Erinnerung NIE häufig oder über längere Zeit Durchfall. Trotzdem gibt es Zeiten, in denen ich allerlei Beschwerden und Zipperlein habe, mich äußerst erschöpft fühle usw.

Bereits 3 verschiedene Ärzte antworteten mir auf die Frage, woran ich einen Krankheitsschub erkenne, dass ich das schon merken werde, dann würde ich schlimmen, blutigen Durchfall bekommen.

Wenn ich hier so quer lese, kommt es mir aber so vor, als wäre das nicht die einzige "Variante" dieser Krankheit ... oder?!?

Natürlich bin ich sehr froh, dass ich nicht unter diesen schlimmen Durchfällen leide. Aber ich sorge mich ein wenig, dass die Krankheit quasi unbemerkt voranschreiten könnte, weil ich sie - mangels Symptomen - ja all die Jahre auch nicht medikamentös behandelt habe.

Vielen Dank für ein wenig Aufklärung von erfahrenen Patienten.
Maria_40
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Re: Welche Symptome außer Durchfall gibt es???

Beitragvon neptun » Fr 12. Jul 2019, 20:33

Hallo Maria,

hast Du eine Proktitis, also eine Entzündung im Rektum von 5cm-16cm, dann dürfte regelhaft Blut am Stuhl zu den Symptomen gehören. Es wird hellrot sein und dünnflüssig. Der Stuhl bleibt fest, normal. Steigt die Entzündung ins Sigma oder darüber hinaus, das Blut von dort ist dunkler rot und zieht Fäden. Der Stuhl wird weich sein, weil im absteigenden Dickdarm der Stuhl am meisten entwässert wird und diese Fähigkeit ist dann eingeschränkt.

Steigt die Entzündungsaktivität, es wird mehr Stühle geben, dazu dann Tenesmen, also Schmerzen kurz vor dem Stuhlgang, die dann aber danach sofort verschwinden. Dadurch mag die Vorwarnzeit kürzer werden, man muß dann zur Toilette. Tenesmen können bei starker Entzündung sehr schmerzhaft werden. Manche bekommen Gänsehaut, anderen wird schwarz vor Augen. Dazu gibt es als Folge dann den imperativen Stuhldrang. Man hat also eine immer kürzer werdende Vorwarnzeit, die beim imperativen Stuhldrang ca. 10 Sekunden beträgt. Man kann den Stuhl willkürlich also gar nicht mehr halten.
Nächste Stufe ist dann auch, es kommen nur noch Blutpropfen raus. Die Schmerzen aber wie beim Stuhl. Man ißt kaum noch etwas, um die Stuhlfrequenz möglichst niedrig zu halten. Funktioniert aber nicht recht. Man bekommt Fieber, ist also ab da wirklich krank, liegt im Bett.
So kenne ich es. Wobei sich mit schweren Schüben bei mir eine Linksseitencolitis entwickelte. In einem Schub ging die Entzündung bis über die rechte Flexur.
In schweren Schüben war ich über Wochen, sogar Monate AU.

Das allgemeine Befinden war da bescheiden, bis dann das Prednisolon wirkte.
Dazu kannst Du in diesem Thread meine Schilderung lesen und auch zur Einnahme und zum Ausschleichen von Cortison.
http://forum.dccv.de/viewtopic.php?f=3&t=181

Ich kenne aber auch Phasen aus meinem chronisch aktiven Verlauf, wo dann nur bräunliches Wasser im Schwall aus dem Darm kam. Eine Erklärung habe ich nicht. Ansonsten gab es weichen Stuhlgang.

Entzündungsgeschehen und Beschwerden korrelieren nicht unbedingt. So gibt es die Erkenntnis, daß man sich mit wenig Entzündungsgeschehen (Labor, Endoskopie) recht schlecht fühlen, Schmerzen haben kann und ein anderer mit nachweislich viel Entzün-dungsaktivität sich recht beschwerdefrei fühlt. Zum Körperempfinden kommt sicher noch das eigene Körperbewußtsein, wie man mit der CED und der Entzündung umgeht. Einige werden wuschig, andere sogar panisch, wenn sie etwas Blut beim Stuhlgang bemerken.

Nach Berichten aus dem Forum haben Betroffene auch viel Blutverlust bei nicht extremer Entzündung, daraus auch Anämie. Das hatte ich nie.

LG Neptun
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