Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idiot?

Erwerbsleben mit einer CED? Hier der Austausch von Betroffenen darüber. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
Michael8000
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Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idiot?

Beitrag von Michael8000 »

Hallo zusammen,
immer wieder höre ich, dass Erkrankte mit mehr als 3 Stuhlgängen pro Tag (10-15x) zur Arbeit gehen.
Wie soll der Körper zurück in die Remission kommen, wenn man krank zur Arbeit geht.
Das kann doch nur eine Verschlimmerung bedeuten, d.h. erst Mesalazin, dann Cortison, dann Immunsuppressiva, dann Stoma.
Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben, denn die Gesundheit steht an zweiter (oder doch erster?) Stelle, sonst droht Kündigung wegen Krankheit, dann Hartz4.

Trüffel
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von Trüffel »

Hallo ;)
Ich finde deine Aussage recht drastisch geschildert, in gewisser Weise vllt etwas überspitzt dargestellt, aber durchaus berechtigt und insofern sinnvoll, da es zum Nachdenken anregt, wie man Gesundheit/Krankheit und Arbeitsleben vereinbaren kann/will und unter welchen Aspekten man seine Prioritäten evtl. ändert.
Ich möchte dem ein paar grundsätzliche Gedanken hinzufügen:
- Arbeiten zu gehen, wenngleich man CED-Beschwerden wie 15 Toilettengänge am Tag hat, bedeutet nicht automatisch gleich eine unumkehrbare Katastrophe, die in Hammer-Medikamenten und Stoma endet;
Ich finde aber, dass man sich dessen bewusst sein sollte, was man seinem Körper zumuten kann/will und was nicht.
- Du schreibst von Kündigung wg. Krankheit... Nun ja, da eine CED chronisch ist und die Beschwerden nicht zwingend binnen kurzer Zeit abklingen und es teils Wochen/Monate dauert (oder länger), bis Medikamente wirken etc., würde man u.U. ziemlich lange daheim sein, ins Krankengeld rutschen usw.; auch nicht unbedingt so förderlich für das allgemeine Wohlbefinden...
- Stress ist für Gesunde wie für Kranke nichts... für manchen kann Arbeit aber durchaus eine Ablenkung sein, durch die man auf andere Gedanken gebracht wird und sich nicht komplett aufs Kranksein versteift
- natürlich hängt das auch von der Tätigkeit ab; Arbeitszeit(en)/-ort, Arbeitsplatz, Kollegen etc.

FAZIT: Hier ließen sich sicherlich noch zahlreiche Gründe Pro und Contra anführen, aber ich will es mal dabei belassen. Manch einer geht trotz zahlreichen Toilettengängen arbeiten, manch einer bleibt daheim; keinem von ihnen mache ich einen Vorwurf - jeder muss für sich selbst entscheiden.
Ich kann an jeden nur appellieren, auf die Signale des eigenen Körpers zu achten und sich dementsprechend zu verhalten.

In diesem Sinne viele Grüße
Trüffel
Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind;
wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Michael8000
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von Michael8000 »

Ja, war wie immer etwas provakant ausgedrückt.

:arrow: "- Arbeiten zu gehen, wenngleich man CED-Beschwerden wie 15 Toilettengänge am Tag hat, bedeutet nicht automatisch gleich eine unumkehrbare Katastrophe, die in Hammer-Medikamenten und Stoma endet;"

Woher weiß der Betroffene, dass es nicht schlimmer wird? Sind MC/CU Erkrankte die einzigen, die die Zukunft kennen? Wer so ein Risiko eingeht, handelt für sich unverantwortlich.

:arrow: ...würde man u.U. ziemlich lange daheim sein, ins Krankengeld rutschen usw.; auch nicht unbedingt so förderlich für das allgemeine Wohlbefinden..."
:arrow: für manchen kann Arbeit aber durchaus eine Ablenkung sein, durch die man auf andere Gedanken gebracht wird und sich nicht komplett aufs Kranksein versteift..."

Wenn MC/CU Erkrankte gesünder werden, wenn sie zur Arbeit gehen, ist es eine psychische Erkrankung. Ein Gastroenterologe/Verdauungsklinik kann hier überhaupt nicht helfen. Bitte dann in die Psychiatrie.
Im Moment fällt mir keine andere Krankheit (Herz/Niere...?) ein, bei der die Arbeit die Krankheit unterdrückt. In dem Fall kann ich MC/CU Erkrankte nicht ernst nehmen.
Wer krank ist, bleibt zu Hause. Wer zu Hause kränker wird, hat ein psychisches Problem bzw. häusliches Problem. Ab zum Psychologen.
Wenn Krankengeld das Wohlbefinden nicht steigert, dann ab zum Psychologen.
Das alles sollte man dem Hausarzt und der Krankenkasse mitteilen, um die zusätzliche Therapie mit dem Psychologen zu erklären.
Wenn der Grundcharakter des Erkrankten jedoch so verfestigt ist, dann kann auch ein Psychologe nicht mehr helfen.

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neptun
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von neptun »

Hallo Michael,

hast Du Deine Erkenntnisse aus eigenem Erleben?
Was ist Deine Intention für diese Beiträge, von denen ich mich frage, wem sollen die nützen?

LG Neptun

Frodo
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von Frodo »

Trüffel hat geschrieben: - Stress ist für Gesunde wie für Kranke nichts... für manchen kann Arbeit aber durchaus eine Ablenkung sein, durch die man auf andere Gedanken gebracht wird und sich nicht komplett aufs Kranksein versteift
Trüffel
Hallo zusammen,
ich kann mich Trüffel hier nur anschließen und halte nichts von deiner Aussage, dass man dann automatisch ein psychisches Problem hat...
Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass ich auf der Arbeit abgelenkt bin und dadurch weniger aufs Klo muss. Mir macht meine Arbeit aber auch super viel Spaß und wenn ich die Wahl hätte zu Hause zu bleiben oder Arbeiten zu gehen, würde ich immer Arbeiten gehen.
Natürlich ist irgendwo auch die Grenze bei der Anzahl an Toilettengängen, aber ich würde das nicht so drastisch formulieren.

Aber vielleicht hast du ja andere Erfahrungen gemacht? :?

Viele Grüße!

Michael8000
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von Michael8000 »

neptun hat geschrieben:Hallo Michael,

hast Du Deine Erkenntnisse aus eigenem Erleben?
Was ist Deine Intention für diese Beiträge, von denen ich mich frage, wem sollen die nützen?

LG Neptun
Die Erkenntnisse stammen aus Gesprächen mit anderen Erkrankten.

Wem nützt dieser Beitrag?
Familie, Arbeitskollegen, Ärzte und dem Erkrankten und der Berufsgenossenschaft und am Ende sogar dem Arbeitsgericht.

Wer faktisch krank zur Arbeit geht, gefährdet unter Umständen andere Arbeitskollegen (Montagetätigkeiten).
Man ist definitiv nicht leistungsfähiger, wenn man ständig zur Toilette rennt (mit vorausgehenden Druckgefühl).

Man ist kein Held, wenn man krank zur Arbeit geht.
Man gibt dem Druck nach und unterwirft sich dem Familien- und Arbeitsdruck.

Headway
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von Headway »

Ja wer krank ist UND sich eingeschränkt fühlt, sollte nicht zur Arbeit gehen. Wenn man aber mit den 10 Stuhlgängen klarkommt, solche Leute gibt es auch, dann darf man meiner Meinung nach auch zur Arbeit gehen. Das sollte der AN teilweise schon noch selbst entscheiden können, ob er zu Hause die Wand anstarrt oder zur Arbeit geht und mit Kollegen interagiert. Man muss häufiger zur Toilette, wenn sonst nichts ist, dann spricht nichts dagegen, wenn man Arbeiten geht.

Ich habe zusätzlich eine PTBS. Würde ich nach deinem Leitsatz leben, dann wäre ich nicht arbeitsfähig. Bin ich aber, laut psychologischen Gutachten und das ist auch gut so. Arbeit kann auch psychische Vorteile mit sich bringen. Und ich bin verdammt gut in meinem Job, auch wenn ich mal auf dem WC verschwinde. Wäre es schlimmer, würde ich je nach Allgemeinzustand zu Hause bleiben.

Hätte ich 10 bis 15 Stuhlgänge am Tag, zu Hause jedoch keine soziale Interaktion (soll es geben), könnte durch das hohe Stuhlaufkommen eh keinen Sport machen und hätte nur Internet und Haushalt, dann würde ich mich übrigens immer für die Arbeit entscheiden. Slipeinlage rein und los geht es.

(körperlich anstrengende Arbeiten wie Bauarbeiten, etc. müssen individuell bewertet werden, ich arbeite in einer Firma, habe Montageaufträge, aber auch teilweise Büroarbeiten)

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Susanne
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von Susanne »

Hallo Michael8000,

ich verstehe die Absicht hinter deinem Beitrag auch nicht. Plädierst du dafür, nicht krank zur Arbeit zu gehen? Und dass Menschen, die dies trotzdem tun, eigentlich eher psychische Probleme haben? Erstmal glaube ich, dass wir alle aus einem Zusammenspiel zwischen Physis und Psyche bestehen. Daher ist es schwer bis unmöglich, Beides ständig von einander zu trennen. Oftmals gibt es auch Wechselwirkungen, die uns vielleicht auf den ersten Blick gar nicht auffallen. Ein Abgrenzen bzw. das Beschränken auf entweder - oder ist daher aus meiner Sicht nicht möglich. Aber vielleicht habe ich dich da auch falsch verstanden.

Dann störe ich mich ein bisschen an der pauschalen Einteilung + 3 Toilettengänge pro Tag. Wenn ich also 3 x gehe mit Schmerzen und Krämpfen, Übelkeit und Schweißausbrüchen kann ich noch zur Arbeit, aber bei 4 x ohne weitere Probleme sollte ich lieber zu Hause bleiben? Vielleicht ist das jetzt etwas überspitzt dargestellt, aber wann ich mich "zu krank" zum Arbeiten fühle, ist doch eine absolut subjetkive Sichtweise. Geht es mir nicht gut und hoffe ich darauf, dass das Fernbleiben der Arbeitsstelle mir weiterhilft, bleibe ich daheim. Wenn ich nicht leistungsfähig / arbeitsfähig / belastbar bin, gehe ich zum Arzt. Und zusammen mit diesem kann dann entschieden werden, wie die weitere Vorgehensweise aussieht.

Du stellst ja in Frage, ob Menschen, die krank zur Arbeit gehen, Idioten sind. Natürlich sollte Niemand krank zur Arbeit gehen. Aber ich finde, die Definition darüber, was für jeden einzelnen "zu krank" ist, sollte auch jedem selbst überlassen sein. Und da gibt es eben ganz unterschiedliche Sichtweisen.

Wichtig ist, sich selbst dabei im Blick zu haben. Und nicht aus Gründen wie z. B. Stress mit den Kollegen, Arbeitsplatzverlust etc. die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzten und eine mögliche Eskalation der Erkrankung zu riskieren, wenn weitergearbeitet wird.

Liebe Grüße,

Susanne
Und dann Elfmeterschießen: alle hatten die Hose voll, aber bei mir liefs ganz flüssig. Paul Breitner

Michael8000
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von Michael8000 »

Wer krank ist, sollte nicht zur Arbeit gehen.
Hier gibt's kein "und".
Wer eine Grippe hat und sich gut fühlt, steckt andere Arbeitskollegen an.
Krank ist krank.

Der Leitsatz in der Medizin lautet:
"Man spricht in der Medizin von einer normalen Stuhlfrequenz, wenn man im Bereich von dreimal wöchentlich bis hin zu dreimal täglich Stuhlgang hat."
Das ist nicht mein persönlicher eigener erfundener Leitsatz.

"Ich komme mit 10 Stuhlgängen pro Tag klar" ist schlichtweg gelogen. Vor dem Arbeitsgericht schlecht zu beweisen aus medizinischer Sicht.

Wer zu Hause mit MC/CU nicht klar kommt, hat auch ein psychisches Problem. Flucht in die Arbeit ist nicht die Lösung.

Wie ist es bei der Arbeit?
"Ach, das ist der mit MC/CU. Der ist ständig auf Toilette. Deshalb kriegt der nichts hin."
Schon wird pauschal über MC/CU schlecht geredet, weil man meint mit 10x Stuhlgängen alles gepackt zu bekommen. Man möchte es der Firma Recht machen.

Oder doch: "Der hat MC/CU. Er ist zu Recht krank geschrieben. Er muss zu Hause bleiben und sich auskurieren."

Der AN trägt für sich und seine Umgebung die Verantwortung.
Mit dieser Krankheit wird die Realität langsam vernebelt. Man lebt in seiner eigenen Welt. Tragische Beispiele, die hier beschrieben werden.

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neptun
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Re: Bei > 3x Toilettengängen pro Tag zur Arbeit gehen = Idio

Beitrag von neptun »

Schreibst Du diese Verhaltens-Maßregeln auch in anderen Foren, wo sich Betroffene mit diversen anderen Erkrankungen austauschen?

Deine Einlassungen klingen nach einem Mantra. Der konkrete Bezug fehlt und so nützt es einem einzelnen Betroffenen gar nichts. Deine Wertung diffamiert und beinhaltet nur Allgemeinplätze.

Wofür?

Kommt da ein Troll daher?

LG Neptun

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