20 Jahre Reizdarm - nun noch colitis?

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
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Frank Drebin
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20 Jahre Reizdarm - nun noch colitis?

Beitrag von Frank Drebin »

Hallo zusammen,

ich habe mich in der Hoffnung angemeldet, mir ein paar Sachen von der Seele zu schreiben, und vielleicht auch etwas Hilfe zu bekommen. Danke dafür schon mal vorab!!

Zu meiner Person und meinen Beschwerden.
Ich bin männlich, 35, Großraum Stuttgart.
seit meiner Pubertät leide ich an Durchfällen mit Krämpfen, die vor allem frühabends oder abends auftreten. Nicht blutig. Einen Zusammenhang zu einer Allergie oder Unverträglichkeit wurde nie festgestellt und von mir selbst auch nie bemerkt. Die Magen und Darmspiegelung vor fast 20 Jahren war auch befundlos. Ich habe mich über die Zeit damit abgefunden. Auch wenn es natürlich extrem nervt. Es ist schon so dass die Durchfälle sich Zeit zu Zeit häufen (d.h. vielleicht 2-3 mal in 2 Wochen) und dann auch wieder recht still ist für vielleicht einen Monat. Ich muss dazu sagen, dass ich auch ein recht unruhiger Typ bin, mit Zähneknirschen und Fingernägelkauen... Nur falls da jemand einen Zusammenhang sieht... Allerdings sind die Symptome in Stresszeiten nicht häufiger als z.B. im Urlaub oder so.

Naja, nun habe ich leider noch eine andere Geschichte. Vor 10 Wochen habe ich ein komisches Brennen im Unterbauch verspürt, das ist dann mehr oder weniger von links nach rechts gewandert. Ein paar Tage war es sogar ein Druckschmerz unterhalb des Bauchnabels. Da bin ich dann zum Internisten: Ultraschall – unauffällig. Dann kam aber vor 6 Wochen dazu, dass ich schleimige Durchfälle mit Blut bekam. Das hatte ich noch nie. Ich bin dann zu einem Gastroenterologen, der die Spiegelung Magen und Darm gemacht hat. Den Befund hänge ich euch hier an (ohne Bilder, da diese s.u. nicht sehr aussagekräftig sind). Verschrieben hat er mir für den Magen Pantropazol und für den Darm die Claversal-Zäpfchen 500mg einmal täglich.

Das ist nun 4 Wochen her. Die Zäpfchen nehme ich mit mäßigem Erfolg. Ich habe immer wieder wandernde Bauchschmerzen und auch immer mal wieder Blut im Stuhl. Auch habe ich fast täglich mit Kopfschmerzen zu kämpfen – ich bin einfach nicht fit.
Da der "spiegelnde" Arzt nicht wirklich starkes Interesse an einer Weiterbehandlung zeigte bin ich nun bei einem (anderen) ortsansässigem Gastroentrologen gewesen, der den Befund relativ „nichtssagend“ fand. Im Sinne von „das sieht man ja nur eine sehr kleine Rötung, die ist vorhanden, je nachdem wie stark man die Farbe Rot im Ausdruck sättigt“. Naja, da bin ich ja grundsätzlich ganz froh, aber die Beschwerden sind ja nun mal da und das Blut denke ich mir ja auch nicht aus. Die Auswertung der Stuhluntersuchung bekomme ich erst nächste Woche, da momentan Urlaub ist.

Was ich mich frage: Wenn meine Entzündung laut Befund am Rectum ist (d.h. soweit unten im Darm), warum habe ich dann immer wieder Schmerzen im Bereich des Ober- und Unterbauchs? Außerdem frage ich mich auch, ob mein Jahrelanges Reizdarmsyndrom vielleicht doch irgendwas mit der Sache jetzt zu tun hat. Zuletzt finde ich diese Zäpfchen nicht optimal, teilweise kommt bei mir das die Hälfte wieder raus, auch wenn sie schon seit Stunden eingenommen wurden. Könnte man hier auch ein anderes Medikament nehmen? Vielleicht Mesalazin oral eingenommen?
Ich habe schon überlegt irgendwas in Richtung "ganzheitlicher Therapie" zu machen, da meine Beschwerden wirklich lange zurückreichen und ich in den letzten Jahren fast dauerhaft Infekte habe (gut bin jetzt auch Vater), dazu Allgergien wie Heuschnupfen und diese etwas zwanggesteuerte Art mit Fingernägelkauen, Knrischen etc. So dass man sich irgendwie denkt "gibt es da vielleicht einen großen Zusammenhang"...

Naja, soweit erst mal. Das Leben ist schön – von einfach war nie die Rede.

Danke euch fürs Lesen. Bin über jeden Input dankbar. Ich weiß übrigens, dass andere hier sehr viel leidgeplagter als ich sind. In diesem Sinne, gute Gesundheit!
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Schriftlicher Befund Magen- und Darmspiegelung. Gewegeproben Darmspiegelung
Schriftlicher Befund Magen- und Darmspiegelung. Gewegeproben Darmspiegelung

Dortmunder
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Registriert: So 25. Mär 2018, 09:42

Re: 20 Jahre Reizdarm - nun noch colitis?

Beitrag von Dortmunder »

Hallo Frank,
habe zwei Anmerkungen.
Das mit den Zäpfchen habe ich so gemacht, dass ich direkt nach dem Einführen, im Bett, oder Coutch/Sessel den Po angehoben habe, für ca. 30min, dass sich das Material gut nach Innen verteilt. Da kommt dann nichts raus. Das Medikanent fällt dann danach prima nach unten wo es sein soll.
Zu den Schmerzen - man sagt ja dass man auch mit dem Darm "Denken" kann - er also eine art Nervennetzwerk hat. Möglicherweise wirkt sich das bei Dir dann so aus - dass die Ursache im Rektum über den ganzen Darm streut.
Bei mir war Alles koplett schmerzfrei - obwohl linksseitig komplette CU war.
Gruss

Frank Drebin
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Re: 20 Jahre Reizdarm - nun noch colitis?

Beitrag von Frank Drebin »

Hallo liebe Forengemeinde,

leider melde ich mich nochmal, da es mir gerade leider gar nicht gut geht.

Seit dieser Woche ist es so, dass ich für meine Verhältnisse wirklich viel Blut im Stuhl habe, d.h. das Papier sind fast aus, als wenn man Nasenbluten hat. Das "Interessante" ist vielleicht, dass ich dabei ziemlich normalen Stuhlgang habe.
Kann sich jemand einen Reim darauf machen, ob das für eine bestimmte Lokalisierung der Entzündung spricht? Laut der Spiegelung vom letzten Jahr soll ich ja eine Proktitis haben, was ich immer ein wenig bezweifelt habe auf Grund der Schmerzen im rechten Unterbauch.
Ich nehme aktuell Salofalk Granulat und Claversal Zäpfchen mehr oder weniger im Wechsel um sicherzugehen, dass die Entzündung irgendwo geheilt wird.
Danke für eine Rückmeldung.
Gute Gesundheit allen hier.

Afrilex
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Registriert: So 21. Apr 2019, 09:28

Re: 20 Jahre Reizdarm - nun noch colitis?

Beitrag von Afrilex »

Hallo Frank,

bei mir war es ähnlich. Ich habe auch schon seit vielen Jahren latent Magen-/Darmprobleme, ohne dass man jemals einen Grund gefunden hätte. Vor 4 Jahren hat dann eine Darmspiegelung unauffällige Rötungen im Enddarm gezeigt. Vor jetzt ein bisschen mehr als einem Jahr wurde dann CU diagnostiziert. Mit dem Hinweis, dass man damals ja schon die Rötungen gesehen hat. Seither befinde ich mich im CU Kreislauf. Micropellets und Zäpfchen helfen nicht wirklich. Das einzige, was mir Ruhe verschafft, sind die Kortison Therapien. Momentan schleiche ich das Kortison aus und nehme gleichzeitig Azathioprin. Ich hoffe, dass mir das dauerhaft hilft. Insgesamt geht es mir nicht so schlecht, trotzdem ist natürlich mein Ziel, dauerhaft kein Blut und keinen Schleim im Stuhl zu haben. Wir werden sehen ...! Nebenbei lasse ich mich von einer Ernährungsberaterin unterstützen. Hier habe ich auch das Gefühl, dass es mir dadurch besser geht.

Wünsch Dir alles Gute! Viele Grüße
Afri

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neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
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Re: 20 Jahre Reizdarm - nun noch colitis?

Beitrag von neptun »

Hallo Frank,

bei hellrotem und flüssigem Blut sollte der Grund entweder in Hämorrhoiden bestehen oder in einer Proktitis, also Entzündung im Rektum. Da hat man normal geformten Stuhl. Man sieht meist auch das Blut am Stuhl.
Ist das Blut dunkler und fester, zieht Fäden, es käme aus dem Sigma oder absteigenden Dickdarm darüber und dann wäre auch weicher Stuhl zu beobachten.

Es kann nun der Calprotectinwert im Stuhl ermittelt werden als spezifischer Marker für Entzündungen im Magen-Darm-Trakt.

Goldstandard wäre allerdings eine kleine Rektoskopie, die ohne Abführen und ohne Sedierung gemacht wird. Allenfalls mit einem Mikroklystier auf der Praxistoilette. Die Untersuchung dauert 2-3 Minuten und der Arzt kann alles direkt in Augenschein nehmen.

Ist es Entzündung, nach Leitlinie sollte min 3g/d Mesalazin oral genommen werden. Produkte wären Salofalk, Claversal oder Mezavant. Dazu die rektale Behandlung mit Mesalazin zur Nacht, eventuell kombiniert mit einem cortisonhaltigen Schaum am Vormittag, wenn man wenigstens eine halbe Stunde nicht auf die Toilette muß.

LG Neptun

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