Schreckliche Angst vor MC

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Schreckliche Angst vor MC

Beitragvon Headway » Do 28. Mär 2019, 00:21

Hallo,

ich bin neu hier im Forum. Dass bei mir etwas vorhanden ist, weiß ich bereits seit 2014. Jedoch wurde nie Klartext mit mir geredet, so dass ich mich nie richtig einstellen konnte. Ich bin 36 Jahre alt und wollte mich beruflich verändern. Anfang Februar wurde der Begriff Morbus Crohn in den Topf geworfen und seitdem bin ich fix und fertig. Tägliche Heulanfälle pflastern zur Zeit meinen Weg. Mir fehlt aktuell die Energie zu allem. Außerdem fühlt es sich so an, als würde die Diagnose jetzt erst auf mich einbrechen, obwohl ich schon fast vier Jahre Bescheid weiß und an sich schon mit der Problematik lebe. Es fühlt sich so an, als hätte mein Kopf es einfach nicht wahrhaben wollen, es einfach nur verdrängen wollen. Ich muss gestehen, ich habe Angst.
Ich befinde mich in Psychotherapie, treibe Sport (Laufen) und achte sowieso auf meine Ernährung. Ich habe manchmal Durchfälle und Bauchschmerzen, aber die sind weder andauernd, noch behindern sie mich großartig. Eigentlich habe ich keine sonderlich großen Probleme, außer dass ich täglich Kortison und Mesalazin nehmen muss und manchmal wegen Bauchschmerzen ausfalle. Also die Erkrankung schränkt mich absolut nicht ein, weil ich einen sehr milden Verlauf habe.
Ich arbeite Vollzeit und wollte eigentlich zum Mai hin in einen anderen Bereich wechseln, weil mir dort eine neue Stelle angeboten wurde. Jetzt bin ich mir in dem Zusammenhang unsicher und weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich mit mir selbst und dem MC umgehen soll. Besonders weil es mein Traumberuf wäre.
Hättet ihr Tipps? Ich muss gestehen, ich habe wirklich Angst, dass ich jetzt auch noch psychisch zerbreche. Ich habe dem Psychotherapeuten bereits meine Ängste mitgeteilt. Er meinte, er lässt sich etwas einfallen, um mir zu helfen und er bemüht sich auch wirklich redlich und schafft es mich für kurze Zeit zu beruhigen. Aber ich breche immer wieder ein.
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Re: Schreckliche Angst vor MC

Beitragvon Carmen » Do 28. Mär 2019, 17:05

Hallo Headway!

Gib dem MC nicht mehr Raum, als er braucht. Du schreibst ja selbst, dass Du durch die Krankheit eigentlich nicht eingeschränkt bist.

Mit der richtigen Diagnose hast Du die Chance, durch eine passende Behandlung die Beschwerden noch weiter zu reduzieren und Komplikationen vorzubeugen.

Der Psychotherapeut wird Dich beim Umgang mit der Diagnose sicher gut unterstützen. Das ist jetzt auch nichts, was man von heute auf morgen schluckt - nimm Dir die Zeit, dieses Puzzleteil MC in Dein Leben zu integrieren.

Ich sehe keinen Grund, Deine beruflichen Pläne zu ändern. Tu, was Dir gut tut und Dir Freude bereitet! Auch mit MC bist Du kein rohes Ei, das man nur noch mit Samthandschuhen anfassen darf. Setz Dir Ziele und beweise Dir, dass Du auch mit dieser Erkrankung leistungsfähig bist.

Die greifbare Diagnose ist ja auch noch frisch. Vermutlich waren die meisten - mich eingeschlossen - bei der Diagnosestellung beunruhigt bis in den Grundfesten erschüttert. MC ist halt nichts, was man rausoperieren kann oder was in zwei Wochen wieder gut ist - sondern ein lebenslanger Begleiter, der sich auch mal von sehr unangenehmer Seite zeigen kann. Es ist nun Deine aktuelle Aufgabe, dies zu akzeptieren zu lernen. Und glaub mir: Es gibt viele Zeiten, in denen der MC nur eine Randnotiz ist.

Sei stolz auf Dich, dass Du die Hürden, die diese Krankheit mit sich bringt, bewältigst! Und das wirst Du!

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Re: Schreckliche Angst vor MC

Beitragvon Mondkalb » Fr 29. Mär 2019, 12:24

Hallo Headway,

die Angst kann ich gut nachvollziehen, habe ich doch in den vergangenen zwei Jahren einige Bewerbungsgespräche absolviert, jedoch der Mut zum Wechsel blieb aus bei mir.

Wo ich derzeit arbeite, sind Arbeitsplatz und Abort von der Lage her ein Träumchen.

Ein junger Mann, der kurzzeitig bei uns gearbeitet hat, wurde wie ich selbst auch von einer Cu begleitet. Er hatte eine Technikerstelle gesucht -somit nicht die Absicht gehabt bei uns zu verweilen- und einen Wechsel mitten im Schub gemacht, Sorge hatte er das er es nicht schafft (auch wg. Kundenbesuche) und heute ist er froh, dass er den Schritt gegangen ist. Bei ihm ist es gesundheitlich auch ein Auf und Ab.

Selbst war ich auch bei einer Psychotherapeutin und muss sagen, mehr als eine Hilfestellung kann diese Begleitung nicht darstellen.
Brauchte eine gewisse Zeit um mich wieder zu orientieren und meinen Weg festzulegen den ich gehen will. Bereue eigentlich den Jobwechsel nie vollzogen zu haben bis heute.

Bei einem sehr milden Verlauf und die Wahl einem Traumberuf nachgehen zu können, sage ich nur, mach es und vergeude nicht deine Zeit mit Gedanken und Ängsten, die rückblickend Wehmut erzeugen.

LG
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Re: Schreckliche Angst vor MC

Beitragvon Headway » Mo 29. Apr 2019, 15:47

Hallo,

Es sind jetzt etwas Zeit ins Land gegangen und ich habe den Schritt gewagt und werde im August (etwas verspätet) die Arbeitsstelle wechseln. Es ist somit alles in trockenen Tüchern.
Mit dem Cröhnchen habe ich immer noch leichte Berührungsängste.
Mein Calprotektin ist zwar immer noch über 400 (ich bin bei HA und Gastro in Behandlung), die Entzündungswerte sind zwar auch erhöht, aber körperlich bemerke ich überhaupt nichts.
Aber ich habe keine Symptome, mal zwiebelt mir der Bauch etwas, deshalb sehe ich es an sich recht locker. Ich wurde letzte Woche auf 250 mg Azathioprin gesetzt und bisher habe ich auch noch keine Nebenwirkungen festgestellt. Das Kortison wird weiter ausgeschlichen, ich bin jetzt bei 30 mg am Tag angekommen. Die Nebennieren pochen mal ein wenig, aber ansonsten läuft es echt gut bei mir. Stuhlgänge habe ich auch 2 bis maximal 3 am Tag, keinerlei Schmerzen, keine Auffälligkeiten, mal ein wenig verstopft, aber das war ich schon immer mal.

Das Interessante ist, dass das Kortison scheinbar bei mir auf die Psyche mit eingewirkt hat. Meine Depressionen sind nur noch sehr sanft vorhanden. Ich bin teilweise ziemlich tiefenentspannt. Ich habe mittlerweile sogar zwei Kurse gemacht und sie bestanden. Das hatte ich in meinem Leben bisher noch nicht. Klingt wunderbar und fühlt sich eigentlich so "frei" und trotzdem sehr merkwürdig an.

Ich dachte mir, dass ich hier auch mal was Positives teilen sollte. Auch wenn bei mir scheinbar alles sehr mild verläuft, weiß ich, dass es schlimmer werden könnte. Aber irgendwie will ich mir darüber gar nicht den Kopf zerbrechen.
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