Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Absetzen

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Absetzen

Beitragvon neckarfee » Do 28. Feb 2019, 14:46

Hallo zusammen,

ich nehme seit vielen Jahren täglich 40 mg Omeprazol zu mir. Früher wegen dem Cortision, inzwischen als Pouchie um die Magensäure zu verringern (soll ca. 1/2 Liter / tgl. sparen).

Nachdem vor ein paar Jahren ein Vitamin B12 Mangel* festgestellt wurde, habe ich zum ersten Mal versucht das Medikament zu reduzieren / abzusetzen. Habe jetzt rund eine Handvoll Versuche hinter mir (Reduzierung auf 20 mg oder nur jeden 2. Tag einnehmen oder 20 und 40 mg im Wechsel), aber leider geht es mir dann immer schlechter (höhere Stuhlgangfrequenz, mehr Flüssigkeit geht über den Darm).

Nach x-Arztbesuchen wegen Knieschmerzen, kam jetzt vor Kurzem heraus, dass ich einen Knocheneinbruch am Schienbein direkt unter dem Knie habe. (Auf dem Röntgenbild war nix zu sehen, beim MRT dann schon). Knochendichtemessung ist erfolgt, keine Osteoporose/Osteopenie. Jetzt hat einer der Ärzte in die Runde geworfen, dass es vom Omeprazol kommen könnte.

Daher frage ich mal so in die Runde:
=> Welche Nebenwirkungen habt ihr vom Omeprazol oder anderen Protonenpumpenhemmern?
=> Gibt es noch jemanden, der deshalb mit den Knochen Probleme bekommen hat? Wie wurde behandelt?
=> Wie kommt man am Besten von dem Medikament los? Hat jemand Tipps?

Schönen Dank schon mal vorab !


Grüßle, Neckarfee

*Ich weiß, dass der Mangel nicht vom Omeprazol kommen muss, sondern bei Pouchies aufgrund des geänderten Auspuffbaus auch schon mal deshalb möglich sein kann.
neckarfee
ist öfter hier
 
Beiträge: 33
Registriert: Sa 22. Dez 2012, 02:04

Re: Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Abse

Beitragvon _Stephan » Di 12. Mär 2019, 18:18

Hallo Neckarfee,

es wundert mich, dass schon so lange einen Protonenpumpenhemmer einnimmst.
Ich habe auch einen Pouch, seit 15 Jahren, und habe solche Medikamente allenfalls wegen anderer Medis als "Magenschoner" eingenommen.
Dass die Magensäure Probleme in Sachen Entzündung / Stuhlfrequenz macht, ist mir auch nicht geläufig.
Gewöhnlich wird eher die Gallensäure als Problemquelle genannt, weil diese nicht mehr so gut zurückgewonnen wird, wenn das Ende des Dünndarms operativ entfernt wurde oder entzündet ist.

Vor etlichen Jahren habe ich mal die Erfahrung gemacht, dass mein HB-Wert ziemlich in den Keller gegangen ist, als ich eine zeitlang Pantoprazol eingenommen habe. Die Eisenaufnahme aus der Nahrung ist nämlich schlechter bei Einnahme eines solchen Medikaments.
Und natürlich wird die Magensäure auch für die Eiweißverdauung benötigt.
Von daher habe ich die Einnahme von Protonenpumpenhemmern die letzten Jahre gemieden, auch weil ich keine Probleme mit Reflux habe.

Wie du am besten davon loskommst kann ich dir schlecht sagen, ich habe es höchstens für einige Wochen eingenommen und dann einfach weggelassen.
Vielleicht kannst du in kleineren Schritten (10 mg?) reduzieren, damit der Körper die Magensäureproduktion langsamer steigert.

LG Stephan
_Stephan
Dauergast
 
Beiträge: 150
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:38

Re: Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Abse

Beitragvon neckarfee » Fr 15. Mär 2019, 09:57

Hallo Stephan,

vielen Dank für deine Antwort.

Aktuell warte ich noch immer auf Anwort von meinem Gastro. Der hatte Urlaub … da ziehen sich zwei Wochen irgendwie ewig. D.h. Blutwerte weiß ich auch nicht (Eiweiß testet mein Hausarzt nicht).

Ausschleichen habe ich schon mal probiert - ist schon ein bisschen her. Es gibt auch 20 mg Kapseln. Also Umstieg auf 20er oder einen Tag eine nehmen und am anderen Tag nicht. Aber da hab ich immer eine Verschlechterung erfahren.

Nimmst du gar keine Medikamente ein ?
Grüßle, Neckarfee
neckarfee
ist öfter hier
 
Beiträge: 33
Registriert: Sa 22. Dez 2012, 02:04

Re: Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Abse

Beitragvon _Stephan » Sa 16. Mär 2019, 19:03

Hallo Neckarfee,

Medikamente nehme ich nur wenige momentan, Entocort 6 mg am Tag (wegen ständiger Entzündung im Enddarm / Pouch) und eine Loperamid auf die Nacht.
Ansonsten nur Nahrungsergänzung.

LG Stephan
_Stephan
Dauergast
 
Beiträge: 150
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:38

Re: Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Abse

Beitragvon neckarfee » Sa 16. Mär 2019, 23:30

Hallo Stephan,
eine Loperamid auf die Nacht -trotz Entzündung- das ist echt wenig / gut.
Entzündung habe ich keine, aber mit einer Loperamid am Tag käme ich nie klar.
LG, Neckarfee
Grüßle, Neckarfee
neckarfee
ist öfter hier
 
Beiträge: 33
Registriert: Sa 22. Dez 2012, 02:04

Re: Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Abse

Beitragvon _Stephan » Mo 18. Mär 2019, 18:11

Hallo Neckarfee,

ich hatte immer das Gefühl, dass mit Loperamid tagsüber nicht so viel bringt.
Es ist schließlich ein gewisser "Input" da, der verdaut werden muss, und mit gelähmtem Darm wird das irgendwie nicht so gut.
Wenn man eine Darmgrippe hat und eh nichts essen kann, ist das eher ok.
Für die Nacht finde ich es dagegen hilfreich, wenn ich 5...8 Stunden durchschlafen kann.

LG Stephan
_Stephan
Dauergast
 
Beiträge: 150
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:38

Re: Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Abse

Beitragvon StratosPaladin83 » Sa 13. Jul 2019, 13:49

Hallo Neckarfee,

ich selbst bin Morbus Crohn Patient und habe eine Refluxerkrankung, sprich mein Mageneingang verschließt nicht richtig.

Da ich selbst einmal über 4 Monate 20 mg Omeprazol eingenommen habe kann ich dir ein wenig von meinen Erfahrungen bezüglich des Absetzens berichten. Ich habe nach Meinungen aus dem Internet das Omeprazol nicht von einen Tag auf den anderen abgesetzt. Ich habe irgendwann die Dosis auf 10mg halbiert und diese für eine Woche eingenommen. Bis dorthin war auch alles ok, keine Auffälligkeiten. Dann habe ich angefangen das Präparat nur noch alle 2-3 Tage einzunehmen und schwups bekam ich Durchfallähnliche Symptome. Leider konnte mir damals niemand sagen, was da passiert, bis ich selbst dahintergekommen bin. Omeprazol schaltet die Protonenpumpen irreversibel aus, d.h. sie werden zerstört. Da unser Magen allerdings auch nicht dumm ist produziert er neue Belegzellen zum Säurebilden. Wenn du nun die Protonenpumpenhemmer absetzt, schießt die Magensäureproduktion erstmal über, da nun zu viele Belegzellen vorhanden sind. Der Dünndarm reagiert darauf, indem er Wasser in den Darm zieht, um die Säure zu neutralisieren. So kommt es zu flüssigerem Stuhl. Bei einer Einnahme von 4 Monaten hat es auch fast 2 Monate bei mir gedauert, bis der Stuhl wieder völlig normal war.

Wenn du regelmäßig 40 mg einnimmst, dann würde ich sagen, halbiere diese Dosis auf 20 mg und nimm diese erstmal eine ganze Weile so weiter. Und wenn du dann meinst es könnte gehen, gehe mal auf 10 mg herunter und dann irgendwann nur noch alle paar Tage. Dass es trotzdem erstmal Beschwerden beim Absetzen geben wird nach so langer Einnahmedauer wird umumgänglich sein, aber dann eben nicht den Fehler machen und wieder Tabletten nehmen, sonst kommst du niemals davon los.

Ich hoffe das konnte dir ein wenig helfen.

Liebe Grüße
StratosPaladin83
beginnt sich einzuleben
 
Beiträge: 18
Registriert: Fr 10. Aug 2018, 16:15

Re: Protonenpumpenhemmer - Austausch Nebenwirkungen und Abse

Beitragvon Olagwin » Fr 19. Jul 2019, 19:24

Ich hatte das früher auch lange genommen und irgendwann stieß ich auf die Nebenwirkungen bei Dauerhafter Einnahme, die mir zu heikel schienen und wie sich später rausstellte auch bewahrheiteten.
Das mit dem Absetzen habe ich auch wie du gemerkt, dass das nicht so einfach war.

Wie schon empfohlen, habe ich die Dosis gaaanz sachte reduziert. Zuerst auf 20mg. Dann kam der unangenehme Teil, weil dann zuviel Magensäure produziert wurde. Da muss man stark sein und durch. Solange bis man sich wieder halbwegs gut fühlt und dann der nächste Reduktionsschritt auf z.b. 20 alle 2 Tage. Wenn es mal sehr unangenehm dabei wird, könnte man auch zur Akuthilfe sowas wie Rennie nehmen.

Aber das Ziel lohnt, ohne ein Medikament mehr auszukommen ist schön. Ich denke die PPTs braucht man nur bei wirklichen Magenkrankheiten wie Gastritis oder Geschwür.
Olagwin
fühlt sich wohl hier
 
Beiträge: 60
Registriert: Sa 28. Nov 2015, 14:40


Zurück zu Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 10 Gäste