Mein Kind geht wegen MC kaum noch zur Schule

Hier geht es um gegenseitige Achtung und die Probleme, die es in einer Partnerschaft und bei Angehörigen gibt, aber auch um Schwangerschaft.

Mein Kind geht wegen MC kaum noch zur Schule

Beitragvon Xrax » Fr 8. Feb 2019, 19:44

Hallo zusammen,

ich bin allein erziehender Vater und habe eine 17-jährige Tochter die die 11 Klasse des Gymnasiums besucht.
Seit knapp zwei Jahre wissen wir das Sie MC hat. Ihr wurde zu der Zeit 50 cm Darm entnommen. Seit dem ist Sie in Behandlung und es ging / geht Ihr an sich ganz gut.
Keine Entzündungen oder sonstiges. Ab und an hatte Sie in der folge Schmerzen. Sie konnte aber, nach der OP, fast immer zur Schule.

Allerdings geht Sie jetzt nur noch ein, zwei Tage die Woche in die Schule. Sie sagt Sie könne nicht, weil Sie Bauchschmerzen habe.
Hat aber auch schon eingeräumt das diese nicht unbedingt vom MC kommen, sondern von Ihrer Psyche. Weil sie nicht mehr im Unterricht mitkommt.
Am Abend geht es Ihr aber immer gut. Dann spielt Sie mit Internetfreunden. Sozialen Kontakt im realen Leben hat Sie kaum.

Sie möchte nun nur noch die Elfte fertig machen, dann ein Praktikum und dann an einer FH studieren. Keine Ahnung ob das geht. Mir gefällt der Plan sowieso nicht.
Ich frage mich ob und was ich machen soll. Einfach laufen lassen ? Druck aufbauen ? Im Gespräch mit Ihr kam ich nicht weiter. Was meint Ihr ?

Beste Grüße
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Re: Mein Kind geht wegen MC kaum noch zur Schule

Beitragvon Kaja » Fr 8. Feb 2019, 21:35

Hallo Xrax,

es tut mir sehr leid, dass Deine Tochter und somit auch Du so sehr an der Erkrankung leidet.

In den Körper und die Seele Deiner Tochter kann ich mich natürlich nicht versetzen.

Man könnte nur vermuten...???

Mein erster Gedanke war:

Evtl. fühlt sich Deine Tochter in der Klasse nicht mehr wohl, durch den bereits entstandenen Unterrichtsausfall und man weiß ja auch nicht wie Mitschüler/innen auf die Erkrankung Deiner Tochter reagieren.

Hier war meine spontane Lösung. Wenn Ihr in einer größeren Stadt wohnt, ggf. Wechsel der Schule und ein neutraler Neuanfang für Deine Tochter?

Hat Deine Tochter noch eine gute/beste Freundin? Ich denke diese hat dann mehr Einblick in das Seelenleben Deiner Tochter und kann Dir weiter helfen. Wenn sie eine gute Freundin ist, wird sie versuchen zu helfen und zu vermitteln und auch Deine Ängste verstehen.

Evtl. hat Deine Tochter auch die Operation noch nicht verarbeitet. Wir wissen noch nicht genau, welche körperlichen Probleme sie evtl. doch noch hat und auch ganz wichtig ist es denke ich ihr Seelenleben.

Ggf. schämt sie sich für ihre Narben? Wenn sie keinen Freund hat, könnte es sein, dass sie ich einen wünscht, aber Hemmungen hat und Ängste, dass "ein netter junger Mann" - ihren Körper so nicht akzeptieren könnte?

Müdigkeit und Abgeschlagenheit gehören leider auch sehr häufig zu unserer Erkrankung. Auch ich kenne dies. Aufraffen zu Arbeit (bei Deiner Tochter die Schule), nach Feierabend geht nichts mehr.

Ich würde gerne mal raus gehen und auch etwas unternehmen, aber es geht nicht.

Evtl. geht es Deiner Tochter auch so und sie würde so gerne mal ins Kino, Parkfest, Disco, Sport etc. aber ihr Körper streikt?

Das nagt auch sehr an einem, dieses sehr eingeschränkte Sozialleben.

Du bist sicher ein toller Mann & Papa - dies zeigt ja auch, dass Du Dich hier gemeldet hat.

Ein Weg könnte noch sein, dass Deine Tochter eine gute Psychologin bekommt - soweit sie sich darauf einlassen kann. Das könnte ein anderes "Reden" noch mal sein?

Oder auch mal einen Schnitt machen, Druck nehmen, das Schuljahr abbrechen, Deine Tochter geht mal in eine Reha und startet nächstes Jahr ganz entspannt neu.

Die Wochen in der Reha soll sie Kraft und weitere Einblicke bekommen und dann bis wahrscheinlich irgendwann im August ihr Ding machen, sich Erholen, Ihren Körper und Geist auch freie Zeit geben um dann mit neuer Kraft zu starten?

Wäre dies ein Angebot?

Und ich denke, klar, die Vita hat eine Unterbrechung. Aber nach einem Studium fragt niemand mehr - weil es im Grunde nicht auffällt, die Daten gibt man ja nicht mehr so im Lebenslauf an, wo mal 1 Jahr steckt.

Dann kann man ehrlich sein und sagen, ich war sehr krank - aber Sie sehen, ich habe das Studium toll abgeschlossen und stehe im Leben!

Das bringt auch Respekt!!!!!

Ich wünsche Euch alles Gute.

Viele Grüße

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Re: Mein Kind geht wegen MC kaum noch zur Schule

Beitragvon Kaja » Fr 8. Feb 2019, 23:30

Hallo Xrax,

evtl. ist Deine Tochter auch durch ihre Erkrankung wesentlich gereift und sieht das Leben anders:

Xrax hat geschrieben:Hat aber auch schon eingeräumt das diese nicht unbedingt vom MC kommen, sondern von Ihrer Psyche. Weil sie nicht mehr im Unterricht mitkommt.


Sie hat erkannt, dass der schulische Druck zu groß ist und sie viel verpasst hat.

Evtl. hilft es den "klassischen" Werdegang und Ausbildung etwas um zu stellen.

Deine Tochter hört jetzt im Schuljahr auf. Nimmt einen Praktikumsplatz nach Vorlieben und Interessen an, oder geht als Au Pair mal einige Monate ins Ausland (natürlich alles geschuldet ihrem körperlichen Empfinden).

Bekommt andere Eindrücke, hat Zeit über sich nachzudenken und sich und die Umwelt zu erleben und startet nach dem Sommerferien wieder mit der Schule.

Ggf. braucht sie mal eine Veränderung, Ruhe und andere Inspirationen.

Somit gewinnt sie auch wieder mehr Selbstvertrauen und Kraft.

Ist doch egal, ob sie jetzt eine Auszeit nimmt oder nach dem Abi :-)

Ich hoffe, andere User haben noch gute Ideen oder Ansätze! Aber rede mal mit Deiner Tochter und unterbreite ihr Vorschläge, welche Du als Papa unterstützen kannst.

Viele Grüße

Kaja
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Re: Mein Kind geht wegen MC kaum noch zur Schule

Beitragvon Xrax » Di 12. Feb 2019, 22:39

Hallo Katja,

danke für Deine Ratschläge, Ideen und Gedanke.

Ich habe immer mehr den Eindruck das Sie die Schule nicht fertig machen mag. Wäre Sie gesund würde ich Sie gewiss motivieren das Schuljahr noch zu beenden. Aber Sie ist nicht gesund.

Ich habe mit Ihr gesprochen. Aber außer ein "Ja vielleicht" kam da nichts. Dabei hat Sie beim Onlinespielen mit Onlinefreunden durchaus Spass. Zumindest lacht Sie oft
Soll sie aber in die Schule, gehts Ihr wieder schlecht. Sie geht kaum raus, ißt auch sehr wenig.

Achje, mal sehen wie es weiter geht.

Besten Dank nochmal
Xrax
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Re: Mein Kind geht wegen MC kaum noch zur Schule

Beitragvon Kaja » Di 12. Feb 2019, 23:13

Hallo Xrax,

ich denke, ich kann Dich sowie Deine Tochter "etwas" verstehen.

Wenn es mir schlecht geht, dann mag ich auch nur noch liegen, fernsehen oder Solitär spielen z. B. als easy Ablenkung und was gerade noch geht.

Aber mal einen anderen Schwenker: Deine Tochter ist 17 Jahre, demnach bist Du aktuell der Erziehungsberechtigte / Vormund Deiner Tochter bis sie 18 Jahre ist.

Nutze die evtl. kurze Zeit und vereinbare einen Termin mit ihrem Gastro. Besprich Deine Probleme mit Deiner Tochter und höre Dir auch an, wie es gesundheitlich gemäß der ärztl. Einschätzung ist.

Evtl. hat ihr Gastro nur die körperliche Gesundheit im Blick und denkt, alles weitere läuft gut, wenn Deine Tochter sich keine AU für die Schule holt?!?!

Wie entschuldigt sich Deine Tochter zum Unterricht???

Ziel ist es ja gesundheitlich zu helfen und weiterhin Deiner Tochter ein "gutes Leben" - Schulabschluss, Ausbildung, Studium - Arbeitsplatz zu bekommen.

Hast Du mal mit Deiner Tochter darüber gesprochen, wie sie sich ihr weiteres Leben vorstellt?

Job, Einkommen, Freund -- Mann / Familie und dann wovon leben???? Wie reagiert sie darauf?

Macht sie nix konfrontisiere sie mal mit Hartz4 und ihr Leben am Ende.

Ich denke Du musst locken! Aber in dem Sinne mal eine Darstellung des Schweregrades ihres MCs durch den Facharzt haben,

Oder auch, nimmt sie ihre Medikamente richtig und zeitgerecht? Nimmt sie die Kontrolluntersuchungen tatsächlich wahr?

Redet Deine Tochter mit Dir? Wie äußert sie sich, wie fühlt sie sich? Was sind ihre Pläne für die Zukunft?

Viele Grüße

Kaja
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Re: Mein Kind geht wegen MC kaum noch zur Schule

Beitragvon Logan » Di 19. Feb 2019, 23:52

Hallo Xrax,

ich habe meine CU seit meiner Jugend, bin dann aber auch durchs Abi gekommen. Dann Ausbildung, dann Studium, alles mit Hürden, aber machbar.
Ist nicht alles geradlinig verlaufen, hat auch länger gedauert, aber es wurde.

Meiner Erfahrung nach: Wenn das Studium Spaß macht, ist das besser als eine Ausbildung.
Denn bis auf die Prüfungszeit kann das Studium sehr frei gestaltet werden. Und zur Not können Prüfungen auch geschoben werden (nicht empfehlenswert, aber wenn da gerade ein Schub ist).

Allerdings: Ohne Abi wird es schwer! Selbst an der FH wird idR ein Fachabi oder Fachwirt/Meister/Techniker + Zugangsprüfung benötigt.
Zwar besteht durch Sonderaufnahme auch die Möglichkeit, ohne entsprechenden Abschluss das Studium zu beginnen, aber darauf würde ich nicht setzen.
Außerdem: Auch im Studium gibt es Unlustphasen. Wenn die eigene Motivation nicht fürs Abi reicht, dann wird es im Studium garantiert noch schwieriger.

Mit 17 ist leider nicht unbedingt mit einer Vernunftphase bei Teenagern zu rechnen. Deswegen ist das schwer vermittelbar.
Vielleicht braucht es hier ganz einfach auch professionelle Hilfe. Ein Psychologe ist ja auch zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Möglicherweise kann bei einem Psychologe deine Tochter besser ihre (wirklichen) Probleme mit der Schule klären, ohne mit den "nervigen" Eltern zu reden.
Wir waren ja selbst mal jung und wissen noch, dass das "schlaue" Gequassel der Eltern im Nachhinein doch ganz brauchbar war. Aber eben mit 17 sieht die Welt anders aus.

Aber bitte nichts mit Druck erzwingen. Klar, etwas hartnäckig sein ist erlaubt. Aber zu viel Druck wirkt auf die Psyche und kann den Krankeitsverlauf durchweg negativ beeinflussen.
Eine Möglichkeit wäre z.B. eine Vereinbarung a la: 2 Sitzungen beim Psychologe muss Sie machen, danach darf Sie frei entscheiden, ob Sie weiter hin gehen will.

Vielleicht gibt es ja auch eine Selbsthilfegruppe in der Nähe, die Sie (allein) besuchen kann.
Logan
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