Entocort Nebenwirkungen

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon nelda » Do 3. Jan 2019, 10:56

Hallo!
Ich habe gerade einen Colitis Schub seit September. Bisher habe ich meine Schübe mit Mesalazin immer in den Griff bekommen, aber diesmal habe ich trotzdem immernoch hartnäckig ab und zu Durchfall. Mein Arzt meinte, ich sollte erstmal weiter beim Mesalazin bleiben weil die Entzündung sehr mild sei, aber ich habe mir noch eine andere Meinung eingeholt und der andere Arzt empfahl mir Entocort Rectal zu nehmen für 4 oder 8 Wochen. Ich wollte mal fragen, ob jemand damit Erfahrung hat. Hätte Kortison nicht diese Nebenwirkungen mit Mondgesicht (habe schon von Natur aus Pausbäckchen selbst wenn ich ganz dünn bin), Akne, Schlaflosigkeit, Abnahme der Knochendichte, Bluthochdruck, Abhängigkeit etc. hätte ich mit dem Medikament schon angefangen. Ich kann eigentlich mit den Symptomen meines leichten Schubs gut leben und frage mich ob es all diese Nebenwirkungen wert ist.
Der Arzt meinte bei dieser Form von Kortison träten die Nebenwirkungen nicht auf und ich müsse das Kortison nicht ausschleichen. Ich bin da aber misstrauisch... Wie waren eure erfahrungen?
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Re: Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon neptun » Do 3. Jan 2019, 11:46

Hallo Nelda,

willkommen im Forum.

Nimmst Du denn auch Mesalazin rektal ein? Da gibt es Zäpfchen, Schaum und Klysma. Je nach Höhe der Entzündung.

Wie weit hoch im Darm geht oder ging bei Dir bisher die Entzündung?
Wie wurde der Schub denn festgestellt?
Waren es Deine Symptome und Beschwerden und wenn, welche waren es?
Wurde der Calprotectinwert im Stuhl untersucht als spezifischer Marker für Entzündungen im Magen-Darm-Trakt?
Oder hat der Arzt eine kleine Rektoskopie gemacht?

Welches Mesalazinprodukt und in welcher Dosierung nimmst Du es zur Zeit?
Durch unterschiedliche Ummantelungen setzt sich der Wirkstoff in verschiedenen Bereichen des Darmes frei. Pentasa wirkt im Bereich der Ileozökalklappe, Claversal und Salofalk wirken im Dünndarm, aber Mezavant dürfte am weitesten in den Enddarm kommen. Es setzt den Wirkstoff mit der MMX-Matrix frei, von der Du auch in der Leitlinie cu lesen kannst.

Auch nach Leitlinie, Mesalazin soll bei Entzündung mit min. 3g/d dosiert werden und auch in Remission mit min. 2g/d über mindestens 2 Jahre genommen werden. Dies zur Verlängerung der Remissionszeit und als Darmkrebsprophylaxe.

Hier die Links zur Leitlinie und zur MMX-Matrix.

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-009.html
http://www.krankenpflege-journal.com/inneremedizin/gastroenterologie/1574-mezavantr-mmxr-mesalazin-seit-dem-1-januar-2009-auch-als-n3-mit-120-tabletten-pro-packung-erhaeltlich.html

Entocort hat als Wirkstoff Budesonid, ein spezielles Cortison. Durch die Anwendung vor Ort, topisch, ist es niedrig dosiert. Daher treten Nebenwirkungen meist nicht oder gering auf, aber wenn jemand dafür eine Prädisposition hat, so sind leider auch systemische Nebenwirkungen möglich. Beispiele anderer helfen da gar nicht, denn jeder Körper reagiert auf seine Art.

Entocort setzt den Wirkstoff aber im Bereich der Ileozökalklappe frei, also dem Übergang von Dünn- zu Dickdarm. Damit ist es für mc-Betroffene häufig geeignet. Ebenso wirkt Budenofalk.

Will man Budesonid im Dickdarm wirkend haben, dann wäre das Produkt Cortiment. Jede Tablette hat dort 9mg.

Bist Du bei einem Gastro in Behandlung?
Wenn, dann scheint er Lücken im Wissen der Behandlung zur cu zu haben.
Wäre es ein Hausarzt, auch nicht gut, denn die sind mit den komplexen CED überfordert in aller Regel.

In beiden Fällen sollte ein versierter Gastro her.

LG Neptun
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Re: Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon Polly » Fr 4. Jan 2019, 17:17

Hallo Nelda,

ich hatte lokal Kortisonschaum bei meinem ersten Schub/Krankheitsausbruch für 4 Wochen und ein halbes Jahr später bei einem schwereren Schub ich glaube sogar nur für 2 Wochen (danach war das Blut schon weg) zusätzlich zum Mesalazinschaum angewendet.
Bei den vier Wochen Anwendung hatte ich den Eindruck, dass meine Gesichtshaut öliger/fettiger wird. Auch hatte ich den Eindruck, etwas schlechter zu schlafen.
Das war's aber auch schon. Beim zweiten Mal habe ich gar nichts gemerkt, was auf das Kortison zurückzuführen sein könnte.

Dass man gleich acht Wochen lang Kortisonschaum nimmt bei einem milden Schub, hört sich für mich etwas übertrieben an.

Viele Grüße
Polly
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Re: Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon neptun » Fr 4. Jan 2019, 17:31

Oh, Fehler in meinem Text.
Claversal und Salofalk wirken im Dickdarm.
Und Entocort rektal wirkt natürlich auch rektal.
Ich schrieb von den Kapseln, aber die waren gar nicht das Thema.
Entschuldigung an den Arzt.
Da machen die Finger mal etwas, was der Geist gar nicht will. ;)

LG Neptun
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Re: Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon nelda » Sa 5. Jan 2019, 14:41

Hallo Neptun, danke für die ausführliche Antwort! Ich nehme Salofalk Rektalschaum 1g und 4.8g Mesalazin. Ich weiß nicht wie weit die Colitis sich im Moment ausgebreitet hat. Als es das erste Mal diagnostiziert wurde war es eine Pancolitis. Davor würde mir drei Jahre lang gesagt ich hätte wahrscheinlich Lebensmittelallergien. Damals, bei der ersten Diagnose, wurde mir dann auch Cortison empfohlen aber in Tablettenform (prednisolon). Ich habe mich aber damals dagegen entschieden und kam zum Glück mit Mesalazin und Diät in die Remission. Dann habe ich zwei Jahre unterschiedliche Formen von Mesalazin ausprobiert, claversal, Pentasa und dann mezavant. Danach war ich vier Jahre lang schubfrei zum Glück... diesmal ist der Schub viel milder, kein Blut und zur Zeit auch kein Durchfall, nur manchmal Schleim, was auch vom Klysma sein kann, aber 3-4 toilettengänge am Tag. Ich mache auch die SCD Diät, da esse ich Unmengen, um die Kalorien reinzubekommen... Ich hatte aber nur eine Sigmoidoskopie und dabei kam raus, dass der Dickdarm im rektalen, Sigmoid und linksseitigen Bereich leicht entzündet ist. Zum Zeitpunkt der Untersuchung war ich aber auch schon auf 4.8g Mesalazin seit zwei Monaten. Ich hoffe einfach nur dass ich es ohne Cortison wieder schaffe. Dazu kommt, dass ich im Moment auch noch stille. Meine kleine ist schon 2 und will sich einfach nicht abstillen lassen, was ich wohl bei Cortison müsste.
Danke Polly für deine Antwort. Gut dass es bei dir so schnell gewirkt hat. In welchem Bereich hattest du die Entzündung?
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Re: Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon neptun » Sa 5. Jan 2019, 17:46

Hallo Nelda,

das klingt alles sehr erfreulich, wie ich finde.
Mit der Empfehlung zum Entocort Rektalschaum kann man die Therapie etwas intensivieren. Mag helfen und ein Versuch ist es vielleicht wert, weil die Kombination auch meist gut anschlägt. Über Nacht das Mesalazin, am Vormittag dann das Budesonid, wenn man eine halbe Stunde nicht auf die Toilette muß. Dann sollte der Wirkstoff aufgenommen worden sein.
So ein Sprühstoß hat 2mg und da das Budesonid vor Ort, also topisch wirkt, so kommt auch kaum etwas in den Körperkreislauf. Dazu sind 2mg wirklich wenig.

Hast Du Dich mal auf der Seite von http://www.embryotox.de bezüglich Deiner Zweifel Stillen-Cortison informiert? Das ist die Seite, wo sich auch Ärzte informieren.

Ich wünsche Dir und Deinem Kind weiterhin alles Gute.

LG Neptun
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Re: Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon neptun » Sa 5. Jan 2019, 18:31

Falls Du mit Budesonid therapieren willst, der Budenofalkschaum ist durch die Druckdose etwas kompliziert zu applizieren und sicher gewöhnungsbedürftig, die Herstellung des Entocort rektal aus der Tablette in einem Klysma aber auch kompliziert.

Der Schaum wird sicher sofort zusammenfallen und ist daher gut zu halten, wenn der Gasdruck nicht stört. Das Klysma wird sicher abends im Liegen besser zu halten sein, aber dann hättest Du mit dem Salofalk Rektalschaum eine Konfusion.

Da lobe ich mir das Colifoam (Hydrocortisonacetat), welches leicht zu applizieren und zu halten war. Nur gibt es das zur Zeit nicht auf dem Markt.

LG Neptun
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Re: Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon nelda » Do 10. Jan 2019, 18:22

Das sind alles super Tipps. Du hattest auch noch Cortiment erwähnt. Ich hatte in der Zwischenzeit leider wieder Stress und nun mehr Symptome... ich habe das Entocort aber trotzdem bisher nicht angefangen. Eine Sache geht mir noch im Kopf herum - ich frage mich, ob wenn Cortison, das Cortiment vielleicht nicht besser helfen würde, weil es ja gut sein kann, dass der ganze Dickdarm bei mir entzündet ist. Aber weißt du vielleicht wie dabei die Nebenwirkungen waren? Ich wohne in England da heißt das Medikament glaube ich Clipper. Es enthält 5mg Beclomethason und der Arzt hat es auch als Alternative vorgeschlagen.
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Re: Entocort Nebenwirkungen

Beitragvon neptun » Do 10. Jan 2019, 20:24

Hallo Nelda,

aus England kommt also dieses Cortison. Ich hatte mich immer gewundert, daß Beclomethason namentlich in der Leitlinie cu erwähnt ist, nicht aber Betamethason.
Bei uns gibt es Betamethason als Klysmen mit 5 mg in 100ml. Heißen Betnesolklysmen. Damit sind es die größten Klysmen und die gibt es schon seit den 80er Jahren.
Die Verbindungen sind ähnlich, aber nicht übereinstimmend. Somit weiß ich auch nicht, ob sie das gleiche Prednisolonäquivalent haben.
Nehme es aber mal als ziemlich sicher an.

Das Problem, Betamethason ist ein viel stärker wirkendes Cortison als Prednisolon.

Um eine Vergleichbarkeit in der Wirkung herzustellen, gibt es das Prednisolonäquivalent.

Damit hat Betamethason auch ein viel größeres Nebenwirkungsrisiko. Nun wirken Klysmen rektal ja vor Ort, also topisch. Aber nach der Umrechnung mit dem Prednisolonäquivalent wirken die (nur) 5mg so stark wie min. 35 mg Prednisolon. Da die Fachinfos dazu nicht einheitlich sind, kann die Wirkung auch noch größer sein.
Somit kann man also leicht, besonders wenn man dafür eine Prädisposition hat, auch systemische Nebenwirkungen bekommen.
Ist also schon ein Hammermedikament.
Und damit das Beclomethason möglicherweise auch.

Ich hatte das früher manchmal, konnte es später aber nicht mehr halten. Die Wirkung war merkwürdigerweise unterschiedlich. Manchmal gut, manchmal dacht ich, da ist wohl nur Wasser drin. Da ich das nie dauerhaft oder über längere Zeit nahm, so hatte ich keine Nebenwirkungen.

Aber wir haben Berichte, wo es zu Nebenwirkungen wie Cushingsyndrom führte.

Cortiment heißt in den USA Uceris, wo es auch schon Jahre vor Deutschland zugelassen wurde.
Darin ist der Wirkstoff Budesonid. Für den gibt es kein Prednisolonäquivalent.
Generell nach der THeorie ist Budesonid gut verträglich und mit sehr geringen Nebenwirkungen. Eine Prognose würde ich trotzdem nicht wagen. Man kann es nur ausprobieren. ;)

Cortiment hat 9mg je Tablette und setzt den Wirkstoff nach der MMX-Matrix frei. Wie auch Mezavant (5-ASA). Hier ein Link dazu.
http://www.krankenpflege-journal.com/inneremedizin/gastroenterologie/1574-mezavantr-mmxr-mesalazin-seit-dem-1-januar-2009-auch-als-n3-mit-120-tabletten-pro-packung-erhaeltlich.html

Bei Clipper steht dies:
"clipper® 5 mg
Gastro-resistant Prolonged-release Tablets
beclometasone dipropionate"

Damit ist es sicher kein Budesonid und auch die 5mg sind eine andere Dosierung.

Wenn aber Beclomethason ähnlich dem Betamethason ist, dann sind die 5 mg entsprechend oben ein ziemlicher Hammer.

Aber ich weiß es nicht, es ist meine Vermutung.

Es hilft Dir hoffentlich trotzdem weiter. :)

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