Psyche fährt Achterbahn

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon Trüffel » Do 13. Dez 2018, 23:36

Hallo liebes Forum :)
Die Krankheit als solche, damit verbundene Krankenhausaufenthalte, OPs, zig Medikamente, ein ständiges Hoffen und Bangen und dann am Ende doch wieder Enttäuschung... Das Alles zehrt an der Psyche. Körperliche, berufliche Veränderungen, plötzliche Einschränkungen, nie gekannte Ängste. Ein Hausarzt, der Depressionen feststellt, zwischenzeitlich kurze Lichtblicke, was die Psyche anbelangt.
In letzter Zeit schreckliche Albträume. Wenn ich ehrlich bin, spiegeln sie das Erlebte und die Ängste wieder. Szenen vergangener Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte kommen hoch.
Mein Problem: So richtig kann ich das, was in den letzten Jahren passiert ist, nicht wirklich verarbeiten.
Mit meiner behandelnden Gastroenterologin habe ich da noch nicht wirklich drüber gesprochen. Sollte ich vielleicht besser tun?
Ich habe schon von posttraumatischen Belastungsstörungen durch CED gehört. Muss ich mir da Sorgen machen?

- Ich war fest daran, einen geeigneten Psychotherapeuten zu finden, aber entweder mind. 9 Monate Wartezeit oder Selbstzahler (das kann und will ich mir auch nicht leisten (ich hab mir die Krankheit und damit verbundene Nebenwirkungen nicht selbst ausgesucht)). Habe gehört, dass es wohl auch Kliniken/Rehazentren gibt, die auf CED in Kombination mit der Psyche eingehen. Was ist davon zu halten?
Auf der einen Seite stelle ich es mir ganz gut vor. Man ist richtig weg, kommt raus von allem, hat Leute an der Hand, die um die Problematik einer CED Bescheid wissen.
Auf der anderen Seite habe ich Angst, dass ich dann vielleicht ganz am Rädchen drehe.
...Ach, ich bin so unentschlossen, was ich tun soll, wie auch das seelische Innenleben wieder ein Stück Gleichgewicht und Normalität erfahren kann.
Mein Chirurg hat mir diese Woche beim Fädenziehen geraten, in der nächsten Zeit nur das zu tun, was mir Freude macht und mich aufbaut, damit ich richtig auf die Beine komme.
Wenn ich ehrlich bin, was mir Freude macht: Spazierengehen, lesen, bei meinen geliebten Pferden sein. Nichts Weltbewegendes, sie putzen, führen, einfach in ihrer Nähe sein. Das tut mir gut, weil ich das Gefühl habe, dass sie mich so ohne Worte verstehen. Aber ich weiß nicht, ob es ausreicht, um wieder richtig auf die Beine zu kommen.

Bei wem fährt die Psyche auch Achterbahn? Wie könnt ihr Erlebtes verarbeiten? Muss da immer ein Psychologe ran?

Ist nicht so, dass ich nur den ganzen Tag rum heule, habe auch mal Lichtblicke. Aber Albträume, Selbstzweifel, Zukunftsängste - nagt einfach manchmal ein bisschen zu viel an mir.

Grüße von Trüffel
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon Korona » Fr 14. Dez 2018, 00:31

Hallo Trüffel,

bei Deinem Bericht über Deine Pferde fiel mir ein, dass ich gerade diese Doku gesehen hatte:
https://m.youtube.com/watch?v=f6NnND4lB84

Bestimmt ist das genau richtig, wenn Du Dich u.a. mit Deinen Pferden erholst! Ich kann auch am besten in der Natur, bei langen Spaziergängen und beim Sport oder Radfahren wieder Vertrauen zu mir, und in mein Leben finden!
Diese Dinge machen Kopf und Herz freier und leichter! Und wenn der Körper nicht immer das macht, was wir wollen, können wir durch Bewegung und in der Natur wieder eine bessere Akzeptanz für ihn finden. Das ist meine volle Überzeugung und auch meine Erfahrung!

Es ist die Frage, ob es wirklich eine Depression ist, oder einfach eine vollkommen berechtigte Trauer, Wut und Verzweiflung, wenn wir uns so viel mit belastenden Themen befassen müssen!?
Deine Psyche ist völlig okay! Es wäre nur schön einen Weg zu finden, der Dich trotz der Belastungen dauerhaft in einen handlungsfähigen, aktiven und selbstbestimmten Zustand bringt. Dabei kann ein Psychologe, oder auch eine Selbsthilfegruppe oder ein guter Freund/in o.ä. helfen.

Man muss sehr kritisch sein, und nicht jeden Therapeuten akzeptieren! Es macht m.E. keinen Sinn stundenlang in der Vergangenheit zu wühlen, sondern es geht darum, aktive Unterstützung bei der Bewältigung aktueller Probleme zu bekommen. Auf der Suche nach einem Therapeuten kannst Du fünf probatorische Testsitzungen in Anspruch nehmen!

Eine Reha kann helfen, weil man sich dort mit Betroffenen austauschen kann und manchmal gibt es auch ganz gute Therapeuten für einen ersten Einstieg. Manchmal kommt man während der Reha aber auch nicht recht weiter, die Zeit ist kurz, und die Therapeuten haben selbst immer nur die kurzen Ausschnitte mit den wechselnden Patienten. Das kann nur ein knappes Anreißen sein.

Ich finde, Du hast Deinen guten Weg schon gestartet, und vielleicht ist sogar ein Coach eine gute Wahl, das geht nicht so tief, ist nicht so aufrührend, und zeigt ggfs. bessere Handlungswege auf. Sich ein paar Stunden privat zu gönnen, ist etwas, was Dir auch mehr Handlungsfreiheit belässt. Denn eine Therapie heißt auch immer, sich damit in die offenlegende Psycho-Mühle der Krankenkasse zu begeben.

LG
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon glöckchen09 » Fr 14. Dez 2018, 10:35

hey Trüffel,

ich bin auch durch zig behandlungen, untersuchungen ops usw ziemlich im eimer, was die psyche angeht. ich träume davon, es kommt plötzlich alles hoch im alltag. es lässt mich fast verzweifeln. ich hab eine art phantomschmerz an den armen von infusionnadeln usw...
es ist quasi alles zu viel und wächst mir über den kopf.
wenn es ging würde ich gerne meinen speicher löschen lassen=)

ich beginne nun im januar eine traumatherapie um all die erlebnisse irgendwie zu verarbeiten.
wieso sich nicht helfen lassen?
mit körperlichen beschwerden rennen wir doch auch ständig zum arzt, wieso nicht mit seelischen?

ja, einen therapeut zu finden ist nervtötend und zeitraubend. aber lass dich doch auf die wartenlisten schreiben. hab ich auch gemacht, eine woche später ein anruf, platz ist frei=)
man hat ja auch mal glück im leben ;)

und wenn du warten musst...joa ohne behandlung wartest du ja auch ,,nur" ab, oder?

liebe grüße, glöckchen09
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon Trüffel » Fr 14. Dez 2018, 13:10

Vielen, vielen lieben Dank für eure beiden Antworten!
Sehr tröstend, sehr ermutigend. Man kommt sich manchmal so allein vor und denkt, man ist der einzige Mensch auf der Welt, bei dem die Psyche rauf und runter geht.
DIE Lösung schlechthin wird es wohl für keinen geben. Aber eure Anregungen finde ich gut, helfen mir nochmal ein bisschen von außen auf mich draufzuschauen, in mich reinzufühlen und rauszufinden, was ich brauche.
Bin in einer Selbsthilfegruppe, wo ich persönlich schon Rückhalt finde. Beim nächsten Treffen werd ich gezielt nach psychologischer Behandlung fragen und was die anderen damit für Erfahrungen gemacht haben.
Nächste Woche bin ich bei meiner Gastro. Ich denke, es ist vielleicht gut, mit ihr über Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung zu sprechen. Wird mich schon Überwindung kosten, aber vielleicht lohnt es sich.

@ glöckchen09: Von Traumatherapie hab ich bisher noch nichts gehört. Ist das bei dir ambulant oder gehst du da in eine Fachklinik o.ä.?

Nochmals danke für eure Rückmeldung und schönes Wochenende!
Trüffel
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon glöckchen09 » Fr 14. Dez 2018, 14:56

hey trüffel,

ich hab in meiner zeit im kh dieses jahr leider einiges an scheiXXe erlebt...
und das holt mich immer wieder ein.
das mit den weinattacken kenn ich...wir sind stark bis dahin und irgendwann läuft das fass über=)

meine therapie wird ambulant laufen. hab das auch noch nicht gemacht, bin gespannt wie das abläuft=)

grüße, glöckchen09
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon Banditensocke » So 16. Dez 2018, 17:19

Falls eine PTBS diagnostiziert wird, ist Trauma-Therapie der richtige Ansatz - je zügiger desto besser. Ggf. wäre dann auch eine Klinik die richtige Adresse. hier http://posttraumatische-belastungsstoerung.com/traumaklinikeneine Seite mit Kliniken, die auf Traumabehandlung ausgerichtet sind. Man darf allerdings nicht erwarten, dass man dort auch in Sachen CED fit ist.
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon glöckchen09 » So 16. Dez 2018, 17:43

hallo banditensocke,

danke für den link. ich warte mal abw as der psychotherapeut meint..

trüffel wie siehts bei dir?

liebe grüße, glöckchen09
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon Trüffel » Mo 17. Dez 2018, 15:18

@ Korona: Habe mir die Doku angesehen und war sehr bewegt, wie die Therapiepferde auf die einzelnen Menschen und ihr Schicksal eingehen und ihnen helfen können.

@ Banditensocke: Danke für den Link! Ist bestimmt auch für andere hier im Forum nicht uninteressant.

@ glöckchen09: Diese Woche habe ich einen Termin bei meiner Gastro; mal schauen, welche Möglichkeiten sie sieht, um besser mit allem umgehen zu lernen. Gleich im neuen Jahr steht ein Termin beim HA an; als ich am Entlassungstag bei ihm war, um mich AU schreiben zu lassen, haben wir auch über die psychische Belastung gesprochen; im Januar soll ich nochmal kommen, damit wir das weitere Vorgehen besprechen können - ob Reha oder ambulante psychotherapeutische Behandlung... Ist der HA auch erste Anlaufstelle für PTBS? Er stellt wahrscheinlich eine Verdachtsdiagnose und schickt einen dann weiter zum Facharzt (Psychiater) oder Psychotherapeuten?
Hast du einen speziell für die Traumatherapie ausgebildeten Therapeuten?

In der Zwischenzeit hat sich noch eine Frage aufgetan: Einer aus meiner SHG hat mich auf psychoonkologische Betreuung angesprochen, nachdem er von den KH- und Crohn-Erlebnissen der letzten Jahre erfahren hat. Er hat von sich aus gemeint, dass es mir helfen könnte, den Weg der Krankheit und ihre Folgen besser zu verarbeiten, und dass ich meine Gastro mal danach fragen sollte.
Steht eine solche Betreuung einem CEDler überhaupt zu? Ist man als CEDler dann nicht in der Trauma-Therapie besser beraten?
Tut mir leid für all diese Fragen, aber es gehen einem manchmal einfach so viele Gedanken durch den Kopf...
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon Korona » Mo 17. Dez 2018, 18:15

Hallo Trüffel,

schön, dass Dir die Sendung gefiel!

Ich weiß nicht, ob speziell ein Psychoonkologe der richtige Therapeut für Dich ist? Natürlich kennt er sich mit schweren Erkrankungen aus, auch mit plötzlichen Diagnosen und dann befasst er sich aber ja sicher auch stark mit der Auseinandersetzung mit dem Lebensende, weil viele onkologische Patienten dieses Thema beschäftigt.

Die Krankenkassen zahlen üblicherweise eine Therapie bei einem Psychotherapeuten der eine anerkannte Ausbildung in Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie oder Psychoanlalyse hat. Der Therapeut erstellt einen Bericht nach den in meinem vorigen Beitrag erwähnten probatorischen Sitzungen, mit dem dann der Antrag bei der KK gestellt wird. Dort prüft ein Gutachter, ob Du Anspruch hast. Meist wird erst eine Kurztherapie=25 Stunden bewilligt, die ggfs. nochmal verlängert werden kann.
Solltest Du einen Anspruch auf den Beamtenstatus haben, solltest Du Dir sehr gut überlegen, ob Du eine von der KK bezahlte Therapie machen willst!!

Ein guter Therapeut hat eine der obigen Qualifikationen, und sich außerdem in vielfältigen anderen Therapieformen fortgebildet, die jedoch selten von der KK anerkannt werden.

Eine Traumatherapeut kann auch diverse Formen/Techniken verwenden, es ist aber nicht jede Technik hilfreich.

Von guten Therapeuten habe ich über Erfahrungen mit https://www.somatic-experiencing.de gehört und auch selbst etwas dazu gelesen. Mir gefällt der Ansatz u.a. darum, weil mit Körpererfahrungen gearbeitet wird....für jemanden der ein Problem mit seinem Körper hat, sicher ein logischer Weg.

LG von Korona
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Re: Psyche fährt Achterbahn

Beitragvon Trüffel » Di 18. Dez 2018, 23:18

Hallo Korona,

ähnliche Gedanken sind mir hinsichtlich der Psychoonkologie auch schon durch den Kopf gegangen. Vielleicht wäre es besser (wenn ich den Schritt in die Therapie wage), zuerst mit der "normalen" Psychotherapie zu beginnen, also die Art Therapie, die auch die KK übernimmt und auf die du schon eingegangen bist.

Einen Anspruch auf Beamtenstatus habe ich nicht (und werde ich wahrscheinlich auch nicht haben). Momentan stehen meine beruflichen Pläne ganz offen. Die Krankheit hat einfach zu viel durcheinander geworfen. Ich werde mich in den nächsten Monaten darauf konzentrieren, wieder ins Gleichgewicht zu gelangen, physisch wie psychisch, um auch wieder belastbar zu werden. An irgendeine Art von Berufsleben brauche ich derzeit nicht denken.

Ich hoffe, ich kann mit meiner Gastro darüber sprechen. Mir fällt es oft schwer, gerade beim Facharzt über die Psyche zu sprechen, weil ich bisher oft Angst davor hatte, als "Psycho" abgestempelt zu werden und dass meine Beschwerden dann nicht ernst genommen werden - obwohl ich bei meiner Gastro in wirklich guten Händen bin und ihr eigentlich auch sehr vertraue. Aber die Angst ist leider so oft stärker.

Danke für den Link zur Therapie mit Körpererfahrungen! Sehr interessant! Mir war bisher gar nicht bewusst, welche Vielfalt an Therapiemöglichkeiten es gibt.

LG von Trüffel
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