Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurecht?

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Korona » Fr 28. Sep 2018, 21:50

Hallo Elfe,

ich verstehe nicht so recht, worüber Du Dich eigentlich beklagst. Sicher ist es nicht einfach, plötzlich mit dem Rentnerdasein zurecht zu kommen. Tut mir leid, wenn ich jetzt mal etwas direkt frage:
Bist Du nun arbeitsfähig oder nicht? Oder war es doch nicht so schlimm mit den Symptomen?
Und meine Colitis ist auch jetzt - zu Hause - nicht so stabil

Oder ist das Dasein im ÖD so gemütlich, dass es Dir nicht wie Arbeit vorkommt? Du schreibst, dass Du als Ausweg nur die EM-Rente gesehen hast...das ist dann ja eher eine Flucht nach vorn und nicht eine durch Symptome begründete, und ausweglose Situation. Wolltest Du das wirklich so mit dieser Konsequenz haben?
Warum weißt Du trotz Rentenberater und VA-Arbeitsplatz nicht, dass beim dritten Antrag die unbefristete Rente ansteht, oder man sowieso von der KK ausgesteuert wird?

Habe ich etwas falsch verstanden? Jeder normale Mensch müsste jubeln, wenn er endlich in Rente ist, weil er einfach nicht mehr arbeiten kann.
Ein Teil des Rentendaseins ist, dass es niemanden mehr interessiert was Du tust, und dass Dir auch die Erfolgserlebnisse des Berufslebens fehlen und die Krankheit niemanden in Deinem Umfeld mehr interessiert, weil nur noch Du davon betroffen bist, keine Kollegen mehr. Deine Freunde werden immer arbeiten, während Du nun „dauerfrei“ hast und eine sinnvolle Beschäftigung finden musst, denn Du bist ja auch nicht mehr damit beschäftigt, Dich wieder arbeitsfähig zu machen. Das interessiert alles niemanden mehr. Auch nicht, wenn es Dir nicht gut geht....Du musst ja nicht mehr arbeiten, ist egal, ob Du funktionierst oder nicht.

Das was Du schreibst hört sich an, als wenn es so dann doch nicht gemeint war....also überlege Dir gut, was Du willst und was für Deine Gesundheit wichtig und richtig ist. Denn Dein Leben ist noch lang, und jetzt geht es erst los, mit dem wirklichen Rentnerdasein mit all seinen Folgen.

Viel Glück für ein erfülltes und glückliches Rentenleben!

Gruß, Korona
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon neptun » Fr 28. Sep 2018, 22:42

Hallo

Ich finde es unstrittig, daß die Beantragung einer EM-Rente eine Entscheidung ist, die dann zwar als notwendig gesehen wird, über deren Ausmaße, Folgen sich aber wahrscheinlich niemand so richtig umfassend die Gedanken macht zu diesem Zeitpunkt, wie ich sie in meinem Aufsatz geschildert habe.

So kommt es dann auch zu den Problemen, die niemanden insgesamt treffen müssen, die aber sicher doch immer in Teilen zutreffen.
Nur kann man sich ihnen auch nicht entziehen, weil einmal in Gang gebracht, kann man nur reagieren. Wie man das macht, das liegt bei jedem in den eigenen Möglichkeiten.

Daher sehe ich es indifferent, was man jemandem raten soll, was jemand tun soll, wie jemand etwas empfinden oder aufnehmen soll.

Etwas anderes.
Den Bescheid wird man nicht anfechten können, wie ich meine, im DRV-Forum mal gelesen zu haben. Denn die DRV hat die Hoheit der Entscheidung über die EM-Rente und wenn das Maximum beschieden wurde aus (wahrscheinlich) guten Gründen, dann wird man keinen Erfolg haben. Schließlich müßte man der DRV wiederum nachweisen, daß man noch eingeschränkt erwerbsfähig ist. Da wird man keine Argumente auf seiner Seite haben.

Und normal ist ein Arbeitsverhältnis mit der vollen EM-Rente auf unbestimmte Zeit spätestens beendet. Damit wird auch trotz Widerspruch der Arbeitgeber das Verhältnis als beendet sehen und das Recht auf seiner Seite haben. Ich meine, es steht so auch im TV.

Eine Arbeitsaufnahme muß immer der DRV gemeldet werden. Sie weiß es also und wird nicht erst indirekt über den AG davon erfahren.

Die monetäre Urlaubsabgeltung wird als Hinzuverdienst gewertet. Wird aber wahrscheinlich unschädlich sein und nicht zu einer kurzzeitigen Rentenkürzung führen.

LG Neptun
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Die Elfe » Mi 14. Nov 2018, 13:56

Hallo Ihr Drei,

ich wollte mich jetzt nochmal zurückmelden, hatte euch nicht vergessen (!), aber leider ging es mir nicht gut...

Für mich war es nicht einfach, zu akzeptieren, dass mein Verlauf so schwer bzw. kompliziert ist, dass ich dadurch nun dauerberentet wurde. Sicher bin ich froh, dass es solch eine Absicherung gibt, aber ich wäre eben lieber gesund und arbeitsfähig. Ich hadere eben ein bisschen damit.

@Korona: ja, glaube mir, die Rente ist berechtigt, haben auch alle aus meinem Umfeld gesagt, die meinen Verlauf kennen. Auf dem letzten Seminar bin ich schon wieder auf Kolektomie angesprochen worden, eine Dauerrente bekommt keiner heutzutage umsonst ;) Und nein, es ist keine Regel, dass man nach dem 3. Antrag gleich dauerberentet wird, bei einigen geht es sogar noch schneller, bei einigen nach dem 4. oder 5. Antrag - hab ich alles schon gehört und gelesen. Mein Rentenberater hat z.B. auch nicht damit gerechnet, dass ich nach dem 3. Verlängerungsantrag schon dauerberentet werde, da der Versicherungsträger nicht gerne zahlt.

Jedenfalls habe ich jetzt die Dauerrente angenommen, wie sie ist und den Arbeitgeber informiert. Des Weiteren habe ich mich auch gleich über meinen Einsatzort und Behandlung dort beschwert. Die Kraft dazu hätte ich damals noch gar nicht gehabt. Aber viel Resonanz gab es darauf auch nicht. Mir wurde nur gesagt, sollte es mir eines Tages wieder besser gehen, könne ich mich wieder bewerben, sie würden Leute mit Erfahrung suchen. Auch mein Einsatzort, das Versorgungsamt an sich, war nicht begeistert, da bald viele Leute dort in Rente gehen und sie dann wohl bald sehr dringend neue Mitarbeiter suchen.

Nun ja, seit etwas über einer Woche ist die Blutung verschwunden, so dass es mir jetzt erstmal körperlich etwas besser geht... Wäre schön, wenn man eines Tages als gesund gelten würde, aber wie... So eine OP ist ja auch nicht immer die Gesundung, wie ich schon gehört habe. Mit einer Dame, die operiert wurde, konnte ich einmal tel. und sie kann bis heute auch mit Pouch nicht mehr arbeiten. Aber es wird sich zeigen, was die Zeit bringt... Meine Freunde meinten, jetzt kommt durch die Dauerrente viell. mehr Ruhe in die Colitis sozusagen rein - schön wäre es ja.

@Thilo: schön, dass Du mit Deinem Wissen wenigstens hier den Menschen helfen kannst und somit noch eine Aufgabe hast :-) Ja, schade, wenn die Leute nicht anworten, obwohl Du Dir soviel Mühe gegeben hast. Ich hoffe und denke trotzdem, dass sich die User hier über Deine Antworten freuen...

@Neptun: ja, da hast Du Recht, das finde ich auch unstrittig. Ich war damals auch gar nicht gesundheitlich in der Lage an irgendwelche Folgen zu denken, was eine Rentenbeantragung dann mit sich bringen könnte: Depressionsrückfall nach Mobbing und im KH mit schwerem Schub und wieder 2 Blutkonserven (21 insgesamt in all den Jahren). Da der Arbeitgeber mich eh schon immer mit einer EM-Rentenbeantragung genervt hatte, die ich gar nicht wollte, habe ich in diesem schlimmen Krankheitszustand, der sich dann noch lange hinzog, einfach nur noch nachgegeben.

Man denkt ja auch immer, man kommt aus der Nr. irgendwann wieder raus und eine dauerhafte Besserung der CU tritt ein. Aber lassen wir das, es ist nun mal so, wie es jetzt ist.

Achso, Neptun, Laut RA stehen mir noch 3 Jahre Urlaubsgeld zu. Da bin ich jetzt mal gespannt, ob sie diese auch ordnungsgemäß am Monatsende zahlen. Ja, eigentlich müsste das unschädlich sein, was die Rente betrifft. Der Rentenberater sagte mir, ich hätte bis Ende des Jahres noch ca. 6300 Euro Hinzuverdienst offen, wenn ich es richtig in Erinnerung habe; das wird ja dann passen.

So, ich hoffe, dass es euch einigermaßen gut geht und grüße euch alle!

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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Banditensocke » Sa 17. Nov 2018, 13:23

Liebe Elfe,

ich kann Deine Gefühle in Bezug auf die Verrentung sehr gut nachvollziehen.

Ich bekomme seit 15 Jahren eine Rente - von einer Führungsposition in der Privatwirtschaft ins Nichts, sozusagen. Das war ein harter Brocken, der mich psychisch sehr gefordert hat. Ich musste lernen, mein Selbstbild und meine gesundheitliche Siutation zu einem "Ganzen" zusammen zu fügen. Vor meiner Verrentung habe ich eher nach dem Motto gelebt - und war auch dazu gezwungen - okay, ich bin sehr krank, aber im Oberstübchen erheblich fitter als sehr viele Menschen. Ich habe also kompensiert. Meinen Job im Management habe ich bekommen, weil ich der GL "bewiesen" hatte, dass ich mehr leiste als meine gesunden Kollegen. Heute finde ich das extrem krank und paradox. Ich habe mich in den Jahren als FK im Management buchstäblich zugrunde gearbeitet, zuletzt habe ich eigentlich nur noch gearbeitet oder geschlafen.

Das "Nichts" der Rente war ein Sturz ins Bodenlose, ich habe lange gebraucht, um mich mit mir selbst als krank und schwerbehindert anzufreunden und mich anfangs sehr geschämt. Ich sah aber in der Zeit nach der Verrentung auch, wie ich mich physisch in vielerlei Hinsicht erholte, beispielsweise hinsichtlich der Krankheitsaktivität. Natürlich wurde ich nicht gesund - aber insgesamt ging es mir körperlich und nach einer Therapie auch psychisch erheblich besser.

Obwohl ich eigentlich eine unbefristete Rente bekomme, trudelte letzte Woche wieder einmal ein Schreiben der RV ein - ich sollte den üblichen Fragenkatalog beantworten und Befunde einreichen. Ganz ehrlich: Ich weiss nicht, was sich die Verantwortlichen dabei denken, denn es liegt völlig auf der Hand, dass mir kein neuer Darm wachsen oder der M. Crohn verschwinden wird. Auch an meinem GdB hat sich nichts verändert. Im Zuge des Älterwerdens kommen stattdessen andere Probleme hinzu - beispielsweise Gelenk-, und Muskelprobleme. Und wie ich nach 15 Jahren Abstinenz wieder in einen privatwirtschaftlichen Arbeitsmarkt eintreten und dort einen Arbeitstag überstehen sollte, erschliesst sich mir auch nicht, denn das ist einfach nur realitätsfremd. Aber gut - ich habe den Fragebogen nebst aktueller Befunde (hatte am 25.10. erst eine OP, ultratiefe anteriore Rektumresektion und TME) eingereicht und harre nun der Dinge, die da kommen.

Es klingt so, als habest Du ähnliche Diskrepanzen in Sachen Selbstbild / Fremdwahrnehmung / Krankheitsrealität wie ich. Daher möchte ich Dir nahe legen, Dir, wenn Du merkst, dass Du aus dem Tief, das solche Anpassungsschwierigkeiten auslösen können, nicht allein heraus findest, Hilfe zu holen. Wir alle haben uns weder unsere Erkrankungen noch die viel zu frühe Verrentung gewünscht. Ich würde GERN fröhlich und motiviert arbeiten, mir FEHLT mein Arbeitsalltag, so stressig er auch gewesen ist. Das Gefühl, Dinge bewegen zu können, ist einfach wunderbar und bereichernd. ABER: die Bedingungen, unter denen Arbeitskräfte heute oft arbeiten müssen, ermöglichen es Menschen mit schweren Erkrankungen leider häufig nicht, am Arbeitsmarkt zu partizipieren. Das kann man, wie ich am eigenen Leib erfahren habe, leider nicht durch noch so ausgeklügelte Strategien kompensieren.

Es bleibt daher nur, eine Anpassungsleistung zu erbringen und sich mit dem, was IST anzufreunden, das Beste daraus zu machen.

Ich wünsche Dir, dass Dir das gelingen möge!

Liebe Grüße!!
Banditensocke
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Die Elfe » Mo 19. Nov 2018, 19:30

Hallo Banditensocke (harhar, lustiger Name) ;),

vielen Dank für Deine lieben Zeilen und Wünsche! :)

Dann warst Du ja in einer ähnlichen Situation wie ich jetzt bzw. hast es auch sehr ähnlich empfunden. Ja, es ist schlimm, wenn man das Gefühl hat, man muss beruflich mehr beweisen, als die Anderen, weil man nicht gesund ist. Kann ich aber sehr gut nachvollziehen. Ich hatte auch öfter das Gefühl, ich müsse noch ein Quäntchen mehr beweisen, was ich drauf habe. Ich hatte ja auch eine (teilweise) Führungsposition, hab sehr gerne und gut gearbeitet und viel organisiert etc. und wollte beruflich eigentlich auch noch weiterkommen, aber die Gesundheit spielte nicht mit.

Ich habe mich jetzt nach 5 oder 6 Wochen nach Erhalt des Bescheides über die Dauerrente glücklicherweise wieder "gefangen". Meine Freundin zitiert immer dieses buddhistische Sprichwort: "Über Dinge, die Du nicht ändern kannst, brauchst Du Dich auch nicht aufregen." Da ist was Wahres dran. Eine andere Freundin meinte, dass jetzt viell. mehr Ruhe dadurch einkehren würde und tatsächlich, seit ca. 2 Wochen bin ich in Remission. Nun ja, ob es daran liegt oder ob nun endlich das zusätzliche Mutaflor anschlägt, sei mal dahingestellt - aber endlich mal kein Blut und Durchfall - ich hoffe, dies wird jetzt mal länger der Fall sein.

Die einzige Sache ist die, dass man sich in der Dauerrente irgendwie neu "erfinden" muss, sich neue kleine Aufgaben oder Tätigkeiten suchen muss. Das ist sicher nicht für jeden einfach. Gott sei Dank habe ich zur Zeit eine Aufgabe. Und ja, Du hast Recht, auch ich habe mich geschämt bzw. mir geht es jetzt eigentlich immer noch so, wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache... Aber ich hoffe, auch dieses Schamgefühl wird noch besser werden. Tauschen wollen würde mit mir auch keiner wollen schätze ich ;)

Ich danke Dir nochmal sehr für Deine Nachricht und wünsche Dir auch alles Gute!

Liebe Grüße von
der Elfe
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