Was sind eure Erfahrungen?

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon LittleMissSunshine » Mo 3. Nov 2014, 15:53

Hallo zusammen,

ich bräuchte mal Eure Hilfe, Meinung und Erfahrung, denn ich weiß mittlerweile weder was ich denken noch tun soll.

Ich habe seit 6 jahren Colitis. Naja erst war es als Crohn diagnostiziert.
Ich habe Tagsüber derzeit kaum Durchfälle und wenn dann sind sie aus Nervosität.
Leider ist es so, dass die Medikamente die mir verordnet werden nicht den Erfolg bringen den ich mir, jedoch in erster Linie mein Arzt,sich wünscht.
Hinzu kommt, dass ich Blut verliere was meinen HB Wert ständig stark absinken lässt und ich Eiseninfusionen benötigte damit ich einigermaßen stabil bleibe.

Wenn ich gute Tage habe gehe ich 5x bei schlechten Tagen bis zu 10x auf die Toilette, wobei die Konstistenz unterschiedlich ist (von wässrig bis breiig)
Das ist noch nicht mal das was mich am meisten stört.
Am allerschlimmsten finde ich die ANGST davor auf die Toilette zu gehen und das BLUT zu sehen. Denn nicht die Durchfälle hindern mich am Leben, sondern diese ständige Blutverlust und die damit verbundene Angst. . . Angst vor dem nächsten Stuhlgang, Angst vor der nächsten Blutabnahme, Angst vor dem Gespräch mit meinem Arzt und seinen Aussagen, sie sind zwar realistisch jedoch nicht das was ich hören möchte. :lol:

Mittlerweile fühle ich mich den Tag über gut und würde auch gerne wieder beginnen zu arbeiten, da ich auch innerlich unruhig bin und nicht weiß wohin mit meiner Energie und mir fehlt der Kontakt meiner Mitmenschen. Ich habe keinen Toilettendrang, nur mein Arzt läßt mich nicht.
Ich bin schon total genervt von diesem Thema, denn in meinem Leben gibt es fast nichts anderes, trotz Ablenkung meinerseits und alle wollen mitreden und sagen was das Beste für mich ist.
Mittlerweile bin ich sehr wortkarg geworden und informationen über mich bzw. meine Erkrankung gibt es nur noch oberflächlich. Ansonsten mischen sich zu viele ein, die keine Ahnung haben. :roll:

Ich habe mich in den letzten Jahren sehr mit meinem Darm auseinandergesetzt und auch festgestellt, dass meine Psyche einen gewissen Anteil an meiner Situation hat.
So habe ich u.a. eine Verhaltenstherapie gegonnen, damit ich solche Gedanken wie "Gleich musst Du bestimmt auf die Toilette. . . ist Dein Bauch ruhig oder geht es gleich los. . . Hoffentlich kann ich heute nacht durchschlafen" nicht mehr denke. Jedoch ist es sehr schwer für mich es auch umzusetzten irgendwo hackt es noch. :(
Ich bin oftmals genervt und getresst durch diese Situation und sehe kein positives Voranschreiten.

Ich würde gerne etwas haben, was meine Darmaktivität hemmt denn ich habe dadurch die Hoffung, dass mein Kopf, denn der beeinflusst schon ordentlich, dann auch ruhiger wird bzw. ich weniger Blutungen habe.
Oder ist das eine zu schöne Vorstellung?

Ich freue mich auf Eure Antworten und danke euch jetzt schon.

LittleMissSunshine :D
Es gibt nichts, was sich nicht durch ein Lächeln lösen ließe
LittleMissSunshine
beginnt sich einzuleben
 
Beiträge: 7
Registriert: Mi 16. Jul 2014, 12:17

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon neptun » Mo 3. Nov 2014, 17:16

Hallo LittleMissSunshine,

willkommen im Forum.

Vorweg. Colitis heißt dem Wort nach, es handelt sich um eine Entzündung (Endung itis) im Dickdarm (Colon). Daher Colitis. Das kann durchaus ein mc sein, der eben dort Entzündung macht. Ist sogar recht häufig. Nur die Stellen, wo sich Entzündung zeigt, die können sehr unterschiedlich sein.

Du kannst ja mal schreiben, an welchen Stellen bei Dir der Crohn Entzündungen verursacht.
Dazu wäre es interessant, welche Medikamente Du in welcher Dosierung schon genommen hast, bzw. auch aktuell nimmst. Im anderen Thread steht ja etwas von Aza.

Wurde bei Dir mal ein Vitamin B12-Status ermittelt? Wenn sich nämlich zwischenzeitlich eine zusätzliche Entzündung im terminalen Ileum entwickelt hat, also dem letzten Teil des Dünndamres, dann kann temporär die Aufnahme dieses Vitamins gestört sein, welches aber für die Bildung der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) wichtig ist.

Deine Beobachtung, die Psyche moduliert das Entzündungsgeschehen, die teilen viele Betroffene.

Die Darmaktivität kann man hemmen, zum Beispiel mit Loperamid, welches viele Betroffene nehmen. Damit wird die Peristaltik des Darmes für ca. 4 Stunden gelähmt. Der Arzt kann es verschreiben. Es ist ein Opiatabkömmling, macht aber auch bei dauerhafter Einnahme nicht süchtig, weil es die Blut-Hirn-Schranke nicht üerwindet.
Paracodin in Tropfenform wäre auch möglich, wenn es der Arzt verschreibt.
Etliche Betroffene regulieren die Stuhlkonsistenz und damit auch möglicherweise die Stuhlfrequenz mit indischem Flohsamen. Je nach Quellgrad und zusätzlicher Wasseraufnahme wirkt er abführend oder auch eindickend und damit hemmend. An die richtige Dosierung muß man sich herantasten.

Wann wurde denn das letzte Mal in den Darm gesehen? Oder gibt es einen aktuellen Calprotectinwert, ein spezifischer Marker für Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, der über eine Stuhlprobe ermittelt wird. Er dient der Verlaufskontrolle und ist weitaus aussagekräftiger als die Entzündungswerte im Blut von vielen Betroffenen, weil diese dort nur ungenügend oder gar nicht ansteigen trotz Entzündung.

Wenn Du mehr Infos gibst, dann kann man vielleicht auch noch näher auf einige Dinge eingehen.

LG Neptun
PS: Viel Blut ist relativ, weil es so enorm färbt. Da bekommt man leicht einen falschen Eindruck, wenn man in die Schüssel sieht. Meinst Du, es ist wirklich so viel, also tropfend, oder vergleichbar der Regelblutung, oder mehr? Dann sollte der Gastro dem vielleicht doch mal nachgehen, um die Blutungsquelle zu finden.
Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
 
Beiträge: 3438
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon LittleMissSunshine » Di 4. Nov 2014, 12:54

Hallo Neptun,

danke für deine schnelle Antwort.
Ich wollte gar nicht so weit ausholen, damit nicht so viel zu lesen ist. ;)
Meine ersten Beschwerden traten linksseitig auf.
Seit Oktober 2012 habe ich eine Pancolititis.
Meine letzte Koloskopie war im Mai dieses Jahres, da war es ziemlich stark entzündet.
Mein terminales Ileum ist nicht betroffen, da bin ich schonmal froh.
Der Calprotectin-Spiegel wurde im August das letzte mal bestimmt. Vielleicht mal wieder anzudenken.
Ich habe mit Cortison und Mesalazin (Granulat, Tabletten und Klister) begonnen, ging dann über zu Azathioprin, Remicade, Humira, Ciclosporin, danach Tacrolimus und bin jetzt seit Oktober bei Entyvio angekommen.
Mit Aza hatte ich die längste Remissionsphase, danach half und hilft alles nur mässig, also kein erreichen der Remissionsphase.
Nur wann ist ein Schub vorbei? Derzeit habe ich keine Blutungen, jedoch Durchfall. Meine Blutwerte, waren soweit ok bis auf meinen niedrigen HB Wert auf dem mein Arzt herumgeritten ist.
Manchmal habe ich das Gefühl das tun sie dann aus lauter Verzweiflung weil sie selbst nicht mehr weiter wissen oder weil ich nicht auf den Vorschlag einer Kolektomie begeistert eingehe.
Ich frage mich ob das wirklich so viel besser wäre?

Ich bemerke, dass wenn mich Themen gedanklich, unterschwellig beschäftigen ich auch des Öfteren zur Toilette laufe, Krämpfe und Blutungen habe.
Das geht oft so lange, bis ich kleine Schissbux das Thema traue anzusprechen, oder auf den Menschen treffe der diesen Gedankengang ausgelöst hat und ihm dann sage, dass dies nicht gut war.
Bis dato bin ich jedoch schon halb wahnsinnig.

Ich würde gerne wieder arbeiten, jedoch findet er es nicht gut.
Entscheide ich das nicht im enddefekt selbst?

Lg LittleMissSunshine
Es gibt nichts, was sich nicht durch ein Lächeln lösen ließe
LittleMissSunshine
beginnt sich einzuleben
 
Beiträge: 7
Registriert: Mi 16. Jul 2014, 12:17

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon neptun » Di 4. Nov 2014, 16:04

Hallo LittleMissSunshine,

leider gibt es mehrere Betroffene mit Pancolitis,ob nun durch mc oder cu, die eine solche übereinstimmende Reise durch die Medikamentenlandschaft aufweisen.

Du nimmst also Entyvio und zur Zeit kein weiteres Medi?

Du schreibst von Durchfall, wässrig bis breiig. Durch Entzündung im absteigenden Dickdarm kann es zu Durchfall kommen, weil dort der Stuhl am meisten entwässert wird. Aber wässriger Durchfall ist eher mit eine Infektion assoziiert.
Vielleicht solltest Du mal untersucht werden auf Clostridium difficile und auch den Cytomegalievirus. Ersteres vermehrt sich gerne nach einer Antibiotikabehandlung mit der Folge einer pseudomembranösen Colitis, letzteres induziert eine CMV-assoziierte Colitis, besonders gerne bei immunsupprimierten Menschen. Eigentlich also meist harmlos, in diesem Fall aber nicht unbedingt.

Was mich etwas irritiert, welchem Medikament hat man denn nun eine Verbesserung zugeschrieben, wenn es keine Blutungen mehr gibt? Warum ist man nicht dabei geblieben?
Oder welche Gründe gab es für diese vielen Wechsel, denn Ciclosporin und Tacrolimus als besonders potente Immunsuppressiva, die gibt man eigentlich nicht in normaler Therapie. Eher im Krankenhaus, wenn die Alternative eine Kolektomie wäre, denn diese Medis sollten nur von Ärtzten verabreicht werden, die damit auch schon länger Erfahrung haben. Das sind meist Ärzte aus der Transplantationsmedizin. Schließlich sind diese Medis in der Dosierung nicht ganz einfach einzustellen und bedürfen auch einer engmaschigen überwachung in Bezug auf den Talspiegel im Blut, damit es nicht zur Vergiftung des Körpers kommt, wie wir hier zumindest ein Mal einen Bericht hatten.

Wie hoch war der Calprotectinwert?

Als Betroffener denkt man gerne, ich habe zwar eine Krankheit, aber mit Medikamenten wird man quasi gesund, auch wenn es bei uns Remission heißt und es wieder zum Rezidiv kommen kann.
Es gibt aber eine nicht geringe Anzahl, bei denen ist die CED chronisch aktiv. Ich habe Linksseitencolitis seit 1998, früher Protitis seit 1979. Aber in all den Jahren war ich nur ein Mal 3 Jahre am Stück in Remission und hatte ansonsten permanent und nachgewiesen eine Entzündungsaktivität. Die dann auch stark erhöht war in Zeiten schwerer Schübe.

So gibt es in der Leitlinie zur cu auch meinen Lieblingssatz, der dies untermauert:
"Die Therapie der refraktären Proktitis kann eine erhebliche klinische Herausforderung
darstellen, weil systemische Therapieformen oder eine Operation unter Umständen, auch
unter Abwägung von Risiken und therapeutischem Nutzen, eine Übertherapie darstellen
können."

Soll heißen, nehme ich alle medizinisch möglichen Optionen wahr oder kann ich mit einigen Symptomen, Beschwerden, Einschränkungen leben? Wobei es eben nicht immer wirklich diese Alternative (jegliche Medikation-Remission) gibt, wie man vielleicht bei Dir sehen wird. Ich habe imperativen Stuhldrang und Du kannst dazu mal meinen Beitrag aus dem Bauchredner lesen, den ich auch hier ins Forum gestellt hatte.
https://forum.dccv.de/viewtopic.php?f=3&t=1502&p=12661#p12661

Wie ich ganz vielen Betroffenen schon schrieb, jeder ist für sich selbst verantwortlich, in seinem Handeln oder Unterlassen. Die Verantwortung kann man nicht im Wartezimmer abgeben. Der Arzt soll aufklären, beraten. Er kann nicht entscheiden. Er ist Dienstleister und man selbst ist Auftraggeber, der ihn auch indirekt bezahlt über die KV.
Entscheiden über Diagnoseverfahren, über Medikation, das tut man immer selbst. Man selbst ist auch der Einzige, der die Folgen zu tragen hat. Das kann einem niemand abnehmen.

Kennst Du eigentlich die Leitlinie zu mc? Hier mal der Link.
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-004.html

LG Neptun
Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
 
Beiträge: 3438
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon LittleMissSunshine » So 9. Nov 2014, 17:02

Hallo Neptun,
danke für deine vielen Infos. :)

Ja Du hast recht, es gibt einige die genau meine Probleme haben. So blöd wie es klingt bin ich jedoch sogar etwas froh darüber, denn Ärzte versuchen einem ja immer einzureden, dass es allen super geht nur einem selbst nicht.
Ich glaube das Ärzte leider manchmal vergessen das ssie keine Endscheidungsgewalt über ihre Ptienten haben und sie damit leider oftmals noch mehr verunsichern wie sie sowieso schon sind.
Bei mir ist es so, dass wenn es mir schlecht geht, mich Leute belatschern können, machmal auch nur um meine Ruhe zu haben.
Leider treffe ich auch öfters auf Ärzte mit wenig einfühlungsvermögen.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es nur Menschen die keine chronische Aktivität haben. Die glücklichen. ;)

Neben Entyvio nehme ich noch 10mg Tacrolimus und ausschleichend ein über den anderen Tag 10 bzw. 7,5mg Cortison.

Meine Entzündungswerte sind sind absteigend, bzw waren aufgrund einer Erkältung erhöht. Jetzt geht es mir allerdings besser und ich bin auf die nächste Blutabnahme gespannt.

Eine Besserung sollte dem Entyvio zugesprochen werden, damit ich das Cortison absetzen kann.
Ich habe einen scheren Verlauf der Colitis weshalb mir eine Kolektomie empfohlen wurde, welche ich ablehne.
Aus diesem Grund habe ich mich stationär behandeln umd einstellen lassen.

Ich lasse jedoch jetzt auch nochmal den Calpritectinwert überprüfen, soll mn ja so alle 3 Monate machen und nun wäre es mal wieder an der Zeit.
Nerven tut mich nur, dass ich immer daran denken MUSS. Naja habe ich wenigsten etwas zu tun. :lol:

Also ich glaube nicht, dass Medikamente allein eine Heilung bzw. Remission erreichen lassen.
Egal welche Medikamente es sind. Ich glaube das man selbst auch sehr diszipliniert zu sein hat und auch schauen sollte was man ausser Tabletten schlucken noch machen kann.

Welche Medikamente nimmst Du denn?
Hast Du denn mal darüber nachgedacht Dir den Dickdarm entfernen zu lassen?

Lg LittleMissSunshine
Es gibt nichts, was sich nicht durch ein Lächeln lösen ließe
LittleMissSunshine
beginnt sich einzuleben
 
Beiträge: 7
Registriert: Mi 16. Jul 2014, 12:17

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon neptun » Mo 10. Nov 2014, 17:04

Hallo LittleMissSunshine,

angefangen hat es bei mir Herbst 1979, cu als Proktitis. Da gab es nur Sulfasalazin (Azulfidine) für mich. Ich hatte kontinuierlich Blut am Stuhl, mußte öfter und etwas schneller mal auf die Toilette. Der Stuhl war aber normal und fest. Es war ein chronisch aktiver Verlauf, wie man immer wieder mittels Rektoskopie sehen konnte. 1993 kam ich dann unverhofft in Remission, vielleicht als Folge einer Scheidung von meiner Frau, die dann letztlich richtig und befreiend war.

Mit einer Ausgliederung auf meiner Arbeit und Existenzängsten kam dann mein erster schwerer Schub April 1996. Seit dem habe ich Linksseitencolitis. Zu der Zeit gab es bereits Mesalazin oral. Zusätzlich gabe es dann eine Cortisoninduktionstherapie, angefangen mit 50 mg Prednisolon und ausgeschlichen über 3 1/2 Monate. Ende 1997 folgte der nächste schwere Schub, Ausdehnung bis zur rechten Flexur. Ab 1998 blieb dann der imperative Stuhldrang, der sich in den Folgejahren verstärkte, öfter auftrat, vor allem morgens und in den Vormittag hinein. Mein Befinden war dauerhaft schlechter. Ich stellte 2001 einen Antrag auf Schwerbehinderung, weil ich Teile meiner Arbeit, Außendienst mit Besprechungen und Messungen, nicht mehr geplant durchführen konnte. So brauchte ich ein Schreiben, das meine Einschränkungen bestätigte und ich nicht einer Arbeitsverweigerung beschuldigt werden konnte. Der AG hätte ja dann mit einer Anpassung meines Arbeitsplatzes reagieren müssen. Leider dauerte das Verfahren 4 Jahre, wurde vor dem LSG dann von mir gewonnen.
Es folgte ein Schub Anfang 2003. Meine Medikation änderten wir auf Aza. Schon während des Einschleiches stiegen meine Leberwerte und ich fühlte mich sehr bescheiden. Die Therapie mußte abgebrochen werden. Dann fuhr ich zu meiner ersten und einzigen Reha im Herbst. Die Kolo dort zeigte nichts Gutes, aber es war meine erste in Farbe. Sehr beeindruckend.
Anfang 2004 der nächste Schub. Bei allen Schüben hatte ich längere Zeiten der AU. Nachdem ich im März schon zu Hause war, fand ich dann im April meinen Weg zum Antrag einer vollen EM-Rente auf unbestimmte Zeit. Es war das Urteil des "Großen Senates des BSG" von 1996, in dem Katalogfälle bestimmt sind.
"Der Arbeitsmarkt ist nur bei Vorliegen der sogenannten "Katalogfälle" als verschlossen anzusehen. Ein solcher liegt vor, wenn ... 2. der Versicherte zwar an sich noch eine Vollzeittätigkeit ausüben kann, entsprechende Arbeitsplätze aber aus gesundheitlichen Gründen nicht aufsuchen kann (Katalogfall Nr. 2)"

Genau dies war mir durch die Schübe mit dem imperativen Stuhldrang nicht mehr möglich. Ich konnte nicht mehr regelhaft morgens meine Arbeit beginnen.

Das Rentenverfahren wurde nach 2 1/2 Jahren vor dem SG vollumfänglich zu meinen Gunsten entschieden. Es war das Jahr 2006. Wohl durch das nervenaufreibende Verfahren über diese lange Zeit war es dem Befinden nach mein schlechtestes Jahr. Das Verfahren bestritt ich argumentativ vollständig allein und meine lange Ausführung zum Krankheitsverlauf und den Einschränkungen vor dem Richter brachten letztlich den Erfolg, wobei ich es dem Richter hoch anrechne, mir damals dafür die Zeit gegeben zu haben. Und er bewies auch die Geduld für dieses Verfahren, das letztlich wohl für ihn thematisch eine Überraschung war. Trotzdem er natürlich die Akte hatte. Aber lesen und verstehen sind zweierlei Paar Schuhe, weil die CED eben selten sind und ein Richter, auch mit Erfahrung in Rentensachen, hier doch meist Neuland betritt.

Leider folgte dann noch ein Tanz mit meinem AG um die Höhe der Betriebsrente. Dauerte auch 2 Jahre und ich gewann vor dem LAG.

Meine Hoffnung war, wenn ich zur Ruhe kommen könnte, mein Verlauf würde sich auch wieder bessern. Das hat nun lange gedauert, aber dieses Jahr ist es eingetroffen. Eine Rektoskopie letzte Woche zeigte wohl etwas Vernarbung, aber keine Entzündung. Meine Zweijahresüberwachungskolo habe ich im Dezember.

Ich nehme zur Zeit nur Mezavant. Hatte sonst auch Colifoam in Gebrauch und Mesalazinzäpfchen. Schaum brannte zu stark und Klysmen kann ich seit etlichen Jahren nicht mehr halten.

Für cu gab es seit 2005 dann Remicade, seit 2012 Humira. Diese habe ich bisher für mich nicht als Behandlungsoption gesehen, denn ich fand den Verlauf dafür nicht heftig genug, sprach auf Cortison immer gut an, und ich wollte mir immer noch eine mögliche Eskalation in der Medikation bewahren. Dann hatte ich ja schon viele Jahre mit Schüben verbracht, wo es keine Medikamentenalternativen gab. Somit bin ich auch in diese Verhaltensweise hinein gerutscht.

Du hast nun zur Zeit eine Dreifachimmunsuppression und ich habe gerade anderen geschrieben, daß diese sehr nebenwirkungsträchtig und nach Leitlinie überhaupt nicht vorgesehen ist.

Somit wünsche ich Dir, daß Du nun bald nur noch ein Medikament nehmen mußt und die Entzündung beherrschbar wird.
Viele Betroffene versuchen ja über Veränderungen im Essen, mit Aufbau einer veränderten Bakterienzusammensetzung durch Probiotika, mit komplementären Verfahren und anderen Dingen ihren Verlauf zu verbessern.
Ich für meinen Teil denke, es muß sich etwas grundlegend im Leben ändern, eventuell im Umfeld, in den Aufgaben, in den Belastungen, ob familiär oder im Arbeitsleben. Geduld, Ausgeglichenheit, Gleichmut über lange Zeit. Sich auf jeden Fall auch nicht unter Druck setzen oder setzen lassen. Was nicht heißt, sich von allem zu entfernen, nicht aktiv zu sein. Das Leben geht ja weiter, nur vielleicht muß einiges anders werden. Es gilt, positiv gestimmt zu sein, mit Freude und in Ruhe zu leben. Nicht das ewige Streben zu irgendwas oder irgendwohin sondern in der Hauptsache Zufriedenheit in dem, wie es ist.

Ich bin gespannt, was Du weiter berichten wirst.

LG Neptun
Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
 
Beiträge: 3438
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon Mondkalb » Di 11. Nov 2014, 20:02

Hallo Neptun,

mit Freude lese ich dass sich Deine Hoffnung auf einen besseren Verlauf erfüllt hat.
Daraus schöpft man gleichzeitig wieder etwas Mut, dass sich ein schwerer Verlauf zum positiven wenden kann, das sind gute Neuigkeiten.

LG Mondkalb
“Wenn man nicht weiß, wo man hin will, kommt man meistens woanders raus!”
Benutzeravatar
Mondkalb
Dauergast
 
Beiträge: 355
Registriert: Fr 21. Dez 2012, 20:32
Diagnose: CU

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon neptun » Mi 12. Nov 2014, 00:15

Hallo Mondkalb,

danke für Dein Post. Ich war auch etwas überrascht, merkte aber schon vor längerer Zeit, daß sich etwas in meinem Körper tut. Ich kann es gar nicht genau beschreiben, auch wenn ich sonst gerne die passenden Worte finde. Es war ein entspannteres Gefühl im Unterbauch, das mir den Anfang dieser Entwicklung anzeigte. Und dieser Anfang war schon vor ziemlich genau zwei Jahren, wo ich meine letzte Kolo hatte, mit moderater Entzündung auf 50 cm und dem Calprotectinwert von ca. 450. Aber genau solches Empfinden hatte ich auch schon damals in 1993. Es wurde begleitet von innerer Ruhe und Ausgeglichenheit. Irgendwie etwas befreiend und nichts ficht mich an. Keine täglichen Probleme oder Ärgernisse.

Klingt vielleicht merkwürdig, aber so war es und so bin ich derzeit drauf.

Dir auch alles Gute und schön, von Dir gelesen zu haben.

LG Neptun
Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
 
Beiträge: 3438
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon LittleMissSunshine » Fr 28. Nov 2014, 11:10

Hallo Neptun,

Ich freue mich, dass es Dir gut geht und Dein Darm ruhig ist. Du hast ja auch schon so einiges mitgemacht sei es gesundheitlich oder allgemein mit Behörden und AG.
Das sind wirklich Dinge die die Welt nicht braucht.

LittleMissSunshine hat geschrieben:Ich für meinen Teil denke, es muß sich etwas grundlegend im Leben ändern, eventuell im Umfeld, in den Aufgaben, in den Belastungen, ob familiär oder im Arbeitsleben. Geduld, Ausgeglichenheit, Gleichmut über lange Zeit. Sich auf jeden Fall auch nicht unter Druck setzen oder setzen lassen. Was nicht heißt, sich von allem zu entfernen, nicht aktiv zu sein. Das Leben geht ja weiter, nur vielleicht muß einiges anders werden. Es gilt, positiv gestimmt zu sein, mit Freude und in Ruhe zu leben. Nicht das ewige Streben zu irgendwas oder irgendwohin sondern in der Hauptsache Zufriedenheit in dem, wie es ist.


Ich stimme Dir in diesem Dingen voll zu. Auch ich habe festgestellt, dass mir viele Dinge in meinem Leben nicht gut tun und mich belasten, sei es körperlich oder seelich.
Gerade in den letzen 3 Jahren, habe ich doch bewusst und unbewusst begonnen mich zu verändern, nicht immer das "liebe Kind" bei allen zu sein, es jedem Recht machen zu wollen.
Derzeit mache ich diesbezüglich eine Verhaltenstherapie, damit ich Selbstbewusster und vor allem standhafter werede umd bleibe und nicht wieder in alte Verhaltensmuster falle.
MIR tut das gut, ich lerne, dass die Menschen mich auch mögen obwohl ich meine Meinung sage und das es nicht schlimm ist. Früher hatte ich da doch oft ein schlechtes Gewissen wenn ich Menschen vor den Kopf gestoßen habe, d.h. nicht ihrem Willen gegeben habe. ;)

Wichtig ist ja, egal was Du tust, dass es Dir gut geht, das DU klar kommst ist ja schließlich Dein leben.
In diesem Sinne wünsche ich Dir noch einen schönen Tag und danke Dir für deine Informationen. Ich hoffe man liest voneinander. :)

Lg LittleMissSunshine
Es gibt nichts, was sich nicht durch ein Lächeln lösen ließe
LittleMissSunshine
beginnt sich einzuleben
 
Beiträge: 7
Registriert: Mi 16. Jul 2014, 12:17

Re: Was sind eure Erfahrungen?

Beitragvon neptun » Fr 28. Nov 2014, 12:25

Hallo LittleMissSunshine,

gerne lese ich weiter von Dir und schreibe. :)
Bin ja bereits seit Ende 2005 hier und beabsichtige, auch noch etwas weiter zu bleiben.

Alles Gute und liebe Grüße, Neptun
Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
 
Beiträge: 3438
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58


Zurück zu Psyche & CED

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron