Betnesol bzw. Betamethason, Psyche und Begleitbeschwerden CU

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Betnesol bzw. Betamethason, Psyche und Begleitbeschwerden CU

Beitragvon ZeroStyle » Do 31. Okt 2019, 22:13

Hallo Zusammen,

nach langer Zeit der Überlegung und des stillen "Mitlesens" habe ich beschlossen mich hier in dem Forum anzumelden und meine Geschichte mit euch zu teilen in der Hoffnung menschen mit ähnlichen Symptomathiken hier anzutreffen.

Bei wir wurde an meinem 18ten. linksseitige Geburtstag Colitis Ulcerosa entdeckt. Zu der Zeit hatte ich mich schon ca. ein ganzes Jahr lang mit blutigen durchfällen, krämpfen und schwäche durchs Leben gekämpft. Während des schreibens fällt mir gerade auf wie viele dieser einschneidenen Erinnerungen mitlerweile verblasst sind. Ich habe einen Moment gerade vor Augen in dem ich auf dem Boden einer U-Bahnstation lag weil mir schwarz vor Augen geworden war (niedriger HB Wert von wahrscheinlich 5.1 (kurz danach erfolgte die Diagnose)) und Menschen um mich herum hörte die Dinge sagten wie "Oh Gott - so früh morgens schon betrunken".
Dieses Ereignis hat mich lange verfolgt. Wahrscheinlich schreibe ich jetzt deshalb darüber.
Kurz nach meiner Diagnose war ich dann in klinischer Behandlung bei Prof. Dignaß, der Federführend bei der CU-Leitlinie ist. Im übrigen ist er der Homöopathie recht aufgeschlossen, da er mir damals, so meine ich mich zu erinnern, sagte dass sein Vater ein Homöopath war. Also begann ich damals parallel zu meiner Behandlung mit Colifoam und Claversal auch eine Behandlung mit Homöopathsichen mitteln, die mich kurze Zeit später wieder ins Krankenhaus brachte. Seit dem hatte ich abgeschlossen mit homöopathischen Behandlungen für mich und habe mich auf die Schulmedzin verlassen.

Es folgten viele Jahre mit Höhen und Tiefen mit der Krankheit und auch im Privatleben, wie es warscheinlich bei jedem so ist. In dieser Zeit habe ich so einiges an Medikamenten probieren dürfen. Vieles half auch in Akutphasen und letztendlich bin ich bei den GranuStix gelandet die ich jetzt seit einigen Jahren nehme. Anfangs hatten sie ganz gut gewirkt, doch vor 2 Jahren merkte ich dass ich wieder häufiger zu Durchfällen neige (allerdings ohne sichtbares Blut). Eine Koloskopie bestätitgte den Verdacht damals. Chronisch aktiver mittelgradiger CU-Schub. Zu dieser Zeit habe ich zum ersten mal Betamethason (Handelsname Betnesol 5mg rektalinstallation) und merkte schon nach der zweiten einnahme wie stark es in meinem Körper wirkt. Ich hatte heftige fressattacken (3 Portionen hineineinander) und eine unglaubliche Lust auf Nudeln bzw. Kohlenhydrate, was ich in der Form von mir bis dahin nicht kannte. Da sich die Sympthomatik nach kurzer Zeit (2 Wochen) besserte beschloss mein Gastro die Therapie mit den Granustix fortzusetzen und ich gewöhnte mich an die Begleiterscheinigungen der CU. Eine Koloskopie ein halbes Jahr später zeigte leider wieder eine mittelgradige Entzündung im Darm und es wurde zum ersten mal in Betracht gezogen Azatiophrin einzusetzen.
Allerdings hatte ich von den möglichen Nebenwirkungen gelesen und beschloss mich parallel zu den GranuStix mit komplemärer Medizin zu therapieren. In der Zeit probierte ich Lecitin, Kurkuma Kapsel von Amazon, Boswalia etc. aus. Leider brachte nichts davon die gewünschte Remission und ich kam meinem Versprechen nach, dass ich meinem Gastro gebenen hatte und willigte in die Aza Behandlung ein. Da es allerdings etwas dauern kann bis der Wirkspiegel bei Aza den gewünschten Wert erreicht bekam ich parallel dazu wieder Betnesol. Anfangs merkte ich wieder die üblichen Nebenwirkungen doch nach 3 Wochen Einnahme, schien sich mein Körper daran gewöhnt zu haben und ich begann unglaublich glücklich zu werden. Endlich fühlte sich das Leben wieder so an wie es sein sollte. Ich war wieder "klar" im Kopf und voller Tatendrang. Keine Schmerzen mehr die mich seit Jahren begleitet hatten (Füße, Hüfte).Ich konnte endlich alles sofort umsetzen was mir in den Kopf kam. Es war wundervoll. Ich hatte das gefühl neu geboren worden zu sein und war sehr dankbar für jeden morgen den ich erleben durfte. Doch irgendwie war da eine Stimme in mir die mir sagte: "das ist zu gut um Wahr zu sein...Wo ist der Haken?". Ich habe diese Gedanken damals leicht zur Seite geschoben und verdrängt. Gleichzeitig hatte ich seit der Erstdiagnose mit 18 immer das Gefühl gehabt es wäre eine Diskrepanz zwischen dem was ich zu leisten fähig bin (kognitiv als auch physisch) und dem was ich als CU-Patient leisten kann.
Kämpferisch wie ich war habe ich damals zufällig die aktualisierte Leitlinie zur CU entdeckt und diese intensiv durchgearbeitet und vieles zur state of the art Behandlung von CU gelernt, unter anderem auch die Empfehlung von Kurkuma. Also fing ich damals an mich mehr mit der der Wirkungsweise und der Resorption von Kurkuma im Darm zu beschäftigen und stieß dabei auch auf weitere "Heilmittel" für ein entspannteres Leben. Dazu zählen Ashwaghanda, Gerstengras und Hagebuttenpulver. Ich merkte wie die Nebenwirkungen vom Betnesol Tag für Tag geringer wurden und ich mich immer besser konzentrieren konnte und mein logisches Denken sich wieder auf dem Niveau bewegten wie vor Ausbruch der Krankheit. Kurzum ich fühlte mich wie 20, nur ohne Krankheit. Darauf folgte ein wundervoller Sommer mit dem wahrscheinlich besten Urlaub meines Lebens. Ich habe so viel Kraft und Selbvertrauen in dieser Zeit getankt dass ich Anfing zu glauben die kombinierte Therapie hätte mein "wahres Ich" zum Vorschein gebracht. Endlich keine Ausreden mehr. Endlich kein kompensationsverhalten mehr (Essen, unnötiger Konsum etc.) meine ganze Einstellung zum Leben hatte sich verändert und ich konnte von jetzt auf gleich neue Angewohnheiten einpflegen und mich auf neue Erkenntnisse adaptieren. Es fühlte sich alles so an wie es sich bei anderen Menschen (erfolgreichen Menschen) meiner Meinung nach anfühlen sollte. Also entschloss ich mich nach dem Urlaub die beste Version meiner selbst zu werden um meinen Körper soweit zu stärken, dass er die optimalen Vorrausetzungen für eine Kolektomie erfüllen würde. Gleichzeitig verspürte ich den Drang auch alles andere in meinem Leben zu optimieren. Mich weiter zu bilden, sportlich aktiver zu sein und alles im Griff zu haben. Ich sammelte Fleißig überstunden und trainierte oft zwei mal am Tag. An den Kilos hat das leider nicht viel verändert, trotz intermitierenden Fastens.

Mitte September kam dann der Zusammenbruch. Ich kann nur spekulieren voran es lag, jedenfalls wurde ich panisch und entwickelte Gedanken, dass in meinem Kopf etwas nicht mehr stimmt und meine Finger zittern. Zu diesem Zeitpunkt war das die einzige Realität die ich akzeptieren konnte. Dieser "Schub", oder was auch immer es war, hielt 2 Tage an. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon Neurologische Ambulanz kontaktiert. Viel Schlaf und Tavor beruhigten mich bis zur klinischen Aufnahme in die Psychatrie. Dort verbrachte ich einige Tage ohne Therapiesitzung und weitere Medikamente und fühlte mich wieder entspannter. Die Ärzte, und auch ich waren der Überzeung dass es sich bei den beschriebenen Symptoen um eine durch medikamente induzierte hypomane Phase handelte und sich das ganze wieder nach einiger Zeit legen würde.
Zuhause angekommen beereitete ich mich auf die Fortbildung, auf die ich mich so sehr gefreut hatte vor. Ich wurde jedoch das Gefühl nicht los dass irgendetwas anders war. Mein Selbstbewustsein und diese "Leichtigkeit" waren plötzlich verschwunden. Begleitet wurden diese Gedanken von Selbstzweifeln, Reflektion und Verarbeitung der vorangegagnen Episode. Also beschloss ich um ein wieder aufflammen der Entzündung zu unterbinden wieder auf die mir bekannten Naturheilpräperate zurückzugreifen und nahm sie im laufe der Woche ein. Ich merkte allerdings da schon wieder Veränderungen in meinem Körper. Die Füße taten wieder weh, die Müdigkeit war wieder da. Ich überstand die Woche und freute mich auf zuhause. Zuhause angekommen wartete der Alltag wieder auf mich mit seinen Problemen, welche ich eigentlich ganz gut wegstecken konnte psychisch. Allerdings merkte ich auch hier wieder dass ich sehr schnell sehr Müde geworden bin. Also versuchte ich auf meinen Körper zu hören und ihm Ruhe zu gönnen. Die erste Woche auf der Arbeit überstand ich auch recht gut. Ich aß allerdings immernoch zu wenig und mir viel es schwer die neu erlerten Muster aus dem Hoch (Mindset, Antrieb ...lösungsorientiertes Denken) umzusetzen und ich fragte mich ob diese ursächlich für meinen Zusammenbruch waren. Also versuchte ich mich bewusst zurück zu nehmen. Es verging kaum eine sekunde in der ich mich nicht selbst hinterfragte. In der Woche darauf fingen meine CU begleitenden Beschwerden stärker zu werden als jemals zu vor. Zusätzlich zu den Fußschmerzen (wegen denen ich kaum laufen konnte) bekam ich Schmerzen in den Knien, den Fingergelenken, dem Rücken und der Hüfte. Ebenso viel mir wieder der schleier vor meinen Augen auf, der mir auch schon aufgefallen war kurz vor meiner Einweisung in die Psychatrie. Ich hatte diesen schon vor einigen Jahren festgestellt, inbesondere bei Nacht. Ich hatte seit einigen Jahren schon das Gefühl schlechter zu sehen, irgendwie Unscharf, schob das früher aber aufs Alter. Geplagt von diesen Gedanken begann ich Rechersche zu diesem Thema und merkte am Vergangenem Wochenende wieder wie ich unruhig wurde und unfäig aufkommende Ängste zu verarbeiten. Also beschloss ich vergangenen Sonntag, die "Wundermittel" wiederabzusetzen, da ich den Verdacht habe dass inbesondere Ashwaghanda sich nicht mit meiner Psyche verträgt. Am Montag morgen brach die Panik dann wieder aus, nachdem ich über Rheuma und auswikrungen auf das Gehirn recheriert hatte. Ich schaffte es gerade so zu meinem Gastro und berichtete ihn von meinen psychischen als auch physischen leiden. Er ist der Meinung dass die psychischen ausfälle nicht dem Betnesol zu zuschreiben sind. Er hat mir zwar eine Überweisung zum Rheumatologen mitgegeben, ist allerding nicht der Meinung dass dieser mich behandeln würde. Da mein Kolon bei der letzten Koloskopie allerdings "perfekt" war und der letzte Calprotektin-Test unauffällig, kann er mich auch nicht auf TNF Blocker setzen. Aktuell geht es mir psyschich wesentlich besser. Ich habe die Hoffnung dass diese Ausfälle nur dem Ashwaghanda geschuldet sind. Auf stressige Situationen habe ich in den vergangenen 2 Tagen recht entspannt regaieren können. Von negativen gedanken kann ich mich im moment wieder besser distanzieren und diese nach einer gewissen Zeit wieder los lassen. Lediglich mein Körper spielt nach wie vor verrückt. Gestern Abend ist mir zum ersten mal endlich aufgefallen woher der "Schleier" vor meinen Augen kommt manchmal. Ich habe im Bett liegend bei völliger Dunkelheit auf meine Smartwatch geguckt und diesen "Schleier" darauf hin wieder bemerkt. Also habe ich abwechselend die Augen geschlossen und bemerkt dass zu diesem Zeitpunkt das rechte Auge "unscharf" gesehen hat. Dieser Zustand kommt und geht, genau so wie die Schmerzen in den Gelenken. Was ich auch in den letzten Wochen gemerkt habe ist dass die Symptome geringer ausfallen bei Sonnenschein. Ich weiß nicht ob ich mir das einbilde (wie so einiges in letzter Zeit) oder ob es da einen Zusammenhang gibt. Vor einigen Tagen als es kälter war hat mir Wärme geholfen, also habe ich die Heizungen aufgedreht in der Wohnung in der Hoffnung auf Besserung. Heute habe ich eher das Gefühl das Kälte gut tut. Das Schreiben in dieser Sekunde fällt mir sehr schwer, da einige meiner Finger, die die ich nicht bewege beim schreiben, versteifen währenddessen und schmerzen. Gleichzeitig habe ich seit Beginn dieser Zeilen wieder das Gefühl das es mir schwer fällt Worte zu finden und mich klar Auszudrücken. Ich habe zum schreiben ca. 1.30h benötigt.

Ehrlich gesagt weiss ich zur Zeit nicht wer ich bin. Es war ziemlich viel los in den lezten Wochen. Teilweise war es so als wenn ich meine Erst-Diagnose wieder durchlebe und auf der anderen Seite habe ich das Gefühl dass ich wieder zu mir finde ?!?

Vielleicht gibt es unter euch jemanden der schon einmal so ähnliche Symptome in Zusammenhang mit CU (wandernde Gelenkschmerzen, Sehstörungen (Nebel im Kopf?) an sich bemerkt hat oder aber auch Menschen die Erfahrungen mit einer Langzeit-Einnahme von Bethamethason bzw. Betnesol haben.

Auf jedenfall ist es recht schwer im Moment. Ich möchte mich aber von dieser Krankheit nicht unterkriegen lassen und möchte wieder erlernen damit umzugehen. Dieses hier ist der erste Schritt und ich bin dankbar all das mit euch teilen zu dürfen.

Verzeiht mir bitte die Schreibfehler und Vertipper. Ich habe z.Z. leider nicht die Kraft diese zu korrigieren und hoffe ich versteht mich dennnoch
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Re: Betnesol bzw. Betamethason, Psyche und Begleitbeschwerde

Beitragvon neptun » Fr 1. Nov 2019, 19:37

Hallo Zero,

willkommen im Forum.

Wenn ich es recht gelesen habe, Du nahmst über einen längeren Zeitraum Betnesolklysmen täglich? So ganz klar ist mir nicht, wie viele dieser Klysmen Du wann genommen hast und ob es derzeit auch so ist, daß Du welche nimmst.

Du solltest allerdings wissen, Betnesolklysmen enthalten Betamethason. Das ist ein viel stärkeres Cortison als Prednisolon. Zur Vergleichbarkeit der verschiedenen Cortisone hat man das Prednisolonäquivalent geschaffen. Danach bedeuten die 5 mg Betamethason in Wirkung und Nebenwirkungswahrscheinlichkeit so viel, als ob man 35 mg Prednisolon einnimmt. Da die Bewertung aber nur eine Annäherung aus der Praxis sein kann, so ist der Wert nur ein Anhalt. Es gibt auch Literatur, wonach die Dosis 50mg Prednisolon entsprechen kann. Also schon eine hohe Dosis.
Nun wirkt das Klysma topisch, also vor Ort. Wodurch man annehmen kann, es wird nicht sonderlich viel Cortison in den Kreislauf aufgenommen, was systemische Nebenwirkungen zur Folge hätte.

Es gibt aber diverse Berichte, auch im Forum, wonach das Betnesol doch solche Nebenwirkungen erzeugt bei Betroffenen, die dafür eine Prädisposition haben, wie eben eine höhere Prednisolondosis oral erzeugen kann.
Und Wirkung wie Nebenwirkungen sind individuell und daher auch nicht vorherzusagen.

Es kann also durchaus sein, daß Deine Psyche Veränderungen erfährt.
Darunter Depressionen, Gereiztheit, Euphorie, Antriebs- und Appetitsteigerung, Psychosen, Schlafstörungen, innere Unruhe.

Hast Du also wirklich quasi eine tägliche Einnahme über längere Zeit praktiziert oder tust es noch, es ist allemal der falsche Weg. Cortison ist Akutmedikament und nicht geeignet für Langzeitanwendung. Weil es von allen Medikamenten das größte Nebenwirkungspotential hat. Man kann alles bekommen, was man auch Prednisolon als Nebenwirkungen zuschreibt.
Und damit ist nicht in erster Linie das vergängliche Cushingsyndrom gemeint sondern die gravierenden Nebenwirkungen, die auch teils nicht reversibel sein werden, wie Diabetes, Bluthochdruck, Osteoporose, grauer und grüner Star.

Es sollte also auf eine andere Medikation, wie nach Leitlinie cu empfohlen, gewechselt werden bei Bedarf.

LG Neptun
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Re: Betnesol bzw. Betamethason, Psyche und Begleitbeschwerde

Beitragvon ZeroStyle » Do 14. Nov 2019, 19:41

Hallo Neptun,

jetzt endlich die Antwort auf deine Fragen, dank deines freundlichen Hinweises.
Zur Zeit geht so vieles in meinem Kopf herum dass ich manchmal selbst nicht weiß was ich angefangen habe und was ich alles noch beenden muss.
Während der Behandlung mit Betametason habe ich so einiges angefangen voller Zuversicht und evtl. (Größenwahn?) dass es mir schwer fällt im Moment zielgerichtet Aufgaben zu erledigen. Der Antrieb leidet allgemein. Auch bei alltäglichen Sachen im Haushalt. Zu einem gewissen Teil auch sicher den Gelenkschmerzen (auch jetzt beim Schreiben) geschuldet.

Jetzt zu deiner Frage:
Ich habe seit Ende März 2019 bis Mitte September 2019 täglich Betametason genommen. Zur Zeit nehme ich keines mehr seit dem 20. September und dem psychologischen Totalausfall.
Ich kann mir mehr und mehr vorstellen das es neben körperlichen Symptomen die mir aufgefallen sind während der Behandlung (meine Beine sind schlancker geworden aber am Bauch, Gesicht und Nackenbereich habe ich "zugenommen"), auch psychische Nebenwirkunden eingetreten sind. Das erste mal ist mir soetwas im April aufgefallen, kurz nach dem Beginn der behandlung als ich in einer Stresssituation plötzlich angefangen habe völlig überzureagieren und meine Gedanken nicht mehr im Griff hatte. Der Sommer verlief eigentlich ganz gut. Bis zum Ende des Urlaubes als ich diese seltsamen bis dahin nie dagewesenen Hauterscheinungen bekommen habe. Aber auch da konnte ich mich am Ende des Tages wieder beruhigen.

Die tatsache mit den unterschiedlichen Wirkstärken von Corteiden habe ich leider erst im Nachgang erfahren. Ich war ziemlich entspannt was die Cortison behandlung betrifft, da sie erstens topisch war und zweitens nur 5mg Cortison täglich beeinhaltete und ich mal gelesen hatte dass Cushing und andere Nebenwirkungen erst bei größeren Dosen auftreten.
Dieses wird mir auf jedenfall eine Lehre sein und ich werde hoffentlich in Zukunft auf Cortison verzichten können. So einen Absturz möchte ich nicht nomal erleben.

Da mein Darm in Remission ist, ist z.Z. keine andere Behandlung mit TNF Alpha, Biologika etc. (gemäß Leitlinie) laut aussage meine Arztes möglich, da es hierfür keine Indikation gibt. Auf mein drängen hin hat er mir eine Überweisung zum Rheumatologen gegeben mit dem Hinweis dass dieser mich höchstwahrscheinlich ablehnen werde bzw. mir auch nur wieder Cortison verschreiben wird. Jetzt habe ich am 02.12.19 einen Termin für eine Terminvergabe für einen Termin vorraussichtlich im Feb. 2020.

Aufgrund der Persönlichkeitsveränderungen hat meine Hausärztin mir eine Überweisung für ein Kopf-MRT ausgestellt um eine Vaskulitis auszuschließen.

Diabetis, Bluthochdruck habe ich zum glück noch nicht Entwickelt. Eine Knochendichtemessung habe ich allerdings auch noch nie gemacht. Wenn ich mich recht entsinne wird diese allerdings als Vorsorgeuntersuchung für CED Patienten empfohlen. Sollte ich diese bei meiner Hausärztin anfordern ?

Gleichzeitig beschleicht mich der Verdacht dass all diese Gemütschwankungen etc. evtl. auch auf den gestörten Hormonhaushalt zurückzuführen sind (einschließlich der Angst, Depression etc.). Ich tendiere im Moment deshalb dazu einen Endokrinologen aufzusuchen.
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Re: Betnesol bzw. Betamethason, Psyche und Begleitbeschwerde

Beitragvon neptun » Do 14. Nov 2019, 21:43

Hallo Zero.

gerne. ;)

Ich denke, Du bist der erste Betroffene, der so lange Betnesol genommen hast.
Da sind Nebenwirkungen wahrlich kein Wunder.

Und wenn ich es richtig lese, dann hast Du auch davon schon reichlich gekostet.
Da Cortison so vielfältig in den Körper eingreift, so können auch diverse Nebenwirkungen auftreten, die man möglicherweise gar nicht damit in Zusammenhang bringt.
Viele psychische Auswirkungen sollten dem Betnesol geschuldet sein.

Ich hatte beim Ausschleichen von Prednisolon eine gegen mich gerichtete Aggression kennen gelernt. Würde also wütend, wenn etwas nicht nach meinen Vorstellungen gelang oder zu lange dauerte.

Beim Cortison ist so gemein, man kann auch nach den vielen Jahren, wo die verschiedensten Cortisone auf dem Markt sind und milliardenfach Verwendung finden, trotzdem nichts vorhersagen. Weder über die Wirkung oder die Wirkung im Wiederholungsfall, noch zu den Nebenwirkungen, wo man anscheinend durch Prädisposition keine, diese oder jene oder auch mehrere Nebenwirkungen bekommen kann.
Ich hatte z.B. fast kein Problem mit Cushing. Dafür gab es so 2002 Osteopenie an zwei Lendenwirbeln.

Wenn Du nicht ganz jung bist, dann ist sicher auch eine DEXA-Messung wegen Osteoporose sinnvoll. Dann weiß man, wo man steht, kann auch zukünftig besser planen, falls solch oder ein anderer Cortisoneinsatz notwendig werden sollte.
Auch der Blutzucker wäre mal zu ermitteln.
Und auch die Augen können leiden. Grauer und grüner Star werden genannt. Beide nicht reversibel, aber behandelbar. Ich bin da nicht bewandert, aber Dein Schleier, vielleicht doch zum Augenarzt.
Bei mir gibt es eine ähnliche Erscheinung. Tauchte plötzlich auf und sind Glaskörpersteine. Wußte gar nicht, daß es so etwas gibt.

Ich hatte auch jahrelang Linkseitencolitis, chronisch aktiv.
Warum Du nun einen niedrigen HB-Wert hattest, weiß ich nicht. Ich habe nie derart Blut verloren.
Wandernde Gelenkschmerzen kenne ich auch, aber nur an kleinen Gelenken.
Das sind wohl die enteropathischen Arthralgien, Begleiterkrankungen der cu.
Die gute Nachricht, es ist weder Arthritis noch Arthrose, verschwindet auch wieder ohne Schaden.
Dann würde auch ein Rheumatologe nichts finden.
Aber der möglichen Gründe sind mehrere.
Aus der Fachinfo zu Prednisolon:
"Bei zu rascher Dosisreduktion nach langdauernder Behandlung kann es zu Beschwerden wie Muskel- und Gelenkschmerzen kommen."

Sollte es rheumatisch entzündlich sein, dann kann man Sulfasalazin nehmen als 1. Stufe. Das ist leitliniengerecht und hilft auch durch die Spaltung durch Dickdarmbakterien in Mesalazin und Sulfapyridin im Dickdarm. Das wären dann 2 Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Die 2. Stufe wäre MTX. Jedoch wäre Cortison zu meiden und nur dem schnellen Behandlungserfolg geschuldet.

Heute weiß man, eigentlich auch schon länger, Cortison soll in jeder Dosierung nur kurzzeitig angewendet werden als Akutmedikament. Bei den CED sollte also niemals eine Erhaltungsdosis gegeben werden.

Eigentlich kann einem doch nichts besseres passieren, als in Remission zu sein und kein Medikament zu brauchen.

Trotzdem rate ich Dir, nimm weiterhin Mesalazin oral. Nach Leitlinie min. 2g/d, und für min. 2 Jahre. Ich habe Sulfasalazin und Mesalazin 33 Jahre genommen. Es dient dem Remissionserhalt und der Darmkrebsprophylaxe.
Diese Chance soll man nicht vertun.

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