Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Neu im Forum? Hier könnt Ihr Euch vorstellen. Im eigenen Interesse bitte keine richtigen Namen nennen.

Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon Elaviara » Fr 20. Okt 2017, 16:53

Hallo ihr Lieben,

schön, dass es dieses Forum gibt. Ich lese schon seit einer Weile mit. Kurz zu mir:
ich bin sehr wahrscheinlich eine Leidensgenossin und 26 Jahre alt.
Sehr wahrscheinlich, weil sich meine Gastrologin nicht 100% sicher ist. Aber vielleicht erst einmal ein paar Infos (ist doch sehr detailiert geworden, entschuldigt):

Vor fast einem Jahr hatte ich eine Magen Darm Grippe, so dachte ich, die sich aber über zwei Monate hinweg nicht ganz legte. Ab Dezember begann ich dann Blut im Stuhl zu haben, Bauchbeschwerden gingen weiter, gelegentlicher Durchfall. Im Januar war ich dann bei der ersten Gastrologin, die durch eine Magenspiegelung eine Refluxösophagitis Stadium 1/" und eine Antrumgastritis diagnostizieren konnte. Seit dem nehme ich immer mal wieder Pantoprazol, aber da ich weiß, dass die Dinger auf Dauer schädlich sind, versuche ich es mit Heilerde, Natron, Kamillentee etc.... nur leider hilft nichts und ich greife immer wieder auf die Säureblocker zurück. :roll:
Eine Proktoskopie ergab nichts, wahrscheinlich sei einfach irgendwo eine wunde Stelle.

Da das Bluten jedoch nicht aufhörte und ich immer mehr mit Blähungen und Durchfall zu kämpfen hatte, suchte ich eine neue Gastrologin auf, die eine Darmspiegelung durchführte. Diagnose: etwa 5cm langer entzündeter Teil des Enddarms und Verdacht auf Colitis. Verschrieben bekam ich Betnesol, half auch sehr gut, es sei denn ich setzte es ab und Mesalazin Zäpfchen/Granulat. Durch das Kortison hörten die Blutungen auf, auch die Durchfälle. Begann ich es auszuschleichen, kamen sie irgendwann wieder. Ende September hatte ich dann nochmal eine Koloskopie. Die Entzündungswerte sind zwar noch ein wenig hoch (vielleicht auch wegen der Gastritis?!) jedoch gibt es keine sichtbare mehr, nur vernarbtes Gewebe, also auch kein Verdacht mehr auf Colitis. Als ich der Ärztin aber erzählte, dass ich wieder bei jedem Stuhlgang Blut vorfinde und danach Bauchschmerzen habe, meinte sie nur, die Darmschleimhaut könnte noch etwas gereizt sein... außerdem konnte sie mir auch nicht sagen, was der Auslöser dieser Infektion sein könnte.
Im Dezember wird es dann einen Laktose und Sorbitol Test geben.

Nun zu meinen Fragen/Vermutungen:
- kann es sein, dass bei der letzten Koloskopie einfach etwas übersehen wurde? Ich meine woher sollen denn sonst bitte das Blut und die Schmerzen kommen...
- können die Beschwerden auch irgendwie mit der Gastritis zusammenhängen?
- und zuletzt, wahrscheinlich das unangenhemste Detail: im Oktober letzten Jahres wurde bei mir überraschend ein Herpes Genitalis diagnostiziert. Mit Virustatikum konnte er behandelt werden, kam auch seit dem nicht wieder. Ich habe aber gelesen, dass auch dadurch eine Colitis bzw. Enddarmentzündung ausgelöst werden könnte. Das müsste dann doch aber durch die Gewebsprobe erkennbar gewesen sein, oder nicht?

Ich danke euch wirklich sehr, wenn ihr bis hier hin durchgehalten habt und mir antworten möchtet.

Liebe Grüße,
Ela
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon Elaviara » Mi 1. Nov 2017, 17:03

Hat denn niemand einen Tipp? :|
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon neptun » Mi 1. Nov 2017, 20:12

Hallo Ela,

willkommen im Forum.

Schwierig. ;)
Wurde eine Entzündung durch Prokto- oder Rektoskopie im Enddarm gesehen, es sollte zumindest auch eine Biopsie genommen worden sein.
Im Vorwege oder auch zeitgleich hätte der Stuhl auf Keime untersucht werden sollen. Denn einige Erreger können auch eine Darmentzündung auslösen.

Nun wurde anscheinend im Rektum keine Entzündung mehr, dafür aber Vernarbung gefunden. Und Du hast Magenentzündung und Reflux. Auch da vielleicht Entzündung in der Speiseröhre und ein Reflux ist gar nicht der Auslöser?
Ein mc kann im gesamten Magen-Darm-Trakt Entzündung verursachen, also auch im oberen Bereich. Dazu geht die Entzündung durch alle Darmwandschichten, transmural. Anders bei cu, wo nur die Darmschleimhaut entzündet ist. Nach meiner Meinung sind Vernarbungen eher bei mc zu erwarten. So z.B. auch die vernarbten Stenosen, wenn Engstellen also durch Entzündung entstehen, dann aber mit der Zeit kollagene Bindegewebsfasern eingelagert werden.

Colitis bedeutet dem Wortsinn nach Entzündung (Endung -itis) im Colon (Dickdarm). Es ist also nicht automatisch eine cu gemeint und auch einen mc gibt es häufig im Dickdarm in verschiedenen Bereichen.
So können die 5 cm direkt am Analkanal beginnen, können aber auch höher im Rektum liegen. Dazu müßtest Du mal den Kolobericht entsprechend nachlesen, ob dort etwas vermerkt ist. Ebenso eine Biopsie, wo es dann einen Bericht des Pathologen geben müßte.

Meist hat man bei den CED eher weichen Stuhl. Wässriger Durchfall wäre eher auf Keime zurückzuführen. Der Stuhl ist häufig weich, wenn er nicht mehr genügend entwässert wird, was aber meist erst erfolgt, wenn die Entzündung ausgedehnt (Rektum und Sigma oder auch noch höher) im absteigenden Dickdarm vorliegt. Weil dort der Stuhl am meisten entwässert wird.

Ein starkes Indiz auf CED ist die Wirkung von Betnesol. Dies hat zwar nur 5 mg Cortison, aber es ist Betamethason und damit viel stärker als Prednisolon. Die 5 mg entsprechen nach Prednisolonäquivalent min. 35 mg Prednisolon, in der Wirkung und im Nebenwirkungspotential.
Anscheinend konntest Du die großen Klysmen (Rektalinstillation) halten. Das ist bei stärkerer Entzündung meist nicht mehr möglich.

Bauchschmerzen können durch vermehrte Blähungen entstehen.
Der Darm selbst kann keine Schmerzen empfinden, weil ihm dazu die Rezeptoren fehlen.
Bei Verdacht auf mc kann/sollte man auch mittels MRT-Sellink mal den Dünndarm ansehen. Ob dort Entzündung, eventuell auch eine Stenose vorliegt.

Zu Schmerzen nach dem Stuhlgang kann ich nichts schreiben.
Ich kenne bei cu nur die Tenesmen, Schmerzen kurz vor dem Stuhlgang, die das Halten erschweren und dann aber auch umgehend verschwinden.

Ist das Blut auf dem Stuhl oder nur auf dem Papier und ist es hellrot?

Soweit meine Gedanken.

LG Neptun
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon Elaviara » Do 2. Nov 2017, 17:08

Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort!
Bei der Proktoskopie im Frühjahr wurde ja nichts auffälliges entdeckt, erst bei der Koloskopie. Stuhl wurde nicht untersucht, aber du hast Recht, wenn es andere Erreger sind, müssten die ja darin erkennbar sein. Ich werde also definitiv nochmal einen anderen Arzt aufsuchen.

Dass es MC sein könnte, daran habe ich auch schon gedacht, habe diese Vermutung aber meiner derzeitigen Ärztin noch nicht mitgeteilt. Da diese sich aber derzeit sowieso auf ihre Diagnose festgefahren hat, werde ich das dann bei neuen Arzt ansprechen.

Das Blut ist sowohl auf dem Stuhl als auch beim Abwischen zu sehen. Also vom Magen kann das da ja nicht kommen, oder? Bleibt ja nur der Enddarm, nehme ich an...

Liebe Grüße,
Ela
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon neptun » Do 2. Nov 2017, 17:45

Hallo Ela,

gerne. :)

Nur Blut am Papier und hellrot, es wäre wohl ein kleiner Riß im Anoderm. Kann öfter einfach so passieren. Hellrotes Blut am Stuhl kommt aus dem Rektum und ist von flüssiger Konsistenz. Entzündungsquelle höher im absteigenden Dickdarm gelegen liefert dunkelrotes Blut, das dann auch klebrig ist, Fäden zieht.
Blut aus dem Magen dürfte zersetzt und damit schwarz sein. Wenn es überhaupt noch zu erkennen ist. Meist wird da ja ein Test auf okkultes Blut gemacht.

Guten Erfolg beim neuen Arzt/Ärztin.

LG Neptun
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon Elaviara » Mi 29. Nov 2017, 17:09

Hallo!

ich wollte mich mal zurückmelden. Meine Symptome sind nach wie vor unverändert...
Habe einen neuen Arzt aufgesucht und dieser hat gleich einen Stuhltest veranlasst. Der Calprotectinwert sei wohl erhöht. Auf meine Frage,ob auch Bakterien oder Keime gefunden werden konnten, meinte der Arzt nur, dass besagter Wert ja auf ne Entzündung hinweisen würde und es damit eindeutig sei. :?:
Alos hat die Ärztin davor wohl doch etwas übersehen...
Jetzt konnte ich mir praktisch aussuchen, ob ich dieses Jahr noch eine dritte Kolo möchte oder erst zu Beginn nächsten Jahres. Wir einigten uns auf kommendes Frühjahr.
Jetzt hat er mir für 3 Monate Cortiment, einmal täglich, aufgeschrieben. Eigentlich wollte ich ja Kortison erstmal umgehen, aber er meinte es sei wichtig, dass die Blutungen aufhören... und dieses Medikament sei wohl geringer dosiert und allgemein besser verträglich als das Betnesol. Habt ihr da Erfahrungen?
Im Dezember habe ich jetzt noch einen Fructose und Lactose Test, im Januar dann nochmal Stuhlprobe und Blutentnahme.
Ich weiß nicht ob ich mit diesem Arzt jetzt zufriedener bin. Er hat mir jetzt außerdem statt Panto 40mg, 20mg aufgeschrieben und zu meinem Hinweis, dass es sich ja auch um mc handelt könnte meinte er nur, dass es bei mir ja an zu viel Magensäure liegen würde und deshalb auch die Panto helfen. Bei mc würden die dann wohl nicht helfen :?: ist dem wirklich so?

Ich bin schon wieder leicht desillusioniert.

Liebe Grüße,
Ela
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon neptun » Mi 29. Nov 2017, 17:58

Hallo Ela,

ich weiß aus dem Raedlerforum, daß dort etliche Betroffene ein PPI nehmen. Wie will der Arzt wissen, was nun wirklich Deine Magenbeschwerden auslöst?

Zum Betnesol hatte ich Dir bereits oben geschrieben. Das Betamethason ist ein starkes Cortison. Die 9 mg Budesonid im Cortiment sind da geringer dosiert und wohl auch verträglicher. Beides wirkt topisch, bei Betnesol gibt es aber etliche Beiträge über systemische Nebenwirkungen.
Wer allerdings gegenüber Budesonid sehr empfindlich ist, also eine Prädisposition dafür hat, der kann auch davon systemische Nebenwirkungen bekommen. Es hilft nur das Ausprobieren, aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich geringer.

LG Neptun
PS: Hast Du denn nun mal im Kolobericht gelesen, ob dort etwas genau über die Lokalisation der Entzündung steht?
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon Elaviara » Do 30. Nov 2017, 15:57

Hallo Neptun,

keine Ahnung woher der Arzt das wissen will, ich fand es ja auch seltsam. Seitdem ich die Pantos mit 20mg nehme habe ich auch wieder vermehrt Beschwerden mit Sodbrennen und Haslschmerzen. Ist wahrscheinlich dieser klassische Rebound-Effekt durch die Verringerung der Dosis.

Sorry, ich hatte wohl überlesen, dass du wissen wolltest in welchem Bereich sich die Entzündung genau befindet. :oops:
Als ich verstehe die Befunde nicht ganz,aber was ich herauslesen kann ist folgendes:
I entlang des Colons: Colonschleimhaut mit minimal chronisch-unspezifischer Entzündung
II Rektum: Colonschleimhaut mit mäßiggradiger chronischer und gering florider Entzündung

Also scheint wohl eher das Rektum betroffen zu sein. Die Ärztin zeigte mir damals mit den Händen eine Spanne, die ca. 5-10 cm lang war. :D
Ich werde ab morgen das Cortiment einnehmen. Ich hoffe, dass es anschlägt.

Liebe Grüße und danke für deine zügigen Antworten!
Ela
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon neptun » Do 30. Nov 2017, 17:35

Danke und guten Erfolg. :)

LG Neptun
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Re: Colitis, Gastritis, großes Fragezeichen

Beitragvon Elaviara » Di 9. Jan 2018, 22:01

Hallo allerseits...

mal wieder ein Update von mir. :)
Ich habe die H2-Atemtests hinter mir: auf Lactose habe ich nicht reagiert und bei Fructose war der höchste gemessene Wert 18. Ist nicht viel, aber ich hatte ordentlich Bauchweh und Schüttelfrost für eine kurze Zeit nach dem Test. Die Ärztin meinte, ich brauche nicht auf alles fructosehalte verzichten, ich solle mir nur mal Gedanken machen, was genau die Ursache sein könnte. Ich verzichte jetzt erstmal auf Honig und Trockenfrüchte, da ich beides täglich mehrmals konsumiert habe und esse, wenn ich Obst ess, nur Mandarinen... Außerdem bin ich generell auf Traubenzucker umgestiegen und versuche (gelingt mir nur nicht ganz) auf Zucker zu verzichten.

Seit Dezember nehme ich ja Cortiment, es wirkt nur leider gar nicht. Die Blutungen hören einfach nicht auf und werden eher schlimmer. Morgen gebe ich dann nochmal eine Stuhlprobe ab und lasse Blut entnehmen, ich denke wirklich, dass mittlerweile mein Eisenhaushalt arg angekratzt ist...

Der Arzt meinte beim letzten Mal, wenn Cortiment nicht wirkt, soll ich mir einmal in der Woche eine Spritze geben lassen, weiß jemand, was genau er damit meint?

Liebe Grüße!
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