"Ich kann es nicht mehr hören..."

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.
kalinka
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von kalinka »

froggy hat geschrieben: ...in der Schubzeit gibt es die Belastung durch die Krankheit... und in der Remissionsphase die Belastung und den Druck "nicht zu gesund zu wirken". Werden zwar jetzt viele einfach abtun und sagen "Ich lass mich dadurch nicht beeindrucken", ich denk aber so leicht ist das nicht immer.
Du hasts erfasst, Fröschli! ;)
Den Druck "nicht zu gesund zu wirken" kenn ich (zum Glück) nicht, aber die blöden Kommentare kommen natürlich trotzdem in den Remissionsphasen. Ich versuch zwar, sowas nicht allzu doll an mich ranzulassen, aber es nervt mich schon sehr (weils oftmals immer dieselben leute sind :evil: ). Und ich glaube nicht, dass sie von sowas niemand beeindrucken läasst. Den einen triffts nur mehr und den anderen weniger. :|

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Kerzenlicht
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von Kerzenlicht »

Ja, ich hatte gestern auch so eine Nette Unterhaltung:

Kollege: Du verträgst keine Kohlensäure? Hm, ja, wenn man das Mineralwasser kocht, dann ist ja die Kohlensäure raus. Aber kann man denn gekochte Kola trinken? (Ja, er meinte das ernst!!!)
Ich: Wieso Mineralwasser? Ich nehme für Tee Leitungswasser.
Kollege: Wie? Ich denke Du bist krank! Dann darfst Du bestimmt kein Leitungswasser trinken! Wenn Du was falsch machst, zahlt Dir die Krankenkasse kein Krankengeld mehr! Bedenke das!

und so ging das noch ca. 10 Minuten weiter! Echt entnervend!
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bluedragon
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von bluedragon »

Hallo Kerzenlicht
was für Kollegen hast du denn, mit denen hast du es bestimmt oft nicht sehr einfach.
Gruß Bluedragon :mrgreen:

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Thilo
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von Thilo »

Kerzenlicht hat geschrieben: Wie? Ich denke Du bist krank! Dann darfst Du bestimmt kein Leitungswasser trinken! Wenn Du was falsch machst, zahlt Dir die Krankenkasse kein Krankengeld mehr! Bedenke das!
Hallo Kerzenlicht,

wie unterbelichtet muss jemand sein, der solche Sprüche raushaut.

Hier hilft nur absolute Ignoranz.

Gruß

Thilo

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Kerzenlicht
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von Kerzenlicht »

Unterbelichtet ist der Kollege bestimmt nicht! Aber er glaubt vieles, was er "irgendwo" in der Presse aufschnappt. Er hinterfragt zwar alles politische und wirtschaftliche, aber was das "normale Leben" angeht, da hinterfragt er leider zu wenig.

Teilweise hören die Leute auch einfach nicht richtig zu und reimen sich dann was zusammen und argumentieren dann mit ihrem "Fachwissen" einfach weiter. Das ist oft das, was mich so nervt.
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Belialsama
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von Belialsama »

Hi,

hab ich gelacht bei der Liste :mrgreen:
Ich glaub die mega hohlen Gespräche kennen wir alle...vor allem nervt mich, dass man mir den MC und das Ileostoma mit meinen 35 ja nicht ansieht und sich hier in der Reha ein paar alte senile Diabetiker mit Schmalhans-Kost beschwert haben, dass ich süße Plörre (Cola,Limo) trinken darf, wo ich selbstverständlich nur zum abnehmen hier bin. :lol:
Und vor meiner OP scheinen meine Arbeitskollegen und Chef gedacht zu haben, ich komm gleich wieder arbeiten, das wäre nur wie ne Blindarm-OP...bis se dann mitgekriegt haben, dass ich die Komplikationen nur knapp überlebt habe...trotzdem bin ich dauernd gelöchert worden, wann ich wieder zur Arbeit komme. Über so ne Sch*** mach ich mir doch keinen Kopp, bin froh dass ich überhaupt noch lebe. ;)
LG Belialsama

kalinka
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von kalinka »

Kerzenlicht hat geschrieben:Unterbelichtet ist der Kollege bestimmt nicht! Aber er glaubt vieles, was er "irgendwo" in der Presse aufschnappt. Er hinterfragt zwar alles politische und wirtschaftliche, aber was das "normale Leben" angeht, da hinterfragt er leider zu wenig.

Teilweise hören die Leute auch einfach nicht richtig zu und reimen sich dann was zusammen und argumentieren dann mit ihrem "Fachwissen" einfach weiter. Das ist oft das, was mich so nervt.
Hey Kerze,
vielleicht solltest du deinem Kollegen das GENAU SO sagen! Dass du ihn zwar schätzt und nicht für dumm hälst, aber er trotzdem etwas verständnisvoller sein und dich nicht mit seinem aufgeschnappten Halbwissen vollquatschen sollte. Kommt drauf an, wie wichtig dir der Kollege als Mensch ist bzw. wie eng ihr zusammen arbeitet, ist also sehr situationsabhängig. Aber vielleicht klappts und dir bleiben "schlaue" Sprüche von seiner Seite erspart! ;) Viel Glück! :D

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Kerzenlicht
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von Kerzenlicht »

Hallo!

Auf der Arbeit versuche ich über meine Krankheit möglichst wenig zu erzählen, da unser Chef teilweise recht "unfreundlich" reagiert, wenn er mitbekommt, dass jemand irgendeine chronische Krnakheit hat. Er versucht diese Kollegen dann möglichst schnell irgendwie los zu werden .... und auf diese "Abschussliste" möchte ich möglichst nicht geraten.

Kollegen mit denen ich kaum was zu tun habe, "dürfen" zu mir fast sagen was sie wollen (auf meine Krankheit und Fehlzeiten bezogen), das kann ich recht gut abprallen lassen. Langes Aufklären bringt kaum was, weil diese Kollegen nicht richtig zu hören und es zu viel Zeit und Nerven kosten würde.
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Tine32
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von Tine32 »

Hallo Dony,

wenn ich heute darüber nachdenke, wie viele, vor allem fremde Menschen mir immer wieder sagten: "Du/Sie sind aber dünn, aber blass"; "Ess mal mehr", Du brauchst was auf die Rippen, willst ein Model sein? Augenringe? sowieso schlafgestört usw. Und ich dumme Nuss habe mich früher auch noch gerechtfertig und erklärt vor so welchen distanzlosen niveaulosen Menschen. Heute gebe ich nur noch arrogantes Kontra oder lächle nur. Sollte mir noch mal heute jemand so etwas sagen, würde ich zum Beispiel antworten: "Und du hast einen fetten Arsch"

In meinen schlimmsten kranken Phasen habe ich erfahren, dass gerade dann die Menschen "reinhauen". Hätte man mich genauso oft gefragt, wie es mir geht, wie es läuft usw. würde ich heute wahrscheinlich ein größerer Menschenfreund sein.

Heute bedauere ich so welche Menschen, weil ich weiß, dass diese Menschen so voller Frust über ihr eigenes Leben sind, dass sie gar nicht in der Lage sind, etwas nettes zu sagen oder zu fragen. Ich ärgere mich heute, dass ich mich überhaupt mit manchen Menschen beschäftigt habe. Und davon gibt es leider sehr sehr viele.

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Eusebia
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Re: "Ich kann es nicht mehr hören..."

Beitrag von Eusebia »

Hallöchen,

vielleicht sind wir aber auch etwas empfindlich, wenn solche Dinge gesagt werden. Meistens sind diese Sprüche eben nicht böse gemeint sondern die Leute machen sich zwar Gedanken, aber leider die falschen Gedanken. Dafür können die ja nichts. Die Leute, die nicht so eine Krankheit haben, die können sich das oft gar nicht vorstellen, wie so etwas ist.

Ein Beispiel: Ich spiele schon seit 1981 mit drei Freundinnen Canasta und die haben auch meine Krankheit miterlebt und haben auch oft unwirsch darauf reagiert. Wenn wir mit unserem eingespielten Geld essen gingen, dann musste ich immer sehr viel auf meinem Teller liegen lassen, weil einfach nichts mehr ging. Dafür musste ich mich mehr wie einmal rechtfertigen, dass ich das eben nicht vertrage oder dass eben nichts mehr reingeht (ich hatte ja eine Stenose und damit oft einen Stau davor). Das haben die einfach nicht verstanden.

Bis auf einmal eine der Freundinnen auch ein Autoimmunkrankheit bekam, (bei ihr ist die Leber betroffen). Von da ab ging es ihr wie mir, sie konnte fast nichts mehr essen. Es hat auch nicht lange gedauert, da hat sie mich zur Seite genommen und sich bei mir entschuldigt für ihr damaliges Benehmen. Sie hat das ja nicht gewusst, dass das so schlimm ist, wenn man nichts mehr runter bekommt. Von da an hatte sie die großen Reste auf dem Teller.

Gott sei Dank geht es ihr und mir heute wieder gut und wenn wir heute Essen gehen, dann ist unser Teller hinterher leer. ;)

Es gibt eben ganz wenige Menschen, die sich in einen anderen Menschen richtig reinversetzen können und deshalb auch Verständnis für seine Situation haben. Das gilt aber auch für uns. Hand aufs Herz: können wir uns immer in unseren Gegenüber richtig reinversetzen? Oder fordern wir das immer nur von unserem Gegenüber, dass der Verständnis für uns hat?

VG Eusebia
Wer sich nicht selbst helfen will, dem kann niemand helfen.
Hans A. Pestalozzi

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