Gedicht einer Mutter, Gedanken über den Sohn

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.
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Diana82
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Diagnose: 11 j. Sohn mit CU
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Gedicht einer Mutter, Gedanken über den Sohn

Beitrag von Diana82 »

Ihr Lieben, als betroffene Mutter eines 11 jährigen Sohnes mit CU habe ich meine Gedanken aufgeschrieben. Es hilft mir zu begreifen. Es hilft immernoch nicht zu verstehen.;


Warum du, warum nicht ich.

Nein, es darf nicht sein.
Nicht du, nicht jetzt.
Verdrängung, Angst, Panik.
Dein Leben, statt in leuchtenden Farben, voll von Nebel.

Deinen täglichen Kampf.
Das Blut, dein Gesicht, grau, blass, müde. Die Nadeln, Schläuche, wieder Blut.
Die Nacht wird zum Tag. Nur für dich. Ich schlafe.
Deine Entbehrungen.

Nein, das darfst du nicht, das tut dir nicht gut. Vertraue mir. Es tut nicht weh. Es tut weh. Enttäuschung.

Du verstehst noch nicht alles, sollst du auch nicht. Aber du verstehst genug, um es zu ahnen.
Du sollst lachen, spielen, frei sein.
Lache! Spiele! Fühl dich frei!

Du bist verändert, ich erkenne dich kaum wieder. Wo ist mein Kind. Warum? Was habe ich falsch gemacht, was habe ich dir mitgegeben? Was habe ich dir angetan. Bin ich schuld? Ich will es wieder gut machen.
Sag mir wie, sag mir wie es wieder gut wird.

Dein kleiner Körper, voll von unerträglichen Einflüssen. Weg von der Natur, weg von Heilung. Chemie, Dreck, Schunt.
Es hilft... noch, wie lange?

Sie sagen, sei stark, zeig es nicht.
Ja, immer, immer bei ihm.
Ein Lächeln, ein Witz, ein Rückenkraulen.

Und dann? Allein. Endlich weinen, endlich die Unfassbarkeit versuchen zu verstehen.
Nur kurz, zu lang ist nicht gut.
Wir wollen doch nur Gutes.

Hoffnung, Vertrauen in sich selbst, in andere, in die Wissenschaft.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

HappyV
beginnt sich einzuleben
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Re: Gedicht einer Mutter, Gedanken über den Sohn

Beitrag von HappyV »

Diana, ich versteh dich - mein Sohn ist 5 und hat MC.
Ich kann es immer noch nicht glauben und weine viel. Ein Alptraum, aus dem ich nicht aufwache, wie man so schön sagt. ich würde gern mit ihm tauschen und ihm alles abnehmen...

Aber weißt du was: Das alles bringt uns nicht weiter.

Ich arbeite gerade noch sehr an der Akzeptanz der Krankheit (diese ist nämlich noch ganz weit von mir entfernt), denn etwas anderes erscheint mir nicht sinnvoll und auch nicht zielführend.
Mein Sohn bekommt Humira, darum geht es ihm derzeit relativ gut. Ich habe das Medikament verflucht, weil ich so große Angst vor langfristigen Nebenwirkungen, vielleicht sogar Krebs??, hatte/habe.
Aber ich versuche, statt dem Groll Dankbarkeit zu fühlen. Dankbarkeit, dass es solche wirksamen Medikamente überhaupt gibt, das wir in einem Land wohnen, wo wir gut medizinisch versorgt werden und Biologika bezahlt bekommen und sein CRP dadurch in 3 Wochen von 49 auf 1 gesunken ist oder dass wir finanziell ausreichend gut abgesichert sind, um bei Bedarf auch alternative Wege zu probieren usw....

Alles Gute für deinen Sohn und natürlich auch dich!!!

Wase
hat sich häuslich eingerichtet
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Registriert: Di 12. Nov 2019, 20:10

Re: Gedicht einer Mutter, Gedanken über den Sohn

Beitrag von Wase »

Liebe Diana,fühlt Euch erstmal ganz dolle gedrückt.Deine Gedanken sind auch meine GEWESEN!!!Wir haben im Sept.die Diagnose MC für meinen 15 jährigen Schatz bekommen.Ich hab geweint,wie Du die Schuld gesucht.Mich gefragt,warum ich die Krankheit nicht haben kann und mein Sohn nicht..Naja das volle Programmm.Aber ich habe einen Leitspruch:“Du bist Herr über Deine Gedanken“Denn wie Du denkst ,so fühlst Du Dich.Das ist einfach so.Mir wurde bewusst,dass diese Gedanken so rein gar nichts ändern,geschweige verbessern.Unsere Kinder spüren genau unsere Ängste und Kummer.Egal ob wir es vor ihnen nicht zeigen.
Also hab ich statt der Wohnung meinen Kopf gesäubert.
Ja,es ist ne scheiss Krankheit(sorry)Aber es gibt schlimmere Diagnosen.Die Zukunft kann ich eh nicht kontrollieren,aber ich kann auch nicht behaupten ,dass sie schlecht wird.Im Internet findet man meist nur Berichte,von den unangenehmen Verläufen.In schubfreien Zeiten oder guten Zeiten,schreibt kaum jemand.Es gibt Menschen,die habennauch eine CED ,wissen es aber gar nicht.Sagen,Ihr Bauch sei bizzli ein Schwachpunkt.Viele Trinken und oder Rauchen,das fördert Krebs auch.
Wir haben eine Diagnose,wir achten auf die Lebensweise unserer Kinder,wir nehmen Einfluss.Unsere Kinder stehen unter ärztl.Kontrolle,beste Chance später einen evtl Krebs(wird gar nicht so kommen)frühzeitig zu entdecken und zu heilen.Klar wirds Nebel geben,aber auch Sonne,viel Sonne.Mal nicht mehr schwarz,lass uns parat stehen,wenn der Nebel kommt.Die Sonne kommt wieder,garantiert.Und wenn sie da ist,dann haben wir keine Angst vorm nächsten Nebel,sondern geniessen sie.
Kopf hoch,Du bist Herr Deiner Gedanken
Ganz ganz liebe Grüsse und Dein Süsser wird ein gutes Leben haben!

Diana82
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Diagnose: 11 j. Sohn mit CU
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Re: Gedicht einer Mutter, Gedanken über den Sohn

Beitrag von Diana82 »

Vielen Dank für eure Nachrichten. Versteht mich nicht falsch. Es gibt momentan noch viele Momente, wo ich so denke. Ich finde es wichtig und richtig, die Gefühle mal raus zulassen. Zum Glück gibt es meinen Partner, meine Familie und meine Freunde. Positives Denken begleitet mich mein ganzes Leben und daran halte ich weiter fest.
Wer gerne weiterlesen möchte, es folgt ein "Gegengedicht" :) . Dann ist aber gut mit den geistigen Ergüssen. Nützt ja nichts. Augen zu und ab durch den Nebel :D
_____________________________
Positives Denken sieht Chancen, Gelegenheiten und bestaunt die Schönheit des Nebels.

Wo vorher Distanz war, rücken alle eng zusammen. Gemeinsame Ziele, gemeinsam hoffen. Sprachlosigkeit und Wut aus vergangenen Tagen weicht dem Verständnis und der Anerkennung.

Jedes Lachen wird bewusst, jeder gute Tag zu einem Erlebnis. Du lachst, tobst und straffst die Schultern.

Das Tier, was wir heute zubereiten, hatte einen Namen. Früher wäre es irgendwo, irgendwie gewesen. Reinheit, Bewusstsein und Sinnhaftigkeit eines Lebens hat nun einen Wert.

Wenn du älter bist, erkennst du den Sinn, den Mehrwert und die Chancen. Noch ist es für dich Verzicht. Ich helfe dir durch den Nebel zu blicken.

Wase
hat sich häuslich eingerichtet
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Registriert: Di 12. Nov 2019, 20:10

Re: Gedicht einer Mutter, Gedanken über den Sohn

Beitrag von Wase »

Hi Diana,cooles Gegengedicht.Schlaft schön,es kommt gut.L.G.

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