Nie mehr mutlos, ängstlich und verzweifelt !

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.
Robert
neu hier
Beiträge: 4
Registriert: Mi 15. Nov 2017, 15:50

Re: Nie mehr mutlos, ängstlich und verzweifelt !

Beitrag von Robert »

Klasse Beitrag, you made my day!

Vielen Dank und liebe Grüße

Robert

Angelitis
ist öfter hier
Beiträge: 21
Registriert: Do 25. Apr 2019, 13:58

Re: Nie mehr mutlos, ängstlich und verzweifelt !

Beitrag von Angelitis »

Toll geschrieben! Danke :-)
Werde ich immer wieder zur Erinnerung lesen.
Einen wunderschönen Tag Thilo.
Liebe Grüsse, Angelitis

MichiG
beginnt sich einzuleben
Beiträge: 17
Registriert: Do 21. Mär 2019, 16:06

Re: Nie mehr mutlos, ängstlich und verzweifelt !

Beitrag von MichiG »

Thilo hat geschrieben:
Mi 26. Dez 2012, 12:36
Hallo,

ein aufmerksamer User dieses Forums hatte den folgenden Beitrag archiviert und hat mir diesen jetzt zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Möge dieser Beitrag Menschen in schwierigen Lebenssituationen helfen fragwürdiges zu überdenken, die eigenen Gedanken neu zu ordnen, um schließlich auch wieder die Fähigkeit zu erlangen Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu lernen.

Gedanken eines Betroffenen:

„Nie mehr mutlos, ängstlich und verzweifelt !“

Wer ein solches Versprechen mit einer Pille, einer Broschüre, oder eines Vortrages wahr und
im Alltag erlebbar machen könnte, würde über Nacht zum Millionär.

Aus vielen Foren-Einträgen lese ich heraus, dass häufig große Unsicherheit, Angst und auch
Verweiflung angesichts der bestehenden Lebensumstände vorherrscht. Viele Betroffene
suchen fieberhaft nach einer Lösung für ihre Probleme, sind aber oft nicht bereit ihr Verhalten
und ihre Lebenseinstellung einmal gründlich auf den Prüfstand zu stellen.

Angesichts der Tatsache, dass jeder fünfte Deutsche an Depressionen leidet, klingt die
Überschrift meines Eintrages wie eine Provokation. Wenn man sich aber einmal vor Augen
führt, dass die meisten Menschen durchaus Handlungsmöglichkeiten haben, sieht die Sache
schon wieder ganz anders aus.

Auch MC- oder CU–Erkrankte durchleben angesichts ihres langwierigen und fortschreitenden
Krankheitsverlaufes häufig Phasen erheblicher Niedergeschlagenheit. Sei es, dass die
Medikamente nicht die erhoffte Wirkung erzielen, dass Ärzte nicht genügend Zeit für ihre
Probleme haben, oder dass immer wieder aufs Neue erhebliche gesundheitliche Probleme
auftauchen, die uns vom Alltagsleben und unserem sozialen Umfeld weitgehend
ausschließen.

Oft raubt eine einzige schlechte Erfahrung den Menschen allen Mut und es fehlt ihnen die
Courage, es immer wieder neu zu probieren. Durchaus verständlich. Wer bspw. einmal bei
imperativem Stuhldrang ( unvorhersehbare Durchfälle mit Vorwarnzeiten im
Sekundenbereich) keine Toilette in der Nähe hatte und als „Hosenschisser“ da stand, möchte
eine solche Situation nicht noch einmal erleben.

Aber: Wer ständig Angst vor Versagen oder Fehlern hat, oder zu sehr auf die Reaktionen
seiner Mitmenschen schaut, lebt eigentlich immer mit angezogener Handbremse. Wer
dagegen denkt „Ich stelle mich erneut dieser Herausforderung“ hat schon mit der
schrittweisen Lösung seiner Probleme begonnen.

Es gibt meiner Ansicht nach aber auch viele Erkrankte, die moderate und milde
Krankheitsverläufe verzeichnen und denen eher negativer Stress, hohe familiäre Belastungen
und ihre Lebensumstände erhebliche Probleme bereiten, da sie sich nicht belastbar fühlen.
Wie könnte eine Lösung aussehen um generell mit dem Thema Mutlosigkeit, Angst und
Verzweiflung entschlossen umzugehen ?

In den 80-iger Jahren wurde oft die These vertreten: „Sie haben Morbus Crohn ? Das ist doch
die Krankheit der Perfektionisten“. Wenn auch diese These keiner wissenschaftlichen
Überprüfung standhält, enthält sie doch ein Körnchen Wahrheit.

Perfektionisten werden zwangsläufig unglücklich. Man scheitert an den eigenen Ansprüchen.
Jeder Mensch macht Fehler. Enttäuschung und Streit gehören zu jedem menschlichen
Zusammenleben. Niemand kann ständig Höchstleistungen bringen und niemand kann immer
gut aussehen. Gerade diese Unzulänglichkeiten machen unser Leben reicher.

Die meisten Menschen denken: Ich muss mich ständig anstrengen, ich bin nie gut genug, ich
darf mich niemals gehen lassen, andere sollen nicht spüren was ich denke und fühle. Im
Beruf, im Haushalt und sogar in der knapp bemessenen Freizeit, immer wird Höchstleistung
von uns verlangt. Nur dann finden wir Lob und Anerkennung unserer Vorgesetzten, unserer
Mitmenschen und sogar von uns selbst.

Diese innere Haltung geht oft noch so weit, dass wir selbst dann, wenn wir Stille und Ruhe
benötigen, diese nicht finden, weil uns volle Terminkalender und fragwürdige
Freizeitaktivitäten immer neu antreiben. Wir werden rast- und ruhelose Menschen, die nicht
zu sich selbst finden können und auch für Mitmenschen wahnsinnig anstrengend sind.

Da gibt es das Beispiel vom Zirkuspferd`chen: Ihm wurde nur beigebracht in der Manege
fortwährend im Kreis zu laufen. Das Pferd`chen kannte nichts anderes. Dennoch existiert
auch die andere Pferdewelt: Grüne Weiden, klare Bäche und strahlend blauer Himmel.

Was bedeutet dieses Beispiel für unser Leben ?

Auch wir sollten uns nicht ständig im Kreis drehen. Wir sollten einmal inne halten und unser
Leben und unser Handeln grundsätzlich neu überdenken. Jeder Einzelne von uns darf sich
zugestehen: „Ich bin gut genug, wie ich bin.“ Anstatt die Ansprüche an uns selbst immer
höher zu schrauben, sollte jeder für sich eine Grundhaltung von Dankbarkeit entwickeln.
Entschleunigung und Zufriedenheit in unserem Leben können weiterhin zu einer
Verbesserung der Lebenssituation führen.

Mutiges Vorwärtsgehen beginnt bereits in unserem Denken. Wie ein Mantra können wir uns
trotz aller Beschwernisse jeden Tag neu sagen:

1. Heute werde ich mich freuen und einen wunderbaren Tag haben

2. Ich werde für alle, mit denen ich in Berührung komme eine große Hilfe sein

3. Über das, was ich heut schaffe, und seien es nur ganz kleine Schritte, werde ich mich
freuen und am Ende des Tages dankbar sein

4. Ich bin dankbar für jede Hilfe von meinem Mitmenschen und ich zeige ihnen meine
Dankbarkeit.

Wer immer mehr will, immer perfekt sein will und sich selbst stets das Letzte abverlangt, wird
zwangsläufig eines Tages leer und ausgebrannt sein. Die Pest unserer Zeit, die immer mehr
um sich greift und die unser Leben nachhaltig negativ beeinflussen kann

Wir sollten uns die Hürden nicht so hoch legen, dass wir sie nicht überspringen können.
Selbst wenn wir unter der Hürde durch laufen kommen wir zum Ziel ! ;-)

Es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken.

Thilo
Vielen herzlichen Dank. Dieser Artikel ist wirklich schön und aussagekräftig. Vielen lieben Dank

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