Übertriebene Selbstbeobachtung

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon mausi » So 15. Feb 2015, 14:57

Lieber Gunnar

Gern geschehen, mache ich doch gerne.... ;)
Kannst ja mal berichten, wie deine Ärztin reagiert hat, wenn du mit ihr gesprochen hast.

Dir auch einen schönen Sonntag noch

LG
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Re: Übertriebene Selbstbeobachtung

Beitragvon neptun » Mo 16. Feb 2015, 22:29

Hallo Gunnar,

da scheint mir doch einiges gar nicht schlüssig zu sein, in Deinen Annahmen und in der Reaktion Deiner Ärztin.
Du hast cu und das schon einige Jahre. Nun beklagst Du Durchfälle und Krämpfe. Da ist doch die erste Überlegung, es ist ein Infekt. Also wartet man etwas ab, wie sich die Sache entwickelt. Könnte ja auch noch Fieber hinzu kommen oder auch Erbrechen. Wird es tatsächlich nicht besser, so geht man zum Arzt. Der wird eine Stuhlprobe haben wollen und sie wird auf Keime untersucht.

Wie kommt man nun dazu anzunehmen, es wäre ein Schub der cu? Hast Du Blut im Stuhl gefunden und dies mitgeteilt? Dies wäre immerhin das Leitsymptom der cu gewesen und Du müßtest es kennen. Hast Du Tenesmen, also Schmerzen kurz vor dem Stuhlgang gehabt?

Dann hätte die Ärztin eventuell den Calprotectinwert im Stuhl ermitteln lassen können als Verlaufskontrolle. Es ist ein spezifischer Marker für Entzündungen im Magen-Darm-Trakt.

Und ein Gastro sollte auch in der Lage sein, ganz spontan eine kurze Rektoskopie zu machen, ohne Abführen und ohne Sedierung. Dauert nur 2-3 Minuten und der Arzt kann die mögliche Entzündung in Augenschein nehmen, damit dann auch die geeignete Medikation festlegen. Da die cu immer im Rektum beginnt und dort ihre stärkste Ausprägung hat, wäre dies der Goldstandard.

Eine Sono unten im Bauchraum dürfte wenug aufschlußreich sein, weil man da schlecht sehen kann und es ist ein bildgebendes Verfahren. Also der Rektoskopie unterlegen.

Dann bleibt die Frage, warum nimmst Du nicht dauerhaft Meslazin zurm Remissionserhalt und als Krebsprophylaxe.
Und je nach Befund hätte man Dir rektale Behandlung verschreiben können mit Zäpfchen, Schäumen oder Klysmen. Je nach dem, wie hoch die Entzündung reicht. Es gibt da die Wirkstoffe Mesalazin und verschiedene Cortisone. Man kann auch verschiedene Mittel kombinieren.

Letzter Versuch wäre noch eine Cortisonstoßtherapie gewesen mit 1 mg/kg Körpergewicht über 4 Tage ohne ausschleichen, wie es auch in der leitlinie beschrieben ist.
Nun wurde anscheinend eine Cortisoninduktionstherapie gestartet mit allmählichem Ausschleichen. Und das alles ins Blaue hinein?

Was solltest Du in der Klinik, was die Ärztin nicht auch behandeln könnte? In die Klinik geht man mit einem fulminanten Schub, aber der war sicher nicht zu erkennen.
Übrigens steigen die Leukos beim Gebrauch von Cortison an. Da ist also keine Zauberei und man muß sich eben immer fragen, welche Ursache steckt hinter einer Reaktion.

Du solltest Dich in die Hände eines erfahrenen Gastros begeben. Das Verhaöten der Ärztin klingt hilflos und ist einer CED nicht angemessen.

Du solltest Ruhe bewahren. Gleichmut, Geduld sind bei einer CED gefragt. Dazu Information und Wissen. Dazu hier noch mal der Link zu den Leitlinien cu.
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-009.html

LG Neptun
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Re: Übertriebene Selbstbeobachtung

Beitragvon Eusebia » Do 19. Feb 2015, 13:37

Hallochen,

gerade der Darm reagiert wenn man in Stress gerät. Das passiert ja auch bei Gesunden. Auch die haben wegen Stress oft Bauchprobleme. Also sollte man Stress vermeiden wo man es nur kann. Und gerade diese übertrieben Selbstbeobachtung setzt uns ja ganz stark unter Stress. Genauso wie auch alle übertrieben Anforderungen an uns selbst. Ganz oft sind wir also selbst der Auslöser. Nicht der Krankheit aber der Symptome.

Deshalb scheint der richtige Weg zu sein, etwas gelassener mit der ganzen Krankheit umzugehen. Allerdings ist das nicht so einfach. Es erfordert auch ein Umdenken. Man muss sich mit seiner Krankheit arrangieren. Wenn ich sie bekämpfen will, habe ich schlechte Karten, denn sie lässt sich nicht bekämpfen und das Kämpfen, das Ablehnen der Krankheit kostet ganz viel Energie, die ich dann an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung habe. Und die Krankheit bleibt trotzdem immer bei uns. Die Symptome lassen sich aber so weit in den Griff bekommen, das man damit auch gut leben kann.

Irgendwie scheint es als seien wir CED`ler etwas sensibler als andere. Man nennt das auch Hoch-sensibel. Da habe ich mal einen Beitrag darüber gelesen und da habe ich mich auch darin wiedergefunden. Hoch-sensible, das sind halt Menschen, die einfach alles etwas stärker wahrnehmen als andere. Deshalb nehmen wir auch Veränderungen in uns mehr wahr und das macht uns Angst. Und Angst macht dann Stress.

Wie kommt man aus dem Teufelskreislauf wieder raus? Bei mir hilft erstens, dass ich weiß, dass ich zu übertriebener Angst neige und dass ich deswegen meinen Gefühlen nicht immer trauen kann (weil sie überreagieren) und deswegen bewerte ich alles mindestens zweimal. Erstmal merke ich etwas unbekanntes in meinem Körper, das mir Angst macht . Dann versuche ich erstmal ruhig zu bleiben und beruhige mich selbst, in dem ich mir sage: Das wird nicht so schlimm sein. Dann schaue ich es mir in dem beruhigten Zustand nochmals an und bewerte es wieder. Und erst, wenn ich nach mehrmaligem bewerten, dann immer noch der Meinung bin, dass es eine ärztliche Abklärung braucht, dann gehe ich auch zum Arzt. So erspare ich mir sehr viel Arzt-Besuche. :D

VG Eusebia
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Re: Übertriebene Selbstbeobachtung

Beitragvon gunnarm69 » Do 19. Feb 2015, 16:00

Hi Neptun,

diese Unschlüssigkeit ist ja gerade mein Problem gewesen. Der Fehler war, dass ich überall einen Nagel gesehen habe wenn ich nur einen Hammer in der Hand habe. Ich meine damit, dass ich die normalen Symptome die ich immer habe hatte (viel Durchfall, Krämpfe, Farbe) und dann direkt hingegangen bin. Das werde ich so auf jeden Fall nicht mehr machen. Eusebia hat da komplett recht. Momentan hab ich leider Stress in Dosen (nicht abstellbar :( ) und dann geht gleich das Kopfkino los. Ich nehme normalerweise Pentasa und Aza in der Erhaltung, aber trotzdem ging der Spass los.
Der Thread hier heisst "übertriebene Selbstbeobachtung" und genau dem bin ich wohl auch zum Opfer gefallen. Meine letzte Koloskopie hatte ich vor einem halben Jahr - alles ok. Meine Medikamente nehm ich auch brav ein aber wie Eusebia schon sagt: Wir sind eventuell auch etwas empfindlicher gegenüber Stress als andere bzw. nicht empfindlicher aber anfälliger für die Folgen. Bei nicht CED'lern gibt es ja auch verschiedene Stressindikatoren bei denen die Leute dann ausfallen - bei uns ist es dann halt hin und wieder mal ein Schub. Damit will ich sagen das wir nicht per Definition weniger Stress abkönnen, es äußert sich halt nur anders als bei anderen.

Das mit der Ärztin geht mir die ganze Zeit natürlich auch durch den Kopf. Als meine CU diagnostiziert wurde war ich bei einer Ärztin die damit komplett überfordert war. Dann bei einer reinen CU Expertin und nun, aus Bequemlichkeit heraus, bei einer Internistin schräg gegenüber. Da wir als Chroniker ja doch eher mal ein Rezept brauchen (Aza einmal im Monat) war das ein Grund dahin zu gehen und das klappte ja auch erst ganz wunderbar. Nun ist das Stresslevel angestiegen und wird dort eine Weile verharren und die Überlegung ist natürlich wieder zu einer "Spezialistin" zu gehen.

Das in der Klinik eine Sono gemacht wurde ist dort Standard. Das ein bildgebendes Verfahren natürlich nicht die Qualität einer "richtigen" Untersuchung hat ist logisch - aber auf einem Freitag war das glaube ich das Beste was die auf die Beine stellen konnten. Ich bin nun wieder bei meiner Ärztin und werde dort auch erstmal sehen wie es weitergeht. Wenn sich die Schübe (oder was auch immer) häufen muss ich mir natürlich die Frage stellen ob das so funktionieren kann - bequem ist man halt auch und ohne Auto überlegt man sich die Gänge noch eher.

Zum Thema Gelassenheit: Volle Zustimmung von meiner Seite! Ich muss mich da eher unter Kontrolle halten und selber auch als mündiger Patient reagieren. Immer mit der Schablone "Ich bin Chroniker, ich kenne meinen Darm" kommen ist nicht nur Quark sondern auch gefährlich. Aber genau darum geht es ja. Wie kriegt man die Balance hin? Wie reagiert man schnell und adäquat und nicht übereilt? Wie lebt man mit der Krankheit und nicht durch die Krankheit? Ich denke wir sind da alle auf unserem eigenen Weg und ich werde mir die Leitlinien gleich mal reintun. Wir alle sind Menschen, keine Patienten. Und ich für mich habe jetzt gelernt, dass ich mehr Mensch sein sollte. In diesem Sinne werde ich gleich noch ein bisschen die geniale Hamburger Sonne geniessen und viele Grüße an euch alle.

Gunnar
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Re: Übertriebene Selbstbeobachtung

Beitragvon MCHammer » So 22. Feb 2015, 13:16

@ In diesem Sinne werde ich gleich noch ein bisschen die geniale Hamburger Sonne geniessen und viele Grüße an euch alle.

Gunnar

Richtiiiiiiiiiiiiiig, Gunnar, es sind die kleinen Dinge, die Dich "weiterbringen"....
Und gegen Gefühle kann man(n) oder frau nicht "arbeiten", die musst Du halt zulassen und sie als einen Teil
DEINER Natur zu verstehen. Es gibt ansonsten zu viele "Unempfindliche" in diesem unseren Lande, darum sei
ein bisserl froh über Dich, dass Du empfindest, auch wenn es manchmal mit Schmerz verbunden ist.
Tipp: autogenes Training etc. bei aufkommenden Stresstagen etc. pp.

Gruß
Wolfgang
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