Übertriebene Selbstbeobachtung

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Übertriebene Selbstbeobachtung

Beitragvon Loui » Di 12. Mär 2013, 20:38

Hey,

kennt ihr das auch?
Jedes leichte ziehen im Bauch macht mich irre. Jeder unterirdische Pickel könnte bei mir auch leicht ein bösartiger und schnellwachsender Tumor sein :lol: .
Ab un zu zwickts bei mir immer rechts im Bauch, höhe Bauchnabel. Mich macht das so irre das ich stundenlang nachforsche was das sein könnte.... Was schlimmes würde wohl richtig weh tun und nicht nur ab und an ziehen oder drücken. Zumindest versuche ich mir das ein zu reden.Arzt meint das auch.....

Hat jemand Tipps sich so eine übertriebene Selbstbeobachtung abzugewöhnen?

LG
Loui
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Re: Übertriebene Selbstbeobachtung

Beitragvon Thilo » Di 12. Mär 2013, 20:58

Loui hat geschrieben:.....Hat jemand Tipps sich so eine übertriebene Selbstbeobachtung abzugewöhnen?


Hallo Loui,

eine gewisse Selbstbeobachtung (Stuhlbeschaffenheit, sichtbares Blut, etc. pp.) ist bei uns CED-Patienten durchaus "normal".

Eine übertriebene Selbstbeobachtung die bereits in "Fleisch und But" übergegangen ist, das Denken beherrscht und unter der man auch leidet, kann langfristig nur durch eine psychotherapeutische Behandlung verbessert werden.

Jede Ansprache von Außenstehenden "ist nicht so schlimm", "mach dir darüber keine Sorgen" oder "wird schon" können die Sorge des Betroffenen nicht abschwächen.

Gruß

Thilo
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Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon Carmen » Di 12. Mär 2013, 21:32

Hallo Loui,

vielleicht könnte es Dich weiterbringen, wenn Du diese Befürchtungen zu Ende denkst. Beispiel: Es zwickt und ich bin besorgt. Warum bin ich besorgt? Denn da gibt es viele Möglichkeiten: Könnte ich Durchfall kriegen und nicht auf die Feier gehen, auf dich ich mich so lange gefreut habe? Sind das die Vorboten eines Darmdurchbruchs, an dem ich sterben könnte? Muss ich vielleicht wieder Cortison nehmen und bekomme wieder dieses ätzende Vollmond-Gesicht? Mit einem Schub ist meine berufliche Laufbahn in Gefahr? usw. usf. So kommst Du dem ursprünglichen Problem etwas näher. Im Rahmen von Angsterkrankungen gibt es das Symptom des Katastrophisieren, bei dem der Betroffene immer vom Schlimmsten ausgeht.

Oder könnte es sein, dass Du Deiner Krankheit sehr viel Raum gibst und die Beschäftigung damit quasi zu Lebensinhalt oder Hobby wird? Gerade nach einem schweren Verlauf ist es ungewohnt, wenn es einem plötzlich gut geht, und man viel Zeit und Gedanken übrig hat, die zuvor für Arzttermine, Toilettenbesuche und Medikamenteneinnahmen draufgegangen sind.

Könnte irgendetwas von diesen Ansätzen auf Dich passen?

Liebe Grüße
Carmen
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Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon Loui » So 17. Mär 2013, 20:55

hm wenn ich ehrlich zu mir bin ist es wahrscheinlich einfachn nur die angst vor dem was kommt. das mir niemand sagen kann ob ich einen leichten velauf haben werde oder nicht....trotz minimaler entzuendung und bisher nicht schwerem verlauf faellt es mir schwer nicht staendig ueber morbus chron nachzudenken. mein problem sind nicht moegliche durchfaelle sondern diese schlimmen begleiterkrankungen.

ich schaetze dass ich proefessionelle hilfe in anspruch nehmen sollte.

und jetzt scheint auch noch eine magen darm grippe im anmarsch zu sein....... :| schoen, schoen.


lg und danke fuer die ehrlichen antworten!!!!
Loui
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Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon jule1307 » Mo 18. Mär 2013, 13:12

Hallo,

Hilfe in dieser Form nehmen doch viele hier in Anspruch und es ist bei chronisch Kranken einfach so, dass es früher oder später stark das Denken und Handeln beeinflusst.

Ich wünsche dir alles Gute und dass du schnell einen Therapeuten mit freien Plätzen fidest, der gut zu dir passt!

Liebe Grüße Jule
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Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon Andie » Di 2. Jul 2013, 14:25

Ich finde Selbstbeobachtung nicht schlimm.

Ich habe etwas auf der linken Seite direkt unter der Rippe gefühlt. Später dann rechts. Ich bin in die Notaufnahme mit starken Schmerzen gegangen und habe gesagt ich habe Pankolitis (die nicht diagnostiziert war). CT Scan zeigte nur Verstopfung. Dann jährliche Kolo und Gastro meinte Pankolitis.

Ich finde es nur zu berechtigt dass man sich selbst beobachtet.
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Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon Kathyrinchen » Di 2. Jul 2013, 18:24

Hey Loui,

die Schwierigkeit ist aber zu erkennen was ist ok (ist Schleim im Stuhl oder Blut --> sowas muss man aber auch nicht beobachten wenn man weder schmerzen noch Durchfälle hat!!!!) und was ist übertrieben: aufschreiben wann man welche Stuhlfarbe, form, frequenz hat (sowas macht einen auch in Remission verrückt!).

Wenn du Mal Bauchschmerzen hast ist das OK; das haben auch gesunde. Wenn die Schmerzen mehr werden und Durchfälle hinzu kommen merkst du auch ohne detailierte Selbstbeobachtung das du nach ein paar Tagen Mal zum Arzt solltest und da z.B. den Calprotektin Wert checken lassen musst. :)

Mit der Zeit bekommen wir Neulinge das sicher auch in den Griff!
Ganz am Anfang ist das wahrscheinlich sogar normal alles übertrieben zu beobachten. Es sollte dann nur nicht krankhaft werden.

Liebe Grüße

Kathyrinchen
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Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon gunnarm69 » Sa 14. Feb 2015, 11:02

Auch wenn dieser Faden schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat wollte ich mal schreiben was mich gerade so umtreibt.

Seit ca. 8 Jahren hab ich CU und komme damit recht gut klar. Ich hab für mich einen glaub ich ganz gangbaren Weg gefunden und beziehe mein Umfeld da einfach mit ein - da kenn ich nix. :)

Was mir allerdings Sorgen macht ist so eine sich gegenseitig bedingende Annahme zwischen Arzt und mir. Ich hatte vor ein paar Tage recht heftige Durchfälle und Krämpfe. Passte alles zusammen weil gerade viel Stress und wenig Ruhe im Leben. Also hin zum Arzt, nicht lange reden sondern Cortison und ab dafür. Die Folgen von hohem Cortisonspiegel kennen ja die meisten von euch.
Als trotz Cortison die Beschwerden erstmal schlimmer wurde kam dann der Anruf bei der Ärztin, die mir geraten hat mich in eine Klinik zu begeben. Die Leukos waren enorm hoch und alles schien sich zu einem stimmigen Bild zusammenzufügen bis... ja bis die in der Klinik eine Sono gemacht haben und NIX fanden. Keine Entzündung, keine Verdickung und dazu dann noch eine nicht optimale Medikamentation meiner Ärztin. Erst war ich sauer. Cortison ist auf 70 mg und ich muss das nun langwierig ausschleichen weil ich das schon zu lange nehme. Am Morgen drauf dann die Frage, was ich dabei falsch gemacht habe. In wie weit stelle ich trotz aller Lockerheit immer gleich eine Eigendiagnose? In wie weit setzt die Beobachtung eines Symptoms gleich einen Ablauf im Kopf frei, der dann alles nur noch schlimmer macht weil man sich noch mehr stresst? Und wie geht man dann damit um?
Ich bin gerade ein wenig erschüttert - gar nicht weil meine Ärztin mich gleich unter Cortison gesetzt hat sondern weil ich gleich mit der Diagnose im Kopf bei ihr ankam. Welche Chance hätte sie denn gehabt mich umzustimmen?

Obwohl mein Dickdarm und ich nun schon eine Weile nebeneinander herlaufen und uns bisweilen gegenseitig das Leben schwer machen (Sorry Colon) überlege ich mir gerade wie ich da am Besten rangehe. Erstmal zur Sono überweisen lassen obwohl dann evtl. die Schubtherapie ein-zwei Tage später beginnt? In wie weit lass ich mich von meiner Angst lenken und wie bestimmt die Angst vor der OP mein Leben?

Alles recht schwierig und nicht gerade Vertrauenserweckend. Wie geht ihr damit um?

Viele Grüße
Gunnar + Coloni
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Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon mausi » So 15. Feb 2015, 14:20

Hallo Gunnarm69

es ist manchmal halt nicht einfach, wie man mit einem erneuten Schub umgehen soll.
Ich kenne das nur zu gut, ich lebe seit 2012 mit der Erkrankung. Wirklich Ruhe hab ich nie bekommen, einmal nur für ein halbes Jahr ganz am Anfang.
Bei mir ist es ein Auf und ein Ab. Ich stoße da auch hin und wieder an meine Grenzen, da bin ich ganz ehrlich. Die Medikation hat sich geändert über die Jahre, es kommt immer mehr dazu.
Cortison schlägt nicht mehr an. Azathioprin läuft in der Testphase, jetzt soll eine Stoßtherapie mit Humira gemacht werden, nachdem ein Quantiferontest nächste Woche noch erfolgt.
Naja, man steckt mitten im Schub, baut immer mehr ab und traut sich bald gar nichts mehr zu Essen :cry:
Da soll man ruhig bleiben :? Ist nicht einfach, manchmal.
Mein Arzt nennt meinen Verlauf "chronisch aktiv".
Versuche aber trotz allem den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren und den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Versuche, mich nicht zu sehr von der Angst leiten zu lassen. Wenn ich mal nen Depritag habe, dann ist das halt so und dann igel ich mich den Tag ein und bin nur für mich. Aber meistens wache ich am nächsten Tag auf und fühl mich wieder ganz anders und denke das Leben geht weiter und muss weitergehen.

Nun, weiß ich nicht, wie du zu deiner Ärztin gegangen bist. Bist du da gleich reingeschossen und hast ihr nahegelegt sofort eine Therapie zu fahren ohne wenn und aber?
Ohne vorher weitere Termine zu machen für Sono, Rektoskopie oder Sigmo und so?
Naja, wie auch immer. Deine Ärztin hätte vielleicht trotzdem, egal, wie aufgewühlt du warst und ihr gegenübergetreten bist, erstmal weitere Untersuchungen machen sollen.
Statt sofort mit Cortison zu hantieren.
Da kann man, wenn man schon direkt beim Arzt ist, sofort eine Rektoskopie machen, da sieht man auf einen Blick in wie weit was Entzündet ist.
Oder einen Termin für eine Blutuntersuchung, Calprotectinwertmessung usw.
Oder als aller erstes erstmal, so mache ich es, die Basismedikation erhöhen.
Also, Mesalazin (egal welches du nimmst) ich nehme Mezavant, dann Klysmen oder Schäume (Schäume mit Cortison) einsetzen und abwarten, vielleicht wird es ja besser.
Dann kann man immernoch mit Cortison anfangen.
Aber wie gesagt, jeder geht anders auf seine Weise damit um. Du solltest schon versuchen, dich nicht zu sehr von deiner Angst leiten zu lassen. Ist immer leichter gesagt als getan, ich weiß.
Aber nicht zu sehr darüber nachzudenken, mit OP, was ist wenn und was könnte passieren, wenn....
Versuche, wenn du merkst, es könnte wieder losgehen und ein neuer Schub bahnt sich an, sofort einen Termin bei deiner Ärztin zu machen.
Die soll dann alles abklären, nachschauen, die ist ja schließlich vom Fach. Du solltest ihr schon Zeit geben, ihre Untersuchungen zu machen um einen erneuten Schub überhaupt zu bestätigen.
Dann bist du auf der sicheren Seite und hast Gewissheit.

LG
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Re: Übertriebene Selbetbeobachtung

Beitragvon gunnarm69 » So 15. Feb 2015, 14:45

Hi mausi,

ich bin da selber auch im Nachhinein ein bisschen drüber erschrocken. Ich hab in letzter Zeit (auch durch recht viel privaten und beruflichen Stress) mehr Schübe gehabt als sonst und irgendwann dreht sich dann alles nur noch darum. Man beobachtet sich und ist immer voll Alarmbereit. Kein guter Weg wie ich jetzt weiss.
Ich hab für mich mitgenommen nicht immer gleich mit einer Diagnose im Kopf hinzugehen - da hast du komplett recht. Nicht immer gleich das Schlimmste denken sondern erstmal Ruhe bewahren. Unsere Krankheit ist halt auch oft ein Stressproblem und der wird natürlich nicht weniger wenn man sich selber gleich verrückt macht. Das mit dem Einigeln ist leider etwas was ich so gar nicht kann. Aber auch das wird sich ja vielleicht noch ein bisschen relativieren. Ich brauch dann immer meine Lieben um mich und mag da gern betüddelt werden; komplett Mann also. :)

Ich werde mit meiner Ärztin da morgen mal drüber reden. Lieber mal einen Blutbild mehr oder tatsächlich mal ne Sono vorneweg. Meine Leukos waren im ersten Blutbild extrem hoch, aber das sind sie bei uns Autoimmunen ja schnell mal.

Auf jeden Fall danke für deine Worte. Ich werde da mehr auf mein Gefühl hören und nicht immer gleich in ein tiefes Loch fallen. Die 4 Schübe in einem Jahr können mal auftreten und das muss ich abheften. Sonst wird das Ganze irgendwann ein fataler Kreislauf.

Ich wünsche dir einen wunderschönen Sonntag und viel Ruhe - ich denke die brauchen wir alle.

Viele liebe Grüße
Gunnar
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