CU durch Angst bzw. Stress

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.
Alte Häsin
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CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von Alte Häsin »

Hallo Forum,

obwohl schon seit 1985 an CU erkrankt, finde ich erst heute den Weg hierher und stelle gleich mal eine Frage an Euch:

nach zahlreichen Schüben aber auch immer langen Zeiten ohne Beschwerden -insb. Schwangerschaft, Still- und Erziehungszeit - komme ich in den letzten Jahren kaum mehr zur Ruhe.
Nach Behandlungen mit Simponi, Entyvio und derzeit Remsima - neben Cortison und Mesalazinen in allen möglichen Formen und Konsistenzen - ist mein Internist allmählich ratlos und hat mich in eine Klinik zum Thema Dickdarmentfernung geschickt. Da hier für mich der "Spaß aufhört" , habe ich mal lange lange geprüft und für mich festgestellt, dass die Schübe immer auftraten, wenn ich in Studium oder Beruf überfordert, gestresst oder wie derzeit voll Panik war. Extremst trat es letzte Woche auf, als ich nach Wochen der Krankheit eine Wiedereingliederung begann und am ersten Tag von Kollegen mit "was hier alles Schlimmes los ist und was DRINGEND zu erledigen ist" empfangen wurde und mich meine Heimfahrt unmb. ins Badezimmer führte, wo ich die Nacht verbrachte und ich mich am nächsten Tag wieder als au melden musste.
Ich habe jetzt eine Überweisung zu einem Psychiater erbeten, da ich glaube, meinen Darm durch einen absoluten Schnitt in meinem Leben -als Beamtin auf Lebenszeit sicher ein herber Schritt - erhalten zu können.

Was mich im Forum absolut wundert ist, dass ich hier nahezu Nichts von Leuten, die ebenfalls eine psychische Ursache für die CU vermuten finde, sondern Ihr eher den Umgang mit den CEDs thematisiert. Gibt es außer mir denn niemanden, der auf Überforderung mit CU reagiert ? Und wie seid Ihr damit umgegangen ? Ich stehe wirklich vor der Überlegung meine Führungsposition hinzuwerfen und mich an eine Supermarktkasse zu setzen, nur um meinen Darm zu erhalten...
Klingt sicher wirr, aber ich denke, vor dem Verlust eines Körperteils sollte man alles versucht haben.

Liebe Grüße,
Alte Häsin

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Carmen
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Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von Carmen »

Hallo Alte Häsin,

wenn ich mir meinen eigenen Krankheitsverlauf anschaue, fällt es mir schwer einen Zusammenhang zwischen psychischem Stress und akuten Schüben zu erkennen.

In einer Situation könnte man von außen betrachtet vielleicht etwas konstruieren. Da war ich gerade mitten in meiner Diplomarbeit - was ich selbst aber nicht als wirklich anspannend erlebt habe. Die Schübe kamen zu Zeiten, wo nichts Besonderes war. Natürlich muss man auch bedenken, dass sich alltäglicher kleinere Stress auf Dauer auch so oder sogar schlimmer auswirken kann als ein einziges außergewöhnliches Erlebnis. Umgekehrt betrachtet: Nach definitiv heftigen Erlebnissen hat sich mein Bauch gar nicht gemuckt. Nicht verwechseln darf man darüber hinaus einen akuten Schub mit stressbedingten Magen-Darm-Problemen, wie sie jeder Mensch sicher hat.

Ich interpretiere das so, dass die psychische Verfassung bei mir auf den Krankheitsverlauf nur am Rande Einfluss nimmt. Z.B. in Form von unregelmäßigen und ungeeigneten Mahlzeiten, Schlafmangel, schlampiger Medikamenteneinnahme oder der Überbewertung körperlicher Beschwerden.

Ganz unabhängig davon ist es sicher empfehlenswert, störende Belastungen abzubauen bzw. den Umgang damit zu trainieren.

Viele Grüße
Carmen
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Johann Wolfgang von Goethe)

kattie
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Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von kattie »

Hallo,

sicher hat die Psyche mit der Colitis zu tun. Jedes mal wenn ich Stress habe, geht es wieder los.
Es gibt ja verschiedene Faktoren, die man als Auslöser für die Krankheit betrachtet. Ich denke, es kann passieren, wenn da ein gewisser Coktail zusammen kommnt. Meine Familie ist erblich vorbelastet mit Autoimmunerkrankungen, allerdings bin ich die einzige, wo es der Darm ist. Außerdem war meine Kindheit psychisch der Horror. Ich habe permanent unter Stress gestanden. Da hätten wir zwei Faktoren. Andere kann ich nicht identifizeren, was nicht heißt, dass es sie nicht gab.

_Stephan
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Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von _Stephan »

Hallo Alte Häsin,

das mit der Psyche ist so eine Sache.
Man denkt da spontan an beruflichen oder familiären Stress, oder was einen sonst gerade belastet.

Ich lese gerade ein Buch ("Der Healing Code"), das dazu einen interessanten Ansatz hat.
Demnach reagiert der Körper unbewußt mit Streßreaktionen auf Situationen, die man früher mal in ähnlicher Form als traumatisches Ereignis erlebt hat, die man aber heute bewußt vielleicht gar nicht als belastend wahrnimmt.
Dies wird als "Streß" auf zellulärer Ebene beschrieben, durch den das körpereigene Abwehrsystem aktiviert und Heilreaktionen blockiert werden.

Ich finde die Erklärungen in diesem Buch relativ einleuchtend und sie decken sich auch gut mit meinen eigenen Erfahrungen / Überzeugungen, mit der beschriebenen Heilmethode muß ich mich allerdings erst noch mehr befassen.

Deine Überlegungen in Richtung Supermarktkasse wären so gesehen womöglich nicht die ideale Lösung, weil sie "nur" den subjektiv empfundenen Stress mindern würden (wobei gerade in solchen Berufen - diversen Reportagen zufolge - heutzutage auch ganz schön Druck aufgebaut wird).
Natürlich kann aber auch solcher Stress das Fass zum Überlaufen bringen. Wäre evtl. der Wechsel in eine Position ohne Mitarbeiterverantwortung und mit mehr Freizeit (Teilzeit?) eine Alternative?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß ich mich beruflich stark zurückgenommen habe (volle Erwerbsminderung), aber trotz des deutlich weniger "stressigen" Tagesablaufs bisher keine wirkliche Verbesserung der CED-Krankheitssymptome feststellen kann.

LG Stephan

buddhist
Dauergast
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Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von buddhist »

Hallo,

zunächst einmal ist eine CED keine psychische Krankheit.

Wie bei allen Krankheiten im Leben kann man jedoch - in engen Grenzen - den Verlauf durch verschiedene, äußere Einflüsse beeinflussen. In meinem Fall bedeutet das, dass ich der 40-Stunden-Woche abgeschworen habe (wobei hier nicht unerwähnt bleiben soll, dass 40-Stunden-Woche nicht gleich 40-Stunden-Woche ist). Ich ziehe ferner rote Linien, was Schlafentzug, Alkohol, Freizeit-Stress, Zigaretten und so weiter betrifft. Da ich inzwischen ganz gut weiß, was für mich am besten ist, bin ich da radikal: Und stoße meinen Mitmenschen, gerade beim Stichwort Freizeit-Stress, öfter vor den Kopf. Aber so ist das eben: Meine Gesundheit ist mir wichtiger als alles andere.

Gute Besserung

Annett
beginnt sich einzuleben
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Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von Annett »

Hallo,
ich kann "Buddhist" da völlig zustimmen!
Von der 40-Std.Woche kann ich mich leider nicht verabschieden - bin "Selbst"- und "ständig" ;)
Den Rest habe ich aber genauso radikal reduziert! Nur leider versteht die Umgebung da absolut nichts! Ich stoße da immer wieder auf "Beton"! Aber da muss ich eben durch! :D
Ich habe in den vergangenen Jahren schon festgestellt, das ich unter Stress und Ärger reagiere! Mir schlägt es nur nicht auf den Magen - sondern auf den Darm!
Liebe Grüße!
Annett

angie0408
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Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von angie0408 »

Ich kann meine Schübe auch psychischem Stress zuordnen. Auch bei der schon vorab vorhandenen Autoimmunerkrankung (alopecia areta-AA) kann ich den 1. Großen Ausbruch einer belastenden Situation zuordnen, dieses Mal kam der Schub der CU und AA zur gleichen Zeit.... Vorher gab es noch eine monatelang anhaltende Röschenflechte, deren Ausbruch ebenfalls mit einer Stresssituation in Verbindung gebracht wird.
Dabei ging es nicht um Zeiten mit viel Arbeit oder zeitlichen Stress, sondern immer um schwelenden "inneren" Stress, weil vielleicht die Zukunft ungewiss war, weil ich mich nicht entdcheiden konnte, weil ich etwas nicht verändern konnte oder mich einfach längere Zeit in "zusammenreißen" musste.

Alle diese Krankheiten sind sicher nicht durch den Stress entstanden, aber wenn die Veranlagung eben da ist und dieser Auslöser dazukommt: boom...
Auch mit diesem Wissen kann man solche Zustände leider nicht immer Vermeiden - das ist es das Leben. Aber ich versuche natürlich schon, irgendwie Ruhe und Gelassenheit in mein Leben zu bringen. Ganz wichtig: NEIN sagen können.
Und immer wieder sich klar machen, dass die Gesundheit vorgeht... Tja, theoretisch ist mir das klar und bestimmt auch vielen anderen, nur mit der Umsetzung ist es nicht so einfach.
LG Angie

Olagwin
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Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von Olagwin »

Bei mir ist es ähnlich wie hier beschrieben: Die Schübe sind scheinbar unabhängig vom Stress, aber der Stress intensiviert sie dann. Also für mich kann ich sagen, er spielt eine Rolle, der Grund scheint er aber nicht zu sein. Testweise habe ich auch meine 40h auf 24h pro Woche reduziert. Das ist zwar recht angenehm und die Arbeit dadurch sehr entspannend, so richtig grundlegend hat es aber nichts an der Gesundheit gebessert, daher werde ich bald wieder erhöhen.

Kaja
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Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von Kaja »

Hallo Alte Häsin,

Deine Gedanken sind schon korrekt.

Nein, eine CED hat keinen psychischen Ursprung!

Aber auch ich konnte bei mir feststellen, dass mein Körper teilweise auf psychische Reaktionen / Belastungen reagiert.

Plötzlich reagiert mein Körper, dieses konnte ich feststellen bei Stress (negativ + positiv) oder auch bei totaler Freude. Also was ich sagen will, Emotionen wirken meines Erachtens nach mit ein.

Es ist dann eigentlich kein Schub bei mir - aber die Durchfälle u. ä. erhöhen sich halt für einen Tag (oder mal mehrere Tage). Aber damit habe ich gelernt umzugehen.

Wie gesagt, es könnte sowas von positiv sein "Sie haben x-Millionen im Lotto gewonnen" oder "sie bekommen eine Gehaltserhöhung" oder "der Krebs einer angehörigen Person ist erstmal besiegt" - was auch immer, ich sitze dann erstmal unzählige Male auf der Toi mit Durchfall und sämtl. Symptomen.

Hast Du Deine körpereigenen Symptome mal genau beoabachtet? Wann reagierst Du? Ärger an der Arbeit? Oh, tolle Umsatzzahlen - Du Chefin - es läuft super?
Deine Kinder haben ein tolles Zeugnis?
Dein Mann geht fremd?
Dein Mann trägt Dich auf Händen?
Ihr seit im Urlaub und es ist super?`
Deine Eltern feiern goldene Hochzeit - es ist ein tolles Fest?
Oder Eure Silberne Hochzeit?
Dein Kind hat Probleme eine Lehrstelle zu finden?

Egal wie - was hast Du für einen Eindruck - positive / negative Ereignisse?

Viele Grüße

Kaja

jule13
beginnt sich einzuleben
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Registriert: Fr 17. Okt 2014, 21:24

Re: CU durch Angst bzw. Stress

Beitrag von jule13 »

Hallo zusammen,

auch ich kann in den meisten Fällen zuordnen, warum ein Schub begann (oder nicht Enden wollte)

Ich bin schon der Meinung, dass da ein Zusammenhang besteht. Vielleicht nicht bei allen, oder man nimmt es einfach anders wahr. Selbst bei meiner Tochter (8 Jahre) sehe ich es. Wir waren eine Woche in Urlaub, toller Kinder-Ferien-Hof, alles gut. Dann Abschied nehmen (das ist ihr Thema auf das sie extrem reagiert) und auf der Heimfahrt (7 Stunden) ging es dann los...

Ich selbst bin zwei Mal mit dem Auto aus voller Fahrt mit Motorschaden liegen geblieben... und jedes Mal landete ich danach im KH weil gar nichts mehr ging... Ich merke es wenn ich mich hilflos und alleingelassen (überfordert) fühle, da gehe ich direkt auf Toi... zu Beginn vielleicht nur Durchfall aber recht schnell sehe ich dann nur noch rot...

Liebe Grüße Jule

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