Leben umstellen..Psyche??!!

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon Beutethueringer » Mi 25. Feb 2015, 17:12

Leute,
dass die Psyche bei uns eine große Rolle spielt ist ja wohl unwiderlegbar..ABER!! Wenn man nicht das große Glück hat und einen (oder mehrere Menschen) in seiner Umgebung hat, der einen darauf schubst, dass auch die Lebensumstände sehr viel unser Wohlbefinden beeinflussen..und das wiederrum unsere Psyche..dann ist es schon sehr schwer.
Was ich eigentlich sagen möchte..mir hat ein Arzt in einer sehr bedrohlichen Situation nahegelegt, wenn ich überlebe,die Zeit zu nutzen und meinen Lebnswandel zu überdenken..und ich tat es..hatte 4 Jobs,Kinder,Haus,Garten,kümmerte mich um alte Menschen... UND!! Vergaß mich..
Ich überlebte..schmiss Jobs hin,Trennung und zog in ein anderes Bundesland und siehe da?????Nachdem ich angeblich austherapiert war, 2 Selbstmordversuche hinter mir hatte , jetzt das Wunder!!!!REMMISSION..(sie hielt fast 2Jahre)
Wie geht Ihr mit eurer Psyche um ?? Pflegt ihr sie auch wie euren Darm??
freue mich schon auf eure Antworten... :D
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon Thilo » Mi 25. Feb 2015, 19:35

Beutethueringer hat geschrieben:……..Leute, dass die Psyche bei uns eine große Rolle spielt ist ja wohl unwiderlegbar…..


Hallo Beutethueringer,

unwiderlegbar ? Diesen Satz möchte ich nicht unwidersprochen stehen lassen.

Das man mit vier (!) Jobs, Kindern, Haus, Garten, und obendrein das Kümmern um alte Menschen auch sehr schnell scheitern kann, hast du am eigenen Leib erfahren. Früher oder später kommt man mit einem solchen Lebensstil rasch an seine körperlichen und psychischen Grenzen. Selbst Gesunde können eine solche Belastung nicht dauerhaft durchhalten. Für die überwiegende Zahl der Menschen mit einer CED ist eine derartige Belastung kaum zu bewerkstelligen. Relativ früh setzt der kranke Körper ein deutliches „Stop“.

An einer chronischen Darmentzündung erkrankt man nicht, weil "mit der Psyche etwas nicht stimmt". Vielmehr ist es so, dass die Auswirkungen der Erkrankung, wie beispielsweise imperativer Stuhldrang, Inkontinenz, Hoffnungslosigkeit, etc. auch psychische Beeinträchtigungen nach sich ziehen können.

Wir Betroffene sollten uns nicht noch selbst in die „Psycho-Ecke“ stellen, in die uns leider viele Außenstehende aus Unkenntnis stecken und uns obendrein noch den Stempel „psychisch krank“ aufdrücken lassen.

Ich selbst bin viele Jahre an Morbus Crohn erkrankt, kann aber rückblickend keinerlei psychische Belastungen erkennen, die zum Ausbruch meiner CED geführt hätten.

Kennst du meinen Eintrag:

https://forum.dccv.de/viewtopic.php?f=4&t=64

Vielleicht findest du hier einiges wieder.

Gruß

Thilo
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon gunnarm69 » Do 26. Feb 2015, 09:48

Guten Morgen liebe CED'ler,

ich stelle gerade am eigenen Leib fest wie sehr die Psyche doch zumindest bei mir Einfluss auf das Befinden nimmt. Das hat nicht unbedingt gleich was mit einem Schub zu tun, aber es begünstigt eben eine Entwicklung zu den Symptomen, die dann mehr Stress auslösen, die dann wieder begünstigen usw.

Da bei jedem Menschen das Stressniveau ein anderes ist und jeder auch anders damit umgeht ist eine Regel glaube ich schwer feststellbar, gerade wenn man auch sowas wie den sog. "positiven Stress" bedenkt. Ich kann bei mir allerdings beobachten das in Zeiten der hohen Belastung die Tendenz zum Schub eindeutig höher ist. Auch meine Ärztin hat mich in dem Zusammenhang irgendwann mit der Frage konfrontiert "Warum zahlen Sie eigentlich in die Rente ein?". Ich versuche meinen Stresslevel nun zu regulieren soweit es geht und mich gegen die Dinge abzuhärten, die ich nicht ändern kann. Das man dann gerade als Kerl schnell als "Weichei" verschrien ist gehört bei uns glaube ich mit dazu. Wieso regen wir uns wegen ein bisschen Durchfall auch auf? Haben doch alle mal.

Klar ist, das nicht klar ist ob eine CED durch die Psyche kommt. Aber ich glaube das die meisten von uns schon erlebt haben wie eine hohe Belastung eben auch dazu führt das der Darm anspringt. Das ist denke ich mal bei den meisten Menschen so. Bei uns ist es halt nur "sichtbarer" oder wir achten eher drauf weil wir müssen. Psycho Ecke ist da ein harter Begriff (wenn auch von der Sache her richtig) aber ich habe bisher mit Leuten ohne Darmprobleme immer gehört das auch die auf Prüfungen oder Ärger öfter mal mit Durchfall reagieren. Von daher hat das meiner Meinung nach primär was mit der Verdauung allgemein zu tun, nicht mit CED. Wir sind da halt nur anders aufgestellt. Kleiner hinkender Vergleich: Eine Schlange die gerade gefressen hat und dann unter Stress kommt würgt auch erstmal alles raus um schneller zu werden.

Ich bin seit kurzem in Verhaltenstherapie (nicht nur wegen CED) und bin gespannt, wie meine nächste Remission ausfällt. Ich hoffe es bringt was.
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon Thilo » Do 26. Feb 2015, 10:39

Hallo gunnarm69,

beinahe jede/r CED-Erkrankte kennt die Sprüche: "Ich habe in der Zeitung gelesen, dass das von der Psyche kommt".

Da werden in den bunten Boulevardblättchen beim Friseur, in den Arztpraxen, usw. die "schlauesten" Berichte konsumiert und so wird jeder medizinisch Ungebildete zum "Experten", der sich anmaßt über Menschen in seinem Umfeld ein Urteil zu fällen, dies zu verbreiten und den Betroffenen obendrein noch mit seinen "Weisheiten" zu beglücken.

Wie soll ein Mensch, der an einer schweren CED erkrankt ist und imperativen Stuhldrang (sturzbachartige Durchfälle mit Vorwarnzeiten im Sekundenbereich) hat eine "gesunde Psyche" haben. Wer sich einmal im Beisein von anderen Menschen in die Hose gemacht hat, wird meist allen Situationen aus dem Weg gehen, dass er solche Momente nicht noch einmal durchleben muss. Das durch die zahlreichen Auswirkungen einer CED die Psyche auch einen "Knacks" bekommen kann leuchtet doch vollkommen ein.

Die oftmals mangelnde Kontrolle über den eigenen Darm beeinträchtigt Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein in nicht unerheblichem Maße. Soziale Kontakte und Unternehmungen werden nach dem Vorhandensein von Toiletten ausgesucht und geplant. Selbst im sozialen Umfeld wird eine CED oft mit Schwäche gleichgesetzt. Der "Hosenschisser" hat in unserer leistungsorientierten Gesellschaft keinen hohen Stellenwert.

Eine weitere Problematik ergibt sich durch den schubhaften Verlauf der Krankheit: Es ergibt sich eine ganz besondere Belastung für die eigene Psyche und für das soziale und gesellschaftliche Leben. Man lebt mit einer ständigen Bedrohung. Wie ein Damoklesschwert hängt der drohende, befürchtete nächste Schub der Krankheit über einem. Jederzeit und unberechenbar kann dieses Schwert auf einen herunterfallen und aufs neue Schmerz, Pein und Ausschluß aus dem Leben bedeuten. Man muss mit der ständigen Bedrohung leben, sich nicht mehr auf den eigenen Körper verlassen zu können. Die stets und ständig wechselnde körperliche Befindlichkeit erfordert zudem die ständige Neudefinition der eigenen Identität.

Stellen wir als Betroffene die Dinge nicht auf den Kopf. Erst die CED, dann (möglicherweise) auch Auswirkungen auf die Psyche. Das es auch den umgekehrten Fall gibt, will ich nicht grundsätzlich bestreiten.

Gruß

Thilo
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon Beutethueringer » Do 26. Feb 2015, 11:52

Oh Mannomann...!!!???

Was soll das??? Meine Fragestellung war doch einfach,oder??? Es ging nicht um das ob oder ob nicht von Psyche und CED..das funktioniert wie Jing und Jang..ausserdem kann man darüber soviel lesen..muss hier nicht noch mal auf den Tisch..
Wollte einfach mal fragen, wie Ihr so damit umgeht..nix weiter...
Und wenn jemand doch keine psychischen Probleme hat, braucht er doch nicht darauf zu antworten..oder??(Thilo)
Genau das war der Grund, weshalb ich solange wartete, mich hier zu äußern..in meinen anderen Foren gibt es auch immer Menschen, die meinen aus dem Kontext Worte oder kurze Meinungen zu ziehen und dann das Thema in eine andere Richtung lenken.
Darauf lege ich keinen Wert..ein Forum lebt vom regen Austausch und wenn ich sowas lese, wundert es mich nicht, dass sehr viele lesen, aber nix schreiben..
Schade..bin sehr enttäuscht, freue mich aber über die Antwort von Gunnar :D vielen Dank..
@Klaus, Gesprächstherapie leiste ich mir auch selber, da ich seit Jahren versuche jemanden zu finden..echt schwer..lg kirsten
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon Carmen » Do 26. Feb 2015, 12:18

Hallo Kirsten und Thilo,

dann ist das Missverständnis, um was es Kirsten in diesem Thread geht ja nun aufgeklärt. Der Fokus der Antworten soll also auf ganz praktischen Herangehensweisen und eigenen Erfahrungen liegen.

Jeder hier im Forum hat unterschiedliche Hintergründe und bewertet verschiedene Aspekte auf andere Art und Weise. Posts, die nicht der eigenen Philosophie entsprechen, kann man als Empfänger durchaus auch einmal schlicht "zur Kenntnis" nehmen. Man ist ja nicht gezwungen sich danach zu richten und die Meinung anzunehmen. Der Antwortetende kann die eigenen Sichtweise einmal "anbieten" und der Empfänger entscheidet, was er damit macht.

Viele Grüße
Carmen
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon neptun » Do 26. Feb 2015, 16:48

Hallo Kirsten,

bei mir wurde 1979 eine cu als Proktitis auf 5 cm nach Darmblutungen diagnostiziert. Ich war damals mit meiner beruflichen Situation unzufrieden, denn nach dem Studium war die Arbeitsmarktlage 1977 schlecht im naturwissenschaftlichen Bereich. So mußte ich erst mal in meinem Lehrberuf weiter arbeiten.

Angefangen hat es schon zur Zeit der Musterung 1972, denn da wurden Darmblutungen mittels Fingerling als Hämorrhoiden diagnostiziert. Ich hatte aber später nie welche, wurden also auch nicht bei der rektoskopie und Kolos gesehen. Nur zur Bundeswehr wollte ich nicht, verweigerte 2 Male, wollte Zivildienst leisten. Aber als Elektromechaniker wurden man beim Bund mit Kußhand genommen und die Gewissensprüfung damals war ein Thema für sich.

Ich hatte dann einen chronisch aktiven Verlauf, also immer Blut im Stuhl, auch durch die turnusmäßiugen Rektoskopien belegt. Öfter mal gab es Probleme mit dem Stuhldrang, aber sonst gab es wenig Einschränkungen im täglichen Leben. Ich nahm dauerhaft Sulfasalazin.

Nachdem sich meine Frau von mir Ende 1991 trennte, da kam ich im Gefolge dann recht schnell in eine Remission. Sie erstreckte sich von 1993 bis Frühjahr 1996. Genau zu diesem Zeitpunkt wurden wir als Abteilung einer großen Firma ausgegliedert in eine GmbH. Alle hatten Existenzängste, weil wir im Umweltschutz immer defizitär arbeiteten, aber das grüne Aushängeschild waren, welches man unbedingt haben und erhalten wollte. Nun anscheinend nicht mehr. Da war ich bereits 14 Jahre in der Firma. Für mich gab es meinen ersten schweren Schub, mit Ausdehnung der Entzündung auf Linksseitencolitis. Ich bekam systemisch wirkendes Cortison über Monate, war auch lange AU. Die nervliche Situation in der Firma blieb die Jahre angespannt. So gab es dann bis 2004 mehrere schwere Schübe. Nach dem zweiten bekam ich imperativen Stuhldrang. Der schränkte mich dann auf der Arbeit ein. Er wurde häufig und bestimmte fortan mein tägliches Leben. Ab Frühjahr 2004 war es mir nicht mehr möglich, selbst im Auto täglich und regelhaft morgens zur Arbeit zu kommen. Wieder in längerer AU fand ich dann einen Weg für mich in die Erwerbsminderungsrente. Es war das absolute Erwerbshindernis, einem Katalogfall nach dem Beschluß des Großen Senates des BSG von 1996.
Das Verfahren dauerte zwar 2 1/2 Jahre, aber ich gewann vor Gericht. Ich hatte aber von Anfang 2001 bis Ende 2008 Verfahren laufen zu GdB und dann auch Betriebsrente, die alle vor Gericht nach Jahren für mich entschieden wurden.

All die Jahre begleitete mich also fortwährend negative nervliche Belastung, die Jahre auf der Arbeit und darüber hinaus dann auch noch die Verfahrenzeiten.

Zum imperativen Stuhldrang kannst Du hier mal lesen:
https://forum.dccv.de/viewtopic.php?f=3&t=1502&p=12661#p12661

Privat war und bin ich seit 1994 glücklich gebunden. Bin zufrieden, mir mangelt es an nichts.

Nach dem Abschluß des letzten Gerichtsverfahrens hoffte ich auf Besserung der cu. Die trat nun doch eher unerwartet letztes Jahr ein. So habe ich im Dezember zum ersten Mal meinen Darm entzündungsfrei live und in Farbe ansehen können. Nach weiteren 19 Jahren seit der ersten und einzigen Remission.

Die Entstehung der CED soll mehrere Gründe haben. Bei denen man ja immer noch auf Vermutungen angewiesen ist, denn weder einen Beweis gibt es noch wird befriedigend in Einklang gebracht, wie all die Thesen zusammen passen sollen.
Für mich ist die Psyche nicht der Grund oder ein Grund, daß es die CED gibt. Aber ich meine, die Psyche hat meine Erkrankung moduliert, also den Verlauf so beeinflußt, wie er war und ist. Ich würde es gerne sehen, man würde mehr über die Bedeutung des enterischen Nervensystems für die CED erforschen.

Für mich bleibt der zeitliche Zusammenhang aber unklar, denn negative und positive Veränderungen, die passierten ziemlich direkt, aber auch mit langer Verzögerung.

Was Du ansprichst mit der Veränderung der Lebensumstände, es geschah bei mir vieles, aber die Fragen blieben. Dann muß man leider auch feststellen, die Veränderungen können zwangsweise kommen und man hat keine Wahl, aber aus dem über Jahre aufgebauten Leben, privat, beruflich, da kommt man auch bei einem absolut schlechten/falschen Gefühl nur sehr schwer heraus. Viel Leidensdruck, viel Mut ist wohl vonnöten. Gewöhnung, Ängste sind sicher Hemmschuh.

Mich begleiten dann noch zwei Sprüche durchs Leben, die es vielleicht einfacher machen können.
Es gibt immer mindestens zwei Möglichkeiten.
Der Mensch vergeudet die meiste Zeit (Energie) mit der Lösung von Problemen, die niemals auftauchen werden.

Du hast vielleicht bemerkt, zu einer von der CED kommenden psychischen Belastung, die viele Betroffene beklagen, die sich auch leidend sehen, da habe ich nichts geschrieben. Ebenso nicht von anderen Erkrankungen/Einschränkungen. Man sollte annehmen, vor was für Probleme man gestellt ist. Vielleicht kommt es auch, weil früher eben noch keine Information zugänglich war, die Behandlungsmöglichkeiten auch sehr beschränkt waren. Und ich habe für mich einen akzeptablen Verlauf. Das mag bei schwerer Betroffenheit anders sein und auch verständlich. Nur Vergleiche helfen nicht, weil ich auch all die anderen Volkskrankheiten nicht gerne bekommen würde.

LG Neptun
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon Mondkalb » Do 26. Feb 2015, 19:16

Hallo Kirsten,

die Psyche rückblickend hat früher immer gestimmt trotz Stotterns, trotz Cu. Immer den Blick nach vorne gerichtet mit dem Wissen das es mir „trotz allem“ gut geht und ich alles in den eigenen Händen habe. Die Schübe kamen und gingen. (CU seit 1991)
Mit dem Kontrollverlust über die Cu, ab Ende 2010, ist mir die Belastung direkt auf die Psyche durchgeschlagen, das Selbstwertgefühl auf der Strecke geblieben.
Das wieder geradezurücken nahm/nimmt allerdings etwas Zeit in Anspruch.

Mittlerweile habe ich in meinem Leben eine ruhigere Gangart eingeschlagen, ein Vergleich wie der Verlauf gewesen wäre wenn ich weiter so gemacht hätte, mit dem ganzen Stress wie früher, bleibt mir allerdings verwehrt.
Die Folgen von den Entzündungen auf dem Darm nerven mich im Alltag, hindern mich derzeit noch einen großen Schritt zu machen.
Ich hoffe das ich dieses Jahr noch so gelenkich werde um mir selbst den nötigen tritt in meinen Arsch zu verpassen, so dass ich mich bewege, um auf einen noch ruhigeren Lebensweg dahinzuschreiten.

LG Mondkalb
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon Eusebia » Fr 27. Feb 2015, 15:38

Hallo Beutethueringer

Bei mir fallen die ersten Probleme mit dem Darm und mein Auszug aus meinem Elternhaus direkt zusammen. Vorher kam ich nach Hause und streckte die Beine unter den gedeckten Tisch, musste mich um nichts kümmern. Das war 1975 von einem auf den anderen Tag ganz anders. Wenn ich Hunger hatte, dann musste ich mir jetzt selbst kochen. Ich war rückblickend mit gerade mal 19 Jahren einfach überfordert für mich selbst zu sorgen. Vor allem das Essen bzw. das nichts essen war ein so großes Problem, dass meine Mutter besorgt war als ich immer dünner wurde und mich des öfteren zum Essen einlud. Damals rauchte ich noch, war Arbeitslos und war auch in meiner damaligen Beziehung sehr unglücklich. Als ich in einem Jahr 10 kg an Gewicht verlor ging ich zum Arzt und es wurde eine Dickdarmentzündung festgestellt mit Verdacht auf CU. Ich bekam Mesalazin und es wurde wieder besser ich konnte auch wieder essen und nahm zu.

Langsam gewöhnte ich mich auch daran, fortan für mich selbst verantwortlich zu sein. Ich bekam wieder einen Job und hatte auch Ruhe vom Darm her. Dann mit 21 Jahren bekam ich meine erste Tochter, mit 23 meine zweite Tochter und mit 26 meinen Sohn. Während dieser Zeit hatte ich keinerlei Probleme mit meinem Darm. Ich denke das lag daran, dass ich während der Schwangerschaften nicht geraucht hatte und mich auch immer gut ernährt habe und vor allem, weil ich eben glücklich war.

Dann bauten wir 1982 ein Haus, dass hat mich wieder vollkommen überfordert und Zack waren da wieder die Probleme mit meinem Darm.

Nach einer Ruhephase ging es dann hart auf hart. Es starben kurz hinter einander (1987-1997) mein Vater, meine Mutter, meine Cousine, mein Cousin, meine Schwägerin, beide Omas, mein Opa und meine Schwiegermutter. Das hat mich sehr belastet. Außerdem ging 1998 meine Ehe in die Brüche. Daraufhin hatte ich Anfang 1999 meinen schwersten Schub, der mit dem Entfernen des terminalen Illeum endete.

Danach stand ich vor den Entscheidung, ob das jetzt immer so weiter gehen soll, oder ob ich daran etwas verändern kann. Operieren kann man nämlich nicht unendlich oft. Mittlerweile war ich 43 Jahre alt und in der REHA (nach der OP) habe ich autogenes Training erlernt und eben, dass man die Psyche nicht einfach so abtun soll. Wir bestehen nicht nur aus Körper: Herz, Lunge, Darm usw. Die Psyche ist unabdingbar an allem beteiligt, was wir machen und was in uns passiert. Ich habe mich darauf eingelassen meine Psyche so zu akzeptieren wie sie nun halt ist und mit ihr nicht gegen sie zu leben.

Damit habe ich auch meine Krankheit akzeptiert und auch mich selbst, so wie ich halt mal bin. Alles in allem kann ich doch eigentlich mit zufrieden sein, mit allem was war und allem was ist. Seit dieser Zeit bin ich auch in Remission.

Thilo benutzt das Wort „Psychoecke“ vollkommen abwertend. So nach dem Motto: "mit denen will ich nicht verglichen werden". Damit beleidigt er eigentlich eine ganze Menge Leute.

Müssten wir nicht in einer aufgeklärten Welt leben, wo man psychische Probleme nicht mit einem Stigma belegt? Gerade Menschen mit psychischen Problemen haben es in unserer Gesellschaft nicht leicht.

Siehe Depressionen. Wir mussten einen besseren Ausdruck (Burnout) erfinden, weil keiner eine Depression haben will, weil das negativ belegt ist.
Sollten wir nicht einmal aufstehen und den anderen erklären, dass auch eine psychische Erkrankung eine Krankheit ist wie jede andere?
Vielleicht, wenn das nicht so stigmatisiert würde, könnte mancher etwas in dieser Richtung machen und damit auch eine Verbesserung seiner CED erlangen.

Wir helfen den Kranken nicht, wenn wir immer wieder schroff abweisen, dass wir ja auf keinen Fall was an der Psyche haben.
Ich stehe zu meiner „kranken“ Psyche. Ich bin Hoch-Sensibel, deshalb empfinde ich Stress viel mehr als andere. Mein langweiliges Landleben ist für mich meine Erfüllung, welche ich für nicht s der Welt eintauschen würde. Meine mittelschwere Depressionen habe ich gut im Griff, genauso wie meine generalisierte Angststörung. Dafür musste ich aber auch ein paar Jahre Pillen nehmen. Jetzt geht es schon eine lange Zeit auch ohne Pillen. Dafür mache ich nach wie vor Qi Gong, autogenes Training, Meditation und wie gesagt Stressvermeidung.

VG Eusebia :D
Wer sich nicht selbst helfen will, dem kann niemand helfen.
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Re: Leben umstellen..Psyche??!!

Beitragvon Thilo » Fr 27. Feb 2015, 17:34

Hallo Eusebia,

ich habe geschrieben:

.......Wir Betroffene sollten uns nicht noch selbst in die „Psycho-Ecke“ stellen, in die uns leider viele Außenstehende aus Unkenntnis stecken und uns obendrein noch den Stempel „psychisch krank“ aufdrücken lassen......


Hieraus nun abzuleiten:

......Thilo benutzt das Wort „Psychoecke“ vollkommen abwertend. So nach dem Motto: "mit denen will ich nicht verglichen werden". Damit beleidigt er eigentlich eine ganze Menge Leute.....


ist eine große Unverschämtheit. Mir obendrein auch noch zu unterstellen, dass ich Menschen beleidige, bewerte ich als eine ganz bewusste Verunglimpfung meiner Person. Hast du dir meine Einträge in diesem Thread wirklich durchgelesen ? Ich habe erhebliche Zweifel daran.

Gruß

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