Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Steve » Di 28. Okt 2014, 10:13

Hallo,

Ich muss mir grad mal irgendwo Luft machen...
Ich dachte jetzt wo der Pilz entdeckt wurde und therapiert wird, geht es bergauf. Tatsächlich geht es mir heute richtig schlecht.
Hatte heute einen der schlimmsten Toilettengänge überhaupt.
Es tat einfach so weh und ich verkrampfte immer wieder und musste und musste...es hörte einfach nicht auf.
Dann wieder Runde 2. Mir war richtig schlecht vor Schmerzen.
Zwischendurch kurzes zusammenbrechen und weinen, wie die letzten Wochen auch schon.
Ich kann einfach nicht mehr. Ich bin jetzt endgültig am Ende.
Mir ist nur noch nach weinen zumute und ich will nicht mehr...
Am liebsten würde ich mir gleich morgen den Darm entfernen lassen.

Was soll ich noch tun? Ich schaff es ehrlich nicht mehr. Ich hab versucht weiterhin stark zu sein (zieht sich jetzt extrem seit über einem Jahr, davor auch nie wirklich Ruhe gehabt) aber mein Ende ist erreicht. Ich kann mich nicht mehr aufraffen oder motivieren.
Momentan scheint mir nur noch die Aussicht auf ein Stoma das einzig wahre zu sein. Ich will einfach nur keine Schmerzen mehr, ich will leben. Ich will nicht mehr weinen. Ich bin so fertig.
Nichtmal meine Familie, mein Partner oder Freunde können mich mehr auffangen.
Was soll ich noch machen.

Danke fürs zuhören...

Viele grüße,
Steve
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Carmen » Di 28. Okt 2014, 18:31

Hallo Steve,

welche Schmerzmittel hast Du denn zur Verfügung?

Ich war in einer ähnlichen Phase und hatte jeden Tag Panik vor dem Abend, da sich dort unerträgliche Bauchschmerzen einstellten. Mein Körper wollte dabei kotzen, heulen und kollabieren gleichzeitig. Wobei "unerträglich" relativ war. Als ich gemerkt habe, dass das Novalgin nicht half, habe ich sogar einfach gar nichts mehr genommen. Irgendwann kam ich dann auf den Trichter, nach etwas Stärkerem zu fragen. Gut abgedeckt mit Tramal bzw. Tilidin ließen sich die Stunden überstehen und ich war auch innerlich entspannter, da ich wusste, dass ich etwas habe, was im Falle eines Falles hilft. Und für diese Linderung musste nicht einmal sonderlich tief in die Trickkiste gegriffen werden.

Viele Grüße
Carmen
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Mondkalb » Di 28. Okt 2014, 18:54

Hallo Steve,

die Situation ist vielen hier sehr bekannt, von dem Klo nicht mehr aufstehen zu können, da sofort wieder Schmerzen hervorkommen und der Drang sich zu entleeren direkt wieder anfängt.

Selbst den Tränen nahe zu sein und Gespräche mit einem Imaginären „Freund“ anzufangen hat der eine oder andere hinter sich. Seltsame Gedanken umhüllen ein.

Sich allein zu fühlen –in der Situation-, nicht mehr zu wollen, das Verlangen den Darm rauszubekommen, das endlich die ersehnte Ruhe einkehrt, was du schreibst ist so nachvollziehbar.
Nicht nur mit 24 Jahren möchte man das Leben genießen, jedoch ist das die Zeit wo für das Leben die Weichen gestellt werden -Ausbildung begonnen-, und dann geht alles nicht so wie geplant.

In diesen Momenten wünschte ich mir helfen zu können mit den Ratschlägen wie A) B) C) danach geht es dir besser, leider geht das so nicht. Das einzige was zu Raten ist, wäre, sofern du in guter ärztlicher Betreuung bist, Geduld aufzubringen und die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht zu verlieren.

LG Mondkalb
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Steve » Di 28. Okt 2014, 21:51

@Carmen
Ich hab auch nur Novalgintabletten hier und die brauchen immer eine Weile bis sie wirken. Bei Bauchschmerzen hatte ich sie bisher nie genommen, weil ich gar nicht wusste ob sie helfen. Den Tipp nehme ich dankend an!

@Mondkalb
Du sprichst mir so aus der Seele...Diese Gedanken und Gespräche mit sich selbst oder wem auch immer.
Ich weiß, dass Geduld das Stichwort ist...Es fällt mir nur immer schwerer welche aufzubringen.
Ich ringe mich gerade dazu durch, die Pilzbehandlung durchzuziehen auch wenn diese schreckliche Verschlimmerung eben davon kommen kann...

In letzter Zeit bin ich von meiner Ärztin etwas enttäuscht, weil es immer mehr Fließband arbeit bei ihr wird und mir irgendwie der soziale menschliche Kontakt fehlt. Früher wars nicht so aner die Praxis ist mittlerweile ziemlich überlaufen :/
Allerdings hab ich auch den Entschluss gefasst, dass ich tatsächlich einen chirurgischen Eingriff in Erwägung ziehe, sollte sich meine CU nicht endlich in den Griff kriegen lassen. (Bekomme schon Humira und will nicht zu stärkeren Meidkamenten greifen).
Ich bin eher so ein Mensch, der gut mit OPs umgehen kann, auch wenn eine Kollektomie natürlich ein krasser Eingriff ist.

Irgendwie hab ich den Tag heute überstanden und Gott sei dank morgen einen Urlaubstag. Aber es graust mich schon vor Donnerstag, sollte ich wieder solche Schmerzen morgens haben.

So doof es klingt, es ist schön verstanden zu werden und eure Worte zu lesen tut auch wirklich gut.
Sowas wünscht man ja wirklich nichtmal seinem Feind :(

Einen schönen Abend wünschend,
Steve
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Carmen » Di 28. Okt 2014, 22:34

Hallo Steve,

dann hast Du ja noch reichlich Möglichkeiten, was Schmerzmittel angeht. Generell mache ich bei Bauch- und sonstigen Schmerzen sehr gute Erfahrungen mit Novalgin. In den allermeisten Fällen sollte es auch stark genug sein, vielleicht kombiniert mit Buscopan.

Wenn Du einen Weg gefunden hast, die Schmerzen in einem erträglichen Maß zu halten, wird sich das auch positiv auf Deine seelische Situation auswirken.

Gutes Gelingen!
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Mondkalb » Mi 29. Okt 2014, 17:20

Hallo Steve,

gerade hier im Forum sollte einem Verständnis entgegengebracht werden. Ein selbstbetroffener ist eher in der Lage nachzuvollziehen wie es jemanden während eines Schubs ergeht. Nichtbetroffenen fehlt die Erfahrung um letztendlich die Tragweite nachzuempfinden, die eine CED auf den betroffenen Menschen ausübt. So meine Erfahrung.

Wie sollte jemand diese Vielfalt an Beeinträchtigungen von körperlicher Schwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, die eventuellen Auswirkungen auf die Psyche, die Konzentration die stets auf den Darm gerichtet ist, etc., verstehen?

Unter diesen Gesichtspunkten kann ich die Frage nach der Kollektomie verstehen, mit diesen Gedanken habe ich 2011 ebenfalls gespielt. Beantworten must du diese Frage jedoch für dich selbst, must mit deinem Arzt diesbezüglich den besten Weg finden, damit du dann wieder zurecht kommst.

LG Mondkalb
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Steve » Mi 5. Nov 2014, 09:33

Huhu,

Hatte die letzten Tage viel zu tun, da war kaum Zeit zum schreiben.
Ich stehe immer noch am selben Punkt.
jeden Tag habe ich Hoffnung, dass es besser wird und dann kommt sofort die Ernüchterung wenn es auf Toilette geht. Es ist tatsächlich so, dass der Schmerz mit jedem Mal unerträglicher wird. Zumindest subjektiv wahrgenommen, wahrscheinlich bleibt er gleich aber es zermürbt mich mehr und mehr.
Mittlerweile fühle ich mich von meinem Gastro irgendwie damit alleine gelassen. Sie scheint nicht zu verstehen wie sehr mich das fertig macht. Sie besteht erstmal auf das mrt, dass ich auch noch machen werde aber leider verschieben musste.
Ich habe aber gar keine Lust mehr auf Untersuchungen oder Diagnosen. Ich möchte mit jemandem über die chirurgische Behandlung reden, aber auch das scheint nicht wirklich in ihrem Sinne zu sein.
Momentan weiß ich nicht wohin, wen kann ich ansprechen, habe ich überhaupt gute Ärzte/Chirurgen/Porfessoren in meiner Nähe?

Dazu kommt noch die Ausbildung die ich nicht verlieren will. Ich hab noch so viel vor aber mit der CU kann ich all das vergessen, weil es ein verdammt stressiger Weg ist.
Bin heute mal wieder am absoluten Tiefpunkt angekommen und muss dennoch jetzt losfahren und mich durchs Seminar quälen.

Lg,
Steve
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Carmen » Mi 5. Nov 2014, 10:08

Hallo Steve,

hast Du auch ausdrücklich die Schmerzmedikation angesprochen bzw. mal probiert, frühzeitig Novalgin zu nehmen?

Viele Grüße
Carmen
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Steve » Mi 5. Nov 2014, 13:15

Hi Carmen,

Ja, sie sagte auch nur, dass ich es ja mal mit Novalgin probieren kann. Aber es ist immer ein wenig schwierig das richtig zu timen. Ich hab die Schmerzen meist nur morgens vor der Stuhlgang und wenn ich die Tablette direkt nach dem Aufstehen nehme, wirkt sie nicht unbedingt rechtzeitig.
Aber das ist ja auch nur eine vorübergehende Lösung. Ich kann mich ja nicht den ganzen Tag mit Schmerzmitteln "zudröhnen" nur damit ich mal wiedrr richtig essen kann :/
So als Tipp, aufjedenfall nützlich! Nicht falsch verstehen :)

Lg,
Steve
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Re: Psychisch am Ende, wieviel Schmerz ertrag ich noch?

Beitragvon Carmen » Mi 5. Nov 2014, 13:41

Hallo Steve,

Schmerzmittel lindern selbstverständlich nur die Symptome und können helfen, die Zeit bis zur Besserung zu überbrücken. Um die entsprechende Behandlung einzuleiten, muss man nach den Ursachen forschen.

Morgendliche Schmerzen zu bekämpfen kann in der Tat logistisch etwas schwierig sein. Sich für vorher den Wecker zu stellen, ist ja nicht ganz das Wahre. Ich habe in den frühen Morgenstunden auch gewöhnlich einen Schmerzgipfel. Evtl. kannst Du durch ein besonders schonendes, kleines und frühes Abendessen die Symptome morgens positiv beeinflussen.

Viele Grüße
Carmen
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