Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.
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Sianna
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Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von Sianna »

Hallo, ihr Lieben!

Ich habe Grund zur Annahme, dass ich im letzten Jahr aufgrund meiner Arbeitssituation in einen Burn-out getrudelt bin, ohne das richtig zu realisieren. Leider habe ich dadurch eine wichtige Sache dermaßen in den Sand gesetzt, dass ich letzte Woche deshalb ein Personalgespräch hatte und wohl eine Abmahnung bekommen werde. Das hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen, denn als mich die Dame aus dem Personalbüro gefragt hatte, weshalb ich es überhaupt so weit habe kommen lassen, hatte ich darauf erst einmal keine Antwort. Normalerweise bin ich zuverlässig und genau, bleibe eher länger im Büro, wenn etwas unbedingt fertiggestellt werden muss (typischer CED-Ansatz halt). Aus meiner heutigen Sicht heraus habe ich wohl einfach den Kopf in den Sand gesteckt, bin mit hängender Zunge weiterhin im Hamsterrad gehetzt und habe dabei nicht bemerkt, dass ich hier gegensteuern müsste. Im letzten halben Jahr habe ich 2 Jobs gleichzeitig gemacht, im Abstand von 2 Monaten 2 neue Kolleginnen eingearbeitet und ohne richtige Einarbeitung neue Aufgaben von der ausgeschiedenen Kollegin übernommen. Soviel zur Vorgeschichte ...

Was mich nun interessieren würde, wären eure Erfahrungen mit Arbeitsüberlastung. Kann es tatsächlich sein, dass man die Folgen seines Tuns nicht mehr überblicken kann? Ich suche ehrlich nach Ursachen und auf gar keinen Fall nach Ausreden. Im Internet habe ich gegoogelt, dass ich verlangen kann, dass eine Schilderung der Ereignisse aus meiner Sicht mit der Abmahnung in die Personalakte kommt. Das möchte ich natürlich nutzen. Zugleich muß ich an meiner Arbeitssituation nachhaltig etwas verändern, damit ich nicht mehr in eine derartige Situation gerate und dann mit einer Kündigung rechnen muss. Ich bin 57 Jahre alt, in einem größeren Unternehmen tätig und werde mich da mit dem Schwerbeschädigten-Beauftragten in Verbindung setzen, um zu sehen, was ich verändern kann.

Ich freue mich über jeden Rat und jede Anregung!

Liebe Grüße und euch allen einen schönen Sonntag,
Sianna
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(Hugo von Hoffmannsthal)

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Thilo
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Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von Thilo »

Hallo Sianna,

Arbeitsüberlastung, besser gesagt Arbeitsverdichtung ist ein großes Übel in der heutigen Arbeitswelt. Was früher 2 Arbeitnehmer geleistet haben, macht heute eine Person und diese übernimmt zusätzlich noch "Sonderaufgaben".

Jeder soll heutzutage flexibel, leistungsfähig und belastbar sein. Das geht zum Teil, wenn man jung und gesund ist. Menschen mit einer chronischen Erkrankung kommen hier schnell an ihre Leistungsgrenzen. Mag alles zunächst über eine gewisse Zeit funktionieren, irgendwann kommt der Punkt, wo man ganz deutlich spürt, dass man in dem stetigen "Hase und Igel-Spiel" eigentlich nicht mehr mithalten kann.

Auch mit einer anerkannten Schwerbehinderung genießt du keine Rücksichtnahme. Sobald du bewiesen hast, das du etwas zu leisten vermagst, wird man dich an deinen bisher gezeigten Leistungen messen und immer mehr von dir fordern. So zumindest in Industrieunternehmen und im produzierenden Gewerbe. Die Forderung an deine Leistungsbereitschaft werden immer höher. Dies geht meist so weit, bis du an einen Punkt angelangst, an dem dann nichts mehr geht, sich gravierende Fehler in der Arbeitsausführung einschleichen, für die du am Ende dann noch obendrein zur Verantwortung gezogen wirst.

Solltest du eine Abmahnung erhalten, würde ich diese rechtlich durch einen versierten Fachanwalt für Arbeitsrecht auf ihre Berechtigung hin überprüfen lassen. Machen wir uns aber nichts vor: Du riskierst immer eine Verschlechterung deiner Arbeitssituation, sobald du ggf. mit rechtlichen Schritten gegen deinen Arbeitgeber vorgehst. Natürlich kannst du von deinem Arbeitgeber verlangen, dass eine Gegendarstellung zu der Personalakte genommen wird.

Abmahnung bedeutet im Prinzip "gelbe Karte". Änderst du nichts an der belastenden Arbeitssituation wird ggf. die nächste Abmahnung folgen und das kann schnell in einer Kündigung münden. Mit Hilfe von Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung kannst du ggf. eine "Entschärfung" deiner Arbeitssituation herbeiführen. Hier wird wohl auch die Frage gestellt werden, was vergleichbare Arbeitskolleginnen und -kollegen leisten. Nur durch die vorhandene Schwerbehinderung wirst du voraussichtlich wenig "Schonung" erwarten können.

Nun bist du 57 Jahre alt und das Ende deines Arbeitslebens kommt mit großen Schritten näher. Hast du eine lange Betriebszugehörigkeit vorzuweisen, wird man dich "so schnell" nicht ordentlich kündigen können; jedoch personenbedingt, wenn dir weiterhin eklatante Fehler unterlaufen. Bestimmte Tarifverträge lassen bswp. eine ordentliche Kündigung von älteren Arbeitnehmern gar nicht mehr zu. Du solltest dich jetzt auf Eines ganz stark konzentrieren: Künftig keine ähnlich gearteten Fehler in der Arbeitsausführung mehr zulassen !!! Dazu gehört auch, dass du Arbeiten, die laut Arbeitsvertrag nicht zu deinem Aufgabengebiet gehören, Zug um Zug vehement abgibst, damit du dich voll und ganz auf deine ursprünglichen Aufgaben konzentrieren kannst (Quasi Dienst nach Vorschrift).

Der Schlüssel für die Lösung des Problemes liegt in erster Linie jetzt bei dir. Nicht mehr "HIER" rufen, wenn Sonderaufgaben vergeben werden, keine freiwilligen Überstunden mehr. Du brauchst für dich und dein Selbstbewußtsein kein Schulterklopfen am Arbeitsplatz mehr. An dich und auch an deine chronische Erkrankung denken. Schließlich gibt es noch ein Leben nach dem Arbeitsalltag und künftig auch nach dem Arbeitsleben. Lass dich unter keinen Umständen in den letzten Arbeitsjahren noch "verheizen"!

Arbeite ganz gezielt und mit dem erforderlichen Nachdruck an deiner mentalen Einstellung.

Gruß

Thilo

Konrad
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Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von Konrad »

Hi Sianna,

für mich liest sich das so, dass Dein direkter Vorgesetzter wohl in der Personalführung ein Problem hat. Entweder hat er es "schleifen", oder aber Dich bewusst auflaufen lassen (zweiteres ist das natürlich schlechtere, bei ersterem war der wohl überfordert). Lange vor einer Abmahnung muss dieser mit Dir ev.Fehlleistungen besprechen. Das ist in grösseren Firmen üblich und auch sinnvoll, denn bei solch einem Gespräch können frühzeitig Fehlentwicklungen korrigiert werden. Dass so ein Gespräch anscheinend übergangen wurde und Du sofort in die Persa musstest, ist aus meiner Sicht unüblich. Ich arbeite auch in einem grossen Konzern seit nunmehr 27 Jahren. So etwas ist mir weder passiert, noch habe ich von einem derartigen Vorgehen gehört.

Das alles bedeutet realistisch betrachtet ja nichts anderes, als dass das Vertrauen zu Deinem Vorgesetzten zunächst wohl immens gestört ist.

Ein Rat aus der Ferne ist zunächst mal schwierig, aber ich würde erst mal versuchen, Kontakt mit dem Vorgesetzten aufzunehmen um in einem 4-Augen-Gespräch zu klären, ob und wie die Situation zu bereinigen ist. Dabei müsst ihr beide alles sachlich erörtern, es muss alles schonungslos auf den Tisch, deshalb seid ihr ja auch allein dabei und bleibt innerhalb des Raumes. Vllt.klärt sich dann ja das ein oder andere Missverständnis.

Wenn dennoch letztendlich kein Konsenz zu erreichen ist, bleibt Dir wohl der Gang zum Betriebsrat nicht erspart. Dieser ist ja für die AN da wenn irgendwelche Schwierigkeiten auftreten. Scheue Dich nicht, das zeitnah zu machen. Je eher Du aktiv agierst und nicht selber nur reagierst, desto besser wird sich das Ergebnis für Dich herausstellen. Bildhaft gesprochen: Das Kaninchen vor der Schlange musst Du ja nicht sein. Du hast jahrzehntelang der Fa.treu gedient. Keine falsche Bescheidenheit.

Unabhängig von dem würde ich Dir raten wollen, mit Deinem Hausarzt eine Massnahme wie Reha oder Kur in Angriff zu nehmen. Einen Versuch ist das allemal wert und bringt Dir für 3-6 Wochen einen Abstand zu den beruflichen Problemen.

LG Konrad
Timschal

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Sianna
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Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von Sianna »

Lieber Thilo,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Mir ist ebenfalls klar geworden, dass ich lernen muss, Arbeiten abzugeben, die ich nicht leisten kann und es mir schuldig bin, stärker auf mich zu achten. Ich habe mich daher entschlossen, mich nach psychologischer Unterstützung umzusehen, da ich bei der Suche im Web Hinweise darauf gefunden habe, dass ich tatsächlich mitten in einem Burnout stecke. Das möchte ich auf jeden Fall bearbeiten und mir Unterstützung bei der Neuorganisation meines Lebens holen.

Das Dumme an meiner Situation ist, dass ich erst vor 2 Jahren zu diesem Unternehmen gewechselt bin. Ich habe bei den Vorstellungsgesprächen auf meine eingeschränkte Leistungsfähigkeit hingewiesen und bin - bei 10 Kandidatinnen - dennoch eingestellt worden. Im Arbeitsalltag wird dann natürlich, wie du schreibst, die gleiche Leistung eingefordert, wie die gesunden Kollegen sie leisten. Die Abmahnung ist von mir im Grunde akzeptiert, da mir der Fehler unterlaufen ist und ich signalisieren hätte müssen, dass ich überlastet bin. Seit Januar arbeite ich nun für einen neuen Vorgesetzten innerhalb der gleichen Organisationseinheit. Das ist für mich ein guter Zeitpunkt, mit ihm gemeinsam Veränderungen meiner Arbeitssituation vorzunehmen.

Mittlerweile denke ich, es ist gut, dass das alles jetzt passiert ist. Wer weiß, wie lange ich noch so dahingewurstelt hätte und was dann geschehen wäre ...

Lieben Dank nochmal,
Sianna
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Sianna
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Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von Sianna »

Hallo Konrad!

Tja, du hast den Nagel fast punktgenau auf den Kopf getroffen ... Der Vorgesetzte, für den ich bis Ende des Jahres gearbeitet habe, hat tatsächlich ein Problem in der Personalführung. Er hat mir z.B. gesagt, ich müsse mich mehr "quälen" ... oder angemerkt, dass ich nur deshalb so viele Überstunden mache, weil ich so langsam bin. Das sagt doch schon ziemlich was aus, oder?

Seit Januar bin ich nun innerhalb der gleichen Organisationseinheit zu einem anderen Vorgesetzten gewechselt. Der (und nicht mein vorheriger Chef, unter dem das Ganze passiert ist) ist mit mir zum Personalgespräch gegangen und hat mich auch unterstützt, indem er mir gesagt hat, er möchte das mit mir aufarbeiten und dann einen Neuanfang starten. Schon jetzt ist das Vertrauensverhältnis zu meinem neuen Vorgesetzten besser, als es zum alten jemals war. Mein alter Vorgesetzter hat das Ganze inkl. Klärung wohl an meinen neuen Vorgesetzten deligiert (ja, der vorherige Chef ist der Vorgesetzte meines neuen Chefs), was wohl eindeutig klar macht, dass er nicht die Absicht hat, mit mir darüber noch groß zu sprechen. Seine neue Sekretärin hab ich ja eingearbeitet, also weg mit mir ... Das Gespräch im Personalbüro gemeinsam mit meinem neuen Chef ist genau so abgelaufen, wie du es beschrieben hast (sachliche Erörterung, alle Fakten auf den Tisch, in Anbetracht der Umstände ein wirklich gutes Gespräch). - Nur war ich halt von der Abmahnung erst einmal so geschockt, dass ich nicht viel dazu sagen konnte. Deshalb möchte ich auch meine Darstellung mit in die Personalakte geben und die natürlich vorher mit meinem Vorgesetzten durchsprechen.

An Kur bzw. Reha hab ich auch schon gedacht, zumal ich seit der MC-Diagnose mit 30 Jahren noch nicht eine Kur benötigt habe. - Mir ging es bisher immer gut, im Gegensatz zu jetzt ... Ich möchte aber den Eindruck vermeiden, dass ich jetzt sozusagen vor der Auseinandersetzung "flüchte" und mich erst einmal krank schreiben lasse bzw. in Kur gehe. Das halte ich im Moment für das falsche Signal. Aber ich werde auf jeden Fall meinen Hausarzt konsultieren, weil ich mir psychologische Unterstützung holen möchte. In diesem Prozess wird sich wahrscheinlich herausstellen, dass eine Reha-Maßnahme angebracht wäre, wobei ich dann aber auch genauer wüsste worauf der Fokus der Reha liegen sollte damit ich in der richtigen Einrichtung lande.

Alles, was ich jetzt unternehme, werde ich mit meinem neuen Chef besprechen, damit wir uns im weiteren Vorgehen einig sind und er das dann auch vor dem "alten" Vorgesetzten vertreten kann. Ich kann dabei eigentlich nur gewinnen, weil ich dadurch auch zeige, dass ich einiges dafür unternehme, dass ich nicht noch einmal in eine solche Situation komme und dass mir der Ernst der Lage sehr bewusst ist.

LG
Sianna
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Konrad
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Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von Konrad »

Hi Sianna
Sianna hat geschrieben:Er hat mir z.B. gesagt, ich müsse mich mehr "quälen" ... oder angemerkt, dass ich nur deshalb so viele Überstunden mache, weil ich so langsam bin
Den Spruch kenne ich auch, der wird gerne seitens Vorgesetzten genutzt. Aber wie ich Deinen Zeilen entnehme, hast Du doch schon sehr viel von dem umgesetzt, was ich mir so dachte. Ich hoffe für Dich, dass der "ehemalige" Dich in Ruhe lässt, weil die Konstellation ist eig.ungünstig, da Dein jetziger Chef wohl direkt abhängig ist von ihm.

Falls der "alte" noch Groll gegen DIch hegt, wirst Du das bald spüren. Aller Vorraussicht nach denke ich aber, er hat Dich abgeschoben warum auch immer, und für ihn ist der Fall durch (der wird ja auch noch was anderes zu tun haben). Jedenfalls wünsch ich Dir in Deiner neuen Stelle alles Gute, jedoch versuche auch, über den BR eine Abmahnung zu verhindern.

Viel Glück dabei,

LG Konrad
Timschal

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neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
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Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von neptun »

Hallo Sianna,

ich stelle Dir hier mal einen Link rein, der ziemlich umfassend über die Arbeitswelt und Schwerbehinderung informiert. Geht auch um Ausschluß von Mehrarbeit auf Wunsch und Teilzeitarbeit.

http://www.rae-hoss.de/51015496010d3570 ... /index.htm

Ist vielleicht einiges interessant für Dich.

LG Neptun

DarmstaedtER
fühlt sich wohl hier
Beiträge: 52
Registriert: Mi 23. Jan 2013, 17:37
Wohnort: Darmstadt

Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von DarmstaedtER »

Hallo Sianna,

weil es schon einige gute Antworten gibt, von mir nur ein paar wenige Stichpunkte:


Nach meinen Informationen wirst Du über eine Abmahnung formell informiert und kannst in jedem Fall einen Kommentar / eine Gegendarstellung für die Akte verfassen.

bitte nicht hauen für diese Frage: Hat Dein Vorgesetzter wirklich kapiert, was Deine Krankheit bedeutet ... und interessiert es ihn ?

Eine Psychotherapeutin hat mir mal aus einem Fachartikel folgendes vorgelesen:
"Der Versuch, immer effektiver zu arbeiten und durch gute Organisation und Planung immer mehr in die vorhandene Zeit zu quetschen, kann als Symptom für Burnout gewertet werden."


Mir geht es etwas besser, seit ich (ganz langsam) lerne, die Dinge los zu lassen.



Alles Gute und herzliche Grüße

vom DarmstataedtER


P.S.
Falls Du doch mehr Infos haben willst, lass mich das bitte per PN wissen.
Was ich hier poste, sind meine Erfahrungen und Meinungen oder "gefundene" Infos. Das gilt besonders bei Angaben zu Medikamenten und speziell wenn da Dosierungen genannt sind. Die sind in keinem Fall als Dosier-Empfehlung für andere zu verstehen.

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henriette
hat sich häuslich eingerichtet
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Registriert: Fr 21. Dez 2012, 13:24

Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von henriette »

Hallo Sianna,

ich hab's leider erst jetzt gelesen. Ich hatte nämlich bis vor Kurzem genau das gleiche Problem. Nur, dass mir (noch) kein gravierender Fehler unterlaufen ist.

Grund war auch der Vorgesetzte, der einfach fachlich inkompetent, faul, autoritär und ein toller Blender ist. Solche Leute schaffen es ja oft, Karriere zu machen. Wie selbstverständlich hat man vor mir verlangt, dass ich alle seine Arbeiten mit übernehme, weil er ja .... (setze hier eine beliebige Ausrede ein)...nicht kann. Das Ganze unterstützt vom zuständigen Geschäftsführer. Ich habe nur noch gearbeitet wie eine Maschine, gehetzt, pausenlos und habe mich still vor mich hin geärgert über diesen Chef. Ich habe zwar keine CU mehr, weil ich kolektomiert bin, aber da kämpft man mit Durchfällen. Die sind messbar schlimmer geworden.

Ich bin dann zum Betriebsrat. Der hat mir etwas gesagt, worauf ich nicht gekommen wäre:
Du musst verstehen, dass die einzige Gefahr für Dich die ist, dass Du Fehler machst. Dann können sie Dir am Zeug flicken. Und je schneller Du arbeitest, desto größer ist die Gefahr, dass Du Fehler machst. Arbeite langsamer!!! Wir haben doch keinen Akkord. Es ist egal, wenn Du etwas nicht schaffst. Nur Fehler darfst Du nicht machen.
So hatte ich das noch nicht gesehen.

Des weiteren hat mir der Betriebsrat empfohlen eine Überlastungsanzeige zu schreiben. Das habe ich dann getan. Darin stand, dass sich das Arbeitspensum unter der neuen Leitung soweit verdichtet hat, dass die Gefahr besteht dass ich vor Eile Fehler mache und um Abhilfe gebeten und hierzu auch Vorschläge gemacht. Damit entlastet man sich, falls doch was passiert. Melden befreit! Diese Überlastungsanzeige habe ich an den Vorgesetzten mit Kopie an die Geschäftsführung geschickt. Die haben es einfach ignoriert.

Zwischenzeitlich hat der Geschäftsführer doch eingesehen, was für eine Pfeiffe dieser Vorgesetzte ist. Jetzt ist er degradiert worden. Obendrüber sitzt jetzt ein weiterer Vorgesetzter (ich habe jetzt 2 Chefs). Der ist fachlich kompetent, fleißig und mit dem kann man über alles reden. Der andere kann mir nix mehr.

Ich weiß nicht, ob man es unter einem so schlimmen Vorgesetzten wirklich nachhaltig schaffen kann, entspannt und korrekt zu arbeiten.

Wie schön, dass Du jetzt auch einen anderen Chef hast.

Liebe Grüße,
henriette
CU seit 1976. Kolektomie und Pouchanlage 2010. Rückverlegung 2012. Pouch entfernt und Anlage eines endständigen Ileostomas 2013.

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Eusebia
Dauergast
Beiträge: 101
Registriert: Fr 21. Dez 2012, 11:32
Diagnose: MC seit 1976
Wohnort: Rheinland-Pfalz

Re: Arbeitsüberlastung/Burn-out bei CED

Beitrag von Eusebia »

Du musst verstehen, dass die einzige Gefahr für Dich die ist, dass Du Fehler machst. Dann können sie Dir am Zeug flicken. Und je schneller Du arbeitest, desto größer ist die Gefahr, dass Du Fehler machst. Arbeite langsamer!!! Wir haben doch keinen Akkord. Es ist egal, wenn Du etwas nicht schaffst. Nur Fehler darfst Du nicht machen.
Hallöchen,

das ist genau richtig was der Betriebsrat da sagt. Wenn wir alle, anstatt uns immer zu mehr Leistung treiben zu lassen, das berücksichtigen würden, dann wäre unser Arbeitsleben nicht so, wie es jetzt ist. Da müßten wir viel mehr zusammenhalten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die, die noch können, machen wie die Bekloppten und die, die nicht mehr so fit sind, gehen vor die Hunde.

Ich arbeite bei der Deutschen Post als Zustellerin und ich kann da ein Lied davon singen. Jedes Jahr eine Neubemessung und siehe da noch nie wurde ein Bezirk kleiner, egal wieviel Post da ist, der Bezirk wird immer größer. Die Tätigkeiten, die man im Stützpunkt erbringen muss, werden "Dank" Maschinen :evil: immer weniger. Da muß man dann halt mehr draußen arbeiten, das heißt dann, dass man 6 bis 7 Stunden Laufleistung hat. Das schafft man dann irgendwann nicht mehr und wenn man alt oder/und krank ist schon garnicht. :x Man wird jedes Jahr älter aber die Arbeit nimmt jedes Jahr zu.

Da hilft dann eben nur noch dieser Satz vom Betriebsrat.

Ich arbeite auf jeden Fall sauber und korrekt, das ist mir wichtiger als schnell zu arbeiten. Wenn ich keine Fehler mache, dann können die mich auch nicht abmahnen bzw. los werden. Ich mache alles genauso wie es von meinen Vorgesetzen angewiesen wird. Ob ich das jetzt für gut heiße oder auch für vollkommen idiotisch, ist egal. Es wird so erledigt, wie die das wollen. :D

Ich bin jetzt 56 Jahre und werde mit 65 Jahren in Rente gehen können. Das sind noch 9 Jahre, die man irgenwie noch hinbekommen muß.

VG Eusebia
Wer sich nicht selbst helfen will, dem kann niemand helfen.
Hans A. Pestalozzi

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