Total negativ und gedrückt im Schub

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon Kaempferherz » So 10. Aug 2014, 14:39

Hallo zusammen,

ich muss mal mit Leuten sprechen, die auch depri sind wenn sie im Schub sind. Ich habe jetzt seit 2 Jahren MC und schon bei meinem ersten Schub war ich psychisch total angeschlagen. Damals war das auch viel der Schock wegen der Diagnose..und die Frage, wie mein Leben weitergehen soll. Seit damals nehme ich auch ein Antidepressivum, das nehme ich auch jetzt noch.
Diesmal ist es anders. Ich akzeptiere die Erkrankung und bin in guter ärztlicher Behandlung. Ich bin wieder im Schub, bekomme seit drei Wochen Cortison und auch das neue Medi Entyvio. Aber scheinbar wirkt es noch nicht, ich habe immer wieder Durchfall wie Wasser.
Gott sei dank bekomme ich nicht hochdosiert Cortison, "nur" 40mg. Aber ich habe das Gefühl, ob das mit dem Corti zusammenhängt weiß ich nicht, dass ich seitdem total negativ und gedrückt bin. es ist nicht so dass ich ständig weine wie vor zwei Jahren, jetzt ist es mehr so..alles ist negativ, macht mir keinen Spaß. Zu allem muss ich mich aufraffen und überwinden. Ich fühle mich überfordert und gestresst, weil ich mich gerade selbständig mache. Ich bin einfach nicht leistungsfähig und dann dazu diese seltsame, negative Stimmung.
Ich mag mich so nicht. Ich bin eigentlich ein positiver Mensch und ich hatte genau diese Energie auch wieder - bis jetzt. Ich kann nicht einschätzen, wieso.. klar ist es momentan total viel..aber a) nehme ich mein Antidepressivum und b) bin ich doch gut versorgt. Ich frage mich, liegt das daran dass der Darm entzündet ist (wegen der Nervenzellen etc) oder liegt es am Cortison oder warum bin ich so drauf? Und: Was kann ich dagegen tun??? In Therapie bin ich auch, aber meine Therapeutin versteht das nicht mit dem Crohn und ich verstehe mich ja selber gerade nicht. Ich mache mir ziemlich sorgen, ich mag mir selbst gar nicht mehr zuhören weil ich mich selbst nerve mit meiner Negativität und meinem Rumgemaule. Kennt ihr das auch solche Zustände?? Und was macht ihr dann um euch da rauszuholen?

Habt ihr Tipps für mich? Ist ja schön, wenn man weiß, dass der Darm und die Psyche zusammenwirken. Aber ich nehm ja schon ein AD.

Ich bin ratlos. Ich hoffe, ihr könnt mir helfen oder mir Mut machen, dass das normal ist und vorbei geht...

Alles Liebe
Kämpferherz
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon Amal90 » Mo 18. Aug 2014, 18:48

Hi Kaempferherz,
der Name gefällt mir. :)
Mit Antidepressiva habe ich keine Erfahrungen, aber beim Cortison geht es mir ähnlich. Bei mir wechseln sich Phasen von sehr guter und sehr schlechter Laune ab. Die negative Stimmung kommt von jetzt auf gleich und ohne ersichtlichen Grund... Bei mir hat Sport immer ganz gut geholfen, aus so einem Stimmungstief wieder rauszukommen.
Wünsche Dir alles Gute!

liebe Grüße
Amal
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon Rojo » Mi 20. Aug 2014, 23:09

Hallo Kämpferherz,
bei mir ist es ähnlich wie bei Amal90.
Wenn ich Cortison nehme wechseln sich bei mir auch die Hoch- und Tiefphasen ab.
Ich werde auch ziemlich "dünnhäutig", leicht reizbar. Es kommt dann ab und an auch mal ein plötzliches Gefühl der Überforderung, totaler Stress und Ratlosigkeit. Ich will dann am liebsten weg und alleine sein.
Auch mir hilft dann Sport sehr viel. Ich hatte mir irgendwann für zu Hause einen Lauftrainer angeschafft, falls ich nicht raus kann.
Ebenso helfen mir Entspannungstechniken wie Mediation und auch Musik.
Manchmal hilft mir auch der Griff zu Literatur über Psychologie (um die Vorgänge ein wenig zu verstehen) und auch über Lebenshilfe (baut halt manchmal einfach auf).
Am meisten hilft mir aber, glaube ich, wenn ich einfach raus gehe und mich bewege (wenn es eben geht).
Ich wünsche dir viel Erfolg !

LG
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon Christoph83 » Fr 22. Aug 2014, 10:10

Hallo,

ich bin seit 2 Wochen auch wieder in einem, bisher leichten, Schub (CU).

Allerdings geht es mir ähnlich ...

- Warum ich?
- Andere hüpfen durchs Leben!
- Reicht es nicht langsam mit Negativem?
- Jetzt war ich mal sportlich fit, alles für die Katz!

ETC.

Klar ist man im Schub total depri, ich war seit 2 Wochen vielleicht 3x vor der Haustür und will am liebsten allein
sein. Aber das geht vorbei!

Was ich nicht ganz verstehe, warum man immer direkt irgendwelche Antidepressiva einwerfen muss. Ich denke die
machen einen auf Dauer kaputt. Abhängig sowieso, weil der Körper nicht mehr weiß wie er eigenes Glück empfinden kann.

Aber das muss jeder selbst wissen. Ich war auch vor 2 Jahren mal in einer Therapie und habe mich bewußt gegen Pillen
entschieden, denn die helfen auf Dauer mit Sicherheit nicht.

Ich hab es selber auch noch nicht geschafft, aber

- Man sollte positiv denken und Dinge tun die Spaß machen
- Positiv sehen, dass man bald aus seinem Schub heraus kommt und wieder leben kann.
- Und zwar Leben im Rahmen des Möglichen.
- Klar gibt es überall Leute denen es prächtig geht, aber so ist das nun mal im Leben! Depri sein hilft keinem, und einem selbst schon garnicht.
- Ständig Sorgen zur Zukunft machen (Beruf, Lebenspartner finden der einen so aktzeptiert) macht einen nur noch kranker!

Das sind alles Dinge die mich in einem Schub beschäftigen, außerhalb aber auch, da habe ich auch noch nicht ganz geschafft das Dunkle auszublenden...
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon Kaempferherz » Mo 15. Sep 2014, 18:31

Hallo ihr Lieben,
dankeschön für Eure Nachrichten. Die letzten Tage waren ein Auf und Ab, leider mehr ein Ab. Ich habe mein Cortison von 40 auf 20mg reduziert, gleichzeitig bekomme ich ja Entyvio. Seit einer Woche habe ich totale Verdauungsbeschwerden, ständigen Stuhldrang den ganzen Tag, Krämpfe und kurz drauf muss ich aufs Klo. Ich weiß nicht..so oft Stuhlgang an einem Tag, ich geh kaum noch vor die Tür.. das belastet mich ganz arg und dazu fühle ich mich im Bauch gar nicht gut, so aufgerieben, aufgebläht, der Stuhl ist unverdaut..naja..wir sind ja hier in der Ecke für die Psyche..
auf jeden Fall als ich auf 20 mg runter bin, kam ich in ein totales Tief. Ich war so gedrückt, wollte mit niemand sprechen und einen Tag später bekam ich Ängste. Die kenne ich schon..dagegen nehme ich ja das Antidepressivum (die gingen damals nach meinem ersten Schub los). Dann wars übers WE besser, heute wieder gedrückt und wieder Ängste (bin heute wieder auf 25mg hoch). Mein Gefühl ist, dass ich wenn ich reduziere oder steigere in ein derartiges Tief komme - kann das sein?? Ich finde dazu nichts im Netz (mir ist bewusst das man unter Corti generell depris haben kann). Wenn ich reduziere, gerade bei 20mg ist das doch diese Schwelle wo dann auch die Eigenproduktion vom Cortisol langsam wieder anlaufen sollte. Hat Cortisol mit der Stimmung zu tun, das würde erklären, warum eine Reduktion oder Steigerung direkt die Stimmung beeinflusst. Was meint ihr?

Morgen habe ich Termin bei meinem Arzt. Ich fühle mich nicht gut betreut, nicht ernst genommen, aber er ist die Koriphäe für CED. Ich krieg keinen Ton raus wenn ich vor ihm sitze und habe richtig Angst vor morgen.
Ich weiß langsam nicht mehr, was von was ist. Sind die Durchfälle vom Schub oder vom Entyvio. Und die Blähungen, das schlechte Gefühl im Bauch, warum hab ich wieder Ängste u.s.w. ich hab einfach keinen Plan mehr. Nur das mein Körper total durcheinander ist seit den beiden Medis. jetzt auch die Psyche.

Was ich schon immer mal wissen wollte: Werdet ihr von euren Ärzten auch psychich betreut, also, fragen die da auch nach und was tun sie wenn ihr sagt, euch gehts schlecht weil ihr Depris vom Cortison schiebt? Ich weiß ich müsste vom Cortison weg, aber mein Darm dreht ja so ab grad...und das Entyvio scheint auch nicht zu wirken (oder nur negativ). Und woher jetzt diese extremen Verdauungsbeschwerden kommen kann man auch nicht wirklich herausfinden - dafür müsste ich das Entyvio absetzen und da ich erst in der 8. Woche bin wäre das unklug. Ich fühle mich allein gelassen von meinem Arzt mit alldem. Ich hatte mich wieder so wohl gefühlt in meinem Körper, jetzt bin ich nicht nur fett, sondern auch körperlich durch..und die Psyche scheint langsam auch zu leidern. Klar versuche ich positiv zu denken, wenn ich die Aussicht hätte, dass...würde mir das total helfen. Aber momentan ist alles so ein durcheinander.

Habt ihr Ärzte, bei denen ihr euch gut aufgehoben fühlt? Fachlich ist meiner top..aber sonst..habe ich immer das Gefühl, dass ich störe (er ist immer im Streß und tanzt auf tausend Hochzeiten). Er ist der Chef in der Gastro von meinem Krankenhaus in Frankfurt was nicht weit von mir ist und wo ich mich "wohl" fühle (nette Notaufnahme, gute Station, die Endoskopie läuft immer ganz gut..). Vielleicht habe ich einfach falsche Erwartungen z.B. auch was die Betreuung mit dem Entyvio angeht.

Übrigens habe ich wieder mit Yoga angefangen, nicht zu extrem - bin ja auch so fett das ich mich kaum bewegen kann, aber zur Entspannung. Vielleicht hilft mir das...

LG
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon neptun » Di 16. Sep 2014, 10:09

Hallo Kämpferherz,

die Eigenproduktion von Cortisol im Körper entspricht so viel, wie wenn man ca. 3 mg Prednisolon nehmen würde. Das Verhältnis beträgt 5:1, also wären es etwa 15 mg Cortisol.

Es war schon oft Thema im Forum, daß viele Betroffene unter 20 mg Cortison dann psychische Probleme haben, sei es deppressive Verstimmungen, sein es gegen sich selbst gerichtete Aggression, wie ich, und weitere fahren gleich bei jeder Sache aus der Haut. wenn man darum weiß, kann man bewußt gegensteuern und den Hausfrieden erhalten. Bei den Verstimmungen dann auch ablenken, also außer Haus in die Natur, Sport, etc. Das scheint bei Dir nun augenblicklich nicht zu gehen.

Ganz schlecht ist die Entscheidung, nun wieder das Cortison zu erhöhen. Ausschleichen ist angesagt und das Entyvio soll die weitere medikamentöse Behandlung sein. Mit dem Schaukeln des Cortisons machst Du es Dir nur schwerer, weißt nicht, welche Abhängigkeiten welchem Medikament zuzuordnen sind. Der Zeitraum der geschilderten Nebenwirkungen verlängert sich und die Gefahr der anderen heftigen Nebenwirkungen wird größer. Denn dieser Bereich ist eine Anwendung in höherer Dosierung, also kein Spaß.

Außerdem kann es sein, Du hast Panikattacken. Was es da für Auslöser gibt, da bin ich überfragt. Aber Hitzewallungen. Luftnot, vielleicht solltest Du es Deinem Arzt schildern.

Wenn etwas unverdaut wieder zum Vorschein kommt, dann liegt die Ursache weiter oben, also im Magen und Dünndarm, wahrscheinlich verbunden mit einer allzu schnellen Passage. Was der Auslöser ist, da sollte ein Arzt weitere Untersuchungen veranlassen. Vielleicht Entzündung im Magen?

Blähungen können auch durch Fehlbesiedelung mit Bakterien im Dünndarm hervorgerufen werden. Dazu wäre ein Laktulose-Atemtest notwendig, um diese Ursache einzukreisen.
Wenn aber sowieso Nahrung in den Dickdarm kommt, da freuen sich etliche Bakterienstämme drüber und Produzieren Gase. Wäre die Fehlbesiedelung also erst mal weniger wahrscheinlich.

Du solltest Dir Fragen an den Arzt aufschreiben und vor Ort auch die Antworten notieren. Vielleicht ist der Umgang mit ihm dann für Dich leichter, weil Du einen Faden hast.

Ich habe mit meinem aktuellen Proktologen und dem langjährigen Arzt davor kaum Kontakt. Es sind seltene Rektoskopien, wiederkehrende Koloskopien, meine Medis, das war es. Und ab und zu mal Blutuntersuchung. Weitere Erwartungen habe ich nicht an ihn, aber er würde wohl auch kaum mehr leisten. Ist hauptsächlich mit den Reihenuntersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung beschäftigt.

LG Neptun
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon Kaempferherz » Di 16. Sep 2014, 11:51

Hallo Neptun,

das erklärt natürlich einiges was Du über die Cortisol-Zusammenhänge schilderst. Und das ich psychisch erst jetzt in niedrigerer Dosis angeschlagener bin. Das ist wirklich gut zu wissen, dass diese Schwelle sensibel ist. Danke dir!!!

Ja ich würde auch gerne das Cortison ausschleichen, das war ja mein Ziel, weshalb ich auch runtergegangen bin... Leider habe ich seit gestern abend so starke Bauchschmerzen bekommen (rechte Flanke) die bis in den Rücken gingen und sehr extrem sind, dazu heute flüssiger Durchfall...es weist alles daraufhin, dass die Entzündung schlimmer geworden ist, ich vllt wieder mitten im Schub bin. Es war unverantwortlich von mir, eigenhändig mit dem Cortison runterzugehen - aber ich konnte meinen Arzt ja nicht erreichen!!!
Nachher um halb drei habe ich einen Termin bei ihm. Ich brauche Hilfe, so geht das nicht weiter, es wird immer schlimmer. Mit dem Corti raufgehen ist sicherlich nicht gut, aber das Entyvio scheint ja nicht zu wirken. Die Schmerzen sind schon sehr schubähnlich. Das andere (blähungen, unverdautes etc) schiebe ich dem Entyvio in die Schuhe. Egal wie, so geht es nicht weiter.

Es zeigt mal wieder, dass man nicht selbst an sich rumdoktern sollte. Wenn ich zurückblicke hat es sich gesteigert von mal zu mal. Am Anfang war da einmal am Tag Durchfall, sehr unverdaut, sehr massiv. Dann immer öfter bis ich ständig aufs Klo musste alle halbe Stunde. Jetzt kommt es gleich flüssig, dazu massive Schmerzen. Ich bin gespannt was der Doc sagt...heute nacht war ich jedenfalls kurz davor mich ins Krankenhaus zu legen. Aber auch das ist keine Lösung, vor allem habe ich Kundentermine, die ich wahrnehmen muss........aber mit dem Durchfall weiß ich auch nicht wie das gehen soll...

Liebe Grüße
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon neptun » Di 16. Sep 2014, 12:53

Hallo Kämpferherz,

nun hast Du wohl noch nicht geschildert, wo Dein mc Entzündungen macht. daher kann man auch nichts dazu schreiben.

Dein Arzt hat übrigens auch keine Selbsterfahrung mit den Medis, mit dem Absenken, etc. Er kann sich auch nur an die Leitlinien halten und den Schilderungen der Betroffenen folgen nach Wirkung, Symptomen und Beschwerden. Es sei denn, er hat selbst eine CED.

Deine Schilderung weist auf eine Stenose rechts, also an der Ileozökalklappe hin. Es ist eine typische Stelle für Entzündung bei mc, der Bereich von Übergang Dünndarm-Dickdarm.
Wäre mit Sono eventuell zu sehen, sonst Kolo oder MRT-Sellink.

Bei einer Stenose gibt es auch meist gurgelnde Geräusche, wenn der nahrungsbrei gegen die Engstelle gedrückt wird. Es kann auch vielleicht eine Walze unter der Bauchdecke ertastet oder sogar gesehenwerden. Und ein Wechsel von Stuhlverhalt zu Durchfall ist möglich. Erbrechen würde auch eine sehr starke Verengung hinweisen.

Bekommst du auch die Basismedikation Mesalazin? An dem Ort wäre das Präparat Pentasa gut, weil es sich frühzeitig im Dünndarm auflöst.

Hier mal ein Link zur Leitlinie und einer zur Cortisonbehandlung, wo ich meine Erfahrungen schildere und dazu die Essenz aus den Beiträgen vieler anderer Betroffener.

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-004.html

http://forum.dccv.de/viewtopic.php?f=3&t=181

Wenn es sich um eine Stenose an bewußter Stelle handeln sollte, dann wäre auch ein Wechsel in der Medikation vom systemisch wirkenden Prednisolon auf das topisch, also vot Ort, wirkende Budesonid möglich. Näheres dazu, wenn Du dies bestätigen solltest. Das könntest Du dann mit Deinem Arzt diskutieren.

Wurden Magen (Spiegelung) und Dünndarm (MRT-Sellink) mal angesehen?

LG Neptun
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon Kaempferherz » Di 16. Sep 2014, 19:47

Hallo Neptun,

bist Du HELLSEHER????????? :shock: Tatsächlich tippt mein Prof auf Stenose!? zumindest hat er das auf die MRT-Überweisung geschrieben, im Gespräch gesagt hat er nichts. Da steht Fragl. Stenose im neoterminalen Ileum - also so wie du sagst. Aufsteigender Dickdarm übergang Dünndarm.

Meine Freundin hatte schon mehrere Stenosen, was sie so an Symptomen geschrieben hat, passt. Dieser ständige Dauerschmerz, dazu kolikartige Krämpfe. Was nicht passt ist, dass ich so extrem Durchfall hab..nix mit Bleistiftstuhl.

Ich habe jetzt zwei Antibiotika bekommen - Cipro und Clont (falls eine Infektion vorliegt). Leider ist mein MRT erst in drei Wochen...weiß ja nicht ob ich die Schmerzen so lange aushalte...sollte ich da nochmal Druck machen, was meinst Du? Ist ja noch lang hin...gut mit Schmerzmitteln könnte ich mich über Wasser halten. Ich hatte meine Tasche schon gepackt und wäre auch da geblieben, aber er will jetzt erstmal so gucken. Blut- und Calprotectin macht er auch nochmal, dann weiß ich wenigstens was der Schub macht.

Die Idee mit dem Corti-Wechsel ist super, merke ich mir. Vor dem Schub hab ich Mesalazin als Tabletten genommen, hab ich sogar noch da. Da zwei bis drei Stück am Tag. Gut das mit dem Pentasa zu wissen...ich soll Corti jetzt erstmal bei 25mg belassen. Übrigens hatte ich in meinem ersten Schub Befall des gesamten Dickdarms, Schmerzen rechts in der flanke aber noch nie, vor allem nicht so dauerhaft.

Ich frag mich wirklich wie so plötzlich ne Stenose entstehen kann. Ist ja noch nicht bewiesen, aber wenn mein Prof. und DU auf die gleiche Idee kommt unabhängig voneinander, schon echt krass.

Ich bin echt baff grad von Dir.. :-)

Liebe Grüße
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Re: Total negativ und gedrückt im Schub

Beitragvon neptun » Mi 17. Sep 2014, 12:00

Hallo Kämpferherz,

neoterminales Ileum ist richtig?
Da wurde Dir also schon mal der Bereich um die Ileozökalklappe entfernt. Meist ist ein Konglomerattumor oder eine vernarbte Stenose der Grund dafür.

Eine Folge dieser OP kann ein Gallensäureverlustsyndrom sein und auch ein Mangel an Vitamin B12. Beides, das Vitamin und die Gallensäure, werden im terminalen Ileum resorbiert, von dem Dir nun nach der OP ein Teil fehlt. Folge der Gallensäure kann sein, es gibt chologene Durchfälle, denn der Dickdarm kann damit nichts anfangen. Dann brennt es auch meist am After nach dem Stuhlgang.

Solch Verlustsyndrom kann dauerhaft gegeben sein, wobei der fehlende Dünndarm in der Länge individuell ist. der Mensch ist nicht nach DIN gebaut und die Körper reagieren auch nicht alle gleich.
Das Verlustsyndrom kann auch temporär sein, wenn es durch Entzündung im letzten Bereich des Dünndamres verursacht ist.

Was für Dich zutreffen kann, Du wirst es wissen.
In gleicher Sache habe ich gerade koni aus dem Forum geschrieben.

Abhilfe würde nach dem Grund Colestyramin schaffen, ein Harz, das die Gallensäure bindet. Es greift sonst nicht in den Körper ein. Handelsnmen sind z.B. Colestyramin, Lipocol.
Du kannst mal Deinen Arzt danach fragen. Vorsicht kann bei einer Stenose gegeben sein, weil es den Stuhl fester macht.
Bleistiftstuhl wird eher mit weichem Stuhl durch den Schließmuskel geformt, oder durch Stenose im Analkanal, bei mc nicht so selten.

Stenosen entstehen durch Entzündung. Daher kann es schnell gehen mit der Einengung, denn es muß nur genügend Blut zu der Stelle fließen, die Darmwand verdicken. Da mc die gesamte Darmwand betrifft, ist dies eine nicht seltene Folge, wenn man für Stenosen prädestiniert ist.

Mit der Zeit kann durch Einlagerung von Bindegewebe/Kollagenfasern dann auch der entzündlichen eine vernarbte Stenose werden.
Entzündliche Stenosen sind immer medikamentös behandelbar.
Vernarbte Stenosen, da gibt es mehrere Vorgehensweisen. Machen sie keine Beschwerden, so wird man sie lassen. Gibt es Schmerzen, schränken sie die Lebensqualität ein, dann kann je nach Länge der Stenose dilatiert werden, oder in einer OP eine Strikturoplastik gemacht werden, wo der Darm längs aufgeschnitten und quer vernäht wird. Damit wird keine Darmschleimhaut entfernt, bei mc sehr wichtig.
Ist die Verengung zu lang, muß man sie in einer OP entfernen.
Eine absolute Indikation zur OP ist gegeben, wenn das Lumen so klein ist, daß sich der Darm davor geweitet hat. Zu sehen im MRT-Sellink. Dann bestände die Gefahr einer Darmperforation mit anschließender Sepsis.

An der Anastomose bildet sich leider häufig wieder eine Entzündung nach einiger Zeit. Eventuell auch mitverursacht durch die Gallensäure, die dort auf Gewebe trifft, das dafür nicht geeignet ist, denn dort ist ja der neue Übergang zum Dickdarm. Aber das ist nur eine Vermutung von mir.

Zur Überbrückung der Zeit bis zum MRT empfehle ich Dir die Stenosediät. Danach ist alles zu meiden, was an der Engstelle hängen bleiben kann. Lies mal den obersten Beitrag im Unterforum Ernährung dazu, den Farfalla mal geschrieben hat. Er ist dort festgepinnt.
Denn ein Subileus ist sicher gar kein Spaß, wie ich aus etlichen Schilderungen weiß.

Es sollte ein MRT-Sellink sein, bei dem man neben Mannitol zum Trinken (Kontrastmittel) dann auch noch eines über die Vene bekommt, das Kontrastmittel Gadolinium, welhes Entzündung in Weichteilen sichtbar macht. Wird auch Hydro-MRT genannt.

LG Neptun
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