Eher Wut und Aggression.. ist das normal?

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Eher Wut und Aggression.. ist das normal?

Beitragvon Grisu » Di 27. Mai 2014, 16:50

So, mein zweiter Beitrag..
Also ich habe jetzt seit 2000 mit meiner CU zu kämpfen. Ich muss sagen, ich hatte nie das Problem, mutlos oder total depressiv zu sein. Mit Selbstmordgedanken und ähnlichem habe ich zum Glück auch nie Bekanntschaft machen müssen. Ich bin da eher wütend, will mich nicht klein kriegen lassen und ja, heule schon auch mal, aber eher vor Wut, weil ich einfach keinen Einflußauf diese ganze Sch**** habe und ich auch echt gerne wissen wollen würde WARUM trifft dieser MIST bitte ausgerechnet mich?? Was habe ich schlimmes verbrochen, um das zu verdienen? Zur Hölle... :twisted:
Und ich finde, dass ich in vielen Situationen (im Nachhinein betrachtet) überzogen reagiere. Ich bin total leicht reizbar, hänge direkt unter der Decke und lasse durchaus auch manchmal Menschen total vor die Wand laufen, die das nun wirklich nicht verdient haben.. zumeist meinen Freund.. den liebe ich sehr und ganz ehrlich - ich frage mich oft, warum er sich sowas wie mich an die Backe bindet.. Ich bin mit ihm Ende 2010 zusammengekommen, da hatte ich die erste Darm-OP [Dünndarmteilresektion 2007] schon hinter mir, ich bin auch offen mit meiner CU umgegangen, er wusste also von Anfang an Bescheid. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich definitiv noch entspannter und auch nicht ansatzweise so dünnhäutig wie jetzt.

Ich fasse einfach nochmal 'kurz' die letzten Jahre zusammen: [Anm.: ich hatte bis zur Kolektomie praktisch ständig Schübe]
2000: Erstdiagnose CU
2006: Erythema Nodosum
2007: Appendektomie, Dünndarmteilresektion nach Thrombose im Bauchraum
2008: AVK in beiden Beinen, jeweils ca. 75%
2009: Thrombose im linken Arm bei einer Routinedarmspiegelung
2011: Apoplex links und rechts
2013: Entfernung einer Zyste am Eierstock, Kolektomie und Stomaanlage
2014: Pouchanlage und Stoma
coming soon: Rückverlagerung...

Ja, ich hab schon ein bisschen was erlebt.. Ich hatte das Thema 'Laune' auch in meinen letzten beiden AHB's ausführlich. Ich mag mich selbst nicht leiden wenn ich so bin. Vor allem eben meinem Freund gegenüber. Er hat eine unglaubliche Geduld.. ich kann nicht sagen, wie ich an seiner Stelle ab und an reagieren würde - was schon ganz schön traurig ist. Ich habe absolut keinen Plan, was ich machen würde wenn er ich trenne würde.. was ich manchmal von seiner Seite aus schon verstehen könnte, wenn ich mal wieder nen 'Anfall' habe..

Ich baue momentan auf die Rückverlagerung.. ich hoffe einfach, dass sich meine 'Launen' deutlich verringern werden und ich einfach wieder gelassener und entspannter mit allem und jedem umgehen kann.

Das ist jetzt auch meine Frage: hat hier vielleicht jemand Erfahrungen, die sich mit meiner Situation vergleichen lassen? Ich wüste einfach gerne, ob meine Hoffnung auf deutliche Besserung meines desolaten Nervenkostüms mit Erfolg belohnt werden kann.. Das wäre mal so etwas wie eine sonnige Aussicht :)
Wäre schön, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teil, hier als Antwort oder per PN..
Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar. [Astrid Lidgren]
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Re: Eher Wut und Aggression.. ist das normal?

Beitragvon Sammy » Mi 28. Mai 2014, 08:45

Hallo Grisu,

oh ja , das kenne ich auch.
Ich fahre bei dem kleinsten Anlass aus der Haut. Bin ungerecht, mit mir selber einfach unzufrieden.
Auch ich habe einen Mann an meiner Seite der zu mir steht. Aber auch er hat nur Nerven, die auch mal mit ihm durchgehen. Was ich dann als total ungerecht empfinde. ich bin ihm sehr dankbar , das er seit nunmehr 10 Jahren hinter mir steht, und alles mit mir trägt.
Vor einiger Zeit habe ich mir Hilfe bei einem Psychologen geholt. Ich stehe noch am Anfang meiner Therapie, es wird wohl noch einige Zeit dauern.
Ganz schlimm ist es bei mir seit meiner letzten OP,das war jan.2013. das war echt heftig. Danch wurde dann noch 4 mal operiert, Pyoderma, Port gelegt, parenteral ernährt, und jetzt Remicade. Ich habe mich in der Zeit sooo oft gefragt warum ICH??? Aber dann wurde es noch schlimmer. Ich hatte zu nichts mehr Lust. Heute kann ich sagen , das es sich ein bißchen gebessert hat. Aber gerade bei dem dunklen Wetter, kommt die miese Stimmung , und ich fange wieder an mit dem Schicksal zu hadern. Ich versuche mich dann abzulenken, mache seit geraumer Zeit Sport( was mir sehr gut tut, war praktische eine Hausaufgabe vom Psychologen. Erst dachte ich der spinnt, aber nein, mittlerweile bin ich froh das ich auf ihn gehört habe. Du wirst deinen Weg finden, es wird auch wieder besser werden, glaube mir. Gibt die einfach zeit!! UND frag nicht warum DU!! Du bekommst keine Antwort und dein Gemütszustand wir ddadurch nicht gerade beser, Ich weiss wovon ich rede. Kopf hoch und niemals den Mut aufgeben.
LG Sammy
Wenn du möchtest kannst du mir eine PN schicken, und dir deinen Frust von der Seele schreiben, vielleicht hift es dir ja
Weisst du , unsere Partner, haben sicherlich viel Verständniss, aber sie sind nicht in der Situation , sie können einfach vieles nicht nachempfinden.
Ist für sie nicht so einfach, mit uns.
Sammy
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Re: Eher Wut und Aggression.. ist das normal?

Beitragvon Grisu » Mi 28. Mai 2014, 10:47

hallo sammy,

oh ja.. sie müssen VIEL mit uns mitmachen und aushalten.. ich kann mich mittlerweile nicht mehr dran erinnern, wann ich das letzte Mal so richtig gute Laune hatte. Ich hab das Gefühl, über mir schwebt permanent ne schwarze Regenwolke.. manchmal kann ich es auch echt nicht hören, 'schon wieder schlechte Laune?', oder 'warum bist du schon wieder schlecht gelaunt?' Ich weiss, er kann da als letzter was für, aber da soll er lieber nichts sagen, meistens weiss ich das ja selbst nicht, das ist ja das Problem..
Ich mach drei Kreuze, wenn ich wieder zum Sport kann. Der fehlt mir so. Und ich kann das bei dir total nachvollziehen - Sport hilft, DEFINITIV! Ich hab von meinem Freund zu meinem vorletzten Geburtstag einen Sandsack bekommen -SOOO TOLL! In unserer jetzigen Wohnung können wird den leider nicht hängen, aber bei uns steht Ende Juli ein Umzug an und ich hoffe, mein lieber Sandsack findet da dann wieder seinen Platz. Der ist schon wirklich hilfreich, einfach mal dagegenhauen, -treten oder Hände bandagieren und die ganze Wut rauslassen.. Kann ich nur empfehlen. :) Die beste Therapie..
Ich hab in er letzten Reha auch versucht mal mit einem Psychologen über das alles zu reden, also hauptsächlich, dass ich mich mehr im Griff haben will. Da wurde mir dann gesagt, solange ich durch diesen OP-Marathon noch nicht durch bin, brauche ich mir keine Hoffnungen zu machen, dass das deutlich besser wird. Das fand ich jetzt auch nicht sehr hilfreich. Ja, es tat schon gut, sich mal alles von der Seele zu reden, aber irgendwie dauerhaft geholfen hat das nicht.
Ich weis auch nicht.. macht keinen Spaß, das ganze..
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