Zukunftsangst

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Zukunftsangst

Beitragvon Verena13 » Fr 2. Mai 2014, 20:48

Hallo,

mich beschäftigt total das Thema Entwicklung der CED. Mein Verlauf ist echer leicht (wenn man ihn denn überhaupt klassifizieren kann), d. h. ich habe zwar fast dauerhaft einen Schub (vlt mal 1 Monat Remission zwischendurch) und leide auch ständig an penetranten Bauschschmerzen, aber Durchfall habe ich nie, obwohl ich immer recht viel Schleim und Blut hab. Ich freue mich natürlich tatal, dass ich keine Durchfälle habe, aber ich habe einfach total Angst, dass das irgendwann kommt und ih dann auch unter so schlimmen Durchfällen leide. Ich Studiere ja Lehramt und bin einfach in Sorge ob sich die CU irgendwann ins schlechtere entwicklet. Ich weiß zwar, dass man das wohl nicht vorhersagen kann und das es auch keinen Sinn macht sich über eventuell eintretendes in der Zukunft Sorgen zu machen, aber ich mach mir trotzdem Sorgen. =/

Liebe Grüße
Verena
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Re: Zukunftsangst

Beitragvon Carmen » Fr 2. Mai 2014, 21:25

Hallo Verena,

toll, dass Du so gut mit den dauerhaften Schmerzen zurecht kommst. Das ist eine gute Leistung!

Natürlich kann die CED in Zukunft auch unangenehmer verlaufen - muss sie aber nicht. Warum hast Du solche Angst vor Durchfällen?

Sorge und Wachsamkeit haben auch ihr Gutes. Sie erinnern Dich daran, dass Dich die CED in Deinem Leben begleitet, und motivieren Dich, auf Dich zu achten, Dich an Deinen Therapieplan zu halten und Kontrolltermine wahrzunehmen.

Du kannst stolz auf Dich sein - trotz der CED kommst Du Deinem Studium nach. Viele Deiner Kommilitonen haben es da leichter. Wenn Schwierigkeiten auftreten sollten, bist Du sicher besser als sie darauf vorbereitet: Weil Du weißt, wie man sich durchbeißen kann, wenn es einem auch nicht so gut geht.

Viele Grüße
Carmen

PS: Hast Du Deinem behandelnden Arzt berichtet, dass Du dauerhaft Beschwerden hast? Vielleicht kann man die Medikation optimieren und so auch weiteren Schüben bzw. einer Verschlechterung vorbeugen.
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Re: Zukunftsangst

Beitragvon Verena13 » Fr 2. Mai 2014, 21:46

Danke für die schnelle Antwort =)

ich habe deshalb so angst vor Durchfällen, weil ich das gefühl habe, dass das eigentlich das "größte" Leid der Betroffenen darstellt...ist a schon sehr einschränkend.

Das problem mit der Medikation und dem Arzt ist, dass ich im Moment gar keinen richtigen Arzt habe. Mein ursprünglich behandelder Gastro meinte er könne mir nicht helfen. =/ Daher bin ich gerade auf der Suche nach einem neuen. Ich habe die Suche jetzt auch schon eine ganze Weile vor mich hergeschoben, da ich immer die Sorge um eine mögliche Verbeamtung hatte. Diesbezüglich bin ich jetzt aber verspätet zu der Erkenntnis gekommen, dass es keine Lösung ist nicht zum Arzt zu gehen (ich dachte auch immer: ja ist ja nicht so schlimm wie bei andren, vlt kann man ja auch noch ne paar Jahre warten...). Aber ich denke inzwischen, das nicht zum arzt gehen auch keine Lösung und natürlich doch schädlich ist. Wie gesagt habe ich aber eigentlich noch keinen passenden Arzt gefunden =/ Ich suche einen im Raum Dortmund

LG Verena
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Re: Zukunftsangst

Beitragvon Thilo » Sa 3. Mai 2014, 10:05

Hallo Verena,

im "alten Forum" habe ich im Jahre 2010 einen Beitrag zum Thema "Die Auswirkung von Sorgen" geschrieben. Ich kopiere dir diesen Eintrag einmal an diese Stelle. Vielleicht können dir diese Zeilen ein wenig helfen deine Gedanken neu zu ordnen.

Hallo,

öfter lese ich Einträge, aus denen sich u. a. massive Angst und Sorgen erkennen lassen. Einträge, die oft aus nachvollziehbaren Gründen große Verzweiflung von Betroffenen widerspiegeln.

Ich erlebe aber auch einzelne Betroffene, die sich trotz milder Krankheitsverläufe große Sorgen um ihre Gesundheit machen und die alle denkbaren Anstrengung unternehmen jeder Art von Befindlichkeitsstörungen auf den Grund zu gehen. Dann gibt es ein auch Menschen, die sehr niedergeschlagen, hoffnungslos und voller Sorge und Angst auf ihre Erkrankung und ihr Leben schauen.

Es gibt keine klare Abgrenzung von Sorge und Angst. Beide Worte werden oft miteinander verwechselt, aber das Wort Sorge bedeutet, dass man sich beunruhigt und sich mehr als nötig über etwas Gedanken macht.

Ein weiteres Merkmal der Sorge ist, dass ein besorgter Mensch Kräfte in seiner Einbildung mobilisiert hat, mit deren Hilfe er ein wirkliches oder nur eingebildetes Problem über jedes vernünftige Maß aufblähen kann.

Was geschieht, wenn alles Denken ständig auf Sorgen ausgerichtet ist? Die Sorgen können dem Körper schaden. Sorgen nehmen allen Mut. Wir können durch starke Furcht wirklich ein paar der großartigsten Möglichkeiten in unserem Leben verpassen.

Man kann noch aus einer anderen Sicht die Auswirkungen von Sorge und Angst betrachten.

Wenn man sich ständig wegen eines Problems Sorgen macht, wird dieses Problem vergrößert. Die Sorge hindert einen, das Problem logisch zu durchdenken. Wenn man sich sorgt, gehen in einem Körper wirkliche Veränderungen vor, da bestimmte Drüsen mit Überfunktion auf die geistige Verfassung reagieren. Die Denkfähigkeit wird vermindert, wegen dieser physiologischen Veränderungen, die in einem vorgehen. Wie oft sagen wir beispielsweise: „Wenn ich ärgerlich werde, kann ich nicht mehr klar denken“.

Sorge kann uns lähmen und uns massiv daran hindern, bestimmte Dinge konstruktiv und entschlossen zu tun. Auch der tüchtigste Mensch kann sich so in Sorgen verstricken, dass er dabei immer leistungsunfähiger wird. Probleme verlangsamen Entscheidungen und Taten. Sorgen machen einen unentschlossen. Die entscheidungsfreudigsten und klarsichtigsten Menschen können sich selbst zur Unbeweglichkeit verdammen, wenn sie Probleme immer wieder neu durchdenken. Zum Schluss können sie sich noch immer nicht entscheiden und sie überlassen anderen die Entscheidung.

Gibt es „den Schalter“, mit dem Menschen all ihre Sorgen und Ängste abstellen können ? Ein klares: Nein !

Wenn wird aber bereit sind, uns einmal die Mechanismen und die Auswirkungen von Sorge und Angst vor Augen zu halten, können wir auch über die negativen Folgen für unser Leben nachdenken und vielleicht auch Wege finden, mit Realitäten die sich nicht ändern lassen, doch ein wenig gelassener umzugehen.

Uns Menschen ist kein sorgenfreies Leben versprochen. Tun wir aber in unserem eigenen Interesse alles dafür, um Sorgen und Ängste möglichst klein zu halten.


Dir alles Gute.

Gruß Thilo
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Re: Zukunftsangst

Beitragvon bul » Mo 5. Mai 2014, 00:01

Hallo Verena,

ich kann deine Angst nachvollziehen - das kennt sicher jeder hier.
Aber letztlich hilft es ja nichts, keiner weiß wie es sich in Zukunft entwickelt und es könnte ja vielleicht auch viel besser werden, von daher mache ich mir da nicht so viele Gedanken.
Außer bei gewissen Dingen, die man auf jeden Fall machen will, was bei einer gewissen Verschlechterung der Krankheit nicht mehr so gehen würde. Da mache ich mir schon auch Gedanken und versuche, diese Dinge eben jetzt schon zu machen bzw. so lange zu machen, so lange ich es "noch" kann (wobei noch vielleicht auch für immer bedeutet, wenn es sich nicht entsprechend verschlechtert, was ich natürlich hoffe).
Hoffe du verstehst, was ich meine.

Dein Ärzteproblem kenne ich auch und hatte selbst auch schon ähnliche Schwierigkeiten. Ich glaube, ab einem gewissen Punkt muss man sich selbst darum kümmern, wenn man keinen Arzt findet, der einem "Vorschläge" für Sachen bietet, die man ausprobieren kann.
Aber ich denke, dass es doch im Raum Dortmund genügend Ärzte geben sollte, da musst du dich vielleicht einfach durchprobieren, bis du einen gefunden hast, der für dich passt.
Ich finde es aber auch schwierig und habe absolut keine Lust darauf, dauernd den Arzt zu wechseln. Aber leider geht es wohl manchmal nicht anders - oder man kümmert sich selbst um die Sachen und macht dem Arzt Behandlungs-"Vorschläge" (im Sinn von: "könnte es nicht vielleicht auch das und das sein, was es schlechter macht?!" oder "könnte man nicht das mal probieren").
Ich habe es auch erlebt, dass die Ärzte einfach auch nicht weiter wissen, was für mich auch irgendwo nachvollziehbar ist. Aber trotzdem ist es unbefriedigend, nur ein "ich weiß auch nicht weiter" vom Arzt zu haben...

Wie gesagt, ich denke man sollte sich nicht allzu viele Gedanken um die Zukunft machen, weil sich alles so schnell ändern kann - und das auch generell, nicht nur auf die Krankheit bezogen.
Aber ich kann das schon nachvollziehen, was du meinst und worüber du dir Gedanken machst...ich habe mir da schon auch Gedanken drüber gemacht.


Viele Grüße

bul
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Re: Zukunftsangst

Beitragvon Verena13 » Mo 5. Mai 2014, 18:52

Danke Thilo, Danke bul =)

bul: es tut gut keine patentlösung angeboten zu bekommen. =) auch wenn das die Sache nicht leichter macht. Wenn ich mit engen Freunden oder der familie ETWAS darüber rede (ich bin eher komisch was das angeht), dann bekomm ich so "Lösungsvorschläge", die mir überhaupt nicht helfen, weil ich immer das Gefühl hab, dass es keine Lösung in dem Sinne gibt. Andere wollen immer das sich das "Problem" auflöst, aber das muss es ja nicht zwangsläufig sofort. Manchmal möchte man nur ein bisschen Verständnis. Das man das Gefühl bekommt, man wird verstanden. Ich verstehe natürlich auch, dass nicht Betroffene hier schwierigkeiten haben, auch wenn meine Familie und mein Freund sehr sensibel sind =)

Liebe Grüße
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Re: Zukunftsangst

Beitragvon Rinchen » Mo 19. Mai 2014, 20:45

Einen schönen guten Abend in die Runde,

und auch von mir ein Danke schön an Thilo :) .

Das der Körper auf dieses "sich sorgen" reagiert, beobachte ich (leider) auch hin und wieder an mir. Ich versuche dann mich Abzulenken bzw. mir etwas gutes zu tun, meistens klappt das auch :lol: .

@ Verena: Kopf hoch, auch das packen wir ;)

LG, Rinchen
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