Deprimiert

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Deprimiert

Beitragvon krrissy » Di 25. Feb 2014, 10:07

Guten Morgen an alle Betroffenen,
ich habe seit 10 Jahren MC, immer mal wieder nen Schub (nie länger als 1 Jahr Beschwerdefrei) und aktuell hab ich wieder im Ileum und im Dickdarm an zwei Stellen Entzündungen. Hab vor 3 Monaten wieder mit AZA begonnen und hatte Prednisolon 40mg und bin jetzt bei 2,5mg. Es zwickt mal wieder und mein SG ist auch wieder breiig bis wässrig. Mehr Probleme macht mir zurzeit die Psyche, wobei ich nicht weiß, ob das ausschließlich auf das Kortison zurückzuführen ist…ich fühl mich meistens nicht unbeschwert, grüble viel über meine Krankheit nach, wie das mal so in Zukunft werden soll. Jetzt schwitz ich nachts wieder und fühl mich auch warm an und mach mir sofort Gedanken und bin deprimiert.
Hinzu kommt, dass ich seit 3 Jahren Single bin und mich in Schubphasen auch ziemlich zurück ziehe und nicht soviel mit Freunden unternehme, weil die mich eh nicht verstehen würden. Ich mal mir dann meine Zukunft als einsamer und kranker Mensch aus. Ich weiß, dass man positiv denken soll, aber das fällt mir momentan schwer. Hat jemand ähnliche Gedankengänge?

Kris
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Re: Deprimiert

Beitragvon Thilo » Di 25. Feb 2014, 11:26

Hallo Kris,

deine Gedankengänge dürfte jeder chronisch kranke Mensch nachvollziehen können.

Deprimiert sein in Phasen schlechter körperlicher Verfassung ist eigentlich "normal" und angesichts düsterer Zukunftsaussichten kann man ein gewisses Maß an Niedergeschlagenheit auch verstehen.

.....ich fühl mich meistens nicht unbeschwert, grüble viel über meine Krankheit nach, wie das mal so in Zukunft werden soll. Jetzt schwitz ich nachts wieder und fühl mich auch warm an und mach mir sofort Gedanken und bin deprimiert.


Deine Erkrankung kannst du nicht einfach ignorieren. Sie ist da und wird dich in deinem Leben begleiten. Du stehst nicht alleine da. Nicht nur die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, sondern viele andere Erkrankungen bürden Menschen schwere Lasten auf, die oft nicht mehr erträglich erscheinen und trotzdem geht es weiter und trotzdem gibt es auch schöne Momente im Leben. MC-Erkrankte dürfen auch immer darauf hoffen, dass Lebensphasen ohne Krankheitsaktivität eintreten bzw. dass die Erkrankung einen milden Verlauf nimmt.

Nun gibt es kein Erfolgsrezept für Deprimiertheit und eigentlich kannst du dich nur alleine aus eigener Kraft mit den Haaren aus dem Sumpf der Niedergeschlagenheit herausziehen. Dazu gehört in erster Linie, dass du alles medizinisch notwendige tust, um bald den Schub zu überwinden. Zweitens solltest du die Nähe von Menschen suchen. Der Mensch braucht Gemeinschaft und die Zuwendung seiner Mitmenschen. Drittens solltest du täglich positive Dinge lesen, welche deinen Geist und dein angeschlagenes Selbstbewusstsein stärken.

.......Ich mal mir dann meine Zukunft als einsamer und kranker Mensch aus.....


Mit diesem Gedankenbild wird deine niedergedrückte Stimmung nicht vergehen; du wirst zwangsläufig depressiv werden. Diese Gedanken musst du durch andere positive Bilder ersetzen. Stell dir vor, dass dein MC ruhiger wird und das du in Zukunft mit anderen Menschen viele schöne Dinge unternehmen kannst, die du dir schon lange wünschst.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein schwere Depression gehört in ärztliche Behandlung, aber an depressiven Verstimmungen kann man auch selbst arbeiten. Auch eine Frage der inneren Einstellung, ob man "schwarze Gedanken" permanent für sich zulässt.

Kennst du meinen Thread „Nie mehr mutlos, ängstlich und verzweifelt“

https://forum.dccv.de/viewtopic.php?f=4&t=64

Vielleicht findet du hier noch die eine oder andere Anregung für dich.

Ich wünscht dir Kraft und viele schöne Gedanken; trotz Morbus Crohn.

Gruß

Thilo
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Re: Deprimiert

Beitragvon krrissy » Di 25. Feb 2014, 18:31

Hallo Thilo,
vielen lieben Dank für deinen langen und lieben Beitrag.Glücklicherweise bin ich nicht 24h am Tag in dieser negativen Stimmung,will ja auch nicht rumheulen....ich bin sonst kein kränklicher Mensch und sehr aktiv,mache viel Sport...Bauchschmerzen und Unwohlsein nach nicht so tollen Stuhlgängen schränken dann schon sehr ein,aber wem erzähl ich das..man darf sich nicht runterziehen lassen von seinen Gedankengängen,also danke nochmal!
Kris
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