Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Silverfox » Mi 19. Feb 2014, 15:39

Hallo alle zusammen,
ich habe jetzt mal den ganz morgen damit verbraucht etwas zu dem Thema zu suchen, leider ergebnislos. Sollte es etwas zu dem Thema bereits geben, bitte ich um Entschuldigung, hier noch so ein Thema aufzumachen.
Ich bin 41 Jahre und leide seit nun mehr 21 Jahren an Morbus Crohn. Dazu kommt, dass ich mit 20 Jahren feststellen musste schwul zu sein. Die Kombination aus Crohn und Schwul hatte auch lange gut funktioniert. Ich lebe seit 19 Jahren in einer Beziehung mit einem deutlich älteren Mann. Aufgrund vieler Schübe hat sich relativ schnell eine platonische Beziehung entwickelt, was für mich auch okay war. Wir beide hatten uns unsere Freiräume gelassen. Zwischen uns ging es einfach nicht mehr und ein Leben ganz ohne Sex ist mit Mitte 20 unvorstellbar gewesen. Das hätte auch alles so weiter gehen können, bis mir vor 6 Jahren in einer Notoperation gegen meinen ausdrücklichen Wunsch ein Stoma gelegt worden ist. Das führte dazu, dass ich über Monate keinerlei Nahrung mehr aufnehmen konnte und endete in der Psychiatrie. Unter Valium und anderen Medikamenten kam es dann wieder irgendwann zu einer Nahrungsaufnahme, nur um diesen Ort wieder verlassen zu können, was mir nach schweren Kämpfen auch gelang. Leider sind die Depressionen geblieben. Für mich war mein Körper entstellt. Dazu kam dann, dass mindestens einmal die Woche sich Nachts mein Stoma irgendwie öffnete und ich laufend mein Bettzeug, Schlafanzug etc. waschen musste. Meine Psychologen Odyssee möchte ich hier gar nicht beschreiben. Nur so viel, dass ich jetzt seit über einem Jahr einen habe. Mit Antidepressiva und Therapie ging es mit irgendwann wieder recht gut. Das sexuelle hatte ich so weit weggeschoben und daran einen Haken gemacht, dass es einfach vorbei ist. Wie soll jemand meinen Körper nicht abstoßend finden. Die Suche nach Selbsthilfegruppen für meinen Fall blieb jahrelang erfolglos. Mit der Stoma Legung kam dann auch die befristete Rente, die bisher immer wieder verlängert wurde. 1,5 Jahre nach der ersten Stomalegung wurde eine Rückverlegung versucht. Mein inneres Selbstwertgefühl stieg. Leider war die Zeit danach auch nicht besser. Ich hatte zwar kein Stoma mehr, allerdings bis zu 120 Gänge zum Klo war nun auch nicht der Sinn des Lebens. Durch einen Fistelgang der bis durch den Bauch ging wurde erneut ein Stoma gelegt. Ich selbst hatte mich zu dem Zeitpunkt damit abgefunden. Sex war einfach ausgeklammert und verdrängt. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass es jemals wieder dazu kommt. Mit Hilfe von Antidepressiva ging das auch gut. Vor einem halben Jahr war ich dann der Meinung, dass ich soweit bin, auch ohne diese Hilfsmittel leben zu können. Ab und zu kamen Annäherungsversuche die sofort wenn ich auf das Thema Stoma kam abgewehrt waren. Das war für mich auch als Selbstschutz gut und wie eine Trumpfkarte, um mich nicht mehr darauf einlassen zu müssen. Ich wusste ja wie andere darauf reagieren. Jetzt sagen einige, wie oberflächlich diese Menschen sind. Ja und Nein. Ich kann sie verstehen und für mich ist das auch in Ordnung. Ich hatte meine Innere Mauer gehabt und war mir sicher wie andere darauf reagieren. Bis vor drei Monaten jemand anders als gewohnt reagiert hat. Für ihn war das kein Problem. Er schrieb sehr nett und es war auch klar, dass es bei einem Treffen aus diversen Gründen die ich hier nicht erläutern möchte bleiben würde. Ich war über das Interesse so geschmeichelt und aufgeregt, dass ich alle meine inneren Schutzmauern ignoriert habe, da ich sehr gerne mit ihm schreibe und auch geschrieben habe und wissen wollte, wer dieser Mensch wirklich ist der kein Problem mit einem Stomaträger hat. Das geplante Treffen, auf das ich mich eingelassen hatte rückte näher und ebenso meine Nervosität diesem Menschen zu begegnen. Ich fuhr also in Absprache mit meinem Freund 500 km nach Berlin, immer noch in der inneren Hoffnung, dass er gar nicht kommt. Wir wollten uns am Flughafen treffen, da er nicht aus Deutschland kommt. Er kam und es war wunderschön. Nur leider wuchsen meine Minderwertigkeitskomplexe durch meine doch sehr beschränkte Vita und meinen Verstellten Körper immer weiter er. Er hat wirklich alles versucht um mich wieder aufzubauen, was ihm aber leider nicht gelang. Ich hatte zwischenzeitlich schon arge depressive Zustände, die allerdings nach seiner Abreise bis ins unerträgliche stiegen. Mein Todeswunsch stieg und stieg. Die Rückfahrt war die Hölle. Gott sei Dank hatte ich an dem Dienstag einen Termin bei meinem Psychologen, der mir erst einmal ein Akutmittel und ein Mittel für eine erneute Langzeittherapie verschrieben hat. Trotz allem ist dieser Mann noch mit mir in Kontakt und versucht mir aufzubauen.
Ich schreibe das hier, um vielleicht Menschen in ähnlichen Situationen zu treffen und zu erfahren wie sie damit umgehen.
Ich danke Euch für´s lesen und für evtl. Hilfe
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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Angela1968 » Mi 19. Feb 2014, 16:11

Zum Glück habe ich keine Stoma Erfahrungen. Aber mir erschliesst sich das nicht warum hier bei diesen Thema (iund auch anderen) extra gesagt werden muss, ich bin homosexuell. Ich denke mal es ist doch egal wen man liebt , eine Krankheit empfindet jeder nachteilig und unangenehm.

Oder möchtestDu über deisen Weg einen neuen Partner finden. Dann ist es klar das Du Deine sexuelle Ausrichtung extra offenlegst.

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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Silverfox » Mi 19. Feb 2014, 16:22

Hallo Angela,
danke erst mal für eine Reaktion. Nein ich möchte keinen neuen Partner finden. Es ist einfach anders als schwuler Mann. Im Prinzip gehörst du erst mal zu einer doppelten Randgruppe. Auf der einen Seite bist du Schwul, auf der anderen Seite hast du MC und ein Stoma. Ich suche einfach Erfahrungsaustausch mit anderen schwulen Männern, die mich in einigen Punkten vielleicht eher verstehen können als es heterosexuelle tuen können.

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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Angela1968 » Mi 19. Feb 2014, 16:30

Du soltest das nicht persönlich nehmen. Das ist ein allegemienes Thema von mir. Auf der einen Seite nennt sich unsere Gesellschaft modern und aufgeschlossen. Auf der aneren Seite muss man über seine sexuelle Ausrichtung angebeben. Was sol das ?

Eigentlich solle es doch egal sein wen wir lieben. So lange beide erwachsen sind und beide auch sich für ihre Liebe entscheiden können. Anders sieht es mit Pädophilen und sexual Straftätern aus.

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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Silverfox » Mi 19. Feb 2014, 16:49

Es geht eigentlich darum Angela, dass ich vermute, dass ein anderer schwuler Mann mich eher verstehen kann. Unsere Gesellschaft gibt sich zwar den Anschein der Toleranz aber wenn man oft hinter Fassaden schaut, ist sie es einfach nicht. Natürlich kann sich ein heterosexueller Mensch versuchen in einen schwulen oder lesbischen Menschen hineinzuversetzen, allerdings glaube ich nicht, dass dieses zu 100 % möglich sein wird. Mit einem schwulen Mann kann ich einfacher und offener schreiben, als ich es mit einem heterosexuellen Mitmensch tuen kann. Ich fühle mich dort einfach besser verstanden, da es in den Lebenssituation einfach mehr Überschneidungen gibt als mit einer Frau oder einem heterosexuellen Mann. Verstehe mich nicht falsch, 95 % meines Bekanntenkreises und Freundeskreises sind Hetero, und bis zu einem gewissen Punkt kann ich auch sehr gut mit ihnen über meine Problematiken reden, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Und ab diesem Punkt versteht mich denke ich mal ein schwuler Mann einfach besser als ein heterosexueller Mitmensch.

Ein dummes Beispiel: Wir leben in einer Gleichberechtigten Gesellschaft. Trotzdem gibt es Frauengruppen, in den Männer keinen Zutritt haben. Das auch mit Recht, da Frauen einfach andere Probleme haben, als es Männer haben. Unter sich können dieses Frauen einfacher und offener miteinander reden, als wenn ein Mann dabei ist. Ich hoffe Du verstehst was ich meine
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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Angela1968 » Mi 19. Feb 2014, 17:02

Siesht Du ,so weit ist es schon gekommen das man denkt nur wer die gleiche sexuelle Ausrichtung hat versteht mich. Ich glaube es ist egal welcher sexueler Ausrichtung jemand hat. Aber wenn derjenige z.B. verlassen wird weil er krank ist leidet er genauso drunter wie ein heterosexueller Mensch.

Schöne neue und aufgschlossene Gesellschaft !!!

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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Silverfox » Mi 19. Feb 2014, 17:14

Unserer Gesellschaft ist dann schön und toll, wenn alles nach ihrem tritt und ihren idealen funktioniert. Wenn nicht ist sie das nicht mehr. Das ist aber ein leidiges Thema, über das auch viel geschrieben worden ist.

Vielleicht kann sich ein Mann einem anderen Mann einfacher öffnen, als er es einer Frau gegenüber tuen kann. Gewisse Empfindungen, Reaktionen und Hemmungen sind einfacher mit Menschen zu besprechen, die selbiges selbst erlebt haben. Andere können versuchen sich in die Situation hinein zu denken, werden es aber nicht ähnlich erleben. Nehmen wir einfach mal Morbus Crohn und nicht Schwul. Warum gibt es Selbsthilfegruppen? Weil Du dort mit Menschen reden kannst, die aufgrund der gleichen Erkrankung Dich leichter verstehen können als es ein "gesunder" Mensch kann. Es ist einfacher sich einem Menschen mit ähnlicher Problematik zu öffnen als einem Menschen der diese nicht hat. Ich hoffe Du verstehst was ich meine. Alternativ nehmen wir Crohn und Kinder. Ich kann versuchen mich in eine Frau mit Kind hineinzuversetzen, es wird aber einfach für mich Theorie bleiben, da ich das nie erlebt habe und nie erleben werde. Es redet sich für diese Frau mit Kind einfacher mit einer anderen Frau in der Situation als mit einem kinderlosen Mann. Das hat auch mit Gesellschaft nicht viel zu tun.
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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Angela1968 » Mi 19. Feb 2014, 17:42

Also ich bin auch mit einem Männerpaar berfreundet und die haben sich noch nie beschwert das ich sie nicht verstehen könnte und freuten sich immer das ich mit ihnen über dieses und jenes gesprochen haben und sie ihre Probleme besprechen konnten- Auch ein ehemaliger Mann der jetzt eine Frau ist schätzt mich sehr als Gesprächspartner.

Aber Du wirst schon recht haben , Frauen können homesexuelle Männer natürlich nicht verstehen.

Ich werde Dich nicht weiter belästigen, da ich Dich ja sowieso nicht verstehen kann und will

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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Silverfox » Mi 19. Feb 2014, 23:18

Ich habe nie gesagt, dass Frauen homosexuelle Männer nicht verstehen können. Wenn Du das so aufgefasst hast tut mir das Leid. Ich sagte lediglich, dass es für MICH einfacher ist, mit einem schwulen Mann über bestimmte Bereiche zu reden als mit einer Frau.
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Re: Schwul, Morbus Crohn, Stomaträger und Depressionen

Beitragvon Eva81 » Do 20. Feb 2014, 00:31

Hallo Silverfox!

Ich bin kein Mann und auch weder schwul noch lesbisch, ein Stoma habe ich auch nicht. Daher kann ich dir leider nicht helfen. Ich habe nichtmal MC, sondern Cu ;)

Ich kann aber sehr gut verstehen, warum du dich am liebsten mit jemandem auszutauschen möchtest, der in der selben Situation ist wie du. Offensichtlich bringt ein MC mit Stoma für Schwule mehr Probleme mit sich, als für Heteros. Die Gesellschaft hat mit dem Thema nichts zu tun. Es geht nicht um Akzeptanz der sexuellen Orientierung, sondern um eine sehr persönliche und intime Angelegenheit. Zumindest habe ich dich so verstanden.

Wenn ich mir vorstelle, ein Stoma zu haben (und natürlich habe ich von Zeit zu Zeit diese Gedanken, wer weiß schon was die Zukunft bringt), dann glaube ihc sehr wohl, dass es noch schwieriger wäre, einen Partner zu finden. Ich bin im Moment weit davon entfernt, mich wirklich auf jemanden einzulassen und denke manchmal, am einfachsten wäre ein Partner mit derselben Krankheit. Ich müsste mich nicht erklären, entschuldigen, verstellen oder Angst haben, dass ich nicht akzeptiert werde. Hätte ich ein Stoma, dann hätte ich wohl am liebsten auch einen Partner mit Stoma. Am einfachsten haben es wohl die unter uns, die ihren Partner schon lange hatten, bevor es zur Diagnose kam. Ein neues Kennenlernen ist schwer, da können jetzt noch so viele widersprechen.

Ich glaube aber, wir machen uns selber viel zu viele Gedanken. Es gibt bestimmt viele Menschen, die ein Problem mit einem Stoma beim Partner hätten, oder sogar mit unserer Krankheit. Aber ich bin mir sicher, dass es genauso viele gibt, die eben kein Problem damit haben. Für mich klingt es so, als hättest du so jemanden kennen gelernt. Tu dir selber einen Gefallen und lauf nicht davon, schlimmstenfalls funktioniert es am ende doch nicht aber dann hast du es wenigstens probiert.

Um auf deine ursprüngliche Frage zurück zu kommen, ich kann mir kaum vorstellen, dass hier nur Heteros im Forum rumschwirren. Vielleicht meldet sich ja noch jemand zu Wort. Ansonsten empfehle ich dir, noch in weiteren CED-Foren anzufragen, es muss ja wohl irgendwo noch mehrere schwule Stomaträger geben. Wenn du englisch kannst, geh auch in ein amerikanisches Forum, da ist ja immer alles in einer viel größeren Dimension zu finden. Im Stoma-Forum warst du sicher schon? Dort ist bestimmt die Zahl der schwulen Stomaträger größer als hier, hier habe die meisten ja kein Stoma.

Ich hoffe, du findest bald jemanden! Aber falls nicht, versuch dich doch noch anderen anzuvertrauen. Zumindest mit den "allgemeinen" CED-Problemen kannst du hier im Forum hilfe finden. Ich werde mir noch Gedanken zu dem Thema machen und falls mir noch was einfällt, melde ihc mich nochmal. Dein Beitrag hat mich ziemlich berührt und ich hoffe, du kommst seelisch bald wieder auf die Beine!

LG, Eva
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