Leben vor der Erkrankung

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Leben vor der Erkrankung

Beitragvon ZM2012 » Sa 16. Nov 2013, 15:44

Hey,

leide jetzt seit fünf Jahren an CU. Erinnere mich kaum noch wie es ist normal zu sein, normal zu essen oder einfach in den Tag zu starten. Erinnert sich noch jemand daran wie das war?

LG
ZM :/
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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon samira127 » Sa 16. Nov 2013, 19:37

ich bin nun seit bald neun jahren krank und das leben vor der geschichte ist auch für mich eigentlich weg. weiß kaum noch wie das mal war so unbeschwert das leben zu leben und vielleicht mal mit ner erkältung krank zu sein. auch das man essen gehen konnte oder sich einfach mal zum shoppen gehen verabreden, das geht heute leider kaum noch bzw nur mit Planung.
Hoffnung, ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass es gut ist, egal wie es ausgeht.

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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon Eusebia » So 17. Nov 2013, 12:30

Hallo ZM und samira127,

man darf nicht so sehr nach hinten schauen was mal gewesen, sondern sich auf heute und morgen konzentrieren. Die gute alte Zeit ist vorbei aber das heißt nicht, dass es niemals wieder eine gute Zeit geben wird. Man kann sich auch arrangieren mit seinem jetzigen Leben und das Beste draus machen und dann empfindet man das Leben auch wieder als gut. Das Leben findet heute statt.

Wenn Menschen z.B. in einen Rollstuhl kommen, dann müssen die sich auch wieder neu orientieren und es nützt nichts, an das Leben vor dem Rollstuhl zu denken und dort wieder hin zu wollen. Wir haben jetzt halt mit dieser Erkrankung auch eine Behinderung, damit müssen wir Leben.

Im Gegensatz zum Rollstuhlfahrer kann bei uns aber die Krankheit in eine Remission kommen und wir können dann wieder (fast) normal leben. Ich bin in Remission und habe fast keine Einschränkung und finde deshalb auch mein Leben als gut. :D

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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon TueCron » So 17. Nov 2013, 22:43

Hallo zusammen,
habe wohl seit 25 Jahren MC. Diagnostiziert wurde es aber erst vor 2 Jahren.
Ich kann mich sehr gut an meine "vordignostizierte" Zeit erinnern. Ich habe zwar alles gegessen, mir keine große Gedanken gemacht, aber eben auch alle 3-4 Monate heftigste "Magenschmerzen" und alle 2 Jahre unerträgliche Unterbauchschmerzen, die ich halt ertrug, bis es wieder vorbei war ( meist eine Woche lang bei nahezu Nulldiät was essen und! trinken betraf)
Jetzt habe ich diese Schmerzen kaum noch auch wenn mich die Diagnose "ängstlicher" gemacht hat und ich mir häufig Gedanken mache, was ich essen und trinken darf, die Medis und alles, was dazu gehört.
Ich habe also ein ambivalentes Verhältnis zu der Vergangenheit: Manchmal wünsche ich mir die "unbeschwerte" Zeit zurück, aber dann erinnere ich mich an die dauernden Schmerzen, von denen ich nicht wusste, was siew zu bedeuten haben.
Daher stiime ich Eusebia zu: Man muss nur nach vorne schauen.
In diesem Sinne
LG
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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon Charlestonisback » Mo 18. Nov 2013, 11:17

So vieles ist nach wie vor noch möglich..es ist dem Leben gegenüber daher sehr unfair es als nicht mehr gleich Lebenswert zu beurteilen. Lebt im Heute und freut euch an allem schönen um euch herum, keine Einschränkung im Seh-, Hör- und Geschmacksvermögen einzubüssen. Also nach wie vor Geschmäcker wahr zu nehmen, Naturschauspiele zu beobachten, Vögel singen zu hören, gute Gespräche mit meinen Mitmenschen zu führen und herzlich zu Lachen. Wir lassen uns also einschränken wenn wir das Gefühl haben vieles nicht mehr zu können.
Klar ist es mit etwas mehr Aufwand verbunden aber nach wie vor kann man ein tolles Leben führen wenn man die Einschränkungen akzeptiert und ihnen nicht zu viel Platz gibt im Alltag.
Wünsche allen eine positive Woche, reich an vielen unvergesslichen Momenten. Saugt das Schöne um euch herum bewusst ein!
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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon Seko » Mo 18. Nov 2013, 13:25

ZM2012 hat geschrieben:Hey,

leide jetzt seit fünf Jahren an CU. Erinnere mich kaum noch wie es ist normal zu sein, normal zu essen oder einfach in den Tag zu starten. Erinnert sich noch jemand daran wie das war?

LG
ZM :/



Ich kann mich ehrlich gesagt auch nicht mehr daran erinnern wie es vorher war (CU seit knapp 4 Jahren). Auch wenn es einem gut geht, der Blick in die Toilette und die damit verbundene Angst, es könnte wieder Blut dabei sein, oder einfach das lesen der Speißekarte in einem Restaurant und immer der erste Gedanke "vertrage ich das auch"?

Aber ehrlich gesagt mache ich alles was ich vorher auch gemacht habe und bin kein bisschen eingeschränkt. Mein Verlauf ist aber auch nicht extrem und ich komme gut damit klar. Die Psyche macht natürlich auch einen großen Unterschied und da würde ich mich als extrem stark beschreiben. Ich verzichte eigentlich nur auf Kohlprodukte, auf extrem scharfes essen und achte zusätzlich darauf nicht zu viel Körber zu essen.Auch passe ich ein wenig auf mich nicht zu "überfressen" und regelmäßig sport zu treiben.
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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon Colonia » Do 21. Nov 2013, 14:57

ich habe seit 31 Jahren MC und hatte bis 1999 eigentlich ein gutes Leben trotz der Erkrankung. Mit den damaligen Einschränkungen konnte ich gut umgehen.
Leider wurde bei einer perianalen Fistel OP mein Schliessmuskel verletzt (Schlüsselloch od. Einkärbung) und seitdem bin ich wirklich eingeschränkt. Jetzt blicke ich
immer zuerst auf den Toilettenweg, überlege was ich essen kann usw. und fühle mich jetzt wirklich behindert.

wie Eusebia schon schreibt, es gibt genügend Erkrankungen die schlimmer sind, daran denke ich wenn ich mal wieder in ein Loch zu fallen drohe. Ich denke jeder von uns hätte
gerne das Leben vor der Erkrankung wieder! wir müssen alle nach vorne schauen und das Beste daraus machen (wenn es auch manchmal schwer fällt)

Wahl zwischen Millionengewinn und Gesundheit...ich würde sofort Gesundheit wählen

LG
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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon syg » Mi 22. Jan 2014, 10:18

Hallo,
die Zeiten was war, steht in Geschichts-Büchern! Schreibe Dein eigenes und du kannst lesen wie es war. Macht Spaß und Sinn es steckt sogar ein wenig Therapie darin! Probier es aus ;)
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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon Rirumu » Do 23. Jan 2014, 18:36

Hallole,

ich habe nach meinem Schlaganfall und der Enttäuschung durch meinen damaligen Freund meine Tagebücher weggeworfen. Was damals vor meiner Erkrankung war, interessiert mich auch nicht mehr so wirklich, weil es nur schmerzt, dass ich zumindest noch weiß, dass ich studieren wollte. Anderes wurde durch den Schlaganfall einfach so ausgelöscht. Manches wurde mir von Verwandten wieder erzählt, aber aus eigener Erinnerung könnte ich das nicht bringen. Einerseits bin ich auch froh, dass ich den Schlaganfall hatte: So kann ich nicht mehr meinem damaligen Leben in Gesundheit nachtrauern.

Gruß

Rirumu
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Re: Leben vor der Erkrankung

Beitragvon Eusebia » So 26. Jan 2014, 17:06

Hallo syg,

das mit den Tagebüchern ist so eine Sache. Einerseits kann das sehr wohl helfen, geradezu eine Therapie sein, aber es hat auch seine Schattenseiten.

Wenn man es fertig bringt ganz sachlich und ohne Emotionen seine Tagebücher zu führen, dann hat man so etwas wie sein eigenes Geschichtsbuch.

Allerdings nimmt man seine Tagebücher ja sehr oft um seine Gefühle aufzuschreiben und da kann so ein nachlesen nach langen Jahren auch sehr deprimierend sein.

Denn wir besitzen so etwas wie eine Gehirnwäsche. Nachts wird unsere Erinnerung immer wieder aufgerufen und umgeschrieben und neu abgespeichert, so dass wir uns nicht immer an alles genauso wie es wirklich war erinnern können. Das ist auch gut so, denn dass wir in der Erinnerung Dinge positiver bewerten als sie waren ist eine Überlebensstrategie.

Manchmal meint man ja auch das ist das Ende, jetzt ist alles aus. Aber schon nach einiger Zeit kommt Neues und vielleicht auch besseres auf uns zu und es geht doch weiter.

Wenn man jetzt seine mit sehr vielen Gefühlen beschriebenen Tagebücher immer wieder liest, dann kann das Gehirn nicht, die für uns so wichtige Gehirnwäsche durchführen und wir bleiben in dem Negativen hängen.

Und wenn es sich um Positive Gefühle handelt, dann weinen wir dieser Zeit nach und wollen sie zurück. Aber es gibt niemals eine Zeit zurück. Wir leben auf einer Einbahnstraße, die Richtung ist immer nur nach vorne. Wir können verschiedene Abzweigungen nehmen aber niemals zurück. Wenn sich mal etwas im Leben wiederholt, dann sind trotzdem immer alle Voraussetzungen anders. Warum eigentlich unnötig Quälen?

Wir müssen uns das Leben heute schön machen. Und die Voraussetzung für ein schönes Leben sind nicht immer die Unversehrtheit oder viel Geld, Schönheit, Karriere und was wir uns heute so alles vorstellen, sondern innere Ausgeglichenheit.


LG Eusebia
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