Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon Jirro » Mo 31. Dez 2012, 13:08

Liebe Forumsmitglieder,

ich hätte gern einmal eine Meinung von erfahrenen Colitis-Erkrankten, da ich mir über mich nicht sicher bin.
Ich war vor etwa acht Jahren bereits an Colitis erkrankt, als eine Trennung einer langjährigen Beziehung nicht mehr zu verleugnen war. Damals mit viel Blut und Durchfällen, mit bis zu 15 Toillettenbesuchen am Tag wohl aber noch moderat, und mit wenig Schmerzen, aber anhaltender Schwäche verbunden. Ich wurde dann mit Mesalazin behandelt und war die Symptomatik nach einigen Monaten wieder los, habe das Medikament abgesetzt und eigentlich seit damals nicht mehr an diese Erkrankung gedacht.
Im letzten Jahr eröffnete mir eine Leiterin in meiner damaligen Arbeitsstelle, dass ich entgegen meiner Erwartungen doch keine Vertragsverlängerung bekommen würde, was mich sehr überraschte, bislang glaubte ich, die Arbeit hinreichend gut und engagiert getan zu haben. Es war einen Tag vor meinem Urlaub, ich fragte einmal kurz nach und ging unmittelbar nach Hause, wo ich, statt in den Urlaub zu fahren, mit Schwäche und Durchfällen (auch etwas Blut im Stuhl, das ich aber nicht ernst nahm) für 14 Tage blieb, ohne mich um die Arbeitssituation zu kümmern. Aus heutiger Sicht wäre mit der Stelle durchaus noch etwas zu machen gewesen, ich kümmerte mich aber nicht und wurde von der Leitung als arrogant wahrgenommen. Tatsächlich litt ich an grosser Schwäche und Angst, mich den Auseinandersetzungen zu stellen. Ich ging nach dem Urlaub wieder zu meiner Psychotherapeutin, die mich mit meinen Depressionen behandelt, und die im Nachhinein gut helfen konnte, meine Ängste und Unfähigkeit, auf eigenen Schwäche angemessen zu reagieren, zu verstehen. Dennoch half mir dieses Verstehen kaum, in Gang zu kommen, ich analysierte mich, Schlaflosigkeit und Schwierigkeiten, ohne Angst allein zu sein, nahmen eher noch zu. Ich verlor also die Stelle, wurde kurzzeitig mit Psychopharmaka behandelt, und begann recht bald, mich wieder um Arbeit zu kümmern. Eine Stelle zu finden, gelang nicht, ich wurde nur zu wenigen Bewerbungsgesprächen eingeladen, und machte wahrscheinlich keinen so vollständig leistungsfähigen Eindruck, so dass andere vorgezogen wurden. Es gelang mir aber, langsam zunehmende Honorareinnahmen zu erzielen, so dass es auch nicht unerreichbar erschien, mich selbständig zu finanzieren. Meine Darmsymptomatik hatte in dieser Zeit das Ausmass eines Reizdarmsyndromes, auch hatte ich wirklich Hämorriden, die sich mit Salben allerdings immer wieder besserten.
Vor etwas vier Monaten bewarb ich mich auf eine Stelle in einer etwas entfernten Provinzstadt, die genau für mich passte, wurde eingeladen und enthusiastisch zum Gespräch begrüsst, da auch ich zu passen schien. Ich sollte also eingestellt werden und freute mich zunächst, sagte zu, obwohl die Kombination dieser Stelle mit meiner Honorararbeit eine ziemliche Organisationsaufgabe zu werden versprach. Kurz darauf wurde ich plötzlich wieder ambivalent, sagte ab und wieder zu, organisierte schließlich alles (Zweitwohnung, Termine hier, Fahrpläne) so, dass es mit der Arbeitsaufnahme zum Anfang September klappen sollte. Ich fühlte mich halbwegs bei Kräften, hatte kaum Darmsymptomatik, schlief allerdings tendenziell immer noch etwas zu wenig.
Am ersten Arbeitstag, ich war äußerlich eigentlich gesammelt (ich wirke ohnehin immer sehr kompetent auf die Leute, denen ich so gegenübertrete), wurde ich innerlich so besorgt, dass ich die Stelle wieder absagte, obwohl es zu diesem Zeitpunkt ein grosses Problem für die Verwaltungsleiterin darstellen würde, jemand neues heran zu bekommen und obwohl ich ausser diffusen Sorgen durchaus bei Kräften war. Wieder zu Hause, ging es mir so schlecht damit, dass ich die Sekretärin anrief und doch kommen wollte, und hatte danach das Gefühl, dass ich richtig entschieden hatte. Zwei Stunden vor Abfahrt des Zuges zu meiner "zweiten Chance" wachte ich aus einem Albtraum auf, spürte ein schmerzhaftes Reissen im Unterbauch und bekam anhaltenden, flüssigen Durchfall. Seit diesem Zeitpunkt bin ich wirklich krank, mit Schwäche, Durchfällen und Blut im Stuhl, habe mich um Diagnostik gekümmert, aber noch keinen Gastroenterologentermin bekommen. Zusätzlich plagt mich natürlich, welche Probleme ich geschaffen habe, insbesondere für meine eigentlich neue Arbeitsstelle. Auch meine Freundin fand mein Verhalten so unverantwortlich, dass sie seitdem nicht mehr mit mir sprechen wollte.
Was mich aber vor allem beschäftigt, ist, warum ich im Vorfeld keine Wahrnehmung von dem hatte, was mich beängstigt, ich hatte keine Überlastungsangst, hätte mir die Stelle durchaus vorstellen können und ja auch alles geplant. Aber eigentlich konnte ich nichts ruhig abwägen, sondern fand mich immer auf einer Seite dieser Ambivalenz "gehen oder nicht gehen" wieder, ohne dass eine psychische Repräsentation geglückt wäre. Dabei hätte ich durchaus auch für Ambivalenz Verständnis gefunden, hätte um (noch) mehr Bedenkzeit bitten können o.ä. Stattdessen hatte ich das Gefühl, immer unbedingt entscheiden zu müssen und ließ nichts anderes an mich heran. Nach Ausbruch der Darmsymptomatik, von der ich befürchte, dass es wieder eine Colitis ist, habe ich nun wieder einen Zugang zu meiner Schwäche, mehr als ich es gebrauchen kann.
Meine Frage ist nun, falls es sich um eine Colitis handelt: haltet Ihr es für möglich, dass meine eigene Unfähigkeit, mir zu vergegenwärtigen, was ich kann und will, etwas mit dem Vorfeld der Erkrankung zu tun hat? Es fällt mir so schwer zu beurteilen, auch weil ich einerseits das Gefühl habe, ich wurde krank, weil ich gegenüber dem Arbeitgeber versagt habe und meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden bin. Dennoch denke ich bei der Unzugänglichkeit meiner Gefühle und dem plötzlichen Auftreten von Sorgen auch an so etwas wie basale Trennungsangst, die ich vorher nicht auf dem Plan hatte.

Ich würde es sehr schätzen, wenn Ihr meine Erfahrungen beurteilen könntet.


Herzliche Grüße,


Jirro.
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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon Uwe7 » Mo 31. Dez 2012, 14:11

Jallo Jirro,

willkommen im DCCV-Forum.

Jirro hat geschrieben:ich hätte gern einmal eine Meinung von erfahrenen Colitis-Erkrankten, da ich mir über mich nicht sicher bin.
Ich war vor etwa acht Jahren bereits an Colitis erkrankt, als eine Trennung einer langjährigen Beziehung nicht mehr zu verleugnen war. Damals mit viel Blut und Durchfällen, mit bis zu 15 Toillettenbesuchen am Tag wohl aber noch moderat, und mit wenig Schmerzen, aber anhaltender Schwäche verbunden. Ich wurde dann mit Mesalazin behandelt und war die Symptomatik nach einigen Monaten wieder los, habe das Medikament abgesetzt und eigentlich seit damals nicht mehr an diese Erkrankung gedacht.


Hier liegt eigentlich schon das Problem. Eine Colitis ulcerosa begleitet Dich lebenslang. Die Krankheit verläuft in Schüben. Es ist durchaus nicht unüblich, dass man dazwischen mehrjährige Ruhephasen (Remission) hat. Das heißt nicht, dass die Krankheit geheilt ist, sondern nur, dass es derzeit keine (oder nur wenige) Krankheitssymptome gibt.

Die Behandlung mit Mesalazin war gut und ja auch erfolgreich. Aber danach hätte das Mesalazin nicht abgesetzt werden dürfen. Man kann dann gern die Dosis verringern aber man darf es eben nicht absetzen, denn Mesalazin wird bei einer Colitis ulcerosa dauerhaft gegeben, um den nächsten Schub möglichst lange hinauszuzögern. Zudem dient Mesalazin auch der Darmkrebsprophylaxe, weil man bei einer CU eben ein erhöhtes Darmkrebsrisiko hat.

Jirro hat geschrieben:Seit diesem Zeitpunkt bin ich wirklich krank, mit Schwäche, Durchfällen und Blut im Stuhl, habe mich um Diagnostik gekümmert, aber noch keinen Gastroenterologentermin bekommen.
...

Nach Ausbruch der Darmsymptomatik, von der ich befürchte, dass es wieder eine Colitis ist...


Jetzt ist Deine Remission offenbar vorbei. In dem Zusammenhang die Frage: Was meinst Du damit? Steht die Diagnose nun wasserdicht oder nicht? Dann brauchst Du nichts zu befürchten, sondern nur angemessen zu reagieren.

Du solltest unbedingt einen CED-erfahrenen Gastroenterologen aufsuchen, weil nur dort das für diese Erkrankung nötige Fachwissen vorgehalten wird.

Um die psychischen Aspekte anzusprechen: Nach heutigem Stand der Forschung gibt es keine psychischen Ursachen einer Colitis ulcerosa - wohl aber erhebliche psychische Folgen dieser Erkrankung. Also das "Henne-Ei"-Problem ist zumindest an der Kante gelöst.

LG Uwe
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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon Jirro » Mo 31. Dez 2012, 14:49

Lieber Uwe,

danke für Deine Antwort, der ich zustimme - ich muss mich um einen Facharzt kümmern und dann behandeln lassen. Dennoch frage ich mich auch, ob meine _psychischen_ Symtome zu einer CU mit einer "leichten" Verlaufsform passen könnten. In den Leitlinien steht ja ungefähr "ausserhalb der bis zu 6 Toilettengängen/ d geht es den Patienten gut", was bei mir so nicht der Fall war.


Herzlicher Gruß,


Jirro.
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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon Mondkalb » Mo 31. Dez 2012, 18:26

Hallo Jirro,
auch von mir ein herzliches willkommen. Einiges hat Uwe soweit schon angesprochen, Mesalazin, Psyche als Auslöser etc.

Was das engagiert sein auf Arbeit angeht, da befürchte ich das hier ein Eingestaubtes denken herrscht, was oft nicht mehr Zeitgemäß ist. Ich bekomme oft mit das Leistung oftmals nur dem persönlichen Individuum gut tut, das dies honoriert wird ist aus meiner Erfahrung eher selten.

Wenn die Psychotherapeutin hilft sich Depressionen einzugestehen, eventl. Ursachen aufzeigt, ist es immer noch nicht so das man mit der Situation umgehen kann.

Du schreibst ja selbst das dir das Verstehen kaum geholfen hat, das umsetzen der Erkenntnis ist nicht von heute auf morgen zu realisieren, es braucht Zeit.

Den Eindruck den man manchmal Hinterläst, mir sagte man des öfteren ich schaue böse, mir ging es halt einfach nicht gut, das war alles. Hier wirkt man schon mal auch arrogant womit man überhaupt nichts am Hut hat.

Wenn ich dich richtig verstehe ist, das du Veränderungen der Frage was du WILLST oder KANNST, schon im Vorfeld eines möglichen Schubs, der Cu zuordnen möchtest. Klares nein. Im Verlauf je nach persönlichen empfinden der Schwere kann es zu Veränderungen kommen, man kann sich minderwertiger oder überfordert fühlen mit der Situation/ dem Verlauf.

Da du zum Ausdruck brachtest, du wärst krank geworden weil du gegenüber deinem AG versagt hättest, ist ein Gefühl ohne einen funken Wahrheit in sich.
Dieses Gefühl hättest du auch ohne Krankheit, es steckt eher in deiner Person, genauso wie die Ansprüche die du selbst gegen dich richtest.

Mit meiner Ansicht muss ich nicht richtig liegen, hilft dir aber vielleicht ein wenig deine Gedanken zu sortieren.

Ich wünsche dir Jirro einen guten Start ins neue Jahr und lasse dich nicht unterkriegen!

LG Mondkalb
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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon Jirro » Mo 31. Dez 2012, 19:44

Liebe Mondkalb,

danke für die erklärenden und ermutigenden Worte. Ich hätte schon lieber gern einen Impuls, zu dem ich stehen kann, als einen "Schub", den ich nicht auf dem Plan habe. Vielleicht gibt es eine Arroganz den eigenen schwächeren Selbstanteilen gegenüber?

Aber zunächst einmal einen guten Rutsch ins neue Jahr,

Herzlicher Gruß,


Jirro.
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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon Uwe7 » Di 1. Jan 2013, 11:00

Guten Morgen Jirro,

ein schönes neues Jahr für Dich.

Jirro hat geschrieben:Ich hätte schon lieber gern einen Impuls, zu dem ich stehen kann, als einen "Schub", den ich nicht auf dem Plan habe.


Das kann ich verstehen. Wem geht das nicht so? Einen Schub hat niemand gern. Aber man muss angemessen damit umgehen, wenn man im Schub steckt - und man muss angemessen damit umgehen, wenn man eine CED (insbesondere eine CU) hat und beschwerdefrei ist.

Auch eine Remission will gemanagt werden, damit man möglichst lange was davon hat. Ich schrieb dazu im ersten Beitrag dieses Thread.

LG Uwe
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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon Mondkalb » Di 1. Jan 2013, 12:25

Hallo Jirro,

hoffe du bist gut ins neue Jahr gestartet. Einen Impuls den musst du dir selbst geben. Arroganz ist eine Form von Hochmut, das Gegenteil ist Demut, diese solltest du deinen Schwächen zollen.
Die Schwächen müssen erst erkannt, dann angenommen werden, danach kann man sie, bei bedarf, versuchen zu stärken.

LG Mondkalb
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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon minimonster » Di 1. Jan 2013, 15:58

Hallo Jirro,

für mein Empfinden bewertest Du zu viel auf der psychologischen Schiene!

Psychologisch betrachtet, gibt es keine gesunden Menschen. :mrgreen:

Erklären und herleiten kann man im menschlichen Verhalten fast alles. Das bedeutet aber nicht, dass man alles dulden muss, auch nicht an sich selbst. Manchmal hilft es, sich mal zusammen zu reißen und etwas zu tun, was man nicht unbedingt möchte. Einfach loslegen, ohne endloses Abwägen.

Du beschreibst, dass Du die neue Dienststelle mehrfach (!) zu- und abgesagt hast. Das ist ein gewisser Luxus, den Du Dir da selbst gewährt hast. Bist Du davon ausgegangen, nach Deiner ersten Absage sofort diese Stelle doch antreten zu können? Würde mir als AG ein künftiger MA kurzfristig vor Dienstantritt absagen, um dann bald darauf wieder zusagen, würde ich ihn nicht mehr einstellen. Falls ich die Stelle so schnell nicht wieder besetzen könnte, dürfte jener MA schon den Dienst antreten, allerdings nur solange, bis ich Ersatz gefunden habe. Dabei würde ich ihm das wohl kaum vorher erklären, er hat sich ja als unzuverlässig bewiesen und mir auch kurzfr. abgesagt.

Eigenverantwortung übernehmen, lautet für Dich die Parole. Dies bedeutet eine fachärztliche Betreuung und bei Bedarf medikamentöse Therapie der CU.

Es bringt wenig, nach dem Impuls zu suchen, der Dich nicht weiter bringt.

LG

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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon Jirro » Mi 2. Jan 2013, 13:07

Hallo minimonster (diese Anreden fallen mir schwer, wo die Pseudonyme das Geschlecht nicht erkennen lassen),


ich kann nur zustimmen:

>>Erklären und herleiten kann man im menschlichen Verhalten fast alles. Das bedeutet aber nicht, dass man alles dulden muss, auch nicht an sich selbst. Manchmal hilft es, sich mal zusammen zu reißen und etwas zu tun, was man nicht unbedingt möchte. Einfach loslegen, ohne endloses Abwägen.<<

Obwohl ich, glaube ich, genau das versucht habe, ist es mir nicht geglückt - ich hatte das Gefühl, ich könnte den (für mich sehr guten und fachlich passenden) Job machen, und meine Schwäche nicht auf dem Plan. Letztendlich habe ich versagt, die Arbeitgeber brüskiert und weiss nun nicht einmal, ob ich realistisch war, was meine Leistungsfähigkeit betrifft. Jetzt habe ich Schuldgefühle und wohl tatsächlich einen Colititisschub, und das Gefühl, versagt zu haben, denn ich hätte diese Möglichkeit vorher auf dem Plan haben müssen, und Anzeichen (gelegentliche Durchfälle, etwas Blut, Schwäche) für mich deuten müssen.


Mit herzlichen Grüßen,


Jirro.
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Re: Colitis und Psyche, Zugang zu Gefühlen

Beitragvon tarnhand » Di 19. Feb 2013, 12:06

Hallo Jirro,

ich habe mich in Deinem Text sehr stark wieder gefunden.
Und kann mir sehr gut vorstellen, dass diese psychische Komponente die Krankheit sehr stark mitbeeinflussen kann, ja evtl. auch bei manchen Personen(!) einer der Hauptfaktoren darstellen könnte.

Ängste, Unsicherheiten... Selbstwert-Irritationen...
Ich denke, sie können bei bestimmter Ausprägung zu einem unterschwelligen Dauer-Stress-Zustand führen, der nie richtig abschaltet und so dauerhaft den Verdauungstrakt belasten - und bei belastenden Situationen dann erst recht... bamm...

Ich brachte, tlw. bringe ich sehr gute Leistungen, aber ich zweifle immer daran, dass meine Leistungen nicht gut sind. Und umgekehrt gibt es Momente, wo ich umgekehrt mich dann auch mal völlig überschätze. :roll:

Die beiden Extreme. Womöglich jeweils zu subjektiv in ein Extrem getrieben.


Kannnst Du von Dir zurückblickend auch sagen, ein (sozial!) extrem ängstlicher/unsicherer Mensch gewesen zu sein oder immer noch zu sein?

Und wenn mal aufkommt "ich schaffe es nicht (gut genug)", kommt der Drang, der Sache davon zu laufen.

Hmmm, mein Text ist nicht vollständig rund, ich konnte Dir aber, so hoffe ich, etwas verständliches Feedback geben.

Viele Grüße

tarnhand
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