Morbus Crohn, damals bis heute

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.
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TheNeocore
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Morbus Crohn, damals bis heute

Beitrag von TheNeocore »

Hallo liebe Community,

ich bin einfach einmal so frei meine Morbus Crohn Geschichte in diesem Forum zu posten und hoffe eventuell jemandem damit ein wenig unter die Arme zu greifen. Als ich knapp 16 Jahre alt war fing der ganze Albtraum an, nachdem ich mich von einer Fisteloperation vollständig erholt habe kamen mir plötzlich nach und nach Fieberschübe am Abend die mich nahezu lahm legten. Wann immer ich von der Schule heim kam war ich vollkommen erschöpft und hatte Temperaturen um die 37,5°C und zusätzlich fingen irgendwann Darmblutungen während des Stuhlganges an. Nach einiger Zeit, ohne einen Arzt aufzusuchen, begannen nach jedem Stuhlgang heftige Schmerzen durch die ich nicht mehr schlafen konnte, ich saß die ganze Nacht lang wach auf einem Stuhl um den Schmerz am Po zu unterdrücken und musste mich dadurch sogar häufig in der Schule krank melden. Die Angst vor diesen Schmerzen war so groß das ich aufhörte zu essen, um nicht mehr auf die Toilette zu müssen und kurze Zeit später wagte ich den Schritt mich in ein Krankenhaus einweisen zu lassen. Dort hatte man schnell einen Verdacht und konnte nach kurzer Zeit einen starken Morbus Crohn Schub diagnostizieren. 4 Wochen lang habe ich nichts anderes getan als den ganzen Tag lang zu schlafen und mindestens 3h am Tag am Tropf zu liegen, ich hatte zu diesem Zeitpunkt starkes Untergewicht. Durch die entzündete Darmschleimhaut ist ein Trakt innen direkt hinter meinem After vollständig aufgerissen, was der Grund für meine Schmerzen nach dem Stuhlgang war, auch diese konnten im Krankenhaus immer besser behandelt werden. Nach diesen 4 Wochen dann kam ich sichtlich erschöpft nach Hause und blieb dort auch noch 2 Monate krank geschrieben um langsam an Kräften zu sammeln. Als nun der Schulalltag begann habe ich schnell meine Grenzen gemerkt, diese lagen überwiegend in der schnellen Erschöpfung meines Körpers und meines Zustandes, 8h in der Schule waren eine lange Zeit eine Tortur für mich und ich habe um ehrlich zu sein dadurch häufig die Schule geschwänzt weil ich einfach nicht mehr konnte, auch dem Schulsport durfte ich permanent fern bleiben.

Irgendwann jedoch hatte ich mich wieder im Griff und kannte meine Grenzen, jedoch habe ich leider zu viel zugenommen. Nichts desto trotz beendete ich die Schule in diesem Jahr und begann mein Leben mit einer allgemeinen Hochschulreife. Glücklicherweise konnte ich wirklich sofort eine Ausbildung finden und lebe nun, 200km entfernt von Zuhause in der wunderschönen Stadt Greifswald und arbeite als IT-Systemkaufmann. Dadurch das ich bei Stress sehr schnell reagiere und Magenbeschwerden bekomme hatte ich anfangs leichte Probleme, doch ich muss sagen mir ist etwas aufgefallen was ich nicht für möglich hielt.

Dadurch das ich seit dem Morbus Crohn wirklich nie Sport getrieben habe konnte ich auch nicht viel leisten. Doch ich muss sagen, ich habe mich Hals über Kopf in eine Fremde verknallt. Tja, ich hätte selbst nicht an Liebe auf den ersten Blick geglaubt, doch es traf bei mir wirklich zu. Seitdem ich diese Frau sah habe ich Mut und ich fing vor 2 Wochen damit an massiv Sport zu treiben und es geht aktuell wirklich sehr schnell voran. Ich ernähre mich besser, ich mache Kraft- und Ausdauertraining und ich konzentriere mich darauf meinen Körper aufzubauen. Erstaunlich wozu man fähig ist wenn sich plötzlich alles ändert. Was ich nur leider nicht sagen kann ist, wie wird es sein wenn ich sie das erste mal anspreche. Ich sehe sie jeden Tag und bin glücklich darüber und so motiviert das ich trotz meiner verminderten Leistungsfähigkeit so viel schaffe und aktuell am durchhalten bin. Mein Resultat : Die Psyche ist stärker als der Morbus Crohn.

Ganz nebenbei, ich bin aktuell 19 Jahre alt.

Ich hoffe ich konnte einigen von euch etwas Mut machen und vielleicht drückt einer von euch mir die Daumen das ich weiterhin durchhalte und eventuell dafür belohnt werde. Egal wie schlimm euch der Crohn erwischt hat, sucht euch etwas was euch motiviert und legt los!

Ich bin für weitere Fragen, Kritiken oder Erfahrungen aufgeschlossen, also schreibt gern ein paar Zeilen.

Liebe Grüße, Lukas
(Entschuldigt meine schlechte Grammatik, ich hatte es gerade ein wenig eilig)

TheNeocore
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Re: Morbus Crohn, damals bis heute

Beitrag von TheNeocore »

Nachtrag vom 18.07.2013

Ich weiß nicht ob es am Crohn liegt, doch die plötzliche Ernährungsumstellung bereitet mir momentan Probleme. Ich bin von Cola auf Wasser umgestiegen und lasse Pizzen etc. komplett weg und habe meine Kalorienzufuhr auf etwa 1000 pro Tag gedrosselt. Jedenfalls habe ich vor allem am Morgen leichte Bauch- und Kopfschmerzen und fühle mich nicht sonderlich ausgeruht, später am Tag legt sich das Ganze dann jedoch.

Jonesi04
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Re: Morbus Crohn, damals bis heute

Beitrag von Jonesi04 »

Hi Neo,

schöne Zusammenfassung. Wenn der Darm krankheitsbedingt nicht mehr das macht, was er eigentlich soll, geht natürlich einiges an Gewicht flöten. Das sich der Körper nach der Genesung doppelt und dreifach zurück holt. Das kennen wohl die meisten.

Sport und Bewegung ist nie verkehrt, da fängt eigentlich jeder klein an. Hier und da mal auf etwas zu verzichten geht auch okay, man muss nicht gleich wer weiß wie extrem die Ernährung umstellen. Deshalb auch die Kopfschmerzen, weil dem Körper irgendwie was fehlt. Ob das später besser wird, weil der Körper sich dran gewöhnt oder nicht, kann ich nicht sagen. Wenn man sich körperlich betätgt, verbessert man nicht nur nachhaltig seinen Stoffwechsel, sondern mit Abnahme der Pölsterchen und Zunahme der Muskelmasse erhöht sich auch der tägliche Kalorienbedarf. Stell dir das wie bei einem Auto vor, in den man einen besseren Motor einbaut. Die Karre zieht nicht nur besser, sondern auch der Benzinverbrauch schnellt nach oben.

Das erste Mal jemanden anzusprechen, ist immer hart. Weiß noch wie das bei mir so war. Ich war aufgeregt wie sonstwas und das Herz schlug, als wollte es mir aus der Brust springen. War zwar nicht von Erfolg gekrönt, da die Gute schon seit einer ganzen Weile vergeben war. Allein aber über den Schatten gesprungen zu sein, war ein irres Gefühl, das dem Selbstbewusstsein einen enormen Kick gab.

Das nur in aller Kürze, muss jetzt auch gleich los.

Gruß,

Bernie

TheNeocore
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Re: Morbus Crohn, damals bis heute

Beitrag von TheNeocore »

Hallo Bernie,

vielen Dank für dein Feedback. Es ist schön mal in einem Forum gelandet zu sein auf dem sich ein ordentliches Niveau hält. Mein Problem ist einfach das ich nach dem Crohn Schub viel gegessen habe, doch leider ab einem gewissen Punkt vergessen habe damit aufzuhören. Ich bin knapp über dem Normalgewicht, aber habe leider ein kleines Bäuchlein das unbedingt weg soll, daher verringere ich die Kalorienzufuhr etwas. Auch will ich wie gesagt an Muskeln aufbauen, aktuell läuft es auch ganz gut damit, ich schaue mal weiter.

Ein weiteres Problem ist, ich weiß zwar schon wie sie heißt, aber ich schätze sie wohl auf 24 Jahre und ich weiß nun wirklich nicht ob Frauen in diesem Alter Interesse an einem 19 jährigen haben. Ich hoffe doch. :D

Liebe Grüße
Lukas

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Stine
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Re: Morbus Crohn, damals bis heute

Beitrag von Stine »

Hallo Lukas,

ich finde es toll, dass Du Dich selber so motivierst, Sport zu treiben und ich drück natürlich die Daumen, dass Du es durchhältst und dass es von Erfolg gekrönt sein wird ;) Auch wenn es vielleicht dann nicht der erhoffte Erfolg bei der Angebeteten sein sollte, dann hast Du es für Dich selbst getan! Es ist nachgewiesen, dass zumindest moderates regelmäßiges Training einen positiven Effekt auf die Erkrankung hat, es gab dazu schon eine Studie und auch schon viele Berichte im Forum.
Abgesehen davon verbessert es Stimmung, Haltung, Selbstbewusstsein, Ausstrahlung usw. usw.
Also weitermachen! :)

LG, Stine
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Jonesi04
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Re: Morbus Crohn, damals bis heute

Beitrag von Jonesi04 »

Hi Lukas,

das mit dem Alter sehe ich gar nicht mal so eng. Kommt auch darauf an, ob man vom Typ her zusammen passt und gut miteinander kann. Ich kenne auch Beispiele, die weit auseinander gehen. Auch aus eigener Erfahrung. Ich bin jetzt Mitte 30, wirke aber nicht wie der typische Mittdreißiger. Da gerate ich in der Disco auch schon mal an eine, die gerade mal 18 bis 20 ist. Ich hatte vor ein paar Jahren auch mal was mit einer, die ein paar Jährchen älter war. Viel mehr als antesten, ob es denn passt oder nicht, kann man es schließlich auch nicht.

Gruß,

Bernie

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Eusebia
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Re: Morbus Crohn, damals bis heute

Beitrag von Eusebia »

Hallo Lukas,

ich finde es toll, dass du deinen Weg gefunden hast und hoffe für dich, dass du diesen Weg weiter gehen kannst, auch wenn es vielleicht eine Enttäuschung gibt (Was ich dir natürlich nicht wünsche). Ich drück dir die Daumen, das es klappt.

Positiv durchs Leben gehen ist für unsere Krankheit auf jeden Fall besser wie die Einigelei, wenn man sich nur noch in seinem Elend suhlt.

Ziele haben motiviert und das was du für dich hier tuts ist gut. Weiter so.

Man kann seine Krankheit ein wenig beeinflussen, durch Nicht-Rauchen, durch positives Denken, durch gesunde Ernährung, durch Bewegung/Sport, durch glückliche Beziehung, gute Freunschaften, weniger Stress usw..

Wenn man sich gut in seinem Körper fühlt, dann ist auch unsere Krankheit besser zu ertragen.

VG Eusebia
Wer sich nicht selbst helfen will, dem kann niemand helfen.
Hans A. Pestalozzi

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