Psychotherapie ?

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.
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Aysu29
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Psychotherapie ?

Beitrag von Aysu29 »

Hallo,
Ich wurde letztes Jahr mit colitis ulcerosa diagnostiziert und bin 20 Jahre alt.
Mein Leben lang hatte ich schon Probleme mit dem Stuhl und dass immer in unpassenden Situationen. Ich war nun wieder beim Arzt, da ich ein erneuten Schub habe. Diesmal habe ich auch meine Psyche angesprochen und halt meine Erfahrungen geschildert. Bei mir ist es der Fall, dass ich total viele Ängste habe besonders soziale Ängste. Ich reagiere auf diesen psychischen Stress mit Blähungen, Bauchschmerzen, Toiletten Gängen etc.Sie hat mir vorgeschlagen zu einem Psychiater zu gehen. Was sagt ihr habt ihr Erfahrungen mit einer Therapie und glaubt ihr es wird auch bei meinem CU helfen. Ich bin mir nicht sicher ob ich es durch ziehe. :cry:

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Mondkalb
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Diagnose: CU

Re: Psychotherapie ?

Beitrag von Mondkalb »

Hallo Aysu,

meine Erfahrungen sind dahingehend, dass ich durch meinen Krankheitsverlauf froh war jemanden zum Reden und zum Zuhören zu haben. In meinem Umfeld fühlte ich mich unverstanden. Wer sollte die Situation nachempfinden können?
Nach den Sitzungen hatte ich gemischte Gefühle, wie prima, das war heute richtig gut und an einem anderen Tag das Empfinden, was mache ich dort eigentlich, die Erwartungen also nicht zu hoch schrauben und dem Ganzen Zeit geben.

Das wichtigste ist das die Chemie zwischen dem Hilfesuchenden und dem Therapeuten besteht, man muss sich darauf einlassen können und die Hilfestellungen, die man bekommt, für sich einordnen und den Willen haben, Veränderungen einzugehen, selbst angelerntes (?) Fehlverhalten bzw. verkrustete Strukturen aufzugeben, was nicht so einfach für mich war.
Durch meinen Krankheitsverlauf haben sich Ängste vor Menschenmengen gebildet, mir ging alles nur noch auf die Nerven, stets habe ich nur noch als erstes Ausschau nach Toiletten gehalten, der Spaß am Leben teilzunehmen verkümmerte, man isoliert sich.

Alles, was ich während der Psychosomatik mit an die Hand bekam, musste ich bei Wunsch etwas zu bewegen, allein in meinem Alltag verändern. Die Hilfestellung bekommt man während der Sitzung, sie wird herausgearbeitet, umsetzen musst du dann selbst. Dein eingeschlagener Weg kann dein nahes Umfeld dann irritieren, wirkst unter Umständen etwas fremd! ;)
Ängste abzubauen bedeutet auch in Situationen sich freiwillig zu begeben, vor denen man am liebsten ausweichen möchte.
Ich mag unwahrscheinlich gerne auf Konzerte gehen und gleichzeitig mag ich keine Menschenmengen, passt irgendwie nicht zusammen oder?

Ob die Therapie Einfluss auf meine CED hatte ist nicht messbar für mich gewesen, ob sie Einfluss hatte auf meinen Umgang mit der CED, hier gebe ich dir ein klares ja auf diese Frage, auch wenn es lange gedauert hat.
Bei mir war die CED schon viele Jahre aktiv, bevor mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde durch die Krankheit und meine Psyche einen Knacks bekam. Ob ich den Weg zurück ohne damalige therapeutische Hilfe gefunden hätte kann ich aber auch nicht ehrlich beantworten, geschadet hat es aber sicherlich nicht von daher würde ich sagen, las dich einfach darauf ein und Versuche, ob es dir in deiner persönlichen Situation hilft.

LG
Mondkalb
“Wenn man nicht weiß, wo man hin will, kommt man meistens woanders raus!”

Leinelchi
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Re: Psychotherapie ?

Beitrag von Leinelchi »

Hallo,

ich habe seit 2009 Diagnose Morbus Crohn. Nach OP und Anschlussreha bin ich seit 2 Jahren in Verhaltenstherapie. Es hat lange gedauert, aber inzwischen geht es mir bezüglich der Bewäligung meiner Erkrankung richtig gut. Klar sind die Beschwerden (chronisch aktiver Verlauf, steroid abhängig) nach wie vor da, aber ich habe einen anderen Umgang damit gelernt. Die ständigen Hoch- und Tiefs bewältige einfach besser. Nach wie vor muss ich aber aufpassen, dass ich nicht wieder in die alten Muster komme. Die Baustellen in meinem Leben wie Bruch mit den Eltern, Angstattacken, Wellen von Panik hab ich nun gut im Griff. Auch habe ich viel über die Ursachen warum ich manchmal so handle erfahren, was mir nun hilft akute Situationen besser zu meistern.

Leider läuft demnächst die Therapie aus, da die Stunden die von der Krankenkasse bezahlt werden bald ausgeschöpft sind. Für eine Langzeittherapie bzw. noch längere Therapie bin ich "zu gesund".

Ich kann nur Jedem der offen ist und den Willen hat, an sich zu arbeiten, was nicht immer angenehm und nie leicht ist, raten sich psychologisch unterstützen zu lassen. Meine Hausärztin und mein Gastro haben mich auch voll unterstützt diesen Weg zu gehen.

Alles Gute
Leichelchi

nox
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Registriert: Do 11. Mär 2021, 14:49

Re: Psychotherapie ?

Beitrag von nox »

Hallo Aysu,

ich habe auch erst vor kurzem meine Diagnose bekommen (bei mir Morbus Crohn).
Bezüglich der Psychotherapie kann ich noch nicht auf konkrete Erfahrungen referenzieren, aber ich hab mittlerweile seit Mitte September einen akuten Schub und habe dadurch auch ganz schöne Ups- und Downs, Zukunftsängste, soziale Ängste... und bin daher auch gerade am überlegen, ob ich es nicht mit Psychotherapie versuchen sollte. Einerseits, um jemanden zum reden über all die belastenden Gedanken und Gefühle zu haben und andererseits, um hier vielleicht auch zu lernen, wie ich mit Stress und Ängsten so umgehen kann, dass nicht bei jedem erneuten Aufkommen von Stress ein neuer Schub angerückt kommt. Ich bin mir aktuell auch etwas unsicher, wie viel Sinn das tatsächlich macht, aber ich denke, dass es nicht Schaden kann es zu versuchen, schließlich kann man nicht wirklich etwas verlieren, sondern viel eher etwas gewinnen, wenn man es ausprobiert und es klappt, oder?


LG
nox

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sembi
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Registriert: Mi 10. Mär 2021, 10:36
Diagnose: CU seit 2019

Re: Psychotherapie ?

Beitrag von sembi »

Hi nox,

ich kann Dich zu diesem Schritt nur ermutigen.

Ich bin aufgrund langjähriger Depressionen bereits seit Jahren immer wieder in Threapie. Anfangs war ich bei einem Verhaltenstherapeuten (macht bei Depressionen meistens Sinn). Nach Umzug hab ich mir dann allerdings eine neue Therapeutin gesucht, die Tiefenpsychologisch fundierte Analyse macht (nachdem mir das von einem Verhaltenstherapeuten empfohlen wurde) - anfangs auch wegen Depressionen (neuer Job, neues Umfeld => neue Versagensängste ...) - habe jetzt in Absprache mit meiner Therapeutin die Verlängerung der Therapie beantragt, nachdem meine Colitis über den Jahreswechsel eskaliert ist, damit ich das nicht alleine bewältigen muß. Hab quasi meine laufende Therapie umgemünzt auf Bewältigung meiner chronischen Krankheit.

Ich bin sehr froh darüber, daß ich diese Stütze habe - nicht nur, um mit jemandem reden zu können sondern insbesondere auch um Strategien auszuarbeiten, wie ich verschiedene Probleme besser bewältigen kann und - ganz wichtig :!: wie ich mit meiner Krankheit gegenüber meiner Umwelt - sowohl auf der Arbeit als auch bei mir zuhause, insbesondere gegenüber meinem Ehepartner - umgehen kann.

Bitte bereite Dich darauf vor, daß es schwer wird, einen Therapeuten zu finden, der Zeit hat. Wenn Du auf eine Warteliste kommst - Prima! Dann ist der erste Schritt schon geschafft. Häufig werden Dich die Therapeuten dann zu einem Vorgespräch einladen und je nachdem wie flexibel Du bist, kannst Du vielleicht auch schon vor Ablauf der Wartezeit mit regelmäßigen Sitzungen beginnen. Laß Dich nicht entmutigen, wenn Du Therapeuten nicht erreichst, keine Antwort erhältst oder rundheraus aufgrund Mangel an Kapazitäten abgelehnt wirst. Ich habe beim letzten Mal ein halbes Jahr und drei Vorstellungssitzungen gebraucht, bis ich "meine" Therapeutin gefunden habe. Wieviele Therapeuten ich versucht habe zu kontaktieren, weiß ich nicht mehr, aber es waren mehr als zehn.

LG sembi

Eva_Cu
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Beiträge: 6
Registriert: So 18. Apr 2021, 13:41

Re: Psychotherapie ?

Beitrag von Eva_Cu »

Hallo zusammen,

also ich habe CU seit ich 19 bin, also mittlerweile seit 11 Jahren. Ich hab im September 2020 mit einer Verhaltenstherapie begonnen und ich muss sagen ich bin mehr als dankbar dafür.
Ich hatte nen Dauerschub von 2 Jahren, CMV-Colitis, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Verletzung bei der Darmspiegelung, Intensiv, 4 Immunsuppressiva nicht angeschlagen, C. Diff Infektion und was weiß ich nicht noch alles 🙈

Ich hab viel probiert mit Ernährung, Heilpraktiker, usw. also gefühlt alles was es gab. Aber ich hatte immer ne kleine „Hemmung“ mir eine Psychotherapie zu suchen. Aber nach den schlimmsten 2 Jahren meines Lebens hab ich wirklich gemerkt, dass ich jemanden brauche und dass ich langfristig nur gesund bleiben kann, wenn ich es auch Psychothetapeutisch begleite. Ich würde jedem Patienten empfehlen eine Psychotherapie (Verhaltenstherapie) anzufangen.
Man kann 50 Minuten nur von sich reden und muss niemanden fragen wie es dem anderen geht und allein das tut schon mega gut.
Ich hab z. B. ein ziemliches Problem mit Stress umzugehen und wir erarbeiten da einfach Möglichkeiten wie ich in manchen Situationen Stress erst gar nicht aufkommen lasse oder wie ich damit umgehe. Und in Bezug auf unsere Krankheit ist Stress nunmal ein immens wichtiger Faktor. Hätte ich damals, als ich 19 war, schon erkannt was da alles noch auf mich warten kann, also Krankheitstechnisch und hätte ich gewusst, dass ich meinen Allgemeinzustand durch ne Psychotherapie so verbessern kann, dass ich meine remissionsphasen verlängere, dann hätte ich es definitiv gemacht.
Aber hätte, hätte Fahrradkette, es hat 10 Jahre CU und davon die zwei schlimmsten Jahre meines Lebens gebraucht, um das zu erkennen.

Ich kann dir wirklich nur raten, probier es. Du hast nichts zu verlieren. Je früher du dich mit dir und deinen Stressoren auseinandersetzt, desto mehr profitierst du davon. Wichtig ist nur dass du echt nen Therapeuten findest, wo du offen reden kannst und der Vll auch ein kleines Grundverständnis der Krankheit hat oder sich von dir die Krankheit erklären lässt.

LG Eva

Niklas96
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Registriert: Mo 18. Mai 2020, 09:34

Re: Psychotherapie ?

Beitrag von Niklas96 »

Hey,

Tut sehr gut das hier alles zu lesen. Ich möchte auch gerne eine Psychotherapie machen. Habt ihr Tipps wie man noch an Therapeuten finden kann. Die Suche über google ist sehr mühselig und frustrierend. Wie habt ihr das gemacht ?

Liebe Grüße
Niklas

Alva
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Beiträge: 13
Registriert: Di 24. Nov 2020, 11:00

Re: Psychotherapie ?

Beitrag von Alva »

Hallo Niklas,

sprich mal mit deiner Krankenkasse. Die kann dir normalerweise eine Liste mit Therapeuten zukommen lassen, die in deiner Nähe sind. Etwas Geduld solltest du bei der Suche mitbringen, aber lohnen tut es sich ganz bestimmt.

LG
Alva

Eva_Cu
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Beiträge: 6
Registriert: So 18. Apr 2021, 13:41

Re: Psychotherapie ?

Beitrag von Eva_Cu »

Hallo Niklas,

ich selbst hab bei meiner Krankenkasse angerufen. Da gibt es für ganz Deutschland eine zentrale Nummer, die dir innerhalb von 5 Wochen ein Erstgespräch in deiner Umgebung verschaffen:
https://www.kvb.de/service/patienten/te ... otherapie/
https://www.kvb.de/service/patienten/ko ... otherapie/

Dann hab ich auch mal bei der DCCV angerufen bei der Sprechstunde. Die Frau hat mir u. a. folgende Homepages empfohlen:
https://www.psychotherapiesuche.de/
https://www.deutschepsychotherapeutenve ... utensuche/

Oder wo ich selbst oft schaue, wenns um Ärtze geht auf jameda.de

Man hat soweit ich das weiß, bei 5 Therapeuten je 5 Probesitzungen "frei" bevor man eine Therapie beginnt. Das soll u. a. dazu dienen, dass das Verhätnis zwischen Patient und Therapeut passt, da dieses Verhältnis natürlich essentiell für den Therapieerfolg ist. Da gibts dann ne Kurzzeittherapie mit 2x12 h oder ne Langzeittherapie. Ich hab mit ner Kurzzeittherapie begonnen (u. a. weil das auch auf 2 Wochen von der Krankenkasse genehmgit wird), will aber mit ner Langzeittherpaie weitermachen, weil ich einfach merke wie gut es mir tut.

Ich wünsch dir auf alle Fälle viel Erfolg bei der Suche und finde es super, wenn man diesen Schritt wagt, denn es kann einem nur besser gehen dadurch!

LG Eva

Leinelchi
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Beiträge: 42
Registriert: Mi 2. Sep 2020, 11:28

Re: Psychotherapie ?

Beitrag von Leinelchi »

Hallo,

auch mir hat die Psychotherapie enorm geholfen. Seither komme ich mit dem ständigem Auf und Ab einfach besser zurecht. Zudem konnte ich in der Verhaltentherapie einige alte Baustellen für mich klären.

Ich kann es nur Jedem empfehlen, es macht die Erkrankung und damit das Leben leichter.

Alles Gute
Leinelchi

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