Colitis ulcerosa (bzw. CED allg.) und Hochbegabung

Psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit CED.

Colitis ulcerosa (bzw. CED allg.) und Hochbegabung

Beitragvon singingnemo123 » Di 5. Jul 2016, 15:34

Hallo ihr Lieben,

ich wage den Sprung ins kalte Wasser!

Es heißt immer, man solle sich bemühen, weniger Stress zu haben, wenn man eine chronisch entzündliche Krankheit (in meinem Fall die liebe Colitis) hat. Also frage ich mich seit Jahr und Tag: was kann ich tun um meinen Stress zu reduzieren? Weniger Arbeiten, mehr schlafen, gaaaanz viel Yoga/Meditation/Sport und so weiter und so fort, die Themen kennt man ja so weit alle schon.
Für mich war aber auch immer die Frage, inwieweit meine früher angebliche, inzwischen getestete Hochbegabung, meine Verdrängung derselben, mögliche soziale Aspekte... das Thema ist ein weites Feld... ebenfalls Stressfaktoren sein könnten. Dass manches Thema unter diesem Licht andere Schatten wirft, stand für mich nie in Frage. So stellt mich zum Beispiel die Empfehlung, weniger zu arbeiten, vor mein persönliches Problem, dass mein Kopf sich zwangsläufig langweilt, wenn ich ihn nicht irgendwie beschäftige (und interessante Themen in der Freizeit fallen dann schon mal wieder unter Freizeitstress).
Wie also mit dem Thema umgehen?

Ich suche und finde meinen persönlichen Weg dazu. Weil mir Schreiben aber einfach Spaß macht (und ich online obendrein bisher wenig zu diesem Thema gefunden habe), habe ich angefangen, meine Gedanken außerdem festzuhalten: https://colitismitkoepfchen.wordpress.com/
Ich bin mit dem Blog nicht zufrieden und werde es niemals sein (offenbar auch so ein Stressthema, zumindest wenn man Perfektionist ist), aber erst mal ist er gut genug so. Und - vielleicht geht dieses Thema ja auch anderen im Kopf um und ich kann anderen Denkanstöße bieten, mit ihrer Krankheit und ihren persönlichen Stärken und Schwächen leichter umzugehen. Das ist immerhin ein guter Grund, auch unperfektes zu veröffentlichen. :)

Ich würde mich freuen, wenn es ein paar Interessierte gibt und man sich so vielleicht ein wenig austauschen kann.

Ganz liebe Grüße und bleibt gesund!
Jessica
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Re: Colitis ulcerosa (bzw. CED allg.) und Hochbegabung

Beitragvon Olagwin » Di 5. Jul 2016, 16:26

Hallo Jessica,

interessant, das werde ich mir mal durchlesen. Ich habe auch "beides".
Bzgl. Arbeitsstress habe ich für mich ausgetestet mit einer 3-Tage Woche seit einem Jahr. Das ist ansich schön und entspannend, aber inzwischen muss ich festhalten, dass es in Bezug auf die CED gar nichts gebracht hat, insgesamt ist es eher schlechter geworden. Ich habe auch den Eindruck, dass ein normaler Arbeitstag mit schönen Aufgaben für mich sogar entspannender ist, als ein freier Tag. Vermutlich das was du angesprochen hast: der Kopf ist schön fokussiert auf eine Aufgabe und hat wenig Platz zum Grübeln und Angst machen. Ich werde bald wieder auf 4 Tage aufstocken.

Bei mir ist es neben dem Angststress wegen Durchfall und Unsicherheit, wann und warum es wieder schlechter wird, vermutlich in erster Linie sozialer Stress. Konflikte und negative Stimmungen von anderen schlagen mir schnell auf den Bauch. Ob das mit dem IQ zusammenhängt, vermag ich aber nicht zu sagen.
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Re: Colitis ulcerosa (bzw. CED allg.) und Hochbegabung

Beitragvon Annett » Di 5. Jul 2016, 20:31

Hallo Jessica,

ich zähle mich nicht zu den Hochbegabten, habe Deinen Blog aber auch gern gelesen!

Mein Fazit: ich war geflasht! Ich kann Deine Aussagen zu "Freunden" und "Zeit für Dich" voll unterschreiben!
Wobei ich aber für mich festgestellt habe, das mein Bedürfnis nach Ruhe mit der CU gekommen - und seit dem gewachsen ist! (Im Gegensatz zu meiner Begabung! :mrgreen: )

Zum Thema Stress muss ich sagen, das ich Vollzeit (++) und selbstständig arbeite, und ich keine negative Wirkung auf meine CU feststellen kann. Was bei persönlichem Stress schon wieder ganz anders aussieht :?

Ich hoffe, Du bleibst dran!
Liebe Grüße!
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Re: Colitis ulcerosa (bzw. CED allg.) und Hochbegabung

Beitragvon mc69 » Mi 24. Jan 2018, 14:56

Hallo Jessica,

beim Stöbern durch das Forum bin ich erst jetzt auf Deinen Beitrag gestoßen und habe auch in Deinen Blog hineingeschaut. Sehr interessant !

Ich würde mich zwar nicht zu den "Hochbegabten" zählen (habe auch nie einen entsprechenden Test gemacht), habe aber auch schon festgestellt, dass meinem körperliches Defizit bedingt durch den Morbus Crohn eine verstärkte Kopflastigkeit gegenübersteht. Schnelle Auffassungsgabe, ausgeprägtes analytisches Denken und (wie bei Dir) Spaß am Schreiben (laaaaange Texte) gehören definitiv zu meinen Eigenschaften.

Und ja, das bringt zuweilen Probleme mit meiner Umwelt mit sich - insbesondere in der Arbeitswelt ! - Ich bin ein sehr sozial eingestellter Mensch und immer hilfsbereit, teile also auch gerne mein Wissen mit Anderen, versuche dabei auf die jeweilige Person individuell einzugehen (Stichwort: Empathie). Das sind aber gerade in meinem Arbeitsumfeld nicht gerade Werte, die besonders hoch gehalten werden. Als "Moralapostel" oder "Belehrender" wahrgenommen zu werden, der das Arbeiten immer auch wieder in einen größeren Sinnzusammenhang bringen will, ist nicht gerade etwas, womit Du im "Mainstream" gut ankommst. Selbstreflektion ist für die meisten Menschen etwas Unangenehmes !

An Deinem zitierten Artikel aus der Welt Online, nachdem man als hochbegabter Mensch glücklicher lebt, wenn man eher weniger Freunde hat, mag tendenziell etwas dran sein. Das aber dann auch noch mit konkreten Zahlen zu untermauern, ist für mich dann schon wieder zu eng definiert. Ich wüde sagen, das kommt auf die Menschen an, die man zu seinem Freundeskreis zählt. Wenn man Glück hat, findet man eben doch auch mehr von denen, die einem gut tun. Hat bei mir viele Jahre gedauert, aber mittlerweile sind da doch Einige zusammengekommen.

Ich habe auch nur wenige wirklich richtig enge Freundschaften, die sind dafür aber auch sehr intensiv. Mein Verständnis von "Freundschaft" setzt auch voraus, dass man sich eingehend mit dem Freund/der Freundin auseinandersetzt, deren Stärken und Schwächen kennt und zu akzeptiert. Ansonsten sind es eben nur Bekanntschaften.

Was Du über die Zeit, die Du für Dich selbst brauchst, schreibst, kann ich zu 100% nachvollziehen - da möchte man dann einfach für sich sein !

Deine Blogbeiträge sind wirklich super ! - Als Perfektionist ist man natürlich nie ganz zufrieden mit seinem Output. Aber Perfektion gibt es eben auch nicht ! - Dafür sind wir ja Menschen und keine Maschinen. Insofern: Habe weiter Mut, nicht perfekt und fehlerhaft zu sein ! Entropy rules !

Viele Grüße

Marc
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Re: Colitis ulcerosa (bzw. CED allg.) und Hochbegabung

Beitragvon MCHammer » Fr 26. Jan 2018, 13:26

"Wenn man Glück hat, findet man eben doch auch mehr von denen, die einem gut tun."
Hallo Marc,
das ist die Quintessenz aus allem: egal, ob hochintelligent oder "weniger"...
Es geht um Gefühle und um das, was sie in einem (mehr oder weniger) gefühlsbereiten Menschen auslösen (können).
Und das hat wieder (und auch) etwas mit dem Nervensystem zu tun....Und da sind Magen, Darm etc. prädestiniert.
(etwas auf den Magen geschlagen, Laus über die Leber gelaufen, etwas Schei....e finden.....etc.pp.)
Stress bedeutet nicht von vornherein "negativ", immer das, was sich damit verbindet.
Ich wünsche weiterhin Dir und allen anderen viel Glück beim Suchen und Finden der inneren Balance (= Glück s gefühle)
Gruß
Wolfgang
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Re: Colitis ulcerosa (bzw. CED allg.) und Hochbegabung

Beitragvon Mondkalb » Sa 27. Jan 2018, 12:51

Hallo,

ich möchte an dieser Stelle gern einmal auf das Thema Stress von Jessica und den Themen Selbstreflexion und der Sinnhaftigkeit der Arbeit, von Marc, eingehen.

Es kommt mir vor, als wird am Anfang, mit der Geburt, ein Bus betreten, der die einzelnen Haltestellen anfährt. Von der Wiege bis zu Bahre funktioniert man im Nutzen, auch wenn es nur im ökonomischen Sinne ist, für die Gesellschaft, in diesem System.

Der Zusammenhang zwischen Sinn und Arbeit beschäftigte mich auch lange. Rückblickend habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich zufrieden war, trotz das ich mich stark über die Arbeit definierte, viel Arbeit setzte ich immer mit positivem Stress gleich.

Alles, was man anfänglich kennt, ist halt das Vorgelebte und die verfälschte Wahrnehmung, hier auszubrechen sich neue Schwerpunkte im Leben zu setzen ist dann nicht so einfach, jedoch am Ende sehr lohnenswert. Auf meinem neuen Weg ist es ruhiger, die Arbeit hat keinen hohen Stellenwert mehr für mich aber wem das Ganze scheißegal war, in diesem Zeitraum, ist der CU, sie kommt und geht, bleibt unbeeindruckt von dem ganzen.

Ob die Wirkung des Stressabbaus, letztendlich positiv auf die Stärke des einzelnen Schubes Einfluss nimmt, ist für mich selbst nicht meßbar, hingegen die Zeit, die ich für mich gewonnen habe, sehr wohl.

Beste Grüße
Mondkalb
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