Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
Salamander
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Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von Salamander »

Hi ihr Lieben,
Das interessiert gerade wahrscheinlich viele:
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Darmentzündung zu Zeiten der Coronavirus-Pandemie: Empfehlungen aus China
Original Titel:
Implications of COVID-19 for patients with pre-existing digestive diseases

DGP – Was müssen Patienten mit einer chronischen Darmentzündung zu Zeiten der Coronavirus-Pandemie beachten? Diese Frage stellen sich derzeit viele Betroffene – sowohl die Patienten als auch die behandelnden Ärzte. Wissenschaftler aus China geben in der vorliegenden Veröffentlichung Empfehlungen.

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 wird in der Regel durch einen Abstrich der Atemwege nachgewiesen. Doch auch im Stuhl konnte die RNA des Virus bereits nachgewiesen werden. Damit richtet sich der Blick nicht nur auf die Lunge, sondern auch in Richtung Darm und auf Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Da Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa häufig Immunsuppressiva oder Biologika erhalten – also Wirkstoffe, die das Immunsystem herunterregulieren – besteht der Verdacht, dass sie anfälliger für eine Infektion mit SARS-CoV-2 sein könnten.

Große CED-Zentren meldeten keine Corona-Fälle bei Patienten mit chronischer Darmentzündung
Wissenschaftler aus China berichteten, dass von der IBD Elite Union, die die sieben größten IBD-Überweisungszentren in China mit mehr als 20 000 Patienten mit chronischer Darmentzündung umfasst, bisher kein Corona-Fall bei den Patienten mit chronischer Darmentzündung erfasst wurde. Ebenso wurden bis zum Erstellen des Manuskripts (08.03.2020) auch von den drei größten CED-Zentren in Wuhan (Tongji Hospital, Union Hospital und Zhongnan Hospital) keine infizierten Patienten mit einer chronischen Darmentzündung gemeldet.

Empfehlungen der chinesischen CED-Gesellschaft für die Behandlung von chronischen Darmentzündungen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie
Anfang Februar 2020 gab die chinesische CED-Gesellschaft offizielle Richtlinien für die Behandlung von Patienten mit chronischer Darmerkrankung in Zeiten der Coronavirus-Pandemie heraus. Die Richtlinien enthalten u. a. praktische Empfehlungen zur Anwendung von Immunsuppressiva und Biologika und zur Verschiebung planbarer Operationen und Endoskopien. Wichtige Empfehlungen sind im Folgenden aufgeführt:



Potentielle Risikofaktoren für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus:
Patienten mit chronischer Darmentzündung, die Immunsuppressiva bekommen
Patienten im Schub mit Mangelernährung
Ältere Patienten mit chronischer Darmentzündung
Patienten mit chronischer Darmentzündung, die häufig die Klinik aufsuchen müssen
Patienten mit chronischer Darmentzündung, die noch an weiteren Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck erkrankt sind
Schwangere Patienten mit chronischer Darmentzündung


Medikamentöse Behandlung:
Derzeitige Behandlung sollte beibehalten werden, wenn die Erkrankung stabil ist. Bei einem Krankheitsschub sollte der Arzt kontaktiert werden.
Die Behandlung mit Mesalazin sollte fortgeführt werden, da nicht davon ausgegangen wird, dass diese das Infektionsrisiko erhöht.
Kortikosteroide sollten weiterhin verwendet werden, aber es sollte verstärkt auf mögliche Nebenwirkungen geachtet werden.
Eine neue Verschreibung von Immunsuppressiva oder eine Dosiserhöhung der bereits verwendeten Immunsuppressiva wird in epidemischen Gebieten nicht empfohlen.
Biologika wie TNF-Hemmer Infliximab und Adalimumab sollten weiterhin angewandt werden.
Wenn Infliximab-Infusionen nicht zugänglich sind, wird empfohlen, auf Adalimumab-Injektionen zu Hause umzusteigen.
Vedolizumab kann aufgrund seiner Darmspezifität weiterhin angewandt werden.
Die Behandlung mit Ustekinumab kann fortgeführt werden. Mit Ustekinumab neu zu beginnen, wird hingegen nicht empfohlen, da hier der Besuch eines Infusionszentrums nötig ist.
Wenn Biologika nicht zugänglich sind, könnte auf enterale Ernährung zurückgegriffen werden.
Tofacitinib sollte in epidemischen Gebieten nicht neu verschrieben werden, es sei denn, es gibt keine Alternative.


Operationen und Endoskopien:
Planbare Operationen und Endoskopien sollten verschoben werden.
Vor einer dringlichen Operation sollten die Patienten auf COVID-19 getestet werden (vollständiges Blutbild, IgM oder IgG, Nukleinsäure-Nachweis und Brust-CT).


Patienten mit chronischer Darmentzündung und Fieber (das häufigste Symptom von COVID-19):
Wenn die Temperatur über 38 °C steigt, sollte beim behandelnden Arzt erfragt werden, ob eine Fieberambulanz mit persönlichen Schutzbestimmungen besucht werden kann.
Die Immunsuppressiva sollten nur nach ärztlichem Rat hin abgesetzt werden. Weiterhin sollten die Handlungsanweisungen für Personen mit COVID-19-Verdacht befolgt werden, wenn eine Infektion mit dem neuen Coronavirus nicht ausgeschlossen werden kann.


Wichtig ist bei allen Empfehlungen, dass die Medikamente nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Das könnte zu einem Krankheitsschub führen, der den Körper des Patienten schwächt. Falls es zu einem Krankheitsschub kommt, der einen Krankenhausaufenthalt notwendig macht, stehen der Patient und das Gesundheitssystem aus Kapazitätsgründen außerdem vor weiteren Problemen.



Die hier aufgeführten Empfehlungen kommen aus China – das Land, dass bei der Erstellung dieser Analyse am stärksten mit dem Virus zu kämpfen hatte. Doch auch die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV e.V.) beantwortet auf ihrer Internetseite wichtige Fragen zu dem Coronavirus, die Patienten mit chronischer Darmentzündung betreffen (https://www.dccv.de/betroffene-angehoer ... ronavirus/).



Wie genau sich Darmerkrankungen auf den Krankheitsverlauf von COVID-19 auswirken, ist derzeit noch nicht bekannt. Um dies herauszufinden, sind noch weitere Daten und Analysen nötig.

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Quelle: https://www.deutschesgesundheitsportal. ... n=covid-19

Diana82
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Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von Diana82 »

Vielen lieben Dank fürs Teilen! :P

Depeche_Mode
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Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von Depeche_Mode »

Danke für die Info :)

Pomo
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Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von Pomo »

Wo genau nimmst du die Information her, dass die Coronagefahr nicht erhöht wäre? Im letzten Absatz steht doch noch:

"Wie genau sich Darmerkrankungen auf den Krankheitsverlauf von COVID-19 auswirken, ist derzeit noch nicht bekannt. Um dies herauszufinden, sind noch weitere Daten und Analysen nötig."

Die Daten aus China besagen doch nur, dass da keine Fälle von CED-Patienten gemeldet wurden (aus welchem Grund auch immer, vielleicht fehlte eine detaillierte Erfassung von Vorerkrankungen o.ä.). Insofern lassen sich daraus doch auch keine Rückschlüsse ziehen. Da es sich bei unserer Erkrankung um eine chronische handelt, darf man sicherlich davon ausgehen, dass ein Großteil von uns unter medikamentöser Behandlung mit Immunsupressiva steht und dementsprechend sehr wohl einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist. Insofern halte ich den Titel für absolut irreführend.

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neptun
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Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von neptun »

Hallo Pomo,

1. wir haben mit den CED chronisch rezidivierende Erkrankungen. Die sind geprägt durch einen Wechsel von Rezidiv zu Remission. Das gilt nicht für alle chronischen Erkrankungen.

2. entweder schon vergessen oder überlesen, oben steht:
"Potentielle Risikofaktoren für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus:
Patienten mit chronischer Darmentzündung, die Immunsuppressiva bekommen"

3. möchtest Du jetzt "mehr Gefahr" mit CED als "Gefahr" ohne CED haben?

4. Was wäre letztlich die Konsequenz?
Willst Du Dich noch intensiver schützen als es jetzt täglich in den Empfehlungen und mit Verboten durch die Politik intensiviert empfohlen oder vorgeschrieben wird?

5. Es hält Dich niemand davon ab. Wenn Du allerdings nun auf eine AU für unbestimmte Zeit hoffst, eine individualisierte Versorgung haben möchtest, dann initiiere es und teste die Grenzen dafür aus.

Ich denke, an das Thema muß man auch pragmatisch rangehen. Durch Klagen oder Angst wird nichts besser. Die eigene Situation ist nun mal vorhanden.

LG Neptun

Pomo
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Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von Pomo »

Moin Neptun,

ich glaube die Aussage, dass ein beträchtlicher Teil von uns unter Immunsupression steht kann man so stehen lassen, gerade wenn man sich die Forenbeiträge hier so durchliest. Ob es ein Großteil (=Mehrheit) ist, darüber läst sich sicher streiten.

Das es auch viele CED-Erkrankte gibt, die in Remission sind und ohne Medikamente klar kommen habe ich überhaupt nicht bestritten.

Für mich geht es nur darum, dass der Titel m.M.n. eine "Entwarnung" suggeriert, die so bei vielen CED-Patient einfach nicht angebracht ist und für die es aufgrund der zitierten Aussagen auch schlicht keine Grundlage gibt. Es gilt also weder "Coronagefahr bei CED-Patienten erhöht" noch "Coronagefahr bei CED-Patienten nicht erhöht", es liegen schlicht keine Daten vor. Wo man sich allerdings sicher sein kann, ist dass Immunsupression die Gefahr eine schweren Krankheitsverlaufs erhöht, so zumindest die Einschätzung vom RKI und anderen offziziellen Stellen.

Natürlich will ich nicht "mehr Gefahr" durch CED haben, ich glaube jedem hier wäre am liebsten, man müsste sich nicht mit den Folgen mehr beschäftigen als jeder andere "gesunde" Mensch auch. Trotzdem glaube ich, dass diejenigen CED-Patienten, die aufgrund einer Schubphase geschwächt sind oder unter Immunsupression stehen sicherlich besonders auf sich Acht geben und soziale Distanz im Moment beachten sollten. Ich sehe darin auch keine Klage oder Angst, sondern einfach Realismus.

Ich weiß nicht, woher das Thema AU jetzt aufkommt, aber dazu habe ich kein Wort gesagt. Ich persönlich habe das Glück im Home-Office arbeiten zu können, also brauche ich auch keine AU.

Viele Grüße
Pomo

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neptun
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Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von neptun »

Hallo Pomo,

das Forum mag einen falschen Eindruck erwecken allein durch die Betroffenen, die hier Rat und Austausch suchen, aber es ist der Großteil der Betroffenen nicht immunsupprimiert.

Eine Entwarnung nach diesem täglichen Marathon der Experten und Politiker in allen Sendern kann es gar nicht geben.
Dann wäre der Großteil der Bevölkerung quasi aus dem Schneider?
Gefahr bleibt Gefahr.

"besonders auf sich Acht geben und soziale Distanz im Moment beachten"
Was für jeden andauernd eingefordert wird.

Wobei es in erster Linie um die Ansteckung geht und damit dann auch im Handeln für jeden Bürger.
Weiterhin wäre zu betrachten, wie dann ein Verlauf der Virusinfektion unter Immunsuppression sich gestalten würde.
Nur ist diese Frage müßig, denn man würde sich in Behandlung begeben müssen, könnte also an der Situation selbst nichts ändern.
Und für die weitergehende medizinische Betreuung werden seit vielen Tagen Vorbereitungen und der Ausbau getroffen.

Man kann sich also gar nicht mehr mit der Thematik beschäftigen als jeder andere.
Und da ist die Vorbeugung unisono, also für jeden gleich.
Die Disziplin ist gefordert. Nur ist diese individuell und wie sich zeigt, nicht unbedingt eine Stärke der Menschen.

Ich schrieb, pragmatisch an die Sache rangehen.

LG Neptun

Mungo
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Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von Mungo »

Infos zu den Ergebnissen einer aktuelle Studie zu dem Thema:

Entzündungshemmende Medikamente schützen vor COVID-19
Patienten mit Immunkrankheiten, die sogenannte Zytokin-Hemmer einnehmen, zeigen keine Anzeichen einer Coronavirusinfektion

https://www.uk-erlangen.de/presse/press ... -covid-19/

Es könnte natürlich sein, dass alle getesteten Personen von sich aus Risikominimierung betrieben haben, aber auch in China gab wohl es keinen Corona-Fall bei den Patienten, die diese Medikamente bekamen.

Elli73
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Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von Elli73 »

Ich habe mir tatsächlich folgende Frage gestellt: Es heißt, das Gefährliche bzw. die Gefahr für schweren Verlauf besteht in einer Überreaktion des Immunsystems! Unsere Immunsysteme können - unter welcher Suppression auch immer - ja eigentlich nicht mehr überreagieren. Vielleicht liegt darin das Geheimnis.

Marion
ist öfter hier
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Registriert: So 24. Nov 2019, 19:35

Re: Coronagefahr vermutlich nicht erhöht bei uns!

Beitrag von Marion »

Hallo

und wie sieht es dann aus bei Patienten die Morbus Crohn haben und seit Jahren gar keine Medikamente mehr nehmen wie ich??😬.
Sind die Leute dann mehr gefährdet?
Wenn wir dann dieses Virus bekommen würden, dann wird unser Immunsystem doch richtig angefeuert und so wie das aussieht ist das ja dann nicht so gut, oder?
Weiß das vieleicht jemand?.

Grüße Marion

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