Budesonid Rektalschaum als Dauertherapie

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
Murkel
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Re: Budesonid Rektalschaum als Dauertherapie

Beitrag von Murkel »

Hallo Unknown_93

als seit ca. 3 Jahren Col. Ulc.- Gepeinigter gehe ich zeitweilig hier zum Lesen ins Forum. Heute habe ich mich angemeldet (obwohl ich eigentlich kein Forumsfreak bin), um von meiner Langzeiterfahrung zu berichten:

Febr. 2019, plötzlicher Khs.- Aufenthalt wegen eines starken Schubes. Entzündung über das Sigma hinaus - Pankolitis!

Behandlung zunächst mit Claversal und Cortison. Nach leichter Besserung zusätzlich Infusionen mit Infliximap. Danach ca. 3 Monate relative Beschwerdefreiheit (kein Durchfall, kaum Blut).

Juni 2019 erneuter Schub mit Blutungen. Lt. Aussage des behandelnden Arztes hatten sich Anikörper gebildet. Umstellung auf Azathioprin bei weiterer Einnahme von tägl. 50 mg Cortison und anfänglich 14 tägiger Injektion mit AMGEVITA 40 mg. Danach spürbare Beruhigung, zeitweise Beschwerdefreiheit.

Dezember 2019 erneute Beschwerden mit Blut im Stuhl, Calprotektin bei über 650. Mein behandelnder Arzt wollte sofort wieder auf Azathioprin und Cortison umstellen. Da ich starke Bedenken bezügl. des Azas hatte und ich mir nicht wieder den Horrortrip mit Cortison antun wollte, lehnte ich diese Behandlungsmethode ab und bat um den Versuch mit Salofalk Rektalschaum (Mesalazin).
Applikation erfolgte jeweils am Abend im Bett mit anschliessender Seitenlage links (30 Minuten).
Nach ca. 3 Tagen spürbare Besserung, kaum Blut im Stuhl, kaum Schmerzen.
Nach 5 Tagen keinerlei Blut mehr und kaum Schmerzen.
Alle 4 Wochen Kontrolle des Calprotektinwertes - Ende März lag der Wert zum Erstaunen auch meines Arztes unter 50.
Danach Reduzierung der Anwendung des Schaums auf jeden 2. Tag. Seitdem hat sich der Calprotektinwert konstant auf ca. 65 eingependelt. Mein Arzt sieht einen Wert von über 50 bis max. 200 für völlig unbedenklich an.
Ich will damit nur sagen, dass die dauerhafte Verwendung des Schaums mir bislang keinerlei Probleme bereitet hat, obwohl lt. Beipackzettel nur eine Kurzzeittherapie von einigen Wochen beschrieben ist.
Mein Arzt schlug wg. des konstanten Wertes ein weiteres Ausschleichen vor. Da ich eher skeptisch bin, stellte sich auch hier die Frage in Richtung eines evtl. Risikos, bei einer noch längeren Therapie. Hier sieht mein Arzt keinerlei Gefahren, zumal der Schaum lokal im Dickdarm zur Anwendung komme und somit eine Aufnahme der Substanzen im Körper fast völlig auszuschließen sei. Im Prinzip sei der Wirkstoff eigentlich Aspirin.

Ich hoffe, dir mit meiner Erfahrung etwas geholfen zu haben.

LG Murkel

CCCR98
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Re: Budesonid Rektalschaum als Dauertherapie

Beitrag von CCCR98 »

mir geht es ähnlich wie dem Threadersteller.

Diagnose Proktitis im Sommer 2018 und in den 2 Jahren musste ich Kortison nehmen über insgesamt 6 Monate inkl Dosierung auf und ab, Rückschlägen und Ausschleichen. daneben Basismedikation Claversal und Salokalk Zäpfchen. es gab eine relativ kurze Phase einer Schubpause (Remission will ich es nicht nennen). im Dezember 2019 ging es wieder los mit Tenesmen, Durchfällen, Blut, Schleim etc. Ich wollte nicht wieder eine Kortison Therapie probieren und hatte noch Entocort Klysmen zuhause die verhältnissmäßig schnell angeschlagen haben. ich habe sie weiter verwendet, auch mit dem Internisten darüber gesprochen und schleiche sehr vorsichtig aus. aktuell nehme ich jeden 5. Tag Entocort und halt weiterhin Claversal und Salofalk. Bevor ich wieder Kortison systemisch nehme oder die Eskalationsstufe erhöhe auf Immunsupersiva oder Biologika möchte ich schauen wie weit ich mit Entocort rektal komme.

es geht mir sehr gut damit, Blutwerte sind bis auf Vit. D alle ok und der letzte Calpro Check war auch in Ordnung.

es braucht bei nahezu allen Medikamenten eine große Geduld und bei mir hat keines nach kurzer Zeit angeschlagen, alle haben erst mit einer Verzögerung angefangen Wirkung zu zeigen.

was mir hilft ist auch das regelmäßige Lesen hier und das Auseinandersetzen mit unserem Leiden. ich bin sehr dankbar über die zT sehr erfahrenen User die hier Tipps und Anleitungen geben ;) aber wie Neptun immer sagt: die Entscheidungen und auch Konsequenzen um die Medikation muss jeder selber tragen. der Arzt lebt zwar davon aber nicht damit.

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neptun
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Re: Budesonid Rektalschaum als Dauertherapie

Beitrag von neptun »

Hallo CCCR98,

ich finde Deinen Weg gut und geeignet. Und die Einnahme mit immer längeren Pausenzeiten klingt vielversprechend.
Schließlich kann Proktitis sehr hartnäckig sein, wie wir wissen und einschränkend.

LG Neptun

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