Chronische Verstopfung mit immer weichem Stuhl - Ratlos...

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
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Schmetterling11
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Chronische Verstopfung mit immer weichem Stuhl - Ratlos...

Beitrag von Schmetterling11 »

Hallo! Ich habe mich mal auf gut Glück hier angemeldet in der Hoffnung, dass jemand das Problem vielleicht kennt. Es geht um meine Tochter 8,5 Jahre alt. Sie hat immer eine gute Woche keinen Stuhlgang (chronische Verstopfung) und dann geht es in kleineren Portionen unkontrolliert mehrmals täglich in die Hose. Das ist sehr anstrengend für uns alle. Teilweise muss sie Windel tragen. Auch sozial ist dies ein Problem.
Der Stuhl der abgeht ist immer weich/pastös. Es scheint keine klassische Verstopfung zu sein. Bekommt sie ein Micro-Klistier (vom Kinderarzt empfohlen), kommt nach etwa 24h (was ich echt lang finde, als "Einwirkzeit") eine riesengroße Wurst, die man nicht mehr einfach wegspülen kann. Aber wieder komplett weich und laut Kind auch schmerzfrei. Am After ist laut Arzt nichts auffälliges zu erkennen. Keinerlei Fissuren o.ä..
Am 19./20.11. wird sie unter Vollnarkose in der Uniklinik untersucht. Ich bin völlig ratlos.
Kennt jemand solche merkwürdigen Symptome und hat eine Idee, was das Problem sein könnte?
Ach ja: Sie zeigt keinerlei auffälliges Verhalten, als würde sie einhalten oder mal müssen. Überhaupt gar nicht.
Und wir haben auch Movicol versucht, aber da kam so oft und unkontrolliert sehr weicher Stuhl, dass sie nicht mehr das Haus verlassen konnte und auch keinen Besuch mehr empfangen. Hab es dann schnell wieder abgesetzt.

Danke für eure Ideen!
Liebe Grüße!

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neptun
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Re: Chronische Verstopfung mit immer weichem Stuhl - Ratlos.

Beitrag von neptun »

Hallo Schmetterling,

willkommen im Forum.
Du schreibst nicht, wie lange es schon diese Auffälligkeit bei Deiner Tochter gibt. Entwickelte sich die Verstopfung schleichend?
Warum bist Du gerade jetzt aktiv geworden?
Vielleicht gibt es auch weitere Symptome, die Du nur nicht besonders bewertest?

Weißt Du, was für Untersuchungen geplant sind?

Mich wundert, daß bisher keine Sono des Bauchraumes gemacht wurde von einem Spezialisten. Ist ja nicht invasiv, leicht und schnell zu machen. Der Arzt könnte den Darm sehen mit möglicher Verengung, Weitung und als einzige Untersuchungsmethode ist dabei auch die Darmbewegung zu sehen, also die Peristaltik. Da kann man dann Auffälligkeiten ermitteln, ob der Transport funktioniert oder es einen Abschnitt gibt, der keine Bewegung zeigt.
Grenzen mag es zum Rektum hin geben wegen der bildlichen Darstellung der Schallwellen.

Eine Entzündung im Magen-Darm-Trakt hätte man über den Calprotectinwert im Stuhl ermitteln können.

Einzig Morbus Hirschsprung ist mir bekannt. Vielleicht findest Du da Antworten. Hat der Kinderarzt gar keine Vermutung geäußert?

LG Neptun

Schmetterling11
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Re: Chronische Verstopfung mit immer weichem Stuhl - Ratlos.

Beitrag von Schmetterling11 »

Hallo Neptun,

vielen Dank für deine Antwort!

Wie und wann das genau angefangen hat ist schwer zu sagen. Diese akute ständige Stuhlinkontinenz so schätzungsweise 3 Monate. Aber es hat eher mit einer Harninkontinenz vor etwas mehr als einem Jahr angefangen.
Oder noch früher: Schon als Säugling hat sie extrem oft und heftig in die Windel gemacht. 10-11x am Tag und es ist immer hinten aus der Windel geschossen teilweise bis auf Achselhöhe. Ich hatte gefühlte 1000 Wechselbodys und das ganze Bad immer vollhängen mit ausgewaschenen. Das wsr zwar sehr heftig, aber bei vollgestillten Kindern wohl gerade noch im Toleranzbereich und wurde mit "Pech gehabt" abgehakt.
Dann hat sie ewig gebraucht um trocken (Pipi) zu werden. Gerade noch rechtzeitig zum Ende der Kindergartenzeit wurde sie die Windel los, also mit knapp 6 Jahren. Auch das war für alle noch im Toleranzbereich.
Mit 4 war sie schon einmal für einige wenige Wochen Stuhlinkontinent, was aber in dem Alter, laut Arzt, durchaus mal vorkommen kann. Eine "Phase".
Nun war sie gerade mit 5 trocken, da fing sie plötzlich mit 7 wieder an Nachts ins Bett zu machen. Dann zusätzlich auch noch Tags und dann so schlimm, dass sie es gar nimmer halten konnte und wieder 100% Windel tragen musste. Schlimm für ein 2. Klasse Kind...
In dieser Phase ging auch ab und zu mal etwas Stuhl daneben. Vielleicht 2-3x die Woche ein wenig...
Natürlich bin ich, fertig mit den Nerven, zum Kinderarzt. Im Ultraschall konnte sie nichts auffälliges erkennen, aber tippte damals schon auf chronische Verstopfung und ich sollte ihr 2x microlax geben und sie beim Urologen vorstellen.
Der Urologe hat auch im Ultraschall nix besonderes gesehen. Wir mussten ein Mictionsprotokoll führen und sie bekam Mictonetten. Erfolg = null. Der Urologe und die Kinderärztin verwiesen uns an die Urologie der Uniklinik. Nach einem Telefonat mussten wir einen 6-seitigen Fragebogen ausfüllen und ein weiteres Mictionsprotokoll führen (was übrigens extrem anstrengen und nervig ist bei einem Kind. Jeder Tropfen Pipi und jeder ml Getränk muss abgemessen und Protokolliert werden, mit Uhrzeit).
Nach dem Einsenden der Unterlagen kam keine Reaktion. 2 Wochen später nachgefragt, wurden wir abgeschmettert. Könnte psychische Ursachen haben. Sollten wir trotzdem vorstellig werden wollen müssten wir vorneweg 5 Monate auf einen Termin warten müssen.
Du kannst dir die Frustration nicht vorstellen!
In unserer Not habe ich auf eigene Faust eine Klingelhose gekauft und erst hatten wir einen prima Erfolg! Nach wenigen Wochen war sie wieder trocken!
Als schlussfolgerten wir: War wohl tatsächlich psychisch...
Tatsächlich ist sie auch immer noch Trocken Tagsüber. Nachts muss sie leider wieder Windel tragen und verweigert auch die Klingelhose. Und nun eben seit wenigen Monaten diese Stuhlinkontinenz, die noch viel schlimmer ist, als das Pipiproblem...
Also wieder verzweifelt zur Kinderärztin. Wieder Microlax und dann Movicol, was ich ja wie erwähnt schnell wieder abgesetzt habe. Microlax verweigert sie mittlerweile (wen wundert's!), was das ganze wieder sehr unangenehm macht (ständiger Stuhlabgang statt einmal volle Ladung).
In der Kinderproktologie der Uniklinik wurden wir glücklichweise nicht abgeschmettert und bekamen sehr schnell einen Termin. Der Arzt sah im Ultraschall ein große Stuhlansammlung (da war sie seit 7 Tagen nicht mehr), sonst nix auffällig, After auch unauffällig.
Am 19./20.11 wird sie dann also unter Narkose untersucht. Am 19. komplett abgeführt, am 20. wird dann eine Enddarmspiegelung gemacht. Eine Biopsie des Enddarms (3 Stücke) und ein Stomimpuls am After.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Psyche nach dieser langen Geschichte ein Rolle spielt. Wir sind ja alle gebeutelt... Aber irgendwas stimmt da doch auch körperlich nicht?!
Ich hoffe, die Ärzte finden was raus und man kann ihr irgendwie schnell und einfach helfen.
...und ich geh jetzt nach oben und wasche mal wieder ein nettes Sammelsurium vollgesch... Unterhosen, in Waschmittelwasser eigelegt, aus. *seufz*
Nochmals vielen Dank für jede Hilfe und investierte Zeit!

Schmetterling11
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Re: Chronische Verstopfung mit immer weichem Stuhl - Ratlos.

Beitrag von Schmetterling11 »

Morbus Hirschsprung klingt auf jeden Fall interessant... Einiges würde dadurch gut erklärt werden. Nur glaube ich nicht, dass es von Geburt an so war. Da war ja eher das Gegenteil der Fall. Ob sich eine solche Erkrankung auch erst später entwickeln könnte oder diese Nerven im Enddarm durch irgendetwas Schaden genommen haben könnten (eine Verstopfung oder so...)?? Da les' ich mal noch weiter...
Es lässt mich jetzt eben nicht mehr los, weil der Untersuchungstermin so kurz bevor steht und ich mir Sorgen mache.

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neptun
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Re: Chronische Verstopfung mit immer weichem Stuhl - Ratlos.

Beitrag von neptun »

Hallo Schmetterling,

auch wenn ich seit Jahren im Forum bin und daher auch bei Kindern mit CED einige heftige Geschichten lesen mußte, es ist immer wieder erschreckend, was die Kinder und die Eltern durchmachen müssen.
Und dazu weiß man nicht, wie es weiter gehen wird im Leben. Weil ja nichts vorherzusagen ist. Alles ist individuell.
Du hast uns ja einen deutlichen Einblick in die bisherigen Probleme gegeben, wo man sich auch bei den Ärzten nicht gerade gut aufgehoben fühlt.

So kann ich mir Deine Ängste, die Zumutungen und die Einschränkungen für Deine Tochter, für die gesamte Familie, aber auch die bisher vergeblichen Hoffnungen vorstellen. Ich bin dann immer wieder froh und dankbar, daß meine Töchter schon lange mitten im Leben stehen.

Falls es Morbus Hirschsprung sein sollte, es ist anscheinend doch nicht so unkompliziert auf dem Schirm der Ärzte. Wir haben da andere Beispiele, wie zusätzlich Endometriose bei Frauen, oder auch ein Pyodera grangraenosum als Begleiterkrankung der CED. Und es gibt einige weitere Beispiele für langwierige Prozeduren, bis sich mal Klarheit in der Diagnose oder Behandlung zeigt.

Hier war Morbus Hirschsprung bisher fast kein Thema. Wobei es Motilitätsstörungen aus anderen Gründen gibt.

Was ich las, die Symptome und Beschwerden müssen im Säuglings- und Kleinkindalter noch nicht unbedingt so ausgeprägt und auffällig sein, oder sie werden auch übersehen oder weggeredet.

Ich denke, es ist überhaupt kein Wunder, wenn die Psyche aller Personen nach all den langjährigen Problemen angeschlagen ist.
Die Ärzte sollten aber erkennen, was Grund und was Reaktion ist.

Letztlich ist Morbus Hirschsprung auch gewiß keine leichte Diagnose. Aber es wäre immerhin eine und man könnte gezielt handeln.

Ich drücke die Daumen, daß Du weiter kommst bei den Ärzten und bald Klarheit hast.

Liebe Grüße,
Neptun

Schmetterling11
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Re: Chronische Verstopfung mit immer weichem Stuhl - Ratlos.

Beitrag von Schmetterling11 »

Lieber Neptun,

herzlichen Dank für deine Mitfühlenden Worte.
Es hilft mir jetzt schon sehr viel zu wissen, dass eine körperliche (vielleicht sogar - wie auch immer - behebbare) Ursache nicht ausgeschlossen ist.
Ich habe ehrlich Angst, dass sie den Stempel "psychische Ursache -> jahrelange Verhaltenstherapie" aufgedrückt bekommt, oder es vielleicht auch einfach so ist, denn wir gehen alle jetzt bereits am Stock.

Auf jeden Fall werde ich mich nach dem Termin wieder melden. Leider kann ich noch nichtmal mit ihr ins Krankenhaus, weil ich neben ihrer kleinen Schwester noch ein gestilltes Baby habe. Daher muss der Papa mit. Ich hätte ihr so gern die Hand gehalten. Sie hat sehr große Angst vor der Untersuchung.

So, nun aber erstmal genug gejammert! Bis bald! :-)

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