Magenschutz ja oder nein?

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon Haya » Mi 18. Sep 2019, 06:45

Also ich habe immer Magenschutz genommen zusätzlich zu meiner Kortisontherapie.
Jetzt höre und lese ich immer mehr über die Nebenwirkungen davon, dass es gar nicht gut ist und man damit richtig Probleme bekommen kann.
Sprich Magenschmerzen, Bauchspeicheldrüsenentzündung, etc.

Kann man den Magenschutz denn ab 30 mg Kortison weglassen und stattdessen einfach etwas Haferflocken vorher essen?

Viele Grüße
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Re: Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon neptun » Mi 18. Sep 2019, 07:57

Man muß den Magenschutz nicht vorbeugend nehmen.
Ich habe bei meinen Cortisonbehandlungen nie Magenschutz in Form von PPI genommen.

Warum also nicht abwarten, ob das Cortison wirklich auf den Magen schlägt?
Und dann gibt es doch auch Hausmittel mit Tees, Heilerde, etc., die helfen können.
Es muß nicht immer Chemie sein.

Und eine Daueranwendung von PPI, da müßte es auch eine konkrete und schwerwiegende Indikation dazu geben. Die ist meines Wissens fast nie gegeben.
Aber Medikamentengläubigkeit dagegen oft, wenn ich so sehe, wie unkritisch viele Betroffene im Forum alles Mögliche schlucken oder spritzen über Jahre.

LG Neptun
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Re: Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon Haya » Mi 18. Sep 2019, 09:36

Lieber Neptun.

Das ist ja wunderbar. Möchte sowas nämlich auch nicht nehmen. Am liebsten natürlich auch kein Kortison, lässt sich allerdings manchmal nicht vermeiden. :-)

Finde auch, dass viele viel zu schnell zu Medis greifen, obwohl man viel über Ernährung regeln kann/könnte.

Aber gut, dass es dieses Forum zum Austausch gibt.

Danke dir Neptun.
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Re: Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon Salamander » Mi 18. Sep 2019, 13:47

Hallo Haya,

PPI sind auf Dauer nicht ohne, das stimmt. Wenn man ab und zu Sodbrennen hat, können sie schnell helfen. Man kann aber auch erstmal zu Maaloxan (und dergleichen) greifen, das sind Salze, die dich als Schutzfilm über den Magen legen, und dort auch die Säure neutralisieren.
Arzneimittel als "Chemie" abzutun ist töricht, und wenn man sich mit Arzneimittelzulassung und Klinischer Pharmazie auskennt, weiß man, dass ein ordentlicher Nutzen da sein muss, um bereits kleine Nebenwirkungen zu tolerieren.
Ja, zu viele Leute nehmen ohne nachzudenken Medikamente ein, zu viele Leute nehmen aber auch aus unnötiger Angst zu wenig Medikamente ein. Eine sinnvolle Therapie kann man nur mit Arzt* und Apotheker* gemeinsam bestreiten - dafür hat man ja die Apotheke und dafür gibt es in jeder auch ein Beratungszimmer, das man jeder Zeit nutzen darf (und sollte!).
Gerade bei Medikamenten ist dieses Forum etwas zu laienreich und stößt dann an Grenzen.

Eine orale Kortisontherapie muss allerdings tatsächlich nicht präventiv mit PPI komedikamentös behandelt werden.

lg Salamander
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Re: Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon Korona » Mi 18. Sep 2019, 14:38

Hallo Salamander,

das sehe ich anders. In der Pharmawelt zählt als allererstes Ertrag!
Ärzte und Apotheker handeln zu einem sehr großen Teil heute auch aus Ertragsgründen, oder nach Leitlinien.

Sodbrennen als Symptom hat zuerst meistens einen Ernährungsfehler oder Stress zur Ursache.
Ein Medikament kann man auch als "Ernährungsfehler" betrachten, denn der Magen muss etwas verwerten, was in erster Linie nicht natürlich ist. An vielen Medikamenten kommen wir (gerade wir) jedoch nicht vorbei, das ist richtig.

Wenn es aber um
Salamander hat geschrieben: Wenn man ab und zu Sodbrennen hat
geht,
dann ist m.E. auch Maaloxan erstmal Chemie, und der Nutzen ist fragwürdig, wenn man die Ursache nicht angeht.
"Ab und zu" Sodbrennen kann man wunderbar durch da Kauen von Mandeln, durch Heilerde, basische Ernährung oder ähnliche Mittel beruhigen.

Aber jeder entscheidet allein, wie er mit seinem Körper umgeht. Ich denke, wenn wir sowieso schon Probleme mit dem Verdauungstrakt haben, sollten wir ihn möglichst schonend behandeln, und leichten oder seltenen Symptomen erstmal auf natürlichem Wege abhelfen. Das unterstützt auch die Auseinandersetzung mit der Krankheit und die Übernahme von Verantwortung für seine Krankheit und seinen Körper.

Natürlich muss jede CED aber korrekt behandelt werden und jeder Betroffene medikamentös richtig eingestellt werden. Aber jeder von uns wird die Medikation als weniger bedrohlich empfinden, wenn er kritisch und verantwortlich damit umzugehen lernt.

Gruß Korona
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Re: Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon neptun » Mi 18. Sep 2019, 15:06

Hallo Salamander,

Sicher stößt auch dieses Forum an seine Grenzen. Ganz natürlich.
Aber hast Du nicht in Deinem Leben auch schon die Erfahrung gemacht, Ärzte stoßen auch an ihre Grenzen? Zumal sie quasi nie selbst betroffen sind, also weder die Symptome und Beschwerden noch die Medikation aus eigenem Erleben beurteilen können. Und sie sind immer auf die subjektiven Schilderungen von Betroffenen angewiesen, um reagieren zu können. Und diese Schilderungen sind geprägt durch psychisches Erleben, durch mangelnde Ausdruckfähigkeit, durch Über- oder Untertreibungen, ob nun bewußt oder unbewußt ausgesprochen, dann aber auch mit regelrechtem Anspruchsverhalten vorgebracht, wie man öfter im Raedlerforum lesen kann, sicher auch oft faktisch richtig.

Und dann haben wir im Forum doch häufiger Schilderungen zur Diagnosefindung, zur Diagnose selbst, zur Medikation, selbst zu invasiven Eingriffen, die sehr begründete Zweifel aufkommen lassen über die Qualität der Ausbildung, der Erfahrung und der Selbsteinschätzung von Ärzten. Und dazu kommen sehr sicher belegte Fehler.
Du kannst dazu in meinen Beiträgen über die Jahre viel finden.

Wir sollten unser Forum nicht abwerten, denn es gibt immer auch das Bestreben, die Qualität der Aussagen hier hoch zu halten.

LG Neptun
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Re: Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon Salamander » Mi 18. Sep 2019, 15:21

Hallo neptun,
Da ich als Pharmazeut* im Heilberuf tätig bin, muss ich hier doch meine Kollegen* in Schutz nehmen, bzw. absolut gerechtfertigt verteidigen. Ärzte* hier defacto als inkompetent zu bezeichnen ist unverschämt. Sich in einem online Forum Ratschläge zu holen ist sehr gut bis zu einem gewissen Grade, aber im Bereich Medikation und Therapie ist es absolut wichtig, mit den Fachleuten zu arbeiten und nicht hintenrum aus Foren Tips anzunehmen - keiner hier kann z.B. überprüfen, ob ich tatsächlich Pharmazeut* bin!
CED ist bekanntermaßen ein Problemkind in der Diagnosefindung, das ist ganz klar, aber zu behaupten, dass sich Ärzte* "immer auf die subjektiven Schilderungen von Betroffenen" angewiesen sind, ist auch daneben. Es gibt Jahrzehnte an Forschung und Studien, sowie Leitlinien, die den Ärzten* die strukturierte Behandlung ermöglichen.
Ich bin absolut bestrebt, die Qualität der Aussagen hier hoch zu halten, und wie du vielleicht sehen kannst, gebe ich mir seit meinem Beitritt hier Mühe, qualitativ gute Antworten zu geben und mein Wissen als Experte einzubringen.
Ich komme nicht umhin, deine Antwort als Angriff zu werten, und ich hoffe, dass ich deinen Tonfall durch das Medium falsch wahrgenommen habe.
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Re: Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon Salamander » Mi 18. Sep 2019, 15:27

Hallo Korona,

ich bin gerade schockiert, was für ein Misstrauen hier herrscht.
In der Pharmawelt zählt als allererstes Erfolg in der Therapie. Es gibt sehr viel Fehlinformation und Voreingenommenheit gegenüber den Preisen in der Apotheke, aber ich gebe euch hier ein Stichwort: Arzneimittelpreisverodnung.

Ich werde hier jetzt auch nicht weiter auf die Medikation mehr eingehen - da ich sehe: Ich bin hier unerwünscht.

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Re: Magenschutz ja oder nein?

Beitragvon neptun » Mi 18. Sep 2019, 16:33

Hallo Salamander,

mit töricht, laienreich und an Grenzen stoßend hast Du hier einen Ton angeschlagen, der sicher nicht angebracht ist.

Und mir scheint, für Dich ist dieses Forum nur ein weiteres im Internet. Für die CED-Betroffenen ist es aber das Forum ihres Selbsthilfevereins, eben auch Teil ihrer persönlichen Selbsthilfe.

Sicher gibt es Leitlinien für die CED und noch einige weitere für Randbereiche, die uns auch betreffen durch die CED. Wenn Du mal in die Suche oben rechts Leitlinie eingibst, so wirst Du sehen, daß ich mit Abstand häufig dort vertreten bin mit meinen Beiträgen und Hinweisen darauf. Warum? Weil ich zu vielen Themen rund um die CED schreibe, aber immer auch auf die Grundlagen hinweise. Und diese Grundlagen sind häufig die Leitlinien. Schließlich soll hier nicht ins Blaue fabuliert werden, es soll fundiert geschrieben werden.

Das ist übrigens auch eine Gewissenhaftigkeit, die wir hier liefern können.
Zudem haben wir hier sehr viele Betroffene in den Jahren mit den vielfältigsten Verläufen. Können auch die Geschichten über Jahre verfolgen oder rückverfolgen.
So habe ich zum Beispiel zig Worddateien, um denjenigen Betroffenen auch nach Jahren des Kontaktes weiter fundiert auf ihre Fragen und Probleme antworten zu können.

Hintenrum arbeitet hier niemand. Es sind Erlebnisberichte, es sind aber auch Informationen und Informationsverknüpfung, Informationsverarbeitung, denn Betroffene sollen informiert sein und sich möglichst viel Wissen aneignen, denn die CED sind komplexe Erkrankungen mit den vielfältigsten Verläufen. Nur so können sie Ärzten auf Augenhöhe begegnen, eigene Verantwortung übernehmen. Sie haben schließlich auch die Folgen zu tragen, und zwar ganz allein.

Im Endeffekt werden hier Denkanstöße geliefert. Wie der Arzt auch nur Vorschläge machen kann. Was er fundiert begründet tun sollte.
Aber entscheiden muß der Betroffene. Auch wenn der Arzt den Rezeptblock hat.

LG Neptun
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