Schubsymptome?

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Schubsymptome?

Beitragvon Sunflo » Sa 7. Sep 2019, 17:26

Hallo zusammen,
vor gut 1 1/2 Jahren hatte ich meinen ersten CU Schub (Linksseitencolitis). Mit 3g Salofalk Granu-Stix plus Salofalk Schaum waren die Symptome zügig besser. Inzwischen nehme ich nur noch 1,5g Granu-Stix zur Remissionserhaltung.
In den letzten Wochen bekam ich 2 Tage Durchfall und Bauchweh (ohne Blut). Danach rumorte und zwickte es, ich bekam vermehrt Blähungen. Zwischendrin habe ich mal hier und da ein ganz bisschen Schleim im Stuhl gesehen, einmal habe ich ganz wenig Blut am Klopapier gehabt (nach 1.Wischen), danach nicht mehr. Zweimal gab es noch recht flüssigen Stuhl zwischendrin. Daraufhin habe ich meine Ernährung von völlig normal auf Schonkost umgestellt.
Nach 1 Woche habe ich meine Salofalk Dosis eigenständig auf 3g erhöht. Nach 2 Wochen habe ich es reduziert (1 Tag 1,5g, anderer Tag 3g). Der Stuhl ist völlig normal (halbfest, kein Schleim) und keinerlei Durchfall mehr. Allerdings habe ich nach wie vor Bauchzwicken und vermehrt Luft im Bauch (viel Blähungen, gelegentlich Aufstoßen), obwohl ich keinerlei Kohlensäure trinke.

Kann es ohne Blut und großartigen Durchfall ein Schub sein? Bin etwas verunsichert, da ich mich eigentlich impfen lassen wollte und man das ja in einem Schub nicht soll...?

Wie äußert sich ein nahender Schub bei euch? Können allein Blähungen und Bauchweh einen Schub anzeigen?

Viele Grüße
Sunflower
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Re: Schubsymptome?

Beitragvon neptun » Sa 7. Sep 2019, 19:48

Hallo Sunflo,

willkommen im Forum.

Da wir ja bei der cu ja über eine Entzündung reden, so sollten Blähungen wirklich nebensächlich sein und bleiben und nicht wirklich den Symptomen zugerechnet werden. Die allerdings schon lästig sein können und auch schmerzhaft sind, wenn sie sich irgendwo festsetzen.
Da sollte man eher mal Zucker meiden/reduzieren, auch den versteckten.

Was die begleitenden Beschwerden und Symptome angeht, es sollte Blut am Stuhl vorhanden sein als Leitsymptom. Dann auch eine höhere Stuhlfrequenz. Dann auch die Tenesmen, also Schmerzen kurz vor dem Stuhlgang, die dann danach sofort wieder verschwinden.
Geht die Entzündung über das Rektum hinaus, es sind weiche Stühle möglich und das Blut am Stuhl wechselt von hellrot zu dunkelrot. Dazu wird es fester, zieht Fäden. Es kann auch vorkommen, man hat mal eine gelbliche Flüssigkeit, die wässrig austritt. Später kann der Stuhldrang zunehmen, wobei man also schneller eine Toilette aufsuchen möchte. Wird der Stuhldrang imperativ, man muß umgehend im Sekundenbereich ein Örtchen aufsuchen, sonst geht es in die Hose. Ein willentliches Zurückhalten ist dann nicht mehr möglich. Schließlich kann auch Fieber dazu kommen. Man fühlt sich wirklich krank, mag nichts mehr essen, möchte Stuhlgänge vermeiden, hat sehr starke Schmerzen, selbst wenn nur ein kleiner Blutpropfen statt Stuhl in die Toilette fällt. Einige bekommen Anämie, was ich mir eigentlich nicht erklären kann, ist die Entzündung bei cu doch nur auf die Darmschleimhaut beschränkt und nicht transmural, also durch die gesamte Darmwand gehend wie bei mc. Aber es soll so sein.

Blut am Papier ist hellrot, wenig, flüssig, wird also leicht aufgesogen, und kommt aus einem klitzekleinen Riß vom Rande des Afters. Ist also nicht Folge von Entzündung. Nur die leichtere Verletzlichkeit der Region führt dazu.

Nach der Leitlinie cu solltest Du in Remission min. 2g/d Mesalazin zu Dir nehmen und dies auch sehr lange. Hier mal der Link dahin:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-009.html

LG Neptun
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Re: Schubsymptome?

Beitragvon Linette » So 8. Sep 2019, 01:07

Hallo Sunflo,

ich habe CU. In einer Remissionsphase letztes Jahr hatte ich ähnliche Beschwerden, wobei die Sigmo und die Blutwerte sehr gut waren. Mein Arzt meinte, das wäre kein Schub sondern ein leichtes Reizdarmsyndrom. Er hatte mir Chiana verschrieben und innerhalb weniger Tage waren die Symptome abgeklungen. Vlt. ist es das bei dir.

Liebe Grüße
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Re: Schubsymptome?

Beitragvon Sunflo » So 8. Sep 2019, 19:10

Hallo Neptun,

danke für Deine Antwort!
Vermehrt Blähungen und Luft aufstoßen sowie vermehrtes Bauchzwicken können also bei CU einfach so kommen, ohne dass es was mit einem Schub zu tun hat? Seit der Diagnose hatte ich auch mehr Blähungen als früher aber eben nie über einen längeren Zeitraum und auch nicht mit Bauchweh verbunden so wie jetzt.

Sind die Tenesmen stark schmerzhaft? Denn dass ich Bauchweh bekomme und kurz danach zum Klo muss und das Bauchweh weggeht hatte ich auch vor der Diagnose schon...

Wie sieht es denn mit Schleim im Stuhl aus? Ist das ein Schubzeichen? Zwischendurch habe ich in letzter Zeit eben mal hier und da etwas Schleim im Stuhl gehabt, aber nicht viel und nicht immer.

Die Leitlinie kenne ich und habe meinen Gastro danach gefragt. Der sagte allerdings früher wären es immer 1,5g gewesen und das würde ausreichen...

Das mit dem Zucker reduzieren werde ich nochmal intensiver probieren, es fällt mir leider sehr schwer auf Süßes zu verzichten. Sollte man dann auch Obst und Marmelade weglassen oder nur Kuchen, Kekse etc?

Die Schubsymptome die Du beschreibst sind heftig. Obwohl ich bei meinem 1.Schub eine mäßig schwere Entzündung und Calprotectin über 2000 hatte, ging es mir noch relativ gut außer den ständigen blutigen Durchfällen.

Was ich beruhigend finde ist, dass Du schreibst mal ein wenig frisches Blut am Klopapier vorzufinden hat nichts mit einem Schub sondern vermutlich einer Miniverletzung am After zu tun.

Ich habe in einem Deiner Beiträge gelesen, dass Du schon lange CU hast und zig Jahre Mesalazin genommen hast. Musstest Du denn auch mal Immunsuppressiva einnehmen und wegen deiner CU im Krankenhaus behandelt werden?

Liebe Grüße
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Re: Schubsymptome?

Beitragvon Sunflo » So 8. Sep 2019, 19:17

Hallo Linette,

danke für Deine Antwort.
Man kann also zusätzlich zur CU auch noch Reizdarm haben? Hattest Du denn zusätzlich zu den Blähungen auch Bauchweh so wie ich?
Das mit dem Chiana ist interessant. Da ist Pfefferminzöl drin. Das wundert mich ein wenig, denn ich habe früher so Eukalyptuskapseln bei Erkältungen eingenommen und da steht bei, dass man die bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht nehmen darf, vermutlich weil sie Magen-Darmsymptome verursachen können... Aber vielleicht ist Pfefferminze anders...

LG
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Re: Schubsymptome?

Beitragvon Linette » Mo 9. Sep 2019, 00:11

Hallo Sunflo,

bin ja kein Arzt, aber ich könnte mir vorstellen, dass ein zu Entzündungen neigender Darm auch "gereizt" sein kann. Ich hatte jedenfalls damals (muss nachdenken) keinen Durchfall oder so, aber Bauchgrummeln, Blähungen und befürchtete einen sich ankündigenden Schub. Ich kann nur sagen, dass die Beschwerden weg waren und ich 6 Mon. beschwerdefrei.


Liebe Grüße
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Re: Schubsymptome?

Beitragvon neptun » Mo 9. Sep 2019, 08:49

Hallo Sunflower,

Reizdarm ist eine Ausschlußdiagnose. Wenn man also für Symptome und Beschwerden nach allen Standarduntersuchungen keinen triftigen Grund dafür gefunden hat, kann man die Diagnose Reizdarm stellen.
Hat man aber eine CED, fast alle Beschwerden lassen sich auch damit erklären oder sind nur kurzzeitige Erscheinungen, die auf einen alltäglichen Grund auch für darmgesunde Menschen zurück geführt werden können.

"Vermehrt Blähungen und Luft aufstoßen sowie vermehrtes Bauchzwicken" kann jeder mal bekommen.

Tenesmen können sehr heftig sein. Ist von der Entzündung abhängig. Manche schrieben hier schon, ihnen wurde schwarz vor Augen, sie hatten das Gefühl, ohnmächtig zu werden.
Ich kenne diese Tenesmen auch ausreichend. Da mag man wirklich nicht mehr aufs Klo. Ich bekam auch regelmäßig Gänsehaut dabei.
Ich würde sie aber nicht als Bauchgrummeln, Bauchweh oder Zwicken bezeichnen. Sie kommen kurz, heftig und verschwinden wieder. Und sie sind nicht ausgebreitet im Bauchraum.

Wir reden beim Darm ja auch von Darmschleimhaut, der innenliegenden Wandschicht. Ohne diese würde der Stuhl nicht so behandelt und weitertransportiert, wie es geschieht. Es ist also nicht aus Spaß eine Schleimhaut. Somit ist also Schleim im Spiel. Warum es davon auch mal etwas mehr gibt, vielleicht wäre auch eine Entzündung eine Erklärung. Darüber gelesen habe ich nichts.
Ich hatte dies nicht in all den Jahren. Einige berichten von vermehrtem oder sogar viel Schleim, viele andere nicht.

Versteckte Zucker sind viel in Fertigprodukten, in Fruchtsäften, in Limonaden und Co, natürlich auch in Marmeladen.

Der Arzt hat ja tolle Argumentationsfähigkeiten. Warum werden die Leitlinien wohl fortgeschrieben?
Aber es bleibt ja Deine Entscheidung.

Ich habe in 2003 mal Aza eingeschlichen. Wurde aber bei 100mg/d schon abgebrochen wegen hoher Leberwerte und sehr schlechtem Befinden. Da ich aus einer anderen Zeit komme mit meiner cu, habe ich auch später nicht den Schritt zu den Biologicals gemacht. Habe ich in anderen Threads schon beschrieben.

Über den Calprotectinwert und seine Korrelation zu den Entzündungen haben wir hier mehrere Threads, die zeigen, es gibt die unterschiedlichsten Werte, die eben nicht die Befunde in Entzündung oder auch zu den Symptomen und Beschwerden widerspiegeln. Die Abhängigkeiten sind für viele Betroffene unklar, teils widersprüchlich oder auch unerklärlich, und schon gar nicht zeigt sich eine lineare Abhängigkeit.

LG Neptun
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Re: Schubsymptome?

Beitragvon Sunflo » Di 17. Sep 2019, 07:03

Hallo, nochmal eine Frage:
ich habe eben eine Stuhlprobe genommen und dabei festgestellt, dass in meinem Stuhl eine paar dünne Blutfäden sind. Ist das dann doch ein Schubzeichen?

LG
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Re: Schubsymptome?

Beitragvon Haya » Mi 18. Sep 2019, 09:47

Hallo Sunflower.

Ich stecke aktuell in einem Schub und kann dir sagen, dass wenn vermehrt Schleim und auch dazu noch Blut zu sehen ist, könnte sich ein Schub ankündigen.

Deshalb würde ich erstmal ab deiner Stelle, wie Neptun schon schrieb, Zucker komplett weglassen! Auch Faseriges Obst und Gemüse. Und keine Rohmilchprodukte, Schimmelkäse, Körner essen. Und dann Mal sehen, wie dein Darm sich verhält. Aber ruhig mal eine Woche.

Ich persönlich bin ja dafür, dass man diese Dinge komplett aus der Ernährung streicht um dauerhaft Schubfrei zu bleiben.

Du musst vielleicht darüber nachdenken, wie du ich in Zukunft ernähren möchtest. :-)
Ist nicht einfach aber die Gesundheit ist es wert wie ich finde.

Zucker und Sulfite sind übrigens Gift für den Darm!

Aufpassen.

Alles Gute für dich.
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