Windpockenimpfung bei Entyvio / Vedolizumab

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Windpockenimpfung bei Entyvio / Vedolizumab

Beitragvon neofromtherabbithole » Mo 17. Jun 2019, 21:59

Hallo,


vor 2 Wochen habe ich meine erste Infusion Entyvio bekommen.
Da ich generell noch sehr ängstlich dem ganzen gegenüber stehe, macht mir auch die Thematik mit den Impfungen etwas Angst.

Vor der Therapie wurde ein Titertest gemacht, wo festgestellt wurde, dass keine Antikörper gegen Varizellen vorhanden sind.
Laut den Ärzten im Krankenhaus kann man auch während den ersten Wochen bzw, ab der 6ten Woche noch die Impfung verabreichen.
Meine Hausärztin war heute allerdings nicht sehr begeistert, als ich ihr davon berichtet habe.

Habt ihr Erfahrungen damit? Ist meine Sorge berechtigt?
Mir fällt es schwer, einfach den Ärzten blind zu vertrauen.


Beste Grüßé
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Re: Windpockenimpfung bei Entyvio / Vedolizumab

Beitragvon Trüffel » Mo 17. Jun 2019, 23:42

Hallo,

vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie sollte eigentlich abgeklärt werden, ob bestimmte Impfungen notwendig sind. Impfungen mit Lebendimpfstoffen sollten vor Therapiebeginn durchgeführt werden.

Ich hab mal in einem alten Bauchrechner (4/2011) nachgesehen:
In Deutschland sind bei > 95% der Erwachsenen Antikörper gegen Varizellen nachweisbar. Bei einer unsicheren Infektionsanamnese bestimmt man den Antikörper-Titer. Sollte der negativ sein, bekommt man die Varizellen-Impfung in zwei Dosen und wartet danach mind. 4 Wochen, bis mit der immunsuppr. Therapie begonnen wird.
(Infos aus dem Artikel von Dr. med. Josef Weismüller)

Die Grundimmunisierung gegen Windpocken findet meines Wissens nach im Kindes-/Jugendalter statt.
Weiter heißt es bei den Empfehlungen der STIKO:

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Varizellen außerdem Personen mit besonderen gesundheitlichen Risiken, die bisher ungeimpft sind und noch keine Varizellen durchgemacht haben oder bei denen bei serologischer Testung keine spezifischen Antikörper gefunden wurden (= empfängliche Personen). Dazu gehören z.B. seronegative Patienten vor immunsuppressiver Therapie (...)

Die bisher mit der Varizellen-Impfung gesammelten Erfahrungen zeigen, dass auch gegen Varizellen geimpfte Personen an Herpes zoster erkranken können.

Bei allen Varizellenimpfstoffen handelt es sich um Lebendimpfstoffe (...)

(Quelle: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfe ... nn=2375548)


Für Erwachsene gibt es die Impfung gegen Gürtelrose (Herpes zoster), die durch das Varizella-zoster-Virus ausgelöst wird, das bei Erstkontakt (meist im Kindesalter) die sog. Varizellen (Windpocken) verursacht.
Dafür gibt es zwei Arten von Impfstoffen: Lebend- und Totimpfstoff.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose mit einem Totimpfstoff:
allen Personen ab 60 Jahren.
allen Personen ab 50 Jahren, deren Immunsystem durch Krankheit oder Behandlung geschwächt ist.
allen Personen ab 50 Jahren mit Grunderkrankungen wie Diabetes, rheumatoider Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und Asthma.

(Quelle: https://www.impfen-info.de/impfempfehlu ... es-zoster/)
(oder zum genauen Nachlesen: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Herpe ... nn=2375548)

Wenn du einen Lebendimpfstoff bekommen sollst, kann ich deine Hausärztin schon verstehen. Entyvio ist wirkt zwar anders als andere Biologika selektiv immunsupprimierend, also auf den Darm beschränkt, aber ich würde es nicht unterschätzen.

Lebend­impfstoffe sollten Patienten unter Vedolizumab-Therapie nur gegeben werden, wenn der Nutzen die Risiken eindeutig überwiegt. (Quelle: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ ... dolizumab/)

LG Trüffel
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wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.

(Marie von Ebner-Eschenbach)
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