Cortiment seit fast einem Jahr

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Cortiment seit fast einem Jahr

Beitragvon ManuEla » Di 13. Nov 2018, 23:28

Hallo, ich bin neu im Forum und habe lange überlegt nach eurem Rat zu fragen. Ich habe seit 2012 Colitis Ulcerosa mit aktiv chronischem Verlauf. Ich hatte bisher nur eine kleine Ruhephase, in denen die Symptome vollständig verschwunden waren. Die war komischerweise direkt nach dem Abstillen meines Kindes für ca. ein halbes Jahr. Innerhalb der Schwangerschaft und während der Stillzeit hatte ich zeitweise bis zu 20 Stühlgänge am Tag nur mit Schmeim und Blut.
Momentan geht es mir den Umständen entsprechend gut. Dennoch habe ich alle 2 oder drei Tage mit viel Blut im Stuhl zu kämpfen, der Stuhdrang hält sich in Grenzen. Mein Calprotektinwert ist allerdings seit fast einen Jahr bei ca. 350. Seit ungefähr dieser Zeit nehme ich auch Cortiment 1x am Tag sowie Salofalk Zäpfchen 1g und Pentasa Xent 2g. Mein Gastro möchte absolut nicht, dass ich mit dem Cortiment aufhöre. Ich habe ihm schon mehrfach gesagt, dass ich mit Budenosid oder Colifoam Schaum viel größere Besserungen verpürt habe. Er meint jedoch, dass diese die Darmflora angreifen und nicht als Dauermedikation geeignet sind. Sollte bis Januar nun keine Besserung der Werte eintreten, möchte er auf Aza umstellen. Dies möchte ich jedoch noch auf keinen Fall. Was meint ihr dazu? Ich würde Cortiment am liebsten nicht mehr nehmen, da es ja offensichtlich keine Besserung bringt. Ich verstehe auch nicht, warum mein Gasto so gegen die rektalen Medikamente ist und sie mir verwehren möchte.
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Re: Cortiment seit fast einem Jahr

Beitragvon neptun » Mi 14. Nov 2018, 20:06

Hallo Manuela,

willkommen im Forum.

Dein Arzt beißt sich selbst, ist Cortiment doch auch nicht zur Dauermedikation geeignet. Die normale Anwendung soll 8 Wochen nicht überschreiten.
Und es sind 9 mg Budesonid drin.
Ein Budesonidschaumstoß hat 2 mg drin.

Du solltest statt Pentasa lieber Mezavant nehmen. Pentasa ist mit Ethylcellulose ummantelt und löst sich daher frühzeitig im Dünndarm auf. Kannst Du in der Fachinfo unter 5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften lesen. Danach wird schon viel im Dünndarm resorbiert, was man eigentlich gar nicht haben will, wirkt es doch auf der Darmschleimhaut. Es ist für den Bereich der Ileozökalklappe geeignet.

Mezavant löst sich mit MMX-Matrix ganz anders im Dickdarm auf, wirkt nach Vorgabe bis in den Enddarm. Hier mal ein Link zur Wirkungsweise:
http://www.krankenpflege-journal.com/inneremedizin/gastroenterologie/1574-mezavantr-mmxr-mesalazin-seit-dem-1-januar-2009-auch-als-n3-mit-120-tabletten-pro-packung-erhaeltlich.html

Colifoam scheint immer noch nicht wieder lieferbar. War am einfachsten anzuwenden, hat aber auch umgerechnet 18 mg Prednisolon drin je Spritze.

Sicher wäre auch ein Mesalazinklysma gut, oder ist Deine Entzündung nur eine Proktitis?

Wann war denn Deine letzte Kolo?

LG Neptun
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Re: Cortiment seit fast einem Jahr

Beitragvon ManuEla » Mi 14. Nov 2018, 23:16

Hallo Neptun,

vielen lieben Dank für deine Antwort und deine Tipps.

Meine letze Koloskopie war im Februar 2014, danach aber einige Rektoskopien. Allerdings war hier die letzte im April 2017. Die Entzündung war zu diesen Zeitpunkt schon bei 35 cm im Darm. Seitdem nimmt mein Arzt alle 3 Monate die Calprotektinwerte. Ich habe leider in meiner schlimmsten Zeit den Arzt gewechselt, da mein damaliger Arzt mir keinen kurzfristigen Termin geben konnte.

Ich hatte mit Salofalk Klysmen gute Erfahrungen gemacht, aber die will mein neuer Arzt mir auch nicht verschreiben. Salofalk Zäpfchen sind für ihn ok. Aber auch die helfen nicht. Coliofoam Schaum und Budenofalk haben immer gute Wirkung gezeigt, aber leider auch nur solange ich sie genommen habe. Nach dem Absetzen der Schäume ging es wieder von vorn los.

Mein Arzt schwört auf Cortiment ohne auf andere Medis einzugehen. Das Schlimmste ist, dass für ihn danach keine andere Alternative mehr zählt, als auf Aza umzusteigen.

Neue Terminvergaben bei meinem alten Arzt sind nächste Woche. ich hoffe dann wieder einen Termin bei ihm zu erhalten.

Am liebsten würde ich das Cortiment absetzen. Habe aber Angst, dass es noch schlimmer wird.

Liebe Grüße Manuela
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Re: Cortiment seit fast einem Jahr

Beitragvon neptun » Mi 14. Nov 2018, 23:34

Hallo Manuela,

die Zäpfchen bleiben nur im Rektum, wirken also max. 16 cm. Da Du Entzündung bis über das Sigma hast, kann am besten ein Klysma wirken.

Das Verhalten des Arztes ist wirklich unverständlich und er handelt ja gegen seine eigene Argumentation, wie ich schrieb. Auch Cortiment ist nicht für die Dauer.

Da wünsche ich Dir, Du kommst wieder zu Deinem alten Arzt und bekommst Mezavant und die Klysmen. Kann man auch kombinieren, die Klysmen zur Nacht, weil Mesalazin möglichst lange auf der enzündeten Darmschleimhaut liegen soll, und den cortisonhaltigen Schaum am Vormittag, wenn man eine gute halbe Stunde nicht auf die Toilette muß.

Du solltest Deinen Körper aber nicht überfüttern sondern auch mal kitzeln. Bedeutet, nicht jeden Tag alles nehmen, bis auf Mezavant. Auch mal einen Tag Pause einlegen. Der Körper soll merken, daß er etwas ändern und sein Bestreben nach Entzündung aufgeben muß.
So zumindest meine Philosophie.

LG Neptun
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Re: Cortiment seit fast einem Jahr

Beitragvon ManuEla » Mi 14. Nov 2018, 23:53

Hallo Neptun,

vielen Dank!

Besonders deinen letzten Absatz werde ich mir sehr zu Herzen nehmen. Ich war sonst immer der Ansicht, "viel hilft viel"... bei den Cortisonschäumen habe nie kleine Pausen eingelegt. Aber so wie du es schreibst, scheint es mir auf jeden Fall sinnvoll zu sein.

Dankeschön. Ich kann ja noch einmal berichten.

LG Manuela
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Re: Cortiment seit fast einem Jahr

Beitragvon bettina » Do 15. Nov 2018, 11:12

Hallo ManuEla,

die Medikation und auch den Arzt zu hinterfragen ist gut und richtig. Sich hier für das Gespräch mit dem Arzt zu informieren...... dafür gibt es dieses Forum.

Und genau da hat es auch seine Grenze. Ich zitiere mal aus den Nutzungsbedingungen:

Das DCCV-Forum ist kein Expertenforum, das heißt es findet keine Beratung durch Ärzte oder Experten statt. Es ist ein Angebot von Betroffenen für Betroffene und ersetzt keinen Arztbesuch.


Konkrete Dosierungsanleitungen und Hinweise zur Behandlung gehören in die Kompetenz eines Arztes. Derartige Hinweise sind zu unterlassen und werden ggf. gelöscht.


Nimm die Anregungen als Grundlage für ein Gespräch mit deinem Arzt um das weitere Vorgehen zu besprechen. Auf keinen Fall
solltest du aufgrund eines Beitrages hier im Forum ohne Rücksprache mit deinem Arzt eine Medikation eigenmächtig ändern oder aussetzen.

VG
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