Salofalk trotz / bei Magen-Darm-Infekt nehmen?

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Salofalk trotz / bei Magen-Darm-Infekt nehmen?

Beitragvon Johnny_Minnesota » So 11. Nov 2018, 14:51

Liebe Forumsmitglieder,

ich bin neu hier und würde mich gerne mit folgender Frage an Euch wenden. Doch zunächst zu meiner Situation: Ich (35, m) habe seit drei Jahren Probleme mit meinem Darm. Zwar hatte ich 2005 eine heftige und langwirige Darmentzündung, die auch mit Cortison behandelt wurde, doch dann war bis zum Herbst 2015 10 Jahre lang nichts. Im Herbst 2015 und dann wieder ab Herbst 2017 litt bzw. leide ich an Darmproblemen. Eine CED (MC oder CU) wurde nach bisher vier Darmspiegelungen und einer Magenspiegelung ausgeschlossen, auch wenn die Symtome sehr ähnlich oder sogar identisch waren. Es ist wohl ein Reizdarmsyndrom, aber genau weiß man es nicht. Zudem habe ich im Sommer 2016 Pfeifersches Drüsenfieber erlitten, was mein Immunsystem gehörig durcheinander gebracht hat. Da waren die Darmprobleme, die ich mit 1,5 oder 4 Gramm Salofal Granustix immer sehr gut in den Griff bekommen haben, in der Tat das kleinere Übel. Ich erhole mich langsam, auch wenn der Epstein-Barr-Virus (der Auslöser des Pfeiferschen Drüsenfiebers) ein Reihe von Folgeerkrankungen verursacht hat (Probleme nach Impfungen, im Frühjahr 2018 eine hartnäckige Bronchitis etc.), nun ich erhole mich langsam, bin aber noch nicht der alte. Nun, wie dem auch sei.

Aktuell:
Der Magen-Darm-Bereich war in den letzten Wochen nach langer Einnahme von Salofalk sehr gut, so dass ich vorhatte, Salofalk abzusetzen. Zudem nehme ich jeden Tag gemahlene Flohsamenschalen zu mir, die mir gut tun, und weiterhin habe ich schon oft Mutaflor genommen (Coli-Bakterien) Nun, es könnte sein, dass ich mir letzten Montag einen Magen-Darm-Infekt eingefangen habe. Ich hatte kein Fieber, fühlte mich aber an zwei Tagen etwas schlapp und hatte ein flaues Magen-Darm-Gefühl. Zudem war der Stuhl etwas weicher und heute breiig-durchfällig. Sorry für meine detaillierten Schilderungen... :-/ Diese Gefühle hatte ich jedoch auch bei den bisherigen Schüben, so dass ich nicht weiß, ob meine aktuellen Probleme ein Magen-Darm-Infekt oder ein Schub einer chronischen Darmerkrankung darstellen (evtl. könnte ich mich bei einem meiner Schüler angesteckt haben).

Meine Frage:
Darf ich trotz eines möglichen Magen-Darm-Infekts Salofalk nehmen? Das Medikament reduziert ja die Entzündungen im Darm, doch die Entzündungen, wenn sie die Folge eines Infekts sind, haben ja den Sinn, die Krankheitserreger zu vernichten, so meine Erkenntnis als Laie... Ist dies korrekt?

Was denkt Ihr?

Wenn Ihr weitere Tipps für mich habt, wäre ich Euch sehr verbunden. Ja, was will man machen.

Euch allen eine gute Gesundheit und im Krankheitsfall eine gute Genesung!!

Beste Grüße und vielen Dank für Eure Hilfe

Johnny Minnesota
Johnny_Minnesota
neu hier
 
Beiträge: 2
Registriert: So 11. Nov 2018, 14:19

Re: Salofalk trotz / bei Magen-Darm-Infekt nehmen?

Beitragvon neptun » So 11. Nov 2018, 21:59

Hallo Johnny,

willkommen im Forum.
Bist Du in Minnesota?

Hat man bei den Kolos denn auch Entzündung im Darm entdeckt? Wenn ja, weißt Du noch, wo?
Eine Diagnose Reizdarm ist eine Ausschlußdiagnose, die man stellt, wenn alle anderen üblichen und notwendigen Untersuchungen nicht zu einer Diagnose führten.

Und ein Reizdarm geht nicht mit einer Entzündung im Darm einher.

Wenn man also den Calprotectinwert im Stuhl als spezifischen Marker für Magen-Darm-Entzündungen erhöht ermittelt, dann ist es auch kein Reizdarm.

Solltest Du also Entzündung im Dickdarm haben, dann ist Salofalk als Basismedikation richtig und die Dosierung sollte bei Remission min 2g/d betragen, im Schub min. 3g/d. Du schreibst von 4g/d, also alles gut.

Im Salofalk ist das Mesalazin magensaftresistent ummantelt. Es löst sich durch die Beschichtung erst im Dickdarm auf. Hat man nun einen Infekt durch pathogene Keime, der Durchfall wird die Passage beschleunigen und vielleicht kommen die Granusticks dann zu schnell wieder raus, sind also unwirksam. Wäre bei Mesalazin nun nicht so schlimm, denn der Durchfall aufgrund von Keimen sollte normal nach 3 Tagen vorbei sein.
Man kann sie also nehmen.

Und zumindest bei cu sollte man Mesalazin auch lange nehmen, weil es die Remission verlängert und auch dem Krebsrisiko entgegen wirkt. Bei mc wird es auch öfter verschrieben, steht aber als Empfehlung nicht in der Leitlinie drin.

Zur Info hier mal der Link zur Leitlinie cu:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-009.html

LG Neptun
Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird monatlich mit abgestaubt
 
Beiträge: 2947
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58


Zurück zu Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Spaghettitarzan und 7 Gäste