Aussage über Schweregrad der Entzündung durch Calprotectin

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Aussage über Schweregrad der Entzündung durch Calprotectin

Beitragvon Mariela » Do 28. Sep 2017, 18:10

Hallo zusammen,

mich würde interessieren, ob man die Schwere der Entzündung anhand der Höhe des Calprotectinwertes oder CRP festmachen kann.
Ich habe derzeit massive Beschwerden, die manchmal für mehrere Tage komplett verschwinden und dann wieder auftauchen, meist morgens schlimmer als nachmittags etc. und habe jetzt beide Werte nochmal bestimmt bekommen.
Calprotectin ist über 600, das Blutbild ist völlig normal

Theoretisch entspricht das dem gleichen Stand, den ich Anfang Juni bei der Darmspiegelung hatte (latente, abheilende Entzündung im Dickdarm; kein Verdacht auf CED), nur dass es mir jetzt wesentlich schlechter geht als im Sommer.
Eine erneute Spiegelung ist derzeit nicht vorgesehen, Ultraschall und Abtastuntersuchung war ohne Befund.
Jetzt nehme ich seit 1,5 Wochen wieder Salofalk und dachte erst, es geht besser, aber offensichtlich nicht. Oder nicht immer.

Der Arzt meint, ich sollte noch 8-10 Tage warten, bevor ich nochmal einen Termin mache und wir evtl. etwas Härteres versuchen. Aber im Moment bin ich echt fertig und weiß nicht, wie ich die Tage überstehen soll. Ich fühle mich wie bei einer Magen-Darm-Grippe mit Durchfall, danach Schüttelfrost, Schwindel- und Übelkeitsanfällen mit Hitzewallungen. Aber nur einen Tag lang. Am nächsten geht es mir blendend...dann kommen ein paar Tage, die okay sind mit leichten Beschwerden und dann geht es wieder los.

In dem Zusammenhang habe ich noch eine Frage: vor ein paar Tagen habe ich einen Beitrag über die richtige Einnahme von Salofalk mitgelesen. Weiß jemand, ob man die Granustix auch jeweils 1 Stunde vor einer Mahlzeit nehmen muss? In der Packungsbeilage steht davon nichts, nur bei den Tabletten stand es bei.

Danke und lg,
Mariela
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Re: Aussage über Schweregrad der Entzündung durch Calprotect

Beitragvon Mariela » Do 28. Sep 2017, 18:47

Wer suchet, der findet... habe gerade diesen sehr guten Beitrag hier entdeckt: viewtopic.php?f=3&t=2517
Falls trotzdem noch jemand was dazu sagen kann - immer gerne
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Re: Aussage über Schweregrad der Entzündung durch Calprotect

Beitragvon neptun » Do 28. Sep 2017, 20:06

Hallo Mariela,

gut, daß Du fündig wurdest. Kommt mir bekannt vor. ;)

Ich verfolge das Thema weiter und gerade heute gab es im Raedlerforum mal wieder einen Post vom verwirrten mbeeken. :
"hallo herr professor, 28.09.2017

ich habe für diesen monat nochmal einen calpro test gemacht. dieser war nach 10000, 6000, 115 (und anschließend wiederholt auf der gleichen probe 600) und jetzt wieder 1500. damit ist für mich klar, dass der calpro test definitv für mich aktuell keine aussagekraft hat. echt komisch, das einzige was momentan noch auf eine entzündung hinweist, ist ein leichtes zwicken an der rechten stelle, wo man mir vor 5 jahren 20 cm darm entfernt hat...."

Ich kann die Verwirrung verstehen, zumal der Prof. auch Statements macht, die mir nicht einleuchten. So:
"Calprotektin ist der zur Zeit beste Entzündungsparameter für CED-Patienten, aber perfekt ist er nicht, und bei Dir wirklich wenig verlässlich."

"Bin nicht in der Praxis. 28.07.2017
Muss also noch einmal nachsehen. Tendenziell sind die Werte im mittleren Bereich eher höher ! Aber zu den Werten, die Du angegeben hast: unter 15 ist vollständig Enzündungs -frei, unter 50 ist noch normal, unter 500 wenig Entzündung meist keine Symtome ! gr ar"

"Sehr geehrter Herr Rädler, 28.07.2017
unser Sohn hat Colitis ulcerosa, sein ganzer Dickdarm ist betroffen. Der aktuelle Calprotectin Wert ist bei 1400. Früherer Wert war bei 1800. Heißt das, daß der Dickdarm zur zeit stark entzündet ist? Oder wie ist die Aussagekraft bei einer Pancolitis bezüglich Calprotectin? Stuhlgang ist 1-3 mal am Tag, keine Bauchschmerzen, kein Blut dabei....
Danke für die Info.
Rosi-k.
Diese Werte sprechen für nur eine mäßige Aktivität! Gr arp"

"Lillyfee, 01.09.2017
Verehrter Herr Prof.,a) ab welchem Calprowert sollte man MC zweckmäßigerweise behandeln, wenn ansonsten keinerlei Beschwerden vorliegen und b) welche Wertskala (Calprowert von bis) spricht eigentlich bei MC für eine leichte, welche für eine mittelschwere und welche für eine schwere Entzündung?
Danke im voraus für die Antwort.
Lillyfee
Zu a; Wenn das Calspro über 500 geht, aber abhängig von den klinischen Symptomen.
zu b; Beim MC hängt es aber sehr davon ab , ob es sich um eine Ileitis Crohn handeln (hier zählt nicht die absolute Höhe des Wertes) oder um Colitis und Ileocolitis Crohn handelt (dabei sind Werte unter Tausend als leicht, bis 5ooo mäßig und über 5000 als schwer einzuschätzen sind). gr ar
03.09.2017, 10:47"

"12.08.2017, 10:11
Vierstellige Werte über längere Zeit sind aber typisch für CED ! gr ar"

Nun noch die Antwort auf meine Anfrage:
http://www.ced-hospital.de/service/patforum/thread.php?threadid=9188&boardid=2&sid=9df8bbecce4f13edda3668fc108f0458

"Grundsätzlich sind Cu und MC Calprotektinwerte nicht vergleichbar, Eine lineare Beziehung ist für die CU immer wahrscheinlich, bei der MC hilft of nur der intraindividuelle Verlauf der Calprowerte. gr ar
PS Trotz der günstigen Messbedingungen ist eine Calpro-Analyse Biologie und keine Mathematik.
09.03.2017, 11:13

Untersuchungen gibt es ja etliche, wie man lesen kann. Aber es wird sogar berichtet, der Calprowert wäre auch vorausschauend einzusetzen, würde also steigen, wenn man sich noch, in diesem Falle unter Medikation, in Remission befinden würde, aber in der nächsten Zeit sich Entzündungsgeschehen zeigt.
Der angegebene Wert von 477 mg/kg in klinischer Remission, der läßt mich dabei wieder an meinen einzigen Calprowert von 443 mg/kg denken und an den Befund der Kolo und Histo.
Und da ging es um cu.
Dir und Gesine liebe Grüße,
Neptun
13.03.2017, 09:33

Hallo Prof. Raedler,
danke für die Antwort.
Sicher ist die vergleichende Ermittlung des Calprowertes bei einer Person zielführend für die Behandlung, will man nicht immer wieder invasiv oder indirekt apparativ ermitteln.
Wie es für große Bereiche der Medizin gilt, der Mensch erforscht zwar viel und gut, letztlich fehlt aber oft dann doch das Wissen und das Verständnis, warum die Körper so unterschiedlich reagieren. Sie sind einfach zu komplex aufgebaut, haben zu viele Regelkreise und Möglichkeiten der Variation.
LG Neptun
13.03.2017, 09:16

Hi Neptun !
Das sehe ich ganz genauso. Deshalb sind Diagnosen nur ein grobes Raster und jeder Patienten mit seinen Symptomen und Befunden muss ganheitlich und individuell betrachtet und verstanden werden. Es ist nun einmal eine Tatsache (die aber ständig geleugnet wird): Nicht zwei Kranken mit gleicher Diagnose sind gleich ! gr ar
14.03.2017, 11:10

Granustix gehen ohne Abstand zum Essen. Sollen so durchrutschen. Kannst Du morgens mit viel Flüssigkeit direkt vor dem Essen nehmen.

Nun weißt Du so viel wie ich. :)

LG Neptun
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Re: Aussage über Schweregrad der Entzündung durch Calprotect

Beitragvon Mariela » Sa 30. Sep 2017, 21:11

Hallo Neptun,

vielen Dank für diese weiterführenden Infos.

Letztendlich gibt es also keine definitive Antwort auf das Thema... einen 4-stelligen Wert hätte ich jetzt mal definitiv als hohen Entzündungsgrad gewertet.

Weißt du zufällig, ob die genaue Ermittlung des Calprotectins irgendwie aufwändiger/teurer o.ä. ist, als die Bestimmung von <50 oder >600?
Mein Arzt hat jetzt beide Male nur ermitteln lassen, dass der Wert >600 ist, aber die genaue Höhe kenne ich damit dann nicht (und bin etwas erschrocken, dass die anscheinend bis in die 10000ende gehen können).

Danke und lg,
Mariela
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Re: Aussage über Schweregrad der Entzündung durch Calprotect

Beitragvon neptun » Do 5. Okt 2017, 08:56

Hallo Mariela,

gerne. :)

Zur Auswertung gibt es den Elisatest Calprtotectin. Soll wohl recht unkompliziert gehen und auch die Probenvorbereitung/Aufbereitung ist nicht fehlerträchtig. Der Stuhl muß weder gekühlt noch ganz schnell ausgewertet werden.

Hier mal Links:
[url]rosdok.uni-rostock.de/.../Dissertation_Kangowski_2012.pdf[/url]

https://www.bing.com/search?q=www.immundiagnostik.com%2Ffileadmin%2Fpdf%2FPhiCalCalpro_Stuhl_1h_K69%E2%80%A6&qs=n&form=QBRE&sp=-1&pq=www.immundiagnostik.com%2Ffileadmin%2Fpdf%2Fphicalcalpro_stuhl_1h_k69%E2%80%A6&sc=0-0&sk=&cvid=81D4FEB768E74A7FA734B7C1E635B8F1

Erfahrungen aus der Praxis sind mir nicht bekannt. Vielleicht wissen andere Forenteilnehmer spezielles.

LG Neptun
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Re: Aussage über Schweregrad der Entzündung durch Calprotect

Beitragvon Mirja » Fr 20. Okt 2017, 10:49

Hallo zuammen,

möchte auch kurz etwas dazu beitragen:
Nach erfolgreicher Behandlung durch Mezavant kombiniert mit Claversal-Zäpfchen ist mein Calpro-Wert von 280 auf 5 runter gegangen.

Viele Grüße,
Mirja
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