Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
Aerodyne79m
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von Aerodyne79m »

Beim gestrigen Kontrollbesuch (nach 3 Monaten Humira geht es mir aktuell recht schlecht, mal sehen, was die anstehende Darmspiegelung ergibt) habe ich meinen Arzt auf die Antibiotika-Theorie als Ursache für Colitis Ulcerosa angesprochen. Er bestätigte, dass es diese in Fachkreisen durchaus Theorie gebe und auch erforscht werde, allerdings gäbe es noch keine fundierten Ergebnisse. Bei jeder Blutuntersuchung eines CU Patienten werde aber auch ein Wert analysiert, der wohl Rückschlüsse auf diese Theorie erlaubt (oder diese halt widerlegt).
Logisch würde mir das durchaus erscheinen: Da man ja zu gewissen Zeiten sehr großzügig mit der Gabe von Antibiotika verfahren hat und die CEDs schwerpunktmäßig bei einem westlichen Lebensstil registriert werden, könnte das schon passen. Vermutlich müssen aber mehrere Faktoren zusammenkommen - Medikamente, Ernährung, Umgang/Verarbeitung von Stress. Wäre für uns alle natürlich klasse, wenn diese Matrix mal geknackt würde, um sie entsprechend richtig zu behandeln und vielleicht sogar zu kurieren.
Mein Hausarzt ist recht optimistisch, dass dies in den nächsten 10-15 Jahren gelingen wird. Er meint, man habe die Wichtigkeit des Darms in der Medizin halt sehr lange verkannt und sich stattdessen vor allem auf Herz und Gehirn konzentriert, was die Forschung angeht.

Mirja
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von Mirja »

Hallo zusammen,

das ist ein interessantes Thema, ein interessanter Ansatz und ich möchte auch etwas beitragen.

Ups ... in 10 bis 15 Jahren soll die Forschung ein "Ergebnis" liefern - noch eine lange Zeit bis dahin.

Als Kind habe ich auch öfter Antibiotika bekommen, weil ich Probleme mit den Polypen hatte und mit der Atmung. Man hat sich dann doch entschlossen, die Polypen nicht entfernen zu lassen.

Mein Verdacht, als ich vor 21 Jahren (mit 31 J.) die Diagnose CU bekam, war psychischer Stress als Ursache ... dieses "immer und in allem perfekt sein" wollen. Damals habe ich gerade mein 2. Kind gestillt und musste dann wegen der Medikamente abstillen. Ich hatte aber auch in der Zwischenzeit schon Jahre (bis zu drei) ohne einen Schub und sogar anfangs gedacht, dass die Diagnose bei mir sicher falsch war ... :?

Auch schlagen mir Probleme schnell "auf den Magen", d. h. ich kann von einer Minute auf die andere heftigen Durchfall bekommen (bei einer schlechten Nachricht, einer Angst o. ä.).

Sportlich war ich immer gerne, aber nicht bis an meine Grenzen. Zur Zeit muss ich mich aufrappeln, da mir durch den Schub doch einige Kraft verloren geht.

Den letzten (andauernden) heftigen und langen Schub habe ich im Februar bekommen, nachdem ich aufgehört habe zu rauchen und nun dampfe.

Ich lese hier schon lange mit nachdem ein anderes Forum geschlossen wurde (hieß "Cröhnchen-Club" oder ähnlich) und habe den Eindruck, dass sich hier viel Wissen um die Krankheit und die Medikation sammelt.

Schöne Grüße,
gute Nacht,
Mirja

Olagwin
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von Olagwin »

Ich hatte mir auch so Gedanken gemacht und hatte drei Hauptverdächtige:
- Antibiotikabehandlung zweimal gegen Helicobacter
- bissl Depression
- Angststörung

Aber erstaunlich dass so viele die Antibiotikabehandlung auch nennen. Das wurde doch bestimmt schonmal wissenschaftlich untersucht, oder?

Aerodyne79m
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von Aerodyne79m »


Olagwin
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von Olagwin »

Ja, hört sich möglich an. Jetzt wo ich so nachdenke hatte ich als kleines Kind auch ein paar mal Lungenentzündung, da habe ich bestimmt auch Antibiotika bekommen. Aber nagut, letztlich ist die Ursache ja Vergangenheit. Interessanter ist, wie das Problem gelöst werden kann und da gibt es ja soweit ich es sehe durchaus Forschung am Mikrobiom.

meike96
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von meike96 »

Huhu,

ich bin recht neu hier. Morbus Crohn habe ich jetzt 9 1/2 Jahren. Bei meiner Digansoe war ich 11 Jahre Alt.
Alle Ärzte die damals MC behandelten waren total überfordert mit meinem jungen Alter.

Früher habe ich auch Antibotkium bekommen, gegen die typischen Kinderkrankheiten die man so kennt.
Meine Vermutung ist, dass ich das MC schon viel viel länger als Zeit meiner Diganose hatte. Ich hatte da letztens ein Gespräch mit
meiner Tante, die meinte das bestimmte Sachen/Krankheiten früher auffällig waren für ein kleines Kind. Da wusste man es aber
noch nicht besser und MC war bei Kinder noch nicht wirklich erforscht geschweigeden wusste man das Kinder MC bekommen können.

Meine Schübe hängen meist mit seelischen Problemen oder viel Stress zusammen.

LG

Mirja
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von Mirja »

Hallo in die Runde,

heute frage ich mich, warum nicht jeder Patient, der eine CED diagnostiziert bekommt, in eine Datei aufgenommen wird, einen Fragebogen in die Hand bekommt - am besten in regelmäßigen Abständen - um alle möglichen Eckpunkte abzufragen. Dies natürlich auf freiwilliger Basis, ggfs. auch anonym.
Es könnten die Themen Ernährungsgewohnheiten, besondere Vorerkrankungen, generell Genetik, Psyche und viele andere abgedeckt werden.

Wenn man alle Ergebnisse zentral speichert und auswertet, bestünde doch die Möglichkeit, einen "gemeinsamen ursächlichen Nenner" zu finden oder diesem auf die Spur zu kommen.

Gibt es so etwas?

Sonntagsgrüße :)
Mirja

Olagwin
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von Olagwin »

Genau das habe ich mich auch gefragt. Es war mir ziemlich unklar, warum es sowas Naheliegendes nicht gibt. Vermutlich liegt es daran, dass es den Staat nicht interessiert, sowas zu heilen, ebenso wenig wie die Pharmafirmen. Die verdienen ja besser wenn man dauerhaft Medikamente nehmen muss. Die einzigen die wirklich ein Interesse an Heilung haben, wären die Patienten. Also vielleicht wir als Patientenverband.

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japanworm
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von japanworm »

Wow! Das ist wirklich interessant.
Ich hatte als Kind auch extrem oft entzündete Mandeln.
Sie sollten rausgenommen werden, ich wollte aber nicht. :)
Ich hab meine Mandeln also bis heute und sie machen mir heute noch manchmal Probleme. ^^;

Ob ich damals viel Antibiotika bekommen habe, weiß ich nicht mehr.


Ich glaube trotzdem, dass das eher Zufälle sind.
Viele Kinder hatten mit häufigen Mandelentzündungen zu kämpfen. Daraus einen Zusammenhang zu basteln, ist schon weit hergeholt.
Zu viel Antibiotika macht dann schon eher Sinn. :)

56ooooo56
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Re: Gemeinsamer ursächlicher Nenner aller Erkrankten?

Beitrag von 56ooooo56 »

Hallo,
bei mir wars so:
- Kindheit im Osten der Republik (70er Jahre)
- Wochenkrippe (zum Glück nicht zu lange) siehe auch hier... http://www.deutschlandfunkkultur.de/all ... _id=379620
- in den Räumlichkeiten der Kinderbetreuung: Einsatz von Desinfetkionsmittel (Formaldehyd?)
- erste starke Allergische Reaktionen und Schwächung des Imunsystems im Kleinkindesalter (Haut: Neurodermitis)
- lt. meinen Eltern: als 3 jähriger - starke fiebrige Erkrankung (Virusinfektion: evtl. Pfeiffer-Drüsenfieber) mit Aufenthalt im Krankenhaus / Quarantäne
- als Schüler: in den 10 Jahren (von 7 bis 16) ca. in Summe: 1 Schuljahr Fehltage, a.G. div. Erkrankungen, hauptsächlich Obere Atemwege
- ich kann mich an ein Medikament noch gut erinnern --> "berlocombin" ==> "Trimethoprim ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Diaminopyrimidine", das gab es mit dem Löffel!!!
- polit-Wende: 90er Jahre
- mit den schönen bunten Supermarkt Lebensmitteln + Fastfood Möglichkeiten kamen die Nahrungsmittelallergien und permanente Verdauungsstöhrungen / Reizdarm / ColitisU...
- auf Arbeit darf man auch nicht fehlen, also jede Erkältung (minimal 2x im Jahr) Antibiotikum...
- mit 30 dann die gesicherte Diagnose: CU Pancolitis
-- 16 Jahrel lang: Trial and Error : Ernährung / Medikamente / Legensweise / Sport... viel gelernt!
- mit 46 Kolektomie

vg
tilo

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