aus der Presse: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Crohn

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.
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CaroKRA
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aus der Presse: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Crohn

Beitrag von CaroKRA »

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Darmflora: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Crohn

– Patienten mit Morbus Crohn haben bereits zu Beginn ihrer Erkrankung eine Störung der Darmflora. Dies ergab die bisher größte Mikrobiom-Analyse zu der entzündlichen Darmerkrankung, deren Ursache unbekannt ist.

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57945

ZM2012
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Re: aus der Presse: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Croh

Beitrag von ZM2012 »

Interessant, insbesondere, da die FMT bei MC kaum eine Wirkung zeigt.

Spinnwebe
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Re: aus der Presse: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Croh

Beitrag von Spinnwebe »

ZM2012 hat geschrieben: die FMT bei MC kaum eine Wirkung zeigt.
FMT? Fernmeldetechnik?

Ich finde das Ergebnis dieser Analyse ebenfalls äußerst interessant, bei mir kam es zum Ausbruch des Crohn nach Einnahme von Antibiotika.

Ich hoffe, diese Erkenntnis wird nicht nur in Arztpraxen ernst genommen, wichtig ist auch, dass sich das in den Köpfen von Patienten manifestiert. Das allgemeine Wissen, wann und warum Antibiose scheint doch gelegentlich sehr mangelhaft, konnte ich doch kürzlich wieder zufällig hören, wie sich eine junge Frau bei ihrer Freundin böse beklagte, dass ihr ihr Hausarzt keine Antibiotika verschrieb, obwohl sie so einen dollen Schnupfen hat, aber zum Glück hätte sie noch einen weiteren Arzt, der ihr alles verschreibt, was sie möchte. Von diesem bekam sie auf Verlangen ein Breitbandantibiotikum. :shock: Hm.
Herzlich grüßt
die Spinnwebe


MC Diagnose 2005, beschwerdefrei durch TCM und Ernährungsumstellung seit 2009

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Eusebia
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Re: aus der Presse: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Croh

Beitrag von Eusebia »

Hallöchen,

ich finde den Beitrag auch interessant, allerdings trifft auch das nicht bei jedem zu. Es muss also auch noch andere Gründe geben, warum die Besiedlung gestört ist, denn ich habe in meinem Leben so gut wie nie Antibiotika genommen. Kommt bei mir als Auslöser nicht in Frage. Und vor ca. drei Jahren habe mal ich in Remission Antibiotika wegen einer anderen Krankheit genommen und bin in Remission geblieben.

Vielleicht könnte man da auch mal wieder das Rauchen in Erinnerung bringen, denn ich habe geraucht bevor mein Crohn ausgebrochen ist und ich bin heute in sehr langer Remission, auch weil ich nicht mehr rauche. Rauchen schädigt nämlich auch die Darmbesiedlung.

Oder die Ernährung, die verändert die Besiedlung unseres Darms auch. Ebenso Giftstoffe in unserer Nahrung und Umwelt. Wir nehmen doch massiv Giftstoffe über die Nahrung, über die Luft, über die Haut usw. auf und das hat natürlich auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Wir leben halt im Chemie-Zeitalter. :x

Genauso wie aber auch zu viel Sauberkeit, d.h. Bakterien müssen doch von außen hinzukommen und wenn man das nicht mehr zulässt, vor lauter Hygienewahn, dann gibt es auch Ungleichgewichte. Das heißt Dreck ja - Chemie nein.

Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, ob man die Ursache findet und ich würde das auch sehr begrüßen. Aber das man die eine Ursache für alle findet, bezweifle ich trotzdem.

VG Eusebia
Wer sich nicht selbst helfen will, dem kann niemand helfen.
Hans A. Pestalozzi

castello
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Re: aus der Presse: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Croh

Beitrag von castello »

Hallo,
hier noch was von Andrea Kamphuis.
Sie möchte ein Buch über Autoimmunkrankheiten schreiben und hier einige Notizen bzw. Überlegungen von ihr:

Zitat Andrea Kamphuis:

Westliche Kost löst in neuem Tiermodell für Morbus Crohn Dysbiose und E.-coli-Invasion aus
Publiziert am 15. März 2014 von Andrea Kamphuis
Martinez-Medina M et al. Western diet induces dysbiosis with increased E coli in CEABAC10 mice, alters host barrier function favouring AIEC colonisation. Gut 2014;63:116-124

Hold GL. Western lifestyle: a ‘master’ manipulator of the intestinal microbiota? Gut 2014;63-1 (Kommentar zu Martinez-Medina M et al. 2014)

Gegenstand der Studie an einem neuen Maus-Modell für Morbus Crohn: Auswirkungen fett- und zuckerreicher “westlicher Kost” auf die Zusammensetzung der Darmflora, den Zustand der Darmschleimhaut und die Anfälligkeit für AIEC-Infektionen in CEABAC10-Mäusen, die bestimmte humane Zelladhäsionsmoleküle (CEACAMs) exprimieren. AIEC = adhärent-invasive Escherichia coli.

Westliche Kost ist mit reduzierter Darmflora bei gleichzeitiger Zunahme von schleimabbauenden Bakterien aus dem Stamm Bacteroidetes (Gruppe Bacteroides/Prevotella) sowie Ruminococcus torques (Familie Lachnospiraceae, Stamm Firmicutes) assoziiert, wobei die genetischen Anlagen des Wirts sein Mikrobiom ebenfalls beeinflussen.

Zunahme der AIEC in den Mäusen entspricht der Situation in Morbus-Crohn-Patienten, vor allem, wenn deren Ileum (Krummdarm) betroffen ist: AIEC haben Typ-I-Pili und Geißeln, die an CEACAM6 binden – ein typisches Oberflächenprotein, das durch das Bakterium und auch durch proinflammatorische Zytokine des Wirts hochreguliert wird. Hochregulierung -> noch mehr von diesen Bakterien in der Lamina propria (Bindegewebsschicht unter dem Epithel der Schleimhaut) und in Makrophagen; Bakterien überleben in deren Phagolysosomen.

Verschiebung der Mikrobiom-Zusammensetzung -> Darmschleimhaut wird durchlässiger, Barrierefunktion (Zahl der Becherzellen, Mucin-Expression, Dicke der Schleimschicht) beeinträchtigt, Expression von Genen der angeborenen Abwehr verstärkt, Entzündungskaskaden hochgeregelt: mehr Nod2 (intrazellulärer Rezeptor, der Bakterienzellwandbestandteile erkennt) und TLR5 (Rezeptor, der Flagellin erkennt) -> MAP-Kinase-Weg und NF-κB-Signalweg -> Sekretion entzündungsfördernder Zytokine wie TNFα.

AIEC profitiert als opportunistisches Pathogen (Pathobiont) von den lokalen Bedingungen, die bei entsprechender genetischer Disposition durch westliche Kost geschaffen werden.

Zusammenfassung des Morbus-Crohn-Modells in Abb. 6: Westliche Kost (Ursache 1) -> Dysbiose -> leichte Entzündung (TNFα hochreguliert); bei genetischer Disposition des Wirts (CEACAM-Überexpression, Ursache 2) -> stärkere Dysbiose; bei Gegenwart von AIEC-Keimen (Ursache 3) -> Besiedlung des Darms durch den Pathobionten -> Entzündung verstärkt (TNFα noch weiter hochreguliert). Barrierefunktion wird immer schwächer, Immunreaktion immer stärker.

Offene Frage: Übertragbarkeit der Tierversuchsergebnisse auf Menschen; anderes Mikrobiom, andere Immunreaktionen …

Quelle: http://autoimmunbuch.de/?p=3745

Gruß Castello

Preusse
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Re: aus der Presse: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Croh

Beitrag von Preusse »

Hallo zusammen,

die Beiträge sind interessant. Treffen aber allesamt nicht auf mich zu.

Ich habe vor Diagnose meines MC nie Antibiotika bekommen.
Auch keine westliche Kost und/oder Süßigkeiten im Überfluss, da ich in der ehemaligen DDR geboren und aufgewachsen bin. Wenn ich was Süßes wollte, dann gab es einen Apfel oder eine Birne (wir hatten einen eigenen Garten) Schokolade war recht teuer und daher selten im Haus.
Die Lebensmittel waren überwiegend naturbelassen (z. B. Milch hielt max. 3 Tage im Kühlschrank, Frischwurst ebenfalls) Als ich Kind war, gab es Milch und Butter noch lose im Milchladen. Radieschen schmeckten auch wie Radieschen, ebenso Gurken und Tomaten. Die Farbe des Eigelbs war abhängig von der Jahreszeit, und wechselte mit dem Futter, welches die Hühner bekamen. Das Eigelb war nie gleichmäßig orange. Im besten Fall dunkelgelb (Sommer) und hellgelb (fast weiß) im Winter.

Wenn es nach den Beiträgen geht, hätte ich nie MC bekommen dürfen. Es muss also noch eine andere Ursache geben.

LG
der Preusse

Louisa
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Re: aus der Presse: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Croh

Beitrag von Louisa »

Hallo :-),
Ich war letztens nochmal bei einem Vortrag, diesmal von Prof. Kruis. Es ging vornehmlich um die Colitis. Neben der genetischen Disposition, die ein Mensch mitbringt, geht man ja davon aus, dass also ein oder mehrere Umwelteinflüsse schließlich zum Ausbruch der CED führen. Wie weit die Spekulationen reichen machte er an dem Beispiel deutlich, dass auch schon mal vermutet wurde, dass die Zahncreme verantwortlich ist, da man die desinfizierenden Inhaltsstoffe runterschluckt und diese dann die Flora beschädigen... ;) Ich fürchte wir werdens nicht rausfinden... Schönen Sonntag euch allen!

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