Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Austausch zu medizinischen Aspekten von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und mikroskopischen Kolitiden.

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon Jana1604 » Do 19. Sep 2013, 17:36

Vielen Dank für diesen Beitrag Neptun

Wenn man sich den so durchliest, merkt man schnell, dass Cortison gar nicht mal so ohne ist, wenn man vorher nie damit in Berührung gekommen ist :(
Benutzeravatar
Jana1604
ist öfter hier
 
Beiträge: 27
Registriert: Di 17. Sep 2013, 13:44
Wohnort: NRW

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon Eva81 » So 1. Dez 2013, 21:54

Hallo Neptun oder auch jemand anders,

ich finde den Beitrag wiklich hiflreich, jetzt habe ich aber dochnoch eine Frage. Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen.

neptun hat geschrieben:Cortisonbehandlung

Man macht beim Ausschleichen eine Gratwanderung. Reduziert man die Dosis, können Symptome und Beschwerden kurzzeitig etwas schlechter werden, aber das sollte sich einpendeln. Mit der Unterdrückung der Entzündung hofft man, der Körper beruhigt sich wieder und gibt letztlich klein bei. Wobei eine vollständige Symptom- und Beschwerdefreiheit bei einer Dosis nicht unbedingt erreicht werden muß. Ganz kontraproduktiv ist die Reaktion, bei einer kurzzeitigen Verschlechterung nach Reduzierung gleich wieder die Dosis zu erhöhen. Reagiert man zu ängstlich, zu schnell, dann hat das zur Folge, daß die Behandlung länger braucht und man im Endeffekt mehr Cortison schlucken muß.


Ich bin seit Freitag bei 5mg Prednisolon angekommen. Bis 10mg war alles super, auch wenn ich reduziert habe. Seit Freitag wurde es aber kontinuierlich schlechter. Ich nehme zusätzlich 2x1,2g Mezavant und abends 2g als Salofalk Klysmen. Ich bin ja der Meinung, dass ich die Klysmen absolut nicht vertrage, mein Arzt meint aber dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass eine Verschlechterung davon kommt. Wie auch immer, ich soll die Klysmen möglichst jeden Tag nehmen für die nächste Zeit. Klar, er will natürlich am liebsten weg vom Cortison und hin zu einer Lokaltherapie. (Ich natürlich auch.) Die letzen Tage konnte ich mir noch einreden, dass der Schleim morgens kein Schleim ist, sondern vom Salofalk kommt. Heute bin ich mir aber 100% sicher, dass es tatsächlich Schleim ist, ziemlich viel sogar. Die Schmerzen und Drang sind wieder stärker, die Festigkeit hat ziemlich nachgelassen und Darmgeräusche kommen zurück.

Wie viele Tage kann ich meinem Darm Gelegenheit geben, selber wieder klarzukommen, bevor ich stärkere Maßnahmen ergreife? Am liebsten würde ich es noch zusätzlich mit Colifoam probieren, bevor ich das Cortison wieder höher dosiere. Ich will aber auch auf keinen Fall riskieren, dass die Cortison-Therapie umsonst war...sollte ich noch 2-3 Tage warten? Oder doch gleich morgen meinen Gastro wieder nerven? (Habe erst Donnerstag mit ihm gesprochen.)

LG, Eva
Eva81
Dauergast
 
Beiträge: 184
Registriert: Fr 18. Okt 2013, 10:39

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon neptun » So 1. Dez 2013, 22:46

Hallo Eva,

leider gibt es ja kein Patentrezept und so kann auch jegliche Empfehlung einen in die Wüste schicken. Weil es eben niemand weiß. Man kann es wirklich nur probieren und man muß Geduld haben. Es kann klappen und sich beruhigen wenn Du noch 1-2 Tage wartest, muß aber nicht.

Du kommst jetzt in den Bereich, wo auch die körpereigene Cortisolproduktion wieder anspringen muß.

Nach Leitlinie ist oral mehr Mesalazin möglich, also z.B. 3 Mezavant, wie ich es auch schon öfter genommen habe. Und da ich Klysmen nicht halten kann, so habe ich Zäpfchen, die es mit 0,5 oder auch 1g gibt.

Die Idee mit dem zusätzlichen Colifoam ist erprobt und sicher gut. Weit besser auch als die Erhöhung der systemisch wirkenden Dosis Predni. Und da die Resorption wohl unter einer Stunde liegt, so kann man den Schaum auch gut am Vormittag verwenden und abends dann das Klysma, denn Mesalazin soll möglichst lange auf der Darmschleimhaut liegen.

Und dann gibt es den Satz aus der Leitlinie, den ich auch hier gerne noch mal zitiere, weil er auf mich zutrifft:

"Die Therapie der refraktären Proktitis kann eine erhebliche klinische Herausforderung
darstellen, weil systemische Therapieformen oder eine Operation unter Umständen, auch
unter Abwägung von Risiken und therapeutischem Nutzen, eine Übertherapie darstellen
können."

Ist vielleicht nicht so schön die Aussicht und muß ja auch gar nicht zutreffen, aber der Satz kann einem auch helfen, zu Geduld, zu Gleichmut, Ruhe zu bewahren, abzuwägen, ob man wirklich die Leiter der Medikation in einem großen Satz erklimmen will, auch wenn noch Jahrzehnte vor einem liegen, etc.

LG Neptun
Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
 
Beiträge: 3529
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon Eva81 » Mo 2. Dez 2013, 10:18

Hallo neptun,

Danke für die ausführliche Antwort.
Wegen der Zäpfchen hatte ich früher schon meinen Gastro befragt, er meinte dass die Wirksamkeit dabei auf ein kürzeres Stück Darm beschränkt ist, die Flüssigkeit verteilt sich weiter in den Darm hinein. Ich kann die Klysmen problemlos halten zur Zeit, ich mag sie halt nur nicht weil sie meine Beobachtungen trügen können was Schleim und Blähungen angeht. Und wenn sie dann nichtmal Wirkung zeigen...wozu die Mühe? Aber ich werde sie jetzt trotzdem eine Woche lang konsequent nehmen und dann weiter sehen.
Ich werde also doch heute noch abwarten, gestern war ich trotz der unangenehmen Verschlechterungen nur einmal auf Toilette, das lässt mich hoffen ;) Und Colifoam habe ich zur Not da, kann also jederzeit darauf ausweichen und / oder eine Mezavant mehr nehmen. (Vor dem Prednisolon war ich schon 2 Jahre auf der Höchstdosis Mezavant, eigtl. wollte ich damit etwas runter bzw. mein Arzt hätte das gerne.)
Danke nochmal, lg Eva
Eva81
Dauergast
 
Beiträge: 184
Registriert: Fr 18. Okt 2013, 10:39

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon neptun » Mo 2. Dez 2013, 10:30

Hallo Eva,

warum bei Entzündung nicht 3 Mezavant?
Ist schließlich die Basismedikation und nach der topischen Anwendnung doch mit dem geringsten Nebenwirkungsrisiko.

Predni, egal in welch geringer Dosierung, ist da weitaus kritischer zu betrachten.

Ich nehme die Basismedikation schon seit über 30 Jahren.

Und es ist ja auch alles relativ, was solch geringe Entzündungsaktivität angeht. Blähungen haben nun mal auch viele Betroffene, aber auch andere Menschen.

Zäpfchen reichen fürs Rektum. Klysmen gehen sicher höher.

LG Neptun
Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird wöchentlich mit abgestaubt
 
Beiträge: 3529
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon Eva81 » Mo 2. Dez 2013, 11:02

Hallo Neptun,

als ich Donnerstag mit dem Gastro telefoniert habe, gab es ja noch keine Verschlechterung und da hatten wir 2x Mezavant festgelegt aber du hast recht, jetzt werde ich doch wieder 3 nehmen.
Und was die Blähungen angeht, ich beobachte meinen Körper sehr genau und bin auch mittlerweile sehr gut darin, Cu-Symptome zu unterscheiden von "normalen" Beschwerden. Durch die Klysmen kommt logischerweise immer etwas Luft mit in den Darm, und erst wieder raus wenn man auf Toilette geht (jedenfalls bei mir, ist wohl psychisch bedingt damit nichts in die Hose geht ;) ) Somit kann ich dann morgens nicht mehr Cu-bedingte Darmgeräusche von "normalen" Blähungen unterscheiden. Ich bin mir aber auch bewusst, dass das ein Luxus-Problem ist, damit komme ich schon klar :)

Ansonsten werde ich jetzt erstmal Ruhe und Geduld praktizieren. LG, Eva
Eva81
Dauergast
 
Beiträge: 184
Registriert: Fr 18. Okt 2013, 10:39

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon wolle21 » Sa 15. Nov 2014, 11:02

Hätte ich das mal früher gesehen, nehme Cortison (Prednisolon) seit dem 5.9., sollte nach 10 Tagen auf 40 mg reduzieren (ab 15.9. also), dann hat es sich wieder verschlechtert und am 22.9. habe ich wieder 50 mg genommen (vom 23.9. an eine Woche zusätzlich Antibiotikum), am 1.10. wieder auf 40 mg reduziert, am 11.10. weiter auf 30 mg, dann wurde es gegen Ende Oktober aber wieder schlechter, weswegen ich ab 27.10. wieder 50 mg genommen hatte. Koloskopie war dann kurzfristig am 28.10. mit Entzündungsanzeichen vor allem im unterem Dickdarmbereich, weswegen ich zusätzlich seitdem Colifoam nehme. Am 8.11. dann wieder auf 40 mg reduziert, obwohl es schon ein paar Tage vorher wieder schlechter geworden ist, am 13.11. wurde es dann aber wieder so schlimm, dass ich wieder 50 mg genommen habe.

Momentan habe ich seit Donnerstag einen aufgedunsenen Bauch und es gluckert ständig im Darm als ob sich reine Flüssigkeitsmassen sehr stark verschieben. Dazu habe ich seitdem völlig flüssigen Durchfall und kann kaum schlafen, weil es Nachts am schlimmsten ist (ständiges Gefühl aufs Klo zu müsse und eben dieser Blähbauch, Schlafprobleme habe ich aber schon seit Wochen). Das morgendliche Cortison scheint also doch noch ein bisschen zu wirken und so konnte ich wenigstens halbwegs normal arbeiten. Wobei die Frequenz im Vergleich zu meinem letzten Schub 2005 gerade zu leicherlich ist (bisher musste ich maximal 5 Mal am Tag, das aber dann mega dringend).
Appetit habe ich gerade auch nicht wirklich viel, esse also definitiv zu wenig. Gerade habe ich ich eine Stunde lang einen geschälten Apfel gegessen.

Ab Montag bin ich dann im Krankenhaus wegen vermuteter Cortisonrefraktur. :(

Habe übrigens eine Pancolitis Ulcerosa und mein Grundmedikament ist Claversal mit 3 g am Tag.
wolle21
ist öfter hier
 
Beiträge: 38
Registriert: Sa 15. Nov 2014, 09:54
Diagnose: CU seit 1992

Re: CU und Cortiment

Beitragvon katharina » Mi 15. Jun 2016, 19:03

Guten Abend an Alle,

darf ich mich kurz vorstellen: habe CU/Proktitis, im Moment seit 6 Monaten im Schub mit örtlicher Behandlung mit Salofalkklysmen und Colifoam + Claversal 3000 /pro Tag. Seit zwei Wochen massiv verschlimmert. Daher kam vom Protkologen/Chirurg die Entscheidung: Prednisolon 60 mg (wiege 50kg) zuerst 1 Woche zu nehmen. Aber nach 8 Tagen beträgt die Besserung vielleicht ca. 50-60%. Blutige und schleimige Stühlgänge halten - wenn auch reduziert - noch an. Die Schleimhäute über 12 cm (also wo die Klysmen nicht mehr hinkommen) sind rot und bluten. Leider sehr enttäuschend. Hat Prednisolon nicht gewirkt? Braucht es mehr Zeit? Der Proktologe meint: weitere 2-3 Wochen auf der Dosis bleiben um den gewünschten Zustand zu erreichen und zu stabilisieren. Hoffentlich..

Habe heute alternative Meinung beim Gastrologen eingeholt. Er rät auf Budesonid/Cortiment MMX 9mg sofort umzusteigen. Es würde ja noch gehen, weil die 8 Tagen Prednisoloneinnahme als Stoßtherapie noch gut absetzbar wäre. Das Medikament Cortiment gibt es für Dickdarm seit 2015. Also nicht lange. Es soll sich im Dickdarm auflösen und weniger Nebenwirkungen haben. Habe bereits die Beiträge von 2014 im Forum gelesen. Hat jemand von Euch im letzten Jahr mit dem Medikament für Proktitis Erfahrung?

Leider stehe ich vor der Entscheidung: morgen mit 60mg weiterzumachen bis es klappt (wie lange?) oder auf budesonid/cortiment umzusteigen. Eure Meinung/Erfahrung interessiert mich sehr.

Ich hoffe auf Eure Antworten für die für mich sehr schwierige Entscheidung.

Beste Grüße an Alle
Katharina
katharina
neu hier
 
Beiträge: 3
Registriert: Mi 15. Jun 2016, 18:28

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon Kaja » Mi 15. Jun 2016, 21:20

Hallo Katharina,

ich bin ein MC´ler - aber ich vermute einfach in der Denke eines CED´lers - wenn das reine Kortison nichts bringt - dann sollte man auf jeden Fall über eine Veränderung der Therapie nachdenken.

Wichtig ist es, das die Änderung der Therapie (Medikamente) mit den Ärzten abgestimmt wird. Teilweise muss man Pausen machen, bevor man auf ein anderes Medikament wechselt.

Was Du bislang hattest - ich will Dich nicht demotivieren - das ist mit Bleikügelchen auf Spatzen schießen.

So wie Du berichtest müssen aus den Kügelchen größere Kugeln werden - ich hoffe nicht Kanonen!

Du musst für Dich entscheiden, wie lange Du eine Therapie versuchst oder Dich quälst.

Warum Du Dich nun von heute auf morgen entscheiden musst, dies verstehe ich nicht so wirklich.

Viele Grüße

Kaja
Kaja
könnte auch hier einziehen
 
Beiträge: 735
Registriert: Mo 5. Okt 2015, 13:39
Diagnose: MC

Re: Anmerkungen zur Cortisonbehandlung

Beitragvon Anja11 » Do 16. Jun 2016, 07:35

Hi.
Ich würde erst Cortiment nehmen. Nehme ich momentan auch. Wie gut es wirkt ist bei jedem unterschiedlich. Ich hab weiterhin Durchfall und jeden 2.tag einmal dazwischen schönen Stuhlgang.
Wenn es bei dir nichts bewirken sollte kannst du immernoch aufs Predni zurück und höher bzw länger es versuchen.
Nebenwirkungen sind da natürlich andere als beim Cortiment.
Anja11
ist öfter hier
 
Beiträge: 24
Registriert: Fr 2. Okt 2015, 07:46

VorherigeNächste

Zurück zu Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Rhoam und 7 Gäste