Erwerbsminderungsrente MC

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!
Mathilda
beginnt sich einzuleben
Beiträge: 5
Registriert: Do 22. Aug 2019, 11:18

Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von Mathilda »

Hallo zusammen,

dies ist mein erster Beitrag :-) Mich treibt gerade die Frage um, ob ich mit 43 Jahren eine EMR beantragen sollte und habe aus diesem Grund eine Mitgliedschaft beim VDK abgeschlossen.
Vielleicht gibt es ja den einen- oder anderen hier, der ähnliche Erfahrungen im nachfolgend beschriebenen Krankheitsbild hat und ebenfalls eine EMR beantragt hat oder gar bezieht.
Kurz zu mir:
Morbus Crohn seit 2001, damals erste Resektion am Darm, seitdem eher unauffälliger Krankheitsverlauf (gelegentliche Duchfällte, Krämpfe etc).
02.2018 schwerer Schub; Stenose & Abszessbildung am Unterbauch mit anschließender Fistelbildung nach außen ("Stuhlfistel"), während dieser Zeit diverse stationäre Aufenthalte im Krankenhaus.
05.2018 Beginn mit TNF-alpha-Blocker Infliximab im 4 Wochen -Rythmus. Im weiteren Verlauf 4 - 5 Koloskopien, bis Entscheidung für OP getroffen wurde; die Ärzte "trauten" sich nun, dass entzündete Stück Darm und die Stenose zu entfernen, als auch den Fistelgang zu sanieren.
12.2018 entsprechende OP ,
02.2019 Reha in Mölln (4 Wochen); Entlassen mit "die Rekonvaleszenz ist aufgrund der Schwere des Krankheitsbildes noch nicht abgeschlossen. Wir entlassen die Pat. daher arbeitsunfähig in ambulante Behandlung. Kurz- bis mittelfristig wird die Arbeitsfähigkeit jedoch wieder hergestellt sein"

AU insgesamt 18 Monate, da sich meine Beschwerden (Durchfälle, Krämpfe) nicht verbesserten. Mein Anspruch auf Krankengeld ist somit beendet.
Während meiner AU-Phase verlor ich meinen Job, da ich mich zu dem Zeitpunkt noch in der Probezeit befand.
Laut Aussage der behandelnden Ärzte wird sich der Zustand mit den Durchfällen wohl nicht mehr bessern, ich muss es akzeptieren. Zum Glück ist ja die OP gut verlaufen und die Fistel zur Ruhe gebracht.

Aktuell bin ich nun arbeitssuchend, sowie arbeitslos und habe einen Antrag auf ALG1 gestellt. Ich weiss allerdings überhaupt nicht, wie es jobtechnisch weitergehen soll, da mein Durchfall mir das Leben wirklich schwer macht.
Es gibt Tage, an denen ich mich nicht traue, das Haus zu verlassen. Wir wohnen ländlich, was in diesem Fall von Vorteil ist. Mit unserem Hund gehe ich nur auf einsamen Strecken spazieren, an denen ich mich notfalls "in die Büsche schlagen" kann ;-) ... schon oft passiert, das kennt ihr sicher...
Meine Mutter hat mir nun angeraten, einen Antrag auf EMR zu stellen, welches ich wohl machen werde. Zunächst folgt ein telef. Beratungstermin mit dem VDK.
Zum Glück noch vor dem ersten Vermittlungsgespräch mit der Arbeitsagentur, denn ich weiss überhaupt nicht, was ich denen sagen soll :-(
Maaaann, blöd alles... mit 43 in Rente gehen?? Ernsthaft..?

Hat hier jemand ähnliche Situation erlebt und kann berichten, wie es ihm oder ihr ergangen ist?

Danke fürs Lesen ;-)

Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird täglich mit abgestaubt
Beiträge: 4385
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von neptun »

Hallo Mathilda,

willkommen im Forum.
Hattest Du eine Ileozökalresektion? Wurde Dir also etwas vom terminalen Ileum mitsamt der Ileozökalklappe, dem Übergang von Dünn- zu Dickdarm, und dann noch etwas aufsteigender Dickdarm bei der Stenose-OP entfernt?

Das kann Deine Durchfälle erklären, die mir sonst eher rätselhaft erscheinen.

Worauf leider und anscheinend immer noch weder der Gastro noch der Chirurg hinweisen, bei solcher OP kann es zu chologenen Durchfällen kommen. Normal wird die Gallensäure im terminalen Ileum, also dem Ende des Dünndarmes, resorbiert. Durch die OP kann es aber zu einem teilweisen oder sogar vollständigen Verlust dieser Funktion kommen. Dann fließt die Gallensäure in den Dickdarm, der damit aber nichts anfangen kann und mit Durchfall reagiert, eben den chologenen Durchfällen. Ein Indiz wäre zum Beispiel, wenn der Stuhl auch am After brennt.

Da kann Abhilfe geschaffen werden mit Colestyramin, einem Harz, das die Gallensäure bindet. Lipocol, Colestyramin, etc. heißen die Mittel. Auch indischer Flohsamen kann helfen als natürliche Behandlung.
An die Dosierung muß man sich herantasten. Also nicht gleich aufgeben.

Eine weitere Folge der OP kann sein, daß auch Vitamin B12 nicht mehr genügend resorbiert wird. Folgen daraus erscheinen oft erst verzögert, weil der Körper ein Depot an diesem Vitamin hat. Kommt es aber zu dem Mangel, dann kann er lebenslang anhalten und man bekommt in der Regel monatlich eine Spritze.

Dies ist nun alles am eigentlichen Thema vorbei, aber ich entnehme Deinem Schreiben, daß Du Dir eigentlich eine EM-Rente für Dich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht vorstellen kannst. Dazu kommt, es kann ein langwährendes Verfahren werden in den Instanzen.
Wie Du im anderen Thread unter meinen Beiträgen lesen kannst, ich habe dort meine Erfahrungsberichte als Link zu GdB und EM-Rente eingestellt. Ich mußte in beiden Verfahren vor Gericht.

LG Neptun
PS: Sollte die OP im absteigenden Dickdarm gewesen sein, auch da kann man mit indischem Flohsamen und Loperamid versuchen, die Stuhlfrequenz zu senken.

Mathilda
beginnt sich einzuleben
Beiträge: 5
Registriert: Do 22. Aug 2019, 11:18

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von Mathilda »

Hi Neptun,

zunächst mal vielen, lieben Dank für Deine ausführliche Antwort und das intensive Beschäftigen mit meinem Krankheitsbild!
neptun hat geschrieben:
Hattest Du eine Ileozökalresektion? Wurde Dir also etwas vom terminalen Ileum mitsamt der Ileozökalklappe, dem Übergang von Dünn- zu Dickdarm, und dann noch etwas aufsteigender Dickdarm bei der Stenose-OP entfernt?
Wow, Du bist echt gut im Thema ;-) Genau das wurde bei mir entfernt. Ich wollte im ersten Post nicht zu sehr ins Detail gehen, um nicht auszuschweifen.
Erstaunlicherweise habe ich auch erst seit- bzw. nach dieser OP so extreme Durchfälle.
Ich war in der Rehaklink Föhrenkamp in Mölln, welche recht gut auf CED spezialisiert ist. Dort gab es tolle Ernährungsberater, und genau dieser hat mich
auf das evtl. Problem mit der Gallensäure aufmerksam gemacht und mir umgehend Lipocol (1/2 Tabl.) verordnet. Diese nehme ich seitdem, und die ersten Wochen (speziell während des Reha-Aufenthaltes) haben meine Durchfälle sehr nachgelassen. Mir ging es zunächst richtig gut, normale Stuhlgänge, keine Krämpfe... Zusätzlich nahm ich fortan Mucofalk (also Flohsamenschalen) zusätzlich. Zudem bekam ich dort auch eine Vitamin B12 Spritze, um die Depots wieder "aufzufüllen".
Alles in allem offenbar eine gut anschlagende Medikation (zu dem Mesalazin, welches ich einnehme).
Leider fingen dann einige Zeit, nachdem ich aus der Reha zurückgekehrt war die Durchfälle wieder an. Ich kann es mir nicht erklären,-vielleicht wird mein Körper resisent auf Lipocol (ich kann es mir nicht vorstellen). Hausarzt und Gastroenteorologe wissen ebenfalls nicht, woran es liegt.
Eine erneute Kolo- und Gastro im April d.J. (also nach OP und Reha) haben nichts auffälliges gezeigt zum Glück.
Ich bin also was das angeht tatächlich ratlos...

Zum Thema EMR bin ich hier schon fleissig am Lesen und habe schon sehr viel informatives für mich rausfiltern können, super (wo ist der Daumen-hoch Smiley) ;)
Aber so richtig vorstellen kann ich es mir ehrlich gesagt nicht, bin ich doch dafür noch viel zu jung.... Andererseits ängstigt mich jedoch die Vorstellung, eine neue Tätigkeit aufzunehmen, und ständig Durchfall zu haben,- wie soll das funktionieren :cry:

Liebe Grüße von
Mathilda

Benutzeravatar
Thilo
könnte auch hier einziehen
Beiträge: 1076
Registriert: Sa 22. Dez 2012, 21:17

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von Thilo »

Hallo Mathilda,

eine Voraussetzung um ALG 1 zu erhalten ist, dass man in der Lage ist wöchentlich über 15 Stunden zu arbeiten. Dies zu wissen ist für dich wichtig, da du in deinem "Erstgespräch" keinesfalls den Eindruck vermitteln solltest, dass du nach wie vor aus gesundheitlichen Gründen erheblich leistungsgemindert bist und noch nicht einmal diese "Stundengrenze" schaffst.

Bei einem noch schlechten Gesundheitszustand könnte es durchaus von Vorteil sein eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen. EMR werden zunächst nur zeitlich befristet, längstens für drei Jahre gewährt. Diese Zeit könnte genutzt werden, um den Krankheitsverlauf weiterhin zu stabilisieren. Und auch wichtig: Bis zu einer Entscheidung der Rentenversicherung wird ALG gezahlt; auch bei erheblich eingeschränkter Leistungsfähigkeit.

Ob du eine EMR bekommen würdest, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und kann hier nicht beurteilt werden. Deine Ärzte sollten den Weg unterstützen.

Nicht jeder Rentenantrag führt zu Klagen durch die Instanzen. Gute Berater sind nötig, die sich im Dschungel des Rentenrechts bestens auskennen.

Möchtest du ggf. nach Abwägung aller Fakten diesen Weg gehen, sollte man bei "seiner Linie" bleiben. Ein ständiges hin und her zwischen "geht" und "geht nicht" schafft Verwirrung bei allen Beteiligten eines solchen Verfahrens.

Ich wünsche dir eine gute Entscheidung.

Gruß

Thilo

Nachtrag: Über die Höhe einer möglichen EMR sollte man sich vor (!) einem Antrag absolut im Klaren sein.

Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird täglich mit abgestaubt
Beiträge: 4385
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von neptun »

Hallo Mathilda,

da sind wir also auf dem richtigen Weg und damit sollte Dir auch geholfen werden können.

Ich war auch mal in 2003 in Mölln und es gefiel mir sehr gut.
Mit dem Lipocol, gibt auch Pulver, und auch den Flohsamen muß man experimentieren. Eine Gewöhnung tritt ganz sicher nicht ein, wird die Gallensäure doch durch das Harz nur gebunden. Deine Dosierung mit einer halben Tablette ist sicher ausbaufähig.
Was nach dem Rehaaufenthalt passiert sein kann, Du ernährst Dich sicher nicht so, wie es in der Klinik erfolgte mit quasi Schonkost, wo auch die Auswahl und die Zubereitung ganz stark Auswirkungen haben können, auch auf die Gallensäureproduktion des Körpers.

Dein Hausarzt ist ganz sicher nicht geeignet die komplexen CED zu behandeln.
Und Dein Gastro scheint auch nicht so fit. Es sind lange nicht alle wirklich versiert und auff CED spezialisiert. Da hilft es nichts, wenn der nur wenige Betroffene in seiner Praxis hat. Hier haben wir im Laufe der Jahre viele hundert Betroffene mit ihren Geschichten.
Wie ich schrieb, leider weisen immer noch viele Ärzte nicht auf die Folgen der OP hin, ein ganz großes Manko.

Was die Leutchen auch meist nicht wissen, die verschiedenen Mesalazinprodukte wirken teils auch an unterschiedlichen Orten. Und im Gegensatz zum Anwendungsgebiet, wie es der Hersteller angibt, ist Pentasa am besten für den Bereich der Ileozökalklappe, bei Dir die Anastomose, geeignet, denn es ist als einziges Produkt mit Ethylcellulose ummantelt und löst sich daher schon ab dem oberen Dünndarm auf. Die anderen sind eher für den Dickdarm, Mezavant wohl auch für den Enddarm.

Nach Leitlinie cu, weil in der Leitlinie mc nichts entsprechendes steht, man nimmt in Remission min. 2g/d, bei Entzündung min. 3g/d.

Soweit mal meine Tips.
LG Neptun

Mathilda
beginnt sich einzuleben
Beiträge: 5
Registriert: Do 22. Aug 2019, 11:18

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von Mathilda »

Hi Thilo,

danke schön für Deine Antwort! Du scheinst Dich sehr gut mit der Materie auszukennen, ich habe hier beim stöbern sehr viele Beiträge zu rechtlichen Themen
von Dir hier gelesen.
Vielleicht kannst du mir zu meiner folgenden Frage helfen:
Ich habe ja jüngst einen ALG1 Antrag gestellt, da ich nach 18 Monaten AU kein Krankengeld mehr erhalte. Mein Hausarzt hat mich gefragt, ob ich das möchte, - habe dies bejaht, weil mir eine Aussteuerung die schlechtere Alternative erschien.
Bei der ALG-Antragstellung (online) wurde ich u.a. nach der wöchentlichen Arbeitszeit der künftigen beruflichen Tätigkeit gefragt, hier hatte ich mehrer Auswahlmöglichkeiten. Ich habe 6 Std. tgl. angegeben und zusätzlich die tgl. Wunscharbeitszeit (von xx.xx Uhr bis xx.xx Uhr.), als auch den Grund für meine Einschränkung (gesundheitliche Gründe).
Ich las jedoch heraus, dass ich bei Einschränkung meiner Arbeitszeit somit auch nur die entsprechenden Prozente an ALG erhalten würde. (70 % Arbeitszeit = 70 % ALG). Das konnte ich ja erstmal gar nicht fassen.... Ich habe Zeit meines Arbeitslebens Vollzeit gearbeitet (habe keine Kinder), und soll nun aber wegen gesundheitlicher Einschränkungen weniger ALG bekommen. Die 6 Std. tgl. Arbeitszeit habe ich also aus diesem Grunde angegeben, da es sonst noch mehr Abzüge wären. Im Moment sehe ich mich aber gar nicht in der Lage, überhaupt 6 Std. zu arbeiten :cry:
Nun zu meiner eigentlichen Frage : kann mir bei einem Antrag auf eine EMR im Nachhinein ein Strick daraus gedreht werden, dass ich angab, 6 Std. arbeiten zu wollen bzw. zu können? Arbeiten diese verschiedenen Institutionen miteinander bzw. tauschen sich aus?
Ich werde diese Thematik auch mit der Person des VdK durchsprechen, aber vielleicht kannst Du hierzu schon etwas sagen?
Lieben Dank in jedem Fall!

Viele Grüße
Mathilda

Mathilda
beginnt sich einzuleben
Beiträge: 5
Registriert: Do 22. Aug 2019, 11:18

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von Mathilda »

Hallo Neptun,
neptun hat geschrieben:
Ich war auch mal in 2003 in Mölln und es gefiel mir sehr gut.
Jaa, mir hat es auch echt gut dort gefallen! Und Du hast ganz bestimmt Recht, durch die Schonkost dort (die mir sehr gut geschmeckt hat) und die Ruhe und Unbekümmertheit ging es mir dort sehr gut. Zu Hause fällt man dann doch eher schnell wieder in den Alltag zurück (unregelmäßiges und nicht so schonendes Essen etc.), was sich widerum auf den Gesundheitszustand auswirken kann.

Mein Hausarzt ist tasächlich nur der vor Ort betreuende Arzt, der mir die AU ausstellte und dem sämtliche Befunde zugeschickt wurden. Der eigentliche Gastro ist leider 70 km entfernt und Chefarzt von 3 Abteilungen in einer Klinik (Gastro-, Onkologie und Innere). Ich erzählte ihm von dem Lipocol, welches mir ja in Mölln verordnet wurde, und er wirkte erstmal skeptisch. Glaubt nicht, dass das der Grund für meinen Durchfall sei. Eine andere Begrüngung hatte er leider auch nicht. Ist ja auch ein komplexes Thema, dieser Crohn ;)
Nach meiner letzten Gastro- und Kolo bei ihm wurde jedenfalls beschlossen, dass keine weitere Remicade mehr von Nöten sei, da diese Behandlung bei mir nicht den gewünschten Erfolg erzielt hat. Einzige Medikation ist nun eben Mesalazin (Claversal Micropellets 1,5 g tgl.) und eben das Lipocol.

Ich werde allerdings nun, auch im Hinblick auf den bevorstehenden Antrag auf EMR einen neuen Termin bei ihm vereinbaren und nochmal meine Beschwerden schildern. Das geht ja so nicht weiter ... :cry:

Hab nochmals vielen Dank :-)

Liebe Grüße
Mathilda

Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird täglich mit abgestaubt
Beiträge: 4385
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von neptun »

Hallo Mathilda,

Du solltest eigentlich nur Deinen Hausarzt dann einspannen, daß er Dir entsprechende Dinge verschreibt.
Ich bin nun min. 40 Jahre betroffen (Diagnose in 1979), schreibe hier seit Ende 2005 und es gibt/gab gerade auch zu den chologenen Durchfällen diverse Beiträge. Da kann man einen ignoranten Arzt gar nicht gebrauchen. Und das schließt Chefärzte und Professoren ein, denn auch über einige dieser Leute mit angeblich so viel Erfahrung haben wir entsprechende Berichte, die viele Fragen aufwerfen, ob nun in Diagnose oder Behandlung.

LG Neptun
PS: Kennst Du den Begriff der Nahtlosigkeitsregelung?
Lies mal hier.
https://www.haufe.de/recht/deutsches-an ... 81825.html

Das ALG I bekommt man aber nur so lange, wie man einen Anspruch darauf in der Vergangenheit erworben hat.
Also nicht so lange, wie ein Verfahren bis über die Gerichte möglicherweise dauert.
Da bleibt zum Schluß nur anschließend die Sozialhilfe. Also ein hartes Pflaster.

Benutzeravatar
Thilo
könnte auch hier einziehen
Beiträge: 1076
Registriert: Sa 22. Dez 2012, 21:17

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von Thilo »

Mathilda hat geschrieben:....Nun zu meiner eigentlichen Frage : kann mir bei einem Antrag auf eine EMR im Nachhinein ein Strick daraus gedreht werden, dass ich angab, 6 Std. arbeiten zu wollen bzw. zu können? Arbeiten diese verschiedenen Institutionen miteinander bzw. tauschen sich aus?........
Hallo Mathilda,

deine Angabe, sechs Stunden arbeiten zu wollen, kann dir im Falle eines Rentenantrages nicht zu deinem Nachteil ausgelegt werden. Es wäre aber ein strategischer Fehler jetzt wieder sechs Stunden täglich auf Kosten deiner Restgesundheit zu arbeiten. Damit würdest du quasi unter Beweis stellen, dass eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt doch möglich ist.

Im Falle eines Rentenantrages wird dein Leistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt von einem Gutachter der Rentenversicherung festgestellt. Auch im Rahmen einer vorgeschalteten Rehamaßnahmen (Reha vor Rente) werden Aussagen zum Leistungsvermögen getroffen. Die medizinsche Abteilung der Rentenversicherung prüft letztendlich das Gutachten noch einmal vor einem endgültigen Bescheid an den Versicherten.

Gruß Thilo

Benutzeravatar
neptun
Inventar - wird täglich mit abgestaubt
Beiträge: 4385
Registriert: Do 20. Dez 2012, 19:58

Re: Erwerbsminderungsrente MC

Beitrag von neptun »

Hallo Mathilda,

Agentur für Arbeit und DRV besprechen sich ganz sicher nicht.
Hast Du einen Rentenantrag gestellt, so ist die DRV federführend. Nur nach diesem Verfahren geht es und nicht um Deine Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt.
Denn mit dem Rentenantrag hat man ja geäußert, man sieht sich, mit Unterstützung der behandelnden Ärzte, als nicht mehr erwerbsfähig an. Woraus folgt, man sieht sich nur noch unter 15 Stunden die Woche arbeitsfähig. Eine reine Definitionssache.
Was auch Deine Frage indirekt etwas beantwortet, wie es wohl aussieht und vielleicht gewertet wird, wenn Du Dich als voll arbeitsfähig bewirbst.

Man kann zwar argumentieren, in dem Falle würde man auf Kosten seiner Gesundheit arbeiten, was häufiger geschieht, wenn man noch einen Arbeitsplatz hat und bis zum Antrag arbeitete.
Du würdest aber einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen und da fällt dieses Argument dann doch eher auf die Füße.

Deshalb habe ich Dir den Link zur Nahtlosigkeit eingestellt.

Man beachte immer, Arbeitsfähigkeit ist nicht gleich Erwerbsfähigkeit. Bei der einen geht es um die Vermittelbarkeit in einem Beruf, bei der anderen, ob man überhaupt noch erwerbsfähig ist auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Ob es also überhaupt noch einen Arbeitsplatz gibt, egal wie unqualifiziert.
Das ist also höherwertig, weil allgemeiner.

Die AA möchte aber gerne trotzdem vermitteln. Weigert sich seit Jahren durch ihr Handeln, die Nahtlosigkeit zu befolgen. Sie möchten den Antragsteller einen Arzt der AA vorstellen, der sich zur Arbeitsfähigkeit äußern soll, bezahlen ALG I nicht nach dem richtigen Paragrafen.
Und sie machen Druck, damit sich der Arbeitslose bewirbt.

Alles entgegen der wirklichen rechtlichen Regelungen. Das geht seit zig Jahren so, war auch bei mir so in 2005/2006.

Die Nahtlosigkeit ist ganz gut verstehbar, wenn man eine Arbeitsstelle hat, das Krankengeld ausgelaufen ist, man sich bei Rentenantrag dann trotzdem bei der AA melden muß für den ALG I Anspruch im Rahmen der Nahtlosigkeit.
Man hat da ja noch einen festen Arbeitsplatz, wie ich auch damals, und trotzdem muß man zur AA, ist aber eben nicht vermittelbar.

Einen Antrag stellen hat viele Facetten und ist ziemlich kompliziert in jeglicher Hinsicht.
Man braucht einen langen Atem und gute Nerven.

LG Neptun

Antworten