GDB Beantragen, vorteile?

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Thilo » Mo 15. Apr 2019, 15:05

Hallo Trüffel,

leider schauen viele Kranke nur auf die vermeintlichen "Vorteile" einer Schwerbehinderung. Stammtischparolen lassen grüßen.

Bei näherem Hinsehen entpuppen sich Steuervorteile, Kündigungsschutz, vorzeitiger Renteneintritt, etc. als reine Makulatur. Den zusätzlichen 5-tägigen Urlaub kann man auch nur in Anspruch nehmen, wenn man den Arbeitgeber über die bestehende Schwerbehinderung informiert und somit den Schwerbehindertenstatus offenbart. Auch hier beisst sich die Katze wieder in den Schwanz.

Leider lassen sich die vielen Halb- und Falschinformationen zum Thema "Vorteile für Schwerbehinderte" nicht auslöschen.

Es gab hier schon Einträge, da haben User Anträge gestellt und waren am Ende tief erschrocken, dass sie nach unbedachten Anträgen auf einmal schwer behindert waren. So kanns gehen.

Gruß

Thilo
Benutzeravatar
Thilo
könnte auch hier einziehen
 
Beiträge: 1033
Registriert: Sa 22. Dez 2012, 21:17

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Mondkalb » Mo 15. Apr 2019, 16:51

Trüffel hat geschrieben:
Thilo hat geschrieben:So traurig es ist: Im Alltags- und Berufsleben werden Schwerbehinderte oft als Menschen zweiter Klasse angesehen und ausgegrenzt.


Zu dieser Aussage möchte ich kurz einen eigenen Erfahrungsbericht schildern:
Während meiner Reha hat mir die Gastro-Oberärztin klar und deutlich zu erkennen gegeben, dass sie die Meinung vertritt, Menschen, die an einer CED leiden, die eine Schwerbehinderung und vielleicht sogar ein Stoma haben, seien weniger wert als andere - vor allem, aber nicht nur im Berufsleben. Wörtliches Zitat: "Menschen mit chronischer Darmerkrankung, Stoma und Schwerbehinderung braucht unsere Gesellschaft nicht. Kein Arbeitgeber wird so jemanden einstellen."

Ich finde es traurig, dass Menschen solche Ansätze vertreten.
CED, Schwerbehinderung, Stoma - das bedeutet nicht, dass man nichts leisten kann.
Gerade durch den Schwerbehindertenausweis wird man aber, wenn man Pech hat und an die falschen Leute gerät, links liegen gelassen, weil dadurch die Krankheit (von der man i.d.R. nichts sieht) offenbar wird.

@Thilo: Ich finde gut, dass du explizit auf die Nachteile eingehst; geht man doch oftmals davon aus, dass mit einem GdB alles in Butter ist und man damit nur Vorteile hat.

Natürlich muss jeder für sich entscheiden.



Hallo zusammen,

Arbeitgeber sind nicht alle per se schlecht oder unsozial wie es manchmal dargestellt wird.

2008 hatte ich ein Bewerbungsgespräch in Coburg, bin offen mit meiner CED umgegangen, mir wurde angeboten mich bei der Wohnungssuche und bei der Arztsuche zu unterstützen. Die 5 Tage Zusatzurlaub sollte ich dann ruhig haben, wäre kein Problem. Auch so etwas gibt es.

Zeitnah hatte ich in Apolda ein Vorstellungsgespräch wo diese Offenheit nach hinten los gegangen ist. Absage!

Julian soll sich ruhig mit der Materie auseinandersetzen, finde ich gut. Deshalb der Link von mir.


Trüffel hat geschrieben:
Thilo hat geschrieben:So traurig es ist: Im Alltags- und Berufsleben werden Schwerbehinderte oft als Menschen zweiter Klasse angesehen und ausgegrenzt.



Oft bedeutet halt nicht immer, in meinem Betrieb (170 Mitarbeiter) werden auch ältere mit Schwerbehinderung eingestellt, solange sie ihre Aufgaben erledigen können, wir sind froh Mitarbeiter zu finden. Wer keine Angst hat Brücken zu bauen, kann die Welt entdecken, es ist nicht alles nur schwarz und weiß.

Freundliche Grüße

Mondkalb
“Wenn man nicht weiß, wo man hin will, kommt man meistens woanders raus!”
Benutzeravatar
Mondkalb
Dauergast
 
Beiträge: 339
Registriert: Fr 21. Dez 2012, 20:32
Diagnose: CU

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Kaja » Mo 15. Apr 2019, 19:49

Hallo @ all,

ich bin geschockt!!!

Julian-R- hat geschrieben:Wörtliches Zitat: "Menschen mit chronischer Darmerkrankung, Stoma und Schwerbehinderung braucht unsere Gesellschaft nicht. Kein Arbeitgeber wird so jemanden einstellen."


Das ist 3. Reich! Dagegen wäre ich sofort vorgegangen!!! Absolut untragbar und das als Ärztin!!!

Da wäre diese bei mir an der richtigen Stelle gewesen!

Es gibt die unterschiedlichsten Behinderungen: körperlich o. psychisch. Natürlich haben die Menschen unterschiedliche Qualifikationen!

Behinderungen wirken sich ja nicht nur primär im Beruf aus. Aber ein guter Arbeitgeber "kennt" seine Mitarbeiter - sprich u. A. Zuverlässigkeit, Qualifikationen, Wissen, persönliche Stärken und versucht dann auf jeden Fall diese Mitarbeiter zu behalten und Lösungen zu finden.

Ich war schon bei sehr vielen BEM Gesprächen anwesend, wo die Vorgesetzten sich gefreut haben, dass die Mitarbeiter wieder kommen und direkt und unverblümt fragen, was können wir für Dich / Sie machen.

Die Unterstützung wurde formuliert und der Vorgesetzte sagte, ist doch kein Problem, z. B. ärztlich wurde festgelegt die nächsten 3 Monate arbeiten im Sitzen und der Werksarzt hat dieses auch bestätigt, dann wurde ein Vorschlag gemacht und der Arbeitnehmer war glücklich und ohne Vorbehalte bereit, einen anderen Arbeitsplatz einzunehmen.

Ich hatte meine Schwerbehinderung noch nicht gemeldet, konnte aber meine "Krankheit" nicht mehr vertuschen als ich wieder hochdosiert und sehr lange Kortison nehmen musste. Cushing-Syndrom, da sieht halt jeder Vorgesetzte und Kollege/in einen an, dass etwas nicht stimmt.

Mein Vorgesetzter hat auch mein Leiden an meiner Optik gesehen und mir mal gesagt, wenn ich etwas für Dich tun kann, dann sag mir Bescheid.

Dieser Tag X ist für mich gekommen. Auch für mich kam dann der Tag X. Nichts ging mehr. Bin dann zu ihm, habe gesagt, ich habe eine Autoimmunerkrankung, morgens aufstehen ist kein Problem, aber mein Körper ist versteift, ich kann mich nicht fertig machen, bekomme das Nachtgewand nicht über den Kopf und Bad und Anziehen geht nicht.

Kein Problem, dann mache morgens Homeoffice bis Du Deinen Körper unter Kontrolle hast.

Diese Reaktion hat mir geholfen, mich nicht AU schreiben lassen zu müssen!!!
Ich kann somit arbeiten, mein Geld verdienen, habe wenig Ausfallzeiten und Arbeit steht für mich auch für Sozialkontakte!

Viele Grüße

Kaja
Kaja
könnte auch hier einziehen
 
Beiträge: 652
Registriert: Mo 5. Okt 2015, 13:39
Diagnose: MC

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Julian-R- » Di 16. Apr 2019, 18:35

Das kommt natürlich immer auf den Arbeitgeber drauf an.

Ich muss jetzt halt mal meine Spiegelung abwarten, aber das Ergebnis wird wohl eher sehr schlecht ausfallen.

Ich hoffe ja, dass ich mithilfe des Arztes eine Bescheinigung bekomme, dass ich den Job nicht mehr ausüben kann, es geht halt auch einfach nicht mehr.

Immer Wechselschicht, morgens sehr früh hoch, sehr schwere Arbeit,...

Vielleicht bekomme ich so eine Bescheinigung.
Julian-R-
fühlt sich wohl hier
 
Beiträge: 53
Registriert: Sa 7. Jul 2018, 08:59

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Kaja » Di 16. Apr 2019, 18:40

Hallo Julian,

mein Gedanke bei Dir war, wenn Du eine Bescheinigung bekommst, dass es die Möglichkeit einer Umschulung / neuer Ausbildung eine Förderung vom Amt bekommen kannst.

Ich kenne leider nur erstmal den Weg über die Reha. Dort wird es dann zumindest über die DRV schon mal aktenkundig gemacht, wenn drinnen steht, dass Du mit den Wechselschichten etc. Deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst.

Informiere Dich mal über unterstützende Wege.

Viel Erfolg und berichte mal.

Grüße Kaja
Kaja
könnte auch hier einziehen
 
Beiträge: 652
Registriert: Mo 5. Okt 2015, 13:39
Diagnose: MC

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Julian-R- » Mi 17. Apr 2019, 19:24

Das Problem ist ja, ich bin im Betriebsrat.
Würde ich jetzt ausscheiden, weil es Gesundheitlich einfach nicht mehr geht, dann müsste der BR neu gewählt werden.
Bei einer Neuwahl würden wir keinen BR mehr zusammen bekommen.

Ich muss mich halt auch erst mal Informieren wie das mit dem BR aussieht wenn ein Mitglied die Tätigkeiten in der Firma nicht mehr ausüben kann.

Wenn nämlich trotzdem eine Neuwahl stattfinden würde müsste ich noch für ein paar Jahre in der Firma bleiben, auch wenn es nicht geht.
Julian-R-
fühlt sich wohl hier
 
Beiträge: 53
Registriert: Sa 7. Jul 2018, 08:59

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Mondkalb » Mi 17. Apr 2019, 20:45

Hallo Julian,

das Betriebsverfassungsgesetz solltest du kennen als BR-Mitglied. Der §24 und §25 helfen dir hier weiter. Ersatzmitglieder werden doch vorhanden sein, oder seit ihr so auf Kante genäht das es keine Ersatzmitglieder gibt?

Gruß

Mondkalb
“Wenn man nicht weiß, wo man hin will, kommt man meistens woanders raus!”
Benutzeravatar
Mondkalb
Dauergast
 
Beiträge: 339
Registriert: Fr 21. Dez 2012, 20:32
Diagnose: CU

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Julian-R- » Do 18. Apr 2019, 17:19

Wir haben keine Ersatzmitglieder, das ist das Problem
Julian-R-
fühlt sich wohl hier
 
Beiträge: 53
Registriert: Sa 7. Jul 2018, 08:59

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Julian-R- » Mo 6. Mai 2019, 10:15

Morgen ist die Spiegelung.

Mein Gedanke ist ja, dass ich eine Bescheinigung so ausgestellt bekomme, da ich ja pro Jahr ca. 2 bis 3 Schübe habe.
Julian-R-
fühlt sich wohl hier
 
Beiträge: 53
Registriert: Sa 7. Jul 2018, 08:59

Re: GDB Beantragen, vorteile?

Beitragvon Julian-R- » Do 9. Mai 2019, 20:31

Am Dienstag war die Spiegelung, es sieht gar nicht gut aus, der Gastro konnte nur die ersten 40cm Spiegeln, da alles sehr, sehr stark Entzündet ist.

Er meinte die Arbeit hat keinen Einfluss auf die CU.

Ich bin morgen in der Firma und werden mit den Leuten sprechen, ob aufgrund der Diagnose eine dauerhafte versetzung möglich ist, wenn nicht werde ich wohl gehen müssen.

Ich sehe das körperlich nicht ein, dass ich mich mit einer chronischen Krankheit bei der schwere der Arbeit jeden Tag kaputt mache.

Da muss einfach eine Lösung her.
Julian-R-
fühlt sich wohl hier
 
Beiträge: 53
Registriert: Sa 7. Jul 2018, 08:59

Vorherige

Zurück zu Recht und Soziales

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste