Stomaversorgung, Reha, AHB

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Stomaversorgung, Reha, AHB

Beitragvon Cham » Sa 2. Feb 2019, 14:42

Hallo,
mein Vater wird nächste Woche mit Stoma aus der Klinik entlassen. er hatte noch nie eines und traut sich die Versorgung auch nicht zu. Wohin kann ich mich wenden um möglichst schnell Hilfe zu erhalten?

Die Ärzte sagen, wenn er damit nicht zurecht kommt muss er eben in die Notaufnahme fahren. Das kann es doch nicht sein . Sollte er nicht jetzt gleich im Anschluss auf eine AHB (Reha)???

Leider funktioniert der automatisierte Kontakt mit der Bundesgeschäftsstelle hier auf der Seite nicht. Hat jemand die Liste mit den Rehakliniken parat?

Vielen Dank
Cham
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Re: Stomaversorgung, Reha, AHB

Beitragvon glöckchen09 » Sa 2. Feb 2019, 15:32

hallo cham,

generell ist eine ahb nach so einem großen eingriff nicht direkt sinnvoll. man wartet meist ein paar wochen, bis man sich etwas erholt hat und die ahb auch nutzen kann.
auch dort sollte dein vater das stoma selbst versorgen können!

bis dahin erstmal die versorgung durch die stomaschwester der klinik. kann sie deinem vater keine sicherheit geben im umgang mit dem stoma?
dann kannst du versuchen ob du einen pflegedienst bekommst. der wird allerdings nur mit pflegestufe von der kasse bezahlt.

warum traut sich dein vater die versorgung nicht zu?
aus gesundheitlichen gründen?

liebe grüße, glöckchen09
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Re: Stomaversorgung, Reha, AHB

Beitragvon Korona » Sa 2. Feb 2019, 23:02

Hallo Cham,

willkommen im Forum!

Es kann mehrere Gründe geben, warum man sein Stoma nicht selbst versorgen kann.
Eine Behinderung wie Blindheit, hohes Alter/Demenz z.B., oder starkes Übergewicht, das die Sicht behindert, wofür man dann spezielle Spiegel benutzen kann.
Sehr wenige Menschen sind ggfs. einfach bequem oder lassen sich gern bedienen, und sind von Familienmitgliedern Überfürsorge gewöhnt.

Der häufigste Grund ist zu Beginn aber vermutlich einfach der Schock über den „neuen Körper“und eine extreme Ablehnung des Zustands und des Stomas. Gerade wenn die Stomaanlage nicht geplant war, weil es eine Not-OP war, oder eine plötzliche Diagnose die Stomaanlage erforderlich machte, sind viele Menschen verständlicherweise erstmal vollkommen überfordert mit der Situation. Dann hilft nur ein bisschen Geduld, Verständnis, aber auch ein offensiver Umgang damit!

Du hast nichts über den OP-Hintergrund oder die Diagnose und das Alter Deines Vaters geschrieben, auch nichts über die Stoma-Art (Colo- oder Ileostoma). Insofern können wir hier nur spekulieren.

Wenn Dein Vater ein Ileostoma hat, muss er sich mindestens dreimal täglich, eher noch öfter damit befassen.
Ich kann Dir versichern: wenn Dein Vater nicht eine hohe Pflegestufe hat, wird er nicht daran vorbeikommen sich selbst zu versorgen.
Aus eigener Erfahrung kann ich Dir auch sagen, dass die ersten selbstständigen Aktionen emotional sehr schwierig sein können, dann aber ganz schnell Routine und Sicherheit einkehrt.
Wie Glöckchen schon schrieb: erstmal ist die Stomaschwester der Klinik dafür zuständig Deinen Vater freundlich und achtsam einzuweisen!
Du kannst jetzt schon mal seine Krankenkasse anrufen und fragen, welcher Versorger (= Lieferant und Pflegeunterstützung für die Beutel und alles Material ab Stomaanlage) mit der Krankenkasse zusammenarbeitet. Dort kannst Du dann vorab anrufen und versuchen Unterstützung zu bekommen. Oft regelt das auch schon die Stomaschwester im KH, dann kannst Du aber trotzdem schon vorab dort anrufen.

Zur Reha und AHB:
Den Sinn der AHB direkt nach der OP sehe ich anders als glöckchen!
Die Reha wird erst später möglich sein, denn sie dient hauptsächlich der arbeitenden Bevölkerung zur Wiederherstellung der Arbeitskraft.
Eine AHB gibt es direkt nach der OP, die AHB muss man spätestens 10 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus antreten. Sie dient dazu die OP-Folgen zu verarbeiten, die Regeneration zu unterstützen und zur Wiederherstellung der Fähigkeit seinen normalen Alltag zuhause zu bewältigen. Oft werden auch Ernährungsinformationen gegeben, was gerade nach einer Stomaanlage wichtig ist.

Nach einer großen Bauch-OP halte ich die AHB für sehr sinnvoll, denn man kann sich wirklich ausruhen, sich langsam an seinen Zustand gewöhnen, sich mit anderen Betroffenen austauschen, man wird voll versorgt und hat fachkompetente Unterstützung. Vor allem aber ist es gut verschiedenste Informationen und Formen der Physiotherapie zu bekommen, auch schwimmen ist mit dem Stoma möglich und üblich! Ausserdem gibt es evtl. auch psychotherapeutische Unterstützung.
Und, ganz wichtig: man gewinnt mit u.a. fachlicher Hilfe wieder mehr Vertrauen in seinen Körper, kann jederzeit etwas erfragen, und merkt, dass man nicht allein solche Probleme hat.
Sich offen mit anderen über ein schambesetztes Thema austauschen zu können ist sehr wertvoll!

Dein Vater sollte eine AHB in einem auf seine Diagnose spezialisierten Haus unbedingt sofort in Anspruch nehmen! Sprich mit dem Sozialdienst des Krankenhauses, die organisieren das normalerweise, schicken die Patienten ggfs. direkt vom KH in die AHB!
Eine Klinik für die AHB und Menschen mit CED oder anderen Darm/Leber/Bauch-OPs mit gutem Ruf ist z.B. die Vitalisklinik in Bad Hersfeld!

Du kannst auch mal auf der Seite der http://www.stoma-Welt.de lesen und Dir dort Tips holen.

Alles Gute und gute Genesung für Deinen Vater!
LG Korona
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Re: Stomaversorgung, Reha, AHB

Beitragvon Cham » So 3. Feb 2019, 08:19

Vielen Dank, für die sehr ausführlichen Antworten.
Ihr habt mit schon sehr weiter geholfen.
Vielleicht hat doch noch jemand eine Liste mit geeigneten Rehakliniken in Bayern?
Liebe Grüße
Stephan
Cham
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Re: Stomaversorgung, Reha, AHB

Beitragvon Kaja » So 3. Feb 2019, 15:02

Hallo Stephan,

sieh mal hier z. B.:

https://www.medfuehrer.de/Verdauungsorgane-Reha/Bayern

Hier sind links die Kliniken nach Nord-/Südbayern und Schwaben aufgeteilt:

Klickst Du diese an, werden die Kliniken mit Fachbereichen / Schwerpunkten auch aufgezeigt.

https://www.deutsche-rentenversicherung ... _node.html

Ich hoffe, dies hilft Euch erstmal weiter.

Viele Grüße

Kaja
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