Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurecht?

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurecht?

Beitragvon Die Elfe » Di 25. Sep 2018, 10:30

Hallo Allerseits,

ich hatte im Sommer eine Verlängerung meiner Erwerbsminderungsrente gestellt, da meine Colitis bis heute immer noch nicht zur Ruhe kommt. Im Prinzip bin ich austherapiert und auch nicht wirklich in Remission, das nächste Medi bekomme ich dann in einer Studie.

Mein Rentenberater meinte, verlängern sie dann auch lieber, außerdem kann ihr Arbeitgeber Sie dann auch nicht kündigen.

Gestern nun der Schock, nachdem ich den Brief der RV geöffnet hatte: nach 6 Jahren zeitlicher Befristung Dauerrente! :shock: Damit hatte ich nicht gerechnet. Mein Gedanke: nach 27 Jahren Öffentlicher Dienst nun Stelle bzw. Job dort weg. Sowas muss man nun auch erstmal verkraften :(

Im Schreiben steht etwas von Überprüfungen hin und wieder. Was ist, wenn es mir nach ein paar Jahren doch besser geht? Meine Stelle im ÖD ist dann weg und wer würde mich mit 50 dann und jahrelangem Ausfall noch einstellen?? Irgendwie macht mir die Dauerrente viel mehr Angst.... Sollte ich dagegen in Widerspruch gehen, in der Hoffnung, weiter meine Zeitrente zu erhalten? Oder ist das eher ungünstig?

Wer von euch hat auch eine Dauerrente und kann von Erfahrungen damit berichten?

ürde mich über Erfahrungswerte gerade sehr freuen...

Liebe Grüße von der Elfe
Die Elfe
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon neptun » Di 25. Sep 2018, 11:28

Hallo Elfe,

ich gehörte auch jahrelang zu den EM-Rentnern. Nun bin ich Rentner. ;)
Nach meinem Antrag im Frühjahr 2004 ging mein Verfahren bis vor das SG und dann bekam ich im Herbst 2006 rückwirkend die volle EM-Rente auf unbestimmte Zeit zuerkannt.
So war es also 2 1/2 Jahre früher mit einem schweren Schub und anschließender dauerhafter AU im März mein letzter Arbeitstag. Zu dem Zeitpunkt war mir dies noch nicht bewußt.

Wie Du aber auch, mit der Zeit hat man sich schon etwas eingewöhnt in diese Zeit ohne Berufstätigkeit.
Ich bin dann ab Ende 2005 hier in das Forum eingestiegen.

Überprüft wurde ich nicht mehr, wahrscheinlich, weil ich vor Gericht gewann. Normal gibt es nach meiner Information bis zum 55. Lebensjahr die Zusendung von Überprüfungsbögen. Arbeitet man nicht nebenbei, es dürfte eher ein Selbstgänger sein, denn es müßte zumindest eine wesentliche Besserung von Seiten der Rentenversicherung nachzuweisen sein Und dann bliebe noch der Weg durch die Instanzen, während dessen die EM-Rente auch weiter gezahlt werden muß.

Ob Dein Arbeitsverhältnis wirklich endet, es ist eine Frage des Arbeitsvertrages, der Tarifverträge, der Betriebsvereinbarungen. Ich weiß nicht, wie es im öffentlichen Dienst ist.

Ich hatte mal einen Betrag im Bauchredner veröffentlicht zu Deinem Problem.
Ob er Dir hilft? Ich stelle ihn hier noch mal ein.

LG Neptun

Leben in langer Zeit der Arbeitsunfähigkeit oder als Erwerbsminderungsrentner

Wenn plötzlich der Arbeitsalltag durch lange Zeit der Arbeitsunfähigkeit wegfällt, man in Arbeitslosigkeit gedrängt wird durch Fehlzeiten, oder in EM-Rente gehen muß, welche Folgen ergeben sich daraus für die Betroffenen?

Sehr schnell ist man raus aus dem Arbeitsleben. Die anderen kommen ohne einen klar. Sie müssen. Vermißt wird man nur kurze Zeit. Somit gibt es zumeist wohl noch kurzfristig Nachfragen zum Befinden, wann man wieder kommen wird. Dann wird es ruhig.

Was häufig nicht thematisiert wird, was aber bedacht sein soll, besonders, wenn man wieder ins Arbeitsleben einsteigen will oder muß nach einiger Zeit, man gewöhnt sich an den arbeitslosen Zustand sehr schnell. Ohne Arbeit gibt es weder die tägliche Routine noch hat man den gewohnten Rhythmus des Tages. Dieser wird voraussichtlich ein anderer.

Das geht auch Rentnern so, wenn sie aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind. Nur können die sich darauf vorbereiten über längere Zeit, da der Termin fest steht.

Was ist aber mit CED-Betroffenen? Da kommt es ganz plötzlich zum Bruch. Von einem Tag zum anderen findet man sich in Arbeitsunfähigkeit über Monate. Daraus kann eine lange Zeit der Beantragung einer EM-Rente, mit Widerspruchs- und Klageverfahren werden. Die mag wie ein Damoklesschwert über einem schweben mit Unsicherheit und Ängsten. Und möglicherweise war es sogar der letzte Tag im Arbeitsleben, wie es mir passiert ist.

Auch wenn es eine zeitlich befristete Rente ist, man wird seine Einschränkungen durch die Erkrankung haben, kann nicht alles tun und zu jeder Zeit.

Dazu kommt, wahrscheinlich in jedem Lebensalter, daß man auch finanziell nicht die gleichen Möglichkeiten wie ein Altrentner hat, die Zeit zu gestalten.

Es ist eben kein Urlaub, dauert länger, hat ganze Tage voll von Alltäglichem, soll erlebt und bewältigt werden, möglichst ausgefüllt sein und ohne Langeweile. Ohne das Gefühl, etwas versäumt zu haben. Freude soll das Leben machen, aber das Gegenteil scheint für viele Betroffene vor der Tür zu stehen.

Oft wird berichtet, man weiß nichts mit sich anzufangen. Die Decke fällt einem auf den Kopf. Die Tage sind grau, sie vergehen und nichts geschieht, nichts bessert sich. Die Gedanken kreisen um die Erkrankung, um die Symptome und Beschwerden. Wer dazu neigt, das Gedankenkarussell dreht sich immer schneller und Aussteigen funktioniert nicht. Abwechslung bietet allenfalls der Gang zum Arzt. Welch Perspektive. So verlassen Betroffene dann fast gar nicht mehr die Wohnung, igeln sich ein. Der häufig vorhandene Stuhldrang oder auch schon die Ängste davor tun ihr Übriges.
Wer aus dem Verlauf der Erkrankung folgert, es sei sein persönliches Versagen, seine Niederlage, der hat zusätzlich ein großes Problem, denn er zweifelt an sich, gibt sich die Schuld. Dabei kann niemand der CED und ihrer Ausprägung davon laufen.

Was kann folgen? Man fühlt sich nutzlos, alles erscheint sinnlos. Man wird mutlos, fällt in ein emotionales Loch, gibt sich auf. So ist man wohl auf dem besten Wege in die Depression. Da geht es schnell nicht mehr darum, daß die betroffene Person nicht mehr will, sondern es geht schlicht um das nicht mehr Können.

Schließlich werden in jungen Jahren plötzlich die ganzen Hoffnungen in die Zukunft zumindest erst mal über den Haufen geworfen. Alle Felle schwimmen einem weg. Die Ausbildung wird vielleicht nicht mehr abgeschlossen, ein Studium unterbrochen, der Ausbildungsbetrieb sieht keine Perspektive für einen erfolgreichen Abschluß.

Muß man möglicherweise weiter im Elternhaus leben, kann nicht selbständig werden und auf eigenen Füßen stehen? Oder muß man sogar zurückziehen?

Wer bereits weiter im Leben steht, der sorgt sich um die Familie, das Haus, die Wohnung. Oder auch um die Arbeitsstelle, die einen vielleicht wieder in Jahren aufnehmen soll, wenn man überhaupt dazu das Glück hat, nach einer befristeten EM-Rente wieder ins Arbeitsleben zurückkehren zu können. Und wie ist es, wenn plötzlich beide Partner zu Hause sind, oder die Berufstätigkeit auf den anderen Partner wechselt?

Man braucht sinnvolle Beschäftigung. Kein Hobby kann alle Tage ausfüllen und schon gar nicht über lange Zeit. Auch die Hausarbeit reicht da nicht. Jeder muß den eigenen Weg finden. Nach seinen Möglichkeiten, seinen Neigungen. Das erfordert die Reflexion, wie sich die Situation darstellen wird, welche Fähigkeiten man hat, welche Perspektiven man sieht. Die Auseinandersetzung muß erfolgen, damit sich ein Bild runden kann.

Wo und wie kommt man in leichte Gespräche, kann Gedankenaustausch pflegen, bekommt Lob, Anerkennung, Bestätigung, damit das Selbstwertgefühl nicht sinkt?

Man braucht einen geregelten Tagesablauf. Wer die Nacht zum Tage macht und immer später den Tag erst beginnt, der entfernt sich weiter von der Normalität. Es wird immer schwerer, sie aufrecht zu erhalten und Zurückkehren, das kann zur Illusion werden. Man hat Aufgaben und Verpflichtungen und die darf man nicht vernachlässigen. Man darf sich selbst nicht vernachlässigen.

Wie kommt man zur Vernachlässigung? Durch soziale Isolation. Es gibt nur wenige Kontakte, keinen Ansporn. Wenn man dann noch allein lebt, steht die Vereinsamung ins Haus. Wie auch bei älteren Menschen ohne den Austausch, die Zuwendung und das Kümmern der Familie. Der Freundeskreis schrumpft. Alle haben mit sich, ihrer Familie, dem Beruf zu tun. Die wenige Freizeit wird individuell erlebt.
Man selbst hat immer Zeit und steht außen vor. Alles muß durch einen selbst initiiert werden. Gleichbetroffene findet man kaum, denn wer ist in jungen oder auch mittleren Jahren schon draußen, außerhalb der arbeitenden Bevölkerung?

Das sind wohl nur die Langzeitarbeitslosen, die plötzlich und unverschuldet in die mißliche Lage kamen. Zu deren Situation es nach meiner Ansicht sehr viele Parallelen gibt. Kommt man in diese Situation, sie öffnet die Augen für die Probleme dieser Menschen, weil es die eigenen geworden sind.

Man kann Ängste entwickeln vor dem Beruf, vor der Arbeitsstelle. Unsicherheit macht sich breit, wenn der Termin des Wiedereinstiegs naht. Was erwartet einen? Wie wird man aufgenommen von Vorgesetzten und Kollegen? Was hat sich verändert? Wird man den Anforderungen gerecht? Macht sich die CED nicht wieder schnell bemerkbar, wenn die Belastung kommt, der Streßpegel steigt? Bei neuen Arbeitsstellen und nach Umschulung wird es wohl noch schwieriger.
Ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente sollte immer ernsthaft erwogen werden. Dazu braucht es den Ratschlag des behandelnden Arztes, wie die Möglichkeiten der weiteren Behandlung aussehen, wie die Perspektive zur Besserung der Gesundheitssituation gesehen wird, welche Einschränkungen wohl dauerhaft bleiben werden. Die Antragsteller müssen sich Gedanken machen, was sie wirklich erwartet. Es ist eine wesentliche Entscheidung, weil die Situation existentiell ist, psychisch und finanziell.

Mit den geschilderten Problemen sollte jeder Betroffene überlegen, welche medizinische Intervention er noch ergreifen will, um die Gesundheitssituation zu verbessern, die Erwerbsminderung abzuwenden.

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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Thilo » Di 25. Sep 2018, 11:47

Gestern nun der Schock, nachdem ich den Brief der RV geöffnet hatte: nach 6 Jahren zeitlicher Befristung Dauerrente! :shock: Damit hatte ich nicht gerechnet. Mein Gedanke: nach 27 Jahren Öffentlicher Dienst nun Stelle bzw. Job dort weg. Sowas muss man nun auch erstmal verkraften :(


Hallo Elfe,

das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ich lese, dass jemand über die Zuerkennung einer unbefristeten Rente geschockt ist.

Zu 99,9% ist es umgekehrt: Kranke Menschen führen jahrelang einen zermürbenden Kampf mit der Rentenversicherung; meist
auf Kosten ihrer noch verbliebenen Restgesundheit.

Wurde eine Erwerbsminderungsrente nach einem Antragsverfahren, einer Reha und der Vorstellung bei Gutachtern bewilligt,
wird diese in aller Regel befristet gewährt. Diese Rente wird auf Antrag auch weiterhin bewilligt, solange die gesundheitlichen
Einschränkungen, die zu einer Berentung geführt haben, auch weiterhin vorliegen.

Auch unbefristete Erwerbsminderungsrenten können bis zum Eintritt in die reguläre Altersrente auf ihre Berechtigung überprüft
werden. Theoretisch. Praktisch werden ab Lebensalter Mitte 50 keine Überprüfungen mehr auf eine Rentenberechtigung vorgenommen.

Ein Widerspruch gegen die Zuerkennung einer unbefristeten Rente um dann wieder die Zeitrente zu bekommen, nur um einen
Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst weiterhin zu behalten, ist realitätsfern.

Kranke Menschen, die in ein Rentenverfahren gehen, müssen sich über ihr Vorgehen im Klaren sein. Ist der Weg zu Rente einmal
beschritten, sollte man diesen Weg auch gehen, will man nicht bei allen Beteiligten des Verfahrens unglaubwürdig werden.
Rosinenpickerei ist hier fehl am Platz. Bei einem Antrag auf Weiterzahlung einer bisher unbefristeten Rente muss man auch damit
rechnen (oh Schreck :o ), dass die Rente dann unbefristet gewährt gewährt.

Bei Beschäftigten im öffentlichen Dienst endet mit Zuerkennung einer unbefristeten Rente das Beschäftigungsverhältnis. Dies
regelt nach meinem Wissen der abgechlossene Tarifvertrag.

Sieh einfach die jetzige Situation mal positiv: Du bist austherapiert, hast wegen Schnupfen und Heiserkeit keine volle Erwerbs-
minderungsrente bekommen. Mit deiner angeschlagenen Gesundheit wirst du auch keine 10 Jahre mehr im öffentlichen Dienst
arbeiten können. Eine unbefristeten Rente bietet eine wesentlich bessere Rechtsposition. Wollte dir die Rentenversicherung
diese Rente aberkennen, müssen sie dir nachweisen, dass eine Besserung eingetreten ist. Du wirst auch weiterhin zu deinen
Ärzten gehen müssen. Damit dokumentierst du die weitere Behandlungsbedürftigkeit für die Akten.

Die Nachricht ist ein Einschnitt, aber kein Grund geschockt darauf zu reagieren. Leider ist die Hoffnung, dass du wieder derart
gesundest, dass du dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehst äußerst gering. Wer weiß, was in den nächsten Jahren noch alles
passiert. Kümmere dich um deine Gesundheit, deine Familie, deine Freunde und lebe intensiv dein Leben im Rahmen der
verbliebenen Möglichkeiten. Mit deiner unbefristeten Berentung ist zumindet der Druck und die Anspannung weg, die eine Zeitrente
halt mit sich bringt.

Nachdem der "Schock" halbwegs "verdaut" ist, schau mal intensiv auf die angenehmen Dinge, die sich für dich nun ergeben.

Gruß

Thilo
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Kaja » Di 25. Sep 2018, 20:44

Hallo Elfe,

trotz Krankheit hast Du die letzten 6 Jahre in "Rente" verbracht!

D. h. Du hattest in den letzten 6 Jahren doch schon irgendwo Deinen "geregelten Renter Alltag" gelebt".

Was hast Du gemacht neben Deinen Problemen mit der CED?

Haushalt und Garten geführt? Sport gemacht? Kinder o. Enkel und Mann verwöhnt?
Ehrenamtliche Tätigkeiten? Z. B. auch regelmäßige Arbeitseinsätze im Tierheim oder Spaziergänge mit Hunden aus dem Tierheim welche Dir körperlich und psychisch gut tun und Du dabei noch etwas Gutes machst?

Warst Du bei VHS Kursen, Sport o. Aquarellmalerei? Hast Studienfahrten gemacht..???? ETC und Überhaupt.

Irgendwie hast Du doch sicherlich sinnvoll Deine letzten 6 Jahre verbracht und gelebt (trotz der CED-Probleme!).

Nun nimm es psychisch noch an, dass Dein Leben nun so weiter geht! Genieße Dein Leben und freue Dich auf die Zukunft!

Viele Grüße

Kaja
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Die Elfe » Mi 26. Sep 2018, 15:07

Hallo Ihr drei!

Vielen lieben Dank für eure schnellen und aufbauenden Antworten! :-)

@Thilo: um Gottes Willen, auf keinen Fall wollte ich Leute diffamieren oder lächerlich machen, die um ihre EM-Rente kämpfen. Ich weiß, wie schwer so etwas sein kann. Ich bin seit 18 Jahren mit 2 Erkrankungen "geschlagen", die im Laufe der Jahre und durch arges Mobbing zum Schluss sich immer mehr verschlimmerten, ich hatte auch sehr viele und lange Krankenhausaufenthalte im Laufe der Jahre, so dass mein Antrag sofort durchging. Viell. hatte ich auch nur Glück, denn ich weiß, wie sehr andere, die eben so krank sind oder viell. noch schlimmer, um die EM-Rente kämpfen müssen und es wesentlich schwerer haben...

Für mich war es nur deswegen so ein Schock, weil mein Rentenberater zu mir sagte, da es mir immer noch nicht besser geht, solle ich verlängern, um meinen Arbeitsplatz zu erhalten und dass man erst nach 9 Jahren dauerberentet wird und er es daher bei mir nicht für möglich hält und weil ich außerdem noch "jünger" bin, nämlich 47. Aber wie ich jetzt sehe, hat das damit gar nichts zu tun. Und diese Endgültigkeit, also, dass der Arbeitsplatz nun ganz wegfällt, macht mir schon etwas zu schaffen. Immerhin war ich dort zwei Jahrzehnte tätig. Ich habe eine Bekannte (MC), die das damals auch vom Hocker gerissen hat, als sie den Bescheid über die Dauerrente bekam, weil sie eben wieder arbeiten wollte. Sie hat das dann sogar in eine Krise geführt. Also man kann daher auch nicht sagen, dass es nun kaum jemanden tangiert bei solch einer Nachricht...

Um auf Neptuns Artikel zu kommen, der im Übrigen sehr gut geschrieben ist:

Bei mir war es so, dass ich auch nicht richtig drüber nachdenken konnte auf Grund des Rückfalles beider Krankheiten. Mein AG wollte schon länger, dass ich mich berenten lasse auf Grund von Arbeitsausfällen. Ich habe mit Hamburger Modell erneut angefangen, wo ich noch nicht ganz gesund war und wurde von der GL der neuen Abt. dann richtig fertiggemacht. Ich weiß nicht, ob das nur Zufall oder gewollt war (die Frau war auch zu 2 anderen Mitarbeitern dort sehr hässlich) und durch die schlimmen Rückfälle dann war ich auch nicht "Herr meiner Selbst" sozusagen. Ich habe als letzten Weg nur die EM-Rente gesehen. Und wenn man vorher damit noch nichts zu tun hatte, ist man sich der ganzen Tragweite auch noch nicht bewusst. Man denkt ja auch immer, gesundheitlich könnte es ja auch wieder bergauf gehen und man kommt aus der EM-Rente auch wieder raus...

Aber viell. habt Ihr Recht, dass ich es positiv sehen und vor allen Dingen annehmen sollte (mit Annehmen hab ich so manchmal meine Probleme ;) Und sicher hast Du Recht, Thilo, dass meine Rechtsposition zwecks Dauerrente nun besser ist... (hoffe ich zumindestens)

Ja, Kaja, da hast Du schon Recht, sicher habe ich auch mit CED in der Rente die Zeit sinnvoll gelebt! Kümmere mich z.B. sehr gerne, soweit es meine Gesundheit zulässt, um meine alte alleinstehende Tante, da ist auch öfter viel zu organisieren, so dass ich einen kleinen Ersatz zu meiner damaligen Bürotätigkeit habe. Danke auch noch für die zusätzlichen Freizeittipps! :)

Ich überlege, ob ich mich beraten lasse, gerade was die Beendigung des Arbeitsverhältnisses angeht. Weiß z.B. nicht, ob ich nach Jahren Anspruch auf Urlaubsgeld o.ä. habe. Wäre es sinnvoll, sich ein Zeugnis schreiben zu lassen, was muss man noch beachten? Da stehe ich gerade ein bisschen mit da, habe aber schon 2 Leute dazu angeschrieben...

Möchte mich nochmal bei euch sehr bedanken, eure Antworten haben mir sehr geholfen, lag nämlich gestern mit argen CU-Schmerzen darnieder...

Liebe Grüße von
eurer Elfe
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon neptun » Mi 26. Sep 2018, 15:49

Hallo Elfe,

als ich damals in Rente kam, da stand ein Urteil des EUGH bevor, leider erst im Januar 2009, und meine Klage gegen den AG lief bereits im Dezember 2008 aus. Danach gab es den Anspruch auf Urlaub trotz dauerhafter AU über Jahre zurück.
Ich glaube, das wurde später revidiert auf ein laufendes Jahr. Meine aber, ein Anspruch darauf ist gegeben.
Mit Recherche oder auch Hilfe von Gewerkschaft oder Personalrat wirst Du es erfahren.

LG Neptun
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Thilo » Mi 26. Sep 2018, 17:46

Hallo Elfe,

........Mein AG wollte schon länger, dass ich mich berenten lasse auf Grund von Arbeitsausfällen. Ich habe mit Hamburger Modell erneut angefangen, wo ich noch nicht ganz gesund war und wurde von der GL der neuen Abt. dann richtig fertiggemacht. .......... Ich habe als letzten Weg nur die EM-Rente gesehen. ........Man denkt ja auch immer, gesundheitlich könnte es ja auch wieder bergauf gehen und man kommt aus der EM-Rente auch wieder raus...


Nach diesen Zeilen sehe ich klarer, aber es wir für mich noch einmal unverständlicher, weshalb du gedanklich derart an diesem Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst "klebst". Ich frage mich, welcher Beschäftigte mit schweren Erkrankungen möchte (freiwillig) unter solchen Bedingungen noch berufstätig sein?

Du hast die Wahl, kannst zwei Wege gehen:

1. Widerspruch gegen die unbefristete Rente und Umwandlung in eine Zeitrente verlangen. Dann bleibt dir dein Arbeitsplatz noch erhalten. Dein Rentenberater wird dich hierzu beraten.

Hast du mal gedanklich durchgespielt, was eigentlich passieren würde, wenn du deinen Arbeitsplatz wieder besetzen würdest? Vielleicht könntest du bei Umwandlung in eine weitere befristete Rente diesen Test dann bald zwangsläufig machen. Ob die Rentenversicherung dir erneut eine unbefristete Rente bewilligt?

2. Die durch Bescheid erteilte unbefristete Berentung annehmen.

Solltest du dich für Punkt 2 entscheiden gebe ich dir noch ein paar gute Ratschläge mit auf deinen künftigen Weg:

A. Immer den Kontakt zu den behandelnden Ärzten halten. So kann im Bedarfsfall das Fortbestehen deiner Erkrankungen nachgewiesen werden.

B. Bei Aufnahme eines Nebenjobs ist Vorsicht geboten. Zum Einen kann die Aufnahme einer Beschäftigung immer auch als Besserung des Gesundheitszustandes gewertet werden und die Rentenversicherung kann eine erneute medizinische Begutachtung in Auftrag geben. Durch eine Arbeitgebermeldung erfährt die Rentenversicherung von einer Beschäftigungsaufnahme, sofern es sich um eine reguläres Arbeitsverhältnis handelt.

C. Das Überschreiten der wöchentlich zulässigen Arbeitsstunden sowie der jährlichen Verdienstgrenzen führt zu Rentenkürzungen, kann im schlimmsten Fall aber auch zum Wegfall einer Erwerbsminderungsrente führen.

Hält man sich an diese recht einfachen Regeln braucht man, selbst bei möglichen Nachprüfungen, kaum Bedenken hinsichtlich einer (theoretischen) Aberkennung der Rente zu haben.

Du wirst die richtige Entscheidung treffen.

Gruß

Thilo
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Die Elfe » Fr 28. Sep 2018, 14:01

Hallo Thilo,

lieben Dank für Deine Antwort! :)

Ja, da hast auch irgendwie Recht. Aber wie ein Bekannter vor längerem sagte, "auch wenn es eine schlechte Familie ist, ist es immer noch die Familie" ;) Das war bezogen darauf, dass ich seitdem ich 20 Jahre alt bin, schon bei diesem Amt arbeite und fast nichts Anderes kenne.

Mein Plan wäre gewesen, gesetz dem Fall, die Rente wäre weiter befristet geworden und eine gesundheitliche Besserung wäre eingetreten, gut, wenn überhaupt, die Stelle (vorerst) zu behalten und in die übergeordnete Behörde zu wechseln (oder später in eine ganz andere B.), aber da weiß ich nicht, ob diese auch mitgespielt hätte, war mein Einsatz doch im Versogungsamt! Ja, auch im Versorgungsamt - Amt für schwerbehinderte Menschen - kann man so behandelt werden! Es gibt anscheinend doch überall A... als Vorgesetzte... Und in dieser Abt. war es zum Schluss besonders arg auf vielen Ebenen.

Falls ich überhaupt jemals noch einmal aus gesundheitlicher Sicht arbeiten könnte, Ihnen darzulegen, was dort passiert ist und wie ich behandelt wurde. Selbst damit kann man aber keine Stelle beim direkten Arbeitgeber, also der Senatsverwaltung, erhoffen oder erzwingen denke ich - höchstens probieren, sich wegzubewerben.

Und da hast Du auch Recht, sicher ist die Gesundheit 1000 x wichtiger, als wieder dorthin zu gehen und erneut meine schon angeschlagene Gesundheit zu riskieren... Und meine Colitis ist auch jetzt - zu Hause - nicht so stabil - wie wäre es dann dort im Amt wieder - wahrscheinlich unter erschwerten Bedingungen :shock:

Ich habe mich jetzt schon angefangen, beim Rentenberater zu erkundigen und heute einen RA angerufen, was ich bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses beachten muss, auch wenn es nur durch die Rente ist... Warte noch auf Rückrufe und Mo. auf weitere Infos.

Ich hoffe, Ihr versteht mich trotzdem ein bisschen, dass es für mich nicht soo einfach ist, dass es das nun war mit Arbeiten bzw. mit der Stelle im ÖD, die doch ein bisschen für mich noch war wie ein doppelter Boden.

Ich werde Deine Tipps berücksichtigen, Thilo. Mein Rentenberater meinte, ich könne im Jahr 6300 Eur dazu verdienen. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Rentenversicherung hellhörig werden würde, auch wenn es rechtlich möglich wäre. Bis jetzt habe ich aus gesundheitlichen Gründen aber auch noch keine Erfahrung mit Minijobs sammeln können. Das wäre gar nicht gegangen...

Darf ich Dich fragen, ob Du dauerberentet bist - gerade, weil Du Dich sehr gut auskennst - und falls dies der Fall sein sollte, wie Du damit klar gekommen bist? War es eine Erleichterung für Dich (viell. sogar nach einem langen Kampf..?) oder hattest Du bei Bescheiderhalt doch auch manchmal solche oder ähnliche Gedanken dazu wie ich?

Schönes Wochenende und
liebe Grüße von der
Elfe
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Thilo » Fr 28. Sep 2018, 15:56

Hallo Elfe,

ja, ich bin dauerberentet. Im Gegensatz zu dir hatte ich keinerlei Probleme damit klar zu kommen, obwohl ich meinen Beruf sehr gerne ausgeführt habe. Meine lange und schwere Erkrankung ließ mir aber keine andere Wahl als die Berentung anzustreben.

Ich musste einen langen Kampf um die Zuerkennung meiner Erwerbsminderungsrente führen. Insgesamt wurden vier medizinische Gutachten über meinen Gesundheitszustand gefertigt. Obwohl diese Gutachten in ihrer Aussage alle recht eindeutig waren, sperrte sich die Rentenversicherung mit allen ihren rechtlichen Möglichkeiten. Besonders belastend empfand ich in dieser Zeit jeweils die zeitlichen Befristungen der Rente. Mir war aber immer klar, dass die weiter fortschreitende Erkrankung keine Rückkehr in den Beruf mehr zuließ.

Anders als bei dir, hatte ich eine Arbeitsstelle in der Privatwirtschaft. Hier braucht man sich nach nur wenigen Jahren Rentenbezug eine Weiterbeschäftigung im alten Beruf gar nicht mehr vorzustellen. Zu sehr sind diese Arbeitsplätze rasanten Veränderungen unterworfen. Insofern genießen die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst mit den Bestimmungen des Tarifvertrages hier ein großes Privileg.

Nach der Zuerkennung einer unbefristeten Rente habe ich mein Leben, im Rahmen meiner gesundheitlichen Möglichkeiten, als befreit vom ständigen "funktionieren müssen" erlebt. Trotz weiterer hinzugetretender Erkrankungen, auch als Folge der medikamentösen Behandlungen, hatte ich nun ausreichend Zeit, mich auf mir die mir wichtigen Dinge meines Lebens zu konzentrieren und zu besinnen.

Arbeits-, Renten- und Schwerbehindertenrecht zählen nach wie vor zu meinen Interessengebieten, kann ich auch hier die grundlegenden Erfahrungen aus meiner ehemaligen Berufstätigkeit mit einfliessen lassen. So kann ich auch ohne bezahlte Erwerbsarbeit, bspw. hier im Forum, Menschen Tipps, Hilfestellungen und Denkanstösse geben. Leider gibt es immer mehr Zeitgenossen, denen nichts mehr von Wert erscheint. Selbst auf ausführlichste Antworten erhält man noch nicht einmal eine Rückantwort. Das finde ich schade und auch demotivierend.

Nochmal zu deinen Überlegungen: Höre einmal in der hierfür gebotenen Ruhe in dich hinein und stelle dir die Frage, ob du im Hinblick auf deinen bisherigen Krankheitsverlauf weiterhin noch einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen könntest. Du wirst dir deine Fragen selbst beantworten können. Es gibt neben dem wichtigen Kümmern um die eigene Gesundheit noch hunderte Möglichkeiten sich zu engagieren bzw. seine Zeit sinnvoll zu gestalten um einer möglichen "Leere" zu entgehen.

Ruhe um Nachzudenken und ein schönes Wochenende wünscht dir

Thilo

PS. Dein Rentenberater hat mit seiner Aussage zum jährlichen Hinzuverdienst recht. Dennoch gelten meine Ratschläge aus meinem Vorbeitrag.
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Re: Und auf einmal dauerberentet - wie kommt ihr damit zurec

Beitragvon Kaja » Fr 28. Sep 2018, 19:00

Hallo Elfe,

wenn Du beim VA warst - ok hat viele Bereiche - aber mit viel Glück im Bereich des Schwerbehindertenrechts,
dann kannst Du Dich hier doch auch noch super für die Mitglieder im Forum einbringen.

Das wäre dann auch noch ein guter Hinweis von mir zu Deiner gewonnen Zeit im Ruhestand :lol:

Viele Grüße

Kaja
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