Chance auf GdB ?

Schwerbehinderung, Rente, Kur etc. Austausch unter Betroffenen. Hier erfolgt keine Beratung durch den AK Sozialrecht!

Chance auf GdB ?

Beitragvon Fanziska » So 24. Sep 2017, 13:32

Hallo Leute ,

Ich habe CU schon seit mehr als 20 Jahren . Betroffen ist bei mir in der Regel nur der Enddarm. Schübe sind relativ selten , so daß ich eigentlich relativ normal leben konnte.

Jetzt ist es seit etwa einem Jahr so, daß ich auch wenn es keinen direkten Schub gibt ( befinde mich zZT offensichtlich wieder am Beginn eines Schubes ) mit dem ach so schönen Imperativen Stuhldrang zu kämpfen habe. DH : auch wenn ich keinen Durchfall habe - sobald etwas im Enddarm ist muss es auch raus und ich habe keine Chance das zu halten. Ist nicht gerade angenehm. Und oft extrem peinlich ... Bisher habe ich es geschafft durch Anpassen meiner Ernährung trotzdem arbeiten zu können ( arbeite an Maschinen wo ich auch nicht einfach so schnell weglaufen kann ) in dem ich es meist so hinbekomme das der Stuhldrang erst Nachmittags auftaucht. Ich muss dann halt meist zuhause bleiben .... Ich habe aber einfach die Befürchtung das das nicht immer so bleiben wird sondern sich verschlimmert und auch im richtigen Schub nicht so hinzubekommen ist... jetzt meine Frage an Euch : habe ich mit diesen Problemen eine Chance auf einen GdB der an den 30 liegt ? Ich habe auch Angst um meinen Arbeitsplatz .. in 2 Jahren steht bei uns wieder eine Umstrukturierung an . Ich arbeite aufgrund eines ärztlichen Attestes nur in Normalschicht - die Regel ist bei uns Dreischichtbetrieb im Vollkontimodell.... SO könnte ich gar nicht arbeiten .
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon Thilo » So 24. Sep 2017, 14:48

Hallo Franziska,

imperativer Stuhldrang mit sturzbachartigen Durchfällen und Vorwarnzeiten im Sekundenbereich gehören mit zu den unangenehmsten
Begleiterscheinungen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Hier kann die Feststellung eines GdB (Grad der Behinderung) beantragt werden.

Wesentlich mitentscheidend für den positiven Ausgang einer Antragstellung sind die Ausführungen deines Facharztes (Gastroenterologen),
der während des Verfahres im Rahmen einer Arztanfrage gehört wird.

Demzufolge ist es äußerst wichtig, den behandelnden Facharzt vor der Antragstellung entsprechend zu informieren und ihn über alle bestehenden
Beeinträchtigungen in Kenntnis zu setzen, sofern dies nicht bereits während einer kontinuierlichen ärztlichen Behandlung erfolgte.

Das Vorliegen einer Schwerbehinderteneigenschaft oder einer Gleichstellung wird "im Ernstfall" keinen Arbeitsplatz retten. Der Arbeitgeber muss
lediglich vor einer Entlassung auch noch das Integrationsamt anhören. Wenn man liest, dass die Integrationsämter dem überwiegenden Teil der
Kündigungsbegehren der Arbeitgeber zustimmen, entpuppt sich der so oft zitierte Kündigungsschutz als Papiertiger.

Dennoch, rede mit deinem Arzt und erläutere ihm deine missliche Lage im Arbeitsleben. Zeige ihm deutlich die Probleme auf, die sich durch die Auswirkungen
deiner Erkrankung ergeben. Unterstützt dich dein Arzt, solltest du den Antrag auf Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft stellen. Bei
korrekter Beschreibung deiner bestehenden Problematik dürfte dies Niederschlag in einer GdB-Feststellung finden.

Gruß

Thilo
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon Fanziska » So 24. Sep 2017, 15:18

HMM-- also ehrlich gesagt bin ich nur bei meinem Hausarzt in Behandlung.. und Sturzbachartige Durchfälle hab ich eigentlich nicht ... halt nur diesen Bekloppeten Imperativen Stuhldrang. Aber den auch außerhalb der Schübe faktisch immer...ZUm Gastroenterologie gehe ich nur für die Darmspiegelungen .. und die vermeide ich auch wenns geht so lange wie möglich weil ich auch da extrem Probleme habe... Ich kotze diese Flüssigkeit einfach wieder aus. Ich weiß das ich nicht vollständig geschützt bin vor Kündigung durch einen GdB oder eine Gleichstellung . Aber bei uns in der Firma wird darauf in der Regel Rücksicht genommen . Es ist bisher noch keiner mit GDB oder Gleichstellung auf der Liste gelandet...
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon Thilo » So 24. Sep 2017, 16:31

Hallo,

1. Wie definierst du denn für dich "imperativen Stuhldrang" ? Wieviel Zeit verbleibt dir ab Stuhldrang zur Toilette zu kommen?

2. Soll das Versorgungsamt dir einen GdB aufgrund deiner subjektiven Schilderungen zuerkennen?

Eine CU mit diesen Auswirkungen gehört in ärztliche Behandlung. Ob ein Hausarzt hier die richtige
Adresse ist vermag ich nicht zu beurteilen, würde aber doch Bedenken anmelden. ;) Gegebenenfalls
sind bei dir die heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten noch gar nicht alle ausgereizt!?
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon Fanziska » So 24. Sep 2017, 17:30

Meine Definition ist : es kommt raus . Sofort . ich kann dagegen nix machen . Durchfall habe ich nicht außer im Schub . Stuhl ist ungeformt und weich und ich habe Extreme Blähungen mit Stuhlabgang . und das kann auch passieren wenn ich nicht im Schub bin.

Ich habe nur eine Enddarmproblematik . Wenn ich keine Schübe habe nehme ich auch keine Medikamente. ich habe lange Remissionsphasen zwischen den Schüben von teils bis zu 3 Jahren . IM Schub habe ich normalerweise Erfolg mit Claversal Zäpfchen und nehme zusätzlich Kortison Rektalschaum ( der aber allein gar nix bringt ) . Auch die Zäpfchen kommen in der Regel wieder raus im Schub wenn ich nicht danach liegen bleiben kann .... Sprich : der Enddarm ist extrem empfindlich..und überrelativ . Habe mal Mezavant probiert - damit habe ich mich regelmässig eingeschissen . Und es daher wieder gelassen und bin zu der alten Behandlung zurückgekommen. Mir hat der Gastro damals gesagt : Behandlung kann durch den Hausarzt erfolgen . da keine schwere Problematik.

Auch der Gastro kann denen doch nix anderes sagen zu meiner Problematik als ich es ihm sage . Das kann ja nun mal keiner nachvollziehen der es nicht selber erlebt .
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon Fanziska » So 24. Sep 2017, 17:35

Noch ein Nachtrag : da ich versuche wenn es schlimmer wird Ballaststoffe zu meiden und der Darm nur im Enddarmbereich Zeichen der Entzündung und Veränderungen aufweist hab ich in der Regel auch nicht ständig Stuhldrang sondern kann das auf ein bis 2 mal am Nachmittag ( In der Regel klappt das ) reduzieren . In absolut schubfreien Intervallen hab ich auch nur alle 2 tage Stuhlgang. Das aber dann auch Imperativ . Hautarzt meinte vor etwa 5 Jahren mit meiner Problematik hätte ich vor 20 Jahren noch nen GdB bekommen . heute aber nicht mehr . Da war das mit dem Imperativen SD aber noch nicht so ... das ist seit etwa einem Jahr so.
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon Thilo » So 24. Sep 2017, 19:27

Um auf deine "Chance auf einen GdB" zurückzukommen.

Sofern es dir gelingt, der feststellenden Behörde deine Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben nachzuweisen, stehen
deine Chancen nicht schlecht. Nur, wie willst du das zur Zeit nachweisen?

Du benötigst einen Arzt der deine Beschwernisse detailliert attestiert. Ob dein Hausarzt das zu leisten vermag ? Hier sind
Fragezeichen angebracht.

Fanziska hat geschrieben:....Auch der Gastro kann denen doch nix anderes sagen zu meiner Problematik als ich es ihm sage...

Das ist wohl wahr, aber er kann dir als Facharzt dies attestieren. Und dies hätte ein hohes Gewicht bei der Zumessung eines
GdB.

Dir noch einen schönen Abend.
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon Fanziska » So 24. Sep 2017, 19:52

Alles gut und schön . Detailliert attestieren . aha .. dann mal eine ganz dämlich Frage : wie anders macht das ein Gastroenterologe als ein behandelnder Hausarzt ? die können beide nur das attestieren was ICH als Betroffene ihnen sage. Der führende Gastro hier macht Spiegelungen.. tagtäglich .. und überweist für die Behandlung zurück an den Hausarzt mit dem die Behandlungen abgestimmt werden . Du meinst also das Wort eines Gastro hat einfach deutlich mehr Gewicht als das eines Hausarztes und er Quintessenz ? SO einfach ist das ? erstaunlich ... auch wenn der Hausarzt ein Internist ist ?
Aber wenn das nun mal so ist ----- dann werde ich mich an den Gastro wenden .. Fürchte nur das dann wieder ne Spiegelung fällig ist.. und die macht mir wie gesagt immer extreme Probleme... erstens kotze ist die Flüssigkeit aus .. Zweitens habe ich Krämpfe und Schmerzen im Enddarm die echt extrem sind... Und daher vermeide ich das lieber und mache das nur wenn absolut notwendig .
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon Thilo » So 24. Sep 2017, 20:17

Franziska, leg doch nicht jedes Wort auf die "Goldwaage". Weiß ich aus der Ferne, ob dein Hausarzt ein Internist ist?

Lass dir doch meinetwegen ein aussagefähiges Attest von deinem Internisten ausstellen und versuche dein Glück.
Du kannst das Attest direkt deinem Antrag beifügen. So hätte sich das Amt sogar die Anfrage bei dem Arzt erspart.

Ich habe versucht dir einen möglichen gangbaren Weg aufzuzeigen und Gedanken zu übermitteln. Ob du diesen
Weg einschägst, bleibt alleine dir überlassen. Und ja, fachärztlichen Attesten wird ein höherer Wert zugemessen.

Ich habe nun alles zu deiner Frage gesagt. Vielleicht haben andere Forumsteilnehmer noch weitergehende Tipps für dich.
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Re: Chance auf GdB ?

Beitragvon neptun » So 24. Sep 2017, 21:11

Hallo Thilo,

habe ich. ;)
Hallo Franziska,

wenn bei Dir nur der Enddarm betroffen ist, so kann der Arzt eine kleine Rektoskopie machen, um den Zustand der Entzündung nach Ausdehnung und Stärke in Augenschein zu nehmen. Wäre also die beste Vorgehensweise, der Goldstandard. Und diese Rektoskopie kann meist ohne Abführen, allenfalls ein Mikroklysma in der Praxis, und auch ohne Sedierung gemacht werden. Dauert 2-3 Minuten.

Falls Mezavant wirklich für den Durchfall verantwortlich war und nicht eine Entzündung bis über das Sigma, Du hättest dann auch noch Salofalk oder Claversal versuchen können. Schließlich beschreibt die Leitlinie cu als Basismedikation Mesalazin oral und rektal in Anwendung auch über min. 2 Jahre, selbst wenn man in Remission kommt. Schließlich dient Mesalazin der Entzündungshemmung, der Verlängerung von Remissionszeiten und der Darmkrebsprophylaxe.

Dann sollte Mesalazin in rektaler Anwendung immer zur Nacht erfolgen, damit der Wirkstoff möglichst lange auf der entzündeten Schleimhaut liegt. So wirkt er. Andenfalls kann man sich die Anwendung sparen.

Sicher wäre auch Aza zu erwägen, aber das führt zu weit hier im Thema. Und es gibt eben die Aussage aus der Leitlinie cu:
"Die Therapie der refraktären Proktitis kann eine erhebliche klinische Herausforderung darstellen, weil systemische Therapieformen oder eine Operation unter Umständen, auch unter Abwägung von Risiken und therapeutischem Nutzen, eine Übertherapie darstellen können."

Wobei zu klären wäre, würde dies im Einzelfall wirklich zutreffen.

Zu Deinem Antrag auf GdB. Es ist wirklich eine Krux, daß der Arzt im Patientenblatt wohl quasi nie etwas zu den Symptomen und Beschwerden notiert, ganz zu schweigen von Auswirkungen und Einschränkungen, die ihm im Verlauf von Arztgesprächen geschildert werden.
Wobei ich denke, daß dies ohnehin oft zu kurz kommt, aber auch von Betroffenen nicht wirklich objektiv verfolgt wird. Weil meist viele Allgemeinplätze geschildert werden, also nicht hilfreiche und konkrete Ausführungen.

Wird nun im Verfahren zum GdB oder auch zur EM-Rente dann der Arzt gefragt, im besseren Fall wirklich der Fachmediziner, dann ist zu diesem Zeitpunkt quasi nichts aktenkundig. Erst im Widerspruchsverfahren und später dann im Klageverfahren geht so viel Zeit ins Land, wird auch Papier mit den Darstellungen der Betroffenen und weitere Äußerungen von Ärzten erstellt, daß dann letztlich das Gericht mit dem Vorsitzenden, diese Einlassungen möglicherweise zu seiner Überzeugung macht. Denn nur der eigenen Überzeugung ist der vorsitzende Richter verpflichtet und danach entscheidet er.

Die Entscheidung fußt übrigens auch und besonders auf Aussagen von sozialmedizinisch ausgebildeten Ärzten der Behörden. Also Ärzte mit zusätzlich besonderer Ausbildung. Trotzdem ist fraglich, ob diese Ärzte sich detailliert mit Auswirkungen bei CED auskennen. Da kann man nur auf einen guten Richter hoffen, Denn es geht ja im GdB um Einschränkungen im täglichen Leben in allen Lebensbereichen im Vergleich zu einem gleichaltrigen Menschen. Dieser Bereich obliegt auch nicht dem Facharzt für Gastroenterologie.

LG Neptun
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